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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 414 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Nr 35 eines Juden, und wäre es auch noch so berechtigt, günstig zu erledigen. Soll ich noch vom wirthschaftlichen Boycott, von den berühmten „Kölka rolnicze", welche sich der Patronanz aller hohen Persönlichkeiten erfreuen, sprechen. Außer den „Kolka rolnicze" finden Sie in jeder Stadt Geschäfte mit Firmatafeln, deren Text die reinste Definition des Begriffes „Unehrlicher Wettbewerb" ist. „Handel chrzeszcijanski" liest man da. Eine solche Anfschrift spricht Bände. Die kleine Greislerei hat ihren antisemitischen Charakter ganz offen declarirt und die öffentlichen Aemter stehen ihr nicht nach. Die kleinste Lieferung wird keinem Juden vergeben. Offerirt der Jude billiger, dann ist das vielleicht noch eher ein Grund, ihm die Lieferung .... nicht zu vergeben, da er doch „wahrscheinlich" schlechte Waare liefern wird. So wird in allen Zweigen des öffentlichen Lebens dem praktisch bethätigten Antisemitismus gehuldigt. Die Kosten dieses Antisemitismus zahlt das ganze Land. Nur die Agrarier, recte die Schlachta, hat Interesse, daß die heutigen Zustände aufrecht bleiben. Die Agrarier wollen keine Industrie; das würde die Arbeitskraft vertheuern und die rühmlichst bekannten Hungerlöhne der Landarbeiter hätten ihr Ende. Diese hier vorgebrachten Details erschöpfen nicht die Misere der galizischen Verhältnisse. Es sind dies nur Einzelhetten, denen man noch schwere Bücher zugesellen könnte. Will man ernstlich dieses Land industrialisiren, so muß man vorerst die erwähnten Mißstände beseitigen. Gambetta's berühmte Worte können hier variirt werden : Le clericalisme, c’est 1’ennemi! Hier kann und muß man sagen: L'antisemitisme, e'est 1'ennerni. Eigentlich besteht zwischen dem Urtexte und der Variirung nur ein Wort, nicht aber ein Sinnesunterschied. Brünn. Ignatz Mehrer. Prag. Das Junihest der Mittheilungen des israelitischen Landeslehrerverbandes in Böhmen publicirt folgende Erledigung einer k. k. Bezirkshauptmannschast in Angelegenheit der Bestellung eines mit dem Doctordiplome einer ausländischen Universität versehenen Eandidaten als Rabbiner in einer Cultusgemeinde Böhmens: „K. k. Bezirkshauptmannschaft. Nr. 6616. —, am 37. März 1903. An Herrn N. N. in N. Ueber die Anzeige der israelitischen Cultusgemeinde in N. vom 30. December 1901, Z. 194, und die hierüber gepflogenen Erhebungen, beziehungsweise über das Hieramts aufgenommene protocollirte Ansuchen des Herrn N. N. in N. vom 17. Februar 1903, wurde der Verhandlungsact, betreffend die Bestellung des letzteren zum Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in N., bei dem Umstande, als derselbe trotz der zahlreichen über seinen Bildungsgrad vorgelegten Studienzeugniffe weder den Besuch noch die Absolvirung eines österreichischen Obergymnasiums nachzuweisen vermag, der k. k. Statthalterei in Prag behufs Verfügung nach § 4 der Verordnung vom 37. December 1891. L.-G.-Bl. Nr. 8 ex 1893, mit dem Aufträge auf Dispens von der Beibringung der stricten, im § 1 der citirten Verordnung geforderten Nachweisung der erlangten allgemeinen Bildung unterbreitet. Die k. k. Statthalterei hat diesen Act laut des Erlasses vom 7. März 1903, Z. 36.307, anher mit dem Bemerken zurückgestellt, daß die beantragte Verfügung nach § 4 der Ministerialverordnung von 37. December 1891, L.-G.-Bl. Nr. 8, bei dem Umstande, als die im § I I, vorletzten Absatz des Gesetzes vom 31. März 1890, -R.-G.-Bl. Nr. 57, bezeichnete zehnjährige Frist bereits abgelaufen ist, nicht mehr eintreten kann. Nach diesem Bescheide bin ich nicht in der Lage, die Bestellung des N. N. aus N. zum Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in N. bei Abgang des vorgeschriebenen Nachweises über die allgemeine Bildung desselben zur genehmigenden Keuntniß zu nehmen, sondern fühle mich vielmehr im Grunde des § 30 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-BI. Nr. 57 veranlaßt, den dieser Bestellung zugrunde liegenden Beschluß des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in N. vom 16. December 1901 als gesetz- und statutenwidrig, somit als rechtsunwirkiom zu beheben. Gegen vorstehenden Bescheid steht dem Herrn N. N. in N. die binnen 14 Tagen bei der k. k. Bezirkshauptmannschast in N. einzubringende Berufung an die k. k. Statthalterei in Prag offen." Bukarest. Das Comit6 der jüdischen Professionisten hat einen gedruckten Appell an die wohlhabenden Religionsgenoffen gerichtet, in welchem darauf aufmerksam gemacht wird, daß nur die fremden Juden den nothleidendeu, zur Auswanderung gezwungenen Juden Rumäniens zu Hilfe kommen, während die hiesigen reichen Religionsgenoffen sich nicht rühren. Ist dies nicht beschämend für die hiesigen reichen Juden? Oder wollen sie sich der Armen entledigen, um den Verfolgungen zu entgehen? Sie werden sich täuschen, denn es wird die Reihe der Verfolgung auch an sie kommen. Die Abreise der Armen wird auch den Reichen zum Nachtheil gereichen. Die Religionsgemeinschaft und die Pflicht als Menschen gebiete eine rasche Hilfe, die das Comite erwarte. Wenn die hiesigen Reichen nicht helfen wollen, so werden es die thun, die den Anfang gemacht haben, wenn aber einst die Geschichte der Leiden der Juden geschrieben wird, wird man nicht vergeffen, auch das nicht sehr lobenswerthe Verhalten der Reichen den Armen gegenüber zu erwähnen. — Vorige Woche hat wieder eine Gruppe Auswanderer Bukarest verlassen, um über Predeal ihrer neuen Heimat entgegen zu fahren. Wie bei jeder Abreise von Auswanderern gaben auch diesmal zahlreiche Verwandte und Religionsgenoffen der Auswandernden denselben das Geleite, um ihnen das letzte Lebewohl zuzurufen. — In Bukarest hat sich eine Gruppe jüdischer junger Leute gebildet, welche nach Transvaal auswandern wollen. Ferner haben sich in mehreren Städten des Landes Gruppen auswanderungslustiger jüdischer Handwerker gbildet, welche die südamerikanische Republik Bolivia, wo große Elsenbahnbauten im Angriff genommen werden sollen, als Ziel ihrer Ruse ausersehen haben. — In den letzten drei Tagen sind aus Jassy 96 jüdische Familien ausgewandert. Lissabon. Am 25. v. M. wurde hier eine große Synagoge eröffnet, die den Namen: „Die Pforten der Hoffnung" führt. Diese Synagoge ist die erste, die nach den großen Judenverfolgungen auf der pyrenäischen Halbinsel erbaut wurde, und der ansehnlichen, 300 Familien zählenden Gemeinde Lissabons nun einen Mittelpunkt bildet. Seit die Juden im Jahre 1497 Portugal verlaffen mußten, sind die Verhältnisse dort bedeutend bessere geworden. Im Jänner 1821 wurde die Inquisition aufgehoben und im selben Jahre wurden alle früheren Privilegien der Juden erneuert. Der Ausspruch König Pedros V., den er bei einem Besuch der jüdisch-portugiesischen Synagoge zu Amsterdam im Jahre 1858 that: „Wir haben einen großen Act der Unbilligkeit in unserer Geschichte wieder gut zu machen", ist wenigstens in Portugal zur Wahrheit geworden. Nicht nur die Nachkommen der einst vertriebenen Juden, sondern auch die Juden aller Länder dürfen sich in Portugal und seinen Colonien ansiedeln und dort im Genüsse freier Religionsübung wohnen. Von den jüdischen Bewohnern Lissabons zählen einige zu den angesehensten der Stadt. In Spanien haben es die Juden noch nicht so weit gebracht. Zwar leben auch in Madrid viele angesehene Juden und die freie Religionsübung ist ihnen gesetzlich gestattet, jedoch der öffentlichen Religionsübung werden noch immer Schwierigkeiten bereitet. Dennoch sind während der Judenverfolgungen in Rußland wiederholt von Spanien aus Aufforderungen ergangen, die Emigration dorthin zu lenken, und so dürste auch für die spanischen Juden bald eine Zeit wahrer Emancipation und Freiheit anbrechen. London. (DasJudenthum und derLiberalism u s.) Die angesehene englische Vierteljahrsschrift „Quarterly Review" schreibt in ihrer letzten Nummer in einem über „Zionismus und Antisemitismus" handelnden Artikel: „Wenn England in den letzten 40 Jahren fast allein unter allen Nationen die Standarte der Freiheit hochgehalten hat, so hat es dies theilweise den Juden zu danken, den Männern, die wie Moses Montefiore, David Salomons und Lionel Rothschild, mit beträchtlichen Opfern und nicht ihren persönlichen Vortheilen zuliebe die Standarte der Freiheit in die widerstrebenden Hände der britischen Conservativen drückten und ihnen das allumfassende Ideal der bürgerlichen Freiheit einflößten, für welches sie in Südafrika kämpften. Dies ist der historische Standpunkt und er enthält eine tiefe Lection für die Zukunft. Rußland, Rumänien und andere Länder sind in der Werthschätzung der Segnungen der Freiheit viel mehr zurück, als England vor mehr als einem Jahrhundert war, und für denjenigen, der die Geschichte studirt, ist es klar, daß die Juden das, was sie für England thaten, auch jetzt noch für andere Staaten zu thun haben." New-Zork. (Enthusiastische Feier bei der Einweihung des Beth Israel-Hospital.) Die Beth Jsrael-Hospital-Gesellschaft weihte vor Kurzem das von ihr dedicirte neue, der leidenden Menschheit der Ostseite speciell gewidmete Gebäude ein. Die Lage des neuen Hospitals, mitten im Centrum des dicht bevölkerten Miethskasernen-Districts der untere Ostseite, an Cherry und Jeffersohn Str., wird viel dazu beitragen, es zu einer Anstalt der werkthätigen Menschenliebe an der armen Bevölkerung jenes Stadttheils zu machen. Die Kosten des nach den neuesten Methoden gebauten und aufs Modernste und Beste eingerichteten Hospitals belaufen sich auf Dollars 225.000, von welcher Summe Dollars 106.000 bereits durch Contributionen aufgebracht worden sind. Die Beth Jsrael- Hospital-Gesellschaft wurde im Mai 1890 incorporirt, womit gleichzeitig die Eröffnung einer Dispensary verbunden war, die seitdem unendlich viel Segen unter den Kranken und Armen der

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