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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 409 Antisemiten als Begünstiger von Mördern. Am 21. November 1900 wurde die 15 Jahre alte Näherin Marie Such aneck im Pecklo gründe bei Nachod ermordet. Der Leichnam wurde in entsetzlicher Weise verstümmelt am 23. November im Gestrüpp gefunden. Nachdem eine Zeit lang der Mörder nicht gefunden worden war, brachten die christlich-socialen Abgeordneten in der Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses vom Vom20. October 19.01 eine den Mord betreffende, und qegendieJuden gerichteteJnterpellation ein. Endlich gelang es in dem Weber Karl Iar o sch den vermuthlichen Mörder zu ermitteln. Am 26. Mai d. I. begann gegen Jarosch die Verhandlung vor dem Schwurgericht in Königgrätz. Der Jndicienbeweis gegen den Angeklagten war so schwerwiegend, daß Jarosch auf Zureden seines Bertheidigers am 2. Juni ein Geständniß über die von ihm verübte That ablegte. Von besonderem Interesse ist folgende Thatsache: mehrfach hat der Mörder erklärt, denMord könnten nur die Juden begangen haben, weil sie das Blut brauchten, unter Anderem auch zu einer Frau Hammer und zu dem Ehepaar Jablonski, auf deren Zeugniß er sich zum Zwecke eines Alibibeweises berufen hatte. Man sieht daraus, daß Jarosch verstanden hat, wie vortheilhaft der Glaube an Ritualmord für die Mörder ist. Dabei ist Jarosch ein wenig intelligenter Mensch, was schon daraus hervorgeht, daß er während seiner Verhaftung mehrfach zu Zellengenossen den Mord eingestanden hat. Es ist schwerlich anzunehmen, daß die christlich-sociale Partei, deren Führer als seinen Wahlspruch erklärt hat, »lieber gemein, als dumm/ das nicht eingesehen hat. Die Herren wissen das ganz gut, daß die Staatsanwaltschaften sich durchaus nicht durch große Vorliebe für die Juden auszeichnen und gewißlich jedem Verdacht gegen einen Juden-mit Eifer nachgehen. Derlei Interpellationen sind demgemäß durchaus nicht am Platze. Die Versuche einer Cabinetsjustiz und einer Beeinflussung der Gerichtsbehörden durch ein Parlament sind um nichts besser, als die alte Cabinetsjustiz despotischer Regierungen. Die einzigen, die von solchen Interpellationen einen Vortheil haben können, sind die Mörder. Wenn dereinst die christlichsociale Partei den Weg aller politischen Parteien gegangen sein wird, so wird keine Menschenrasse das Verschwinden dieser Partei so sehr bedauern, wie die Mörder, deren Geschäfte diese Partei, und zwar mit Bewußtsein geführt hat. (Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus.) Die Antisemiten und das Christenthum. In einer Zuschrift an eine Tageszeitung schrieb Herr Pfarrer Dr. Frank Folgendes: »Die Verhältnisse in Oesterreich liegen vielfach anders als bei uns in Deutschland; dort hat der Antisemitismus bis jetzt noch nicht die unchristliche Gestalt angenommen, in welcher er bei uns erscheint. Dort ergeht er sich noch nicht wie bei uns in Schmähungen über die heilige Schrift, die Patriarchen und den göttlichen Heiland, in Angriffen gegen die Kirche, die er des Confeffions-Götzmdienstes beschuldigt." Diese Auffassung ist irrig. Ganz abgesehen von den etwa 10.000 Alldeutschen, die nicht aus religiösem Drang, sondern aus Antipathie gegen das Papstthum, theils protestantisch geworden sind, theils auf Wotan schwören und gegen die Kirche recht weidlich schimpfen, möchten wir auf folgende Thatsachen aufmerksam machen. Der berüchtigte Pfarrer Deckert, die große Ritualmord-Autorität, hielt verschiedentlich von der Kanzel Conferenzreden, die in ihrem Antisemitismus auch das Alte Testament nicht verschonten. Als die »Oesterreichische Wochenschrift" eine dieser Reden abdruckte, wurde das Blatt wegen des antichristlichen Inhalts der Deckert'schen Rede confiscirt. Kürzlich erregte in Oesterreich eine Ansprache Aufmerksamkeit, welche der Innsbrucker Kirchenrechtslehrer Profeffor Wahrmund gehalten hat, der sich scharf gegen das Papstthum wendet. Folgende Bemerkung in seiner Rede: »Es handelt sich um die klarste Bethätigung jenes religiösen Fanatismus, jener furchtbaren Intoleranz, welche die katholische Kirche als unseliges Erbstück des mütterlichen Judenthums den arischen Völkern des Abendlandes überliefert hat, dem zuvor Fanatismus und Intoleranz so vollkommen unbekannt waren." zeigt deutlich, daß er mit antisemitischer Milch groß gezogen ist. Sein Vater, Profeffor Wahrmund, ist einer der Schriftsteller, welche im Alten Testament die Emanationen des inferioren semitischen Bolksgeistes sehen. Profeffor Wahrmund sagte unter Anderem: »Die christliche Idee trägt noch heute das semitische Gewand. (Babylonierthum, Judenthum und Christenthum. S. 194.) »Jene, in deren Sinn die Bilder der Madonna als Jungfrau und Mutter und des Heilandes in Kindergestalt, wie als lehrender und sterbender Erlöser als natürlich göttliche Grundfiguren lebendig sind, thun sehr unrecht, gerave im Judengott die Ergänzung als Vater zu suchen. (Das Gesetz des Nomadenthums rc. S. 216.) Er gebrauchte genau wie Lagarde die höhnische Bemerkung von dem Gott, der mit Abraham Kalbsbraten gespeist. Bei den damaligen Angriffen gegen das Alte Testament hatte Professor Wahrmund Vater sich des höchsten Beifalls derjenigen Kreise besonders zu erfreuen, welche sich selbst den Ehrentitel katholisch besonders zuerkennen. Wenn ihnen jetzt Wahrmund Sohn unbequem wird, so sollen sie sich an ihre Brust schlagen und bekennen: „no8tra culpa.“ G. Gottheil an David Kaufmann. In meiner Biographie »David Kaufmann", Abdruck aus der »Oesterr. Wochenschrift" (Berlin, S. Calvary & Co.), S. 32, habe ich den Streit Kaufmanns mit dem berühmten Orientalen Paul de Lagarde des Längeren behandelt, indem ich das Vorgehen Kaufmann's sowohl aus psychologischen als auch aus sachlichen Gründen zu erklären und zu rechtfertigen suchte. Weder zuvor noch nachher trat Kaufmann mit solchem Kampfesmuth an den Plan, und die literarische Welt konnte theils mit Staunen, theils mit Befriedigung sehen, daß sich endlich ein jüdischer Gelehrter gefunden, der den antisemitischen Gelehrten oder den gelehrten Antisemiten, und wären diese auch von der Bedeutung eines Lagarde, gründlich heimleuchtet. Es fteut mich nun, im Nnvernehmen mit Kaufmann's Witwe, über diese Affaire eine Aeußerung veröffentlichen zu können, die Kaufmann's Standpunkt und indirect auch meine Auffassung vollauf rechtfertigt. Die Aeußerung, in Form eines Briefes an Kaufmann, rührt von dem bekannten amerikanischen Gelehrten G. Gottheil her, und sie athmet das Selbstbewußtsein, welches die amerikanischen Juden so sehr kennzeichnet, aber gerade dieses Selbstbewußtsein ist auch uns europäischen Juden dringend zu empfehlen. Der Brief hat auch sonst für die Oeffentlichkeit Jntereffe, denn er spricht von der Creirung eines Lehrstuhles für die rabbinische Wissenschaft; der Schreiber des Briefes hatte darum die Güte, die Veröffentlichung dieses Theiles des Briefes mir zu bewilligen. Budapest. Dr. Samuel Krauß. 681 Madison Avn., New-York. Juny 22. 1887. Sehr geehrter Herr Professor! Ich habe soeben Ihre Züchtigung de Lagarde's gelesen und fühle mich gedrungen, Ihnen meinen besten Dank für diese »That" auszusprechen. Es war erfrischend, doch einmal unter all den Schwächlingen, die unsere gute Sache zu vertheidigen unternehmen, Jemanden zu hören, der die geradezu unerträglich gewordene Anmaßung des Göttingers in die gebührenden Schranken weist. Sie haben nicht nur Gleiches mit Gleichem, sondern mit viel schwereren Hieben beantwortet, und die allerdings riesenhaften Glieder dieses professionell gewordenen Schmähers in eiserne Ringe geschmiedet, aus denen er sich nicht wird wieder losmachen können. Schimpfen wird er nun freilich noch wüthender als zuvor und seinem Antisemitismus werden neue Hörner wachsen. Das aber war nicht zu vermeiden. Am meisten wohlgethan hat mir bei der Lectüre Ihrer Schrift (wenn man sich einem solchen Gefühl dabei irgendwie hingeben kann), daß Sie sich auch nicht ein einziges Mal aus dem würdigen, gemeffenen und sachlichen Ton haben reißenlassen. Freilich ist das viel mehr, als der Berunglimpfer eines Z u n z verdient, allein Sie konnten, um der eigenen Würde wegen, nicht weiter gehen, und zuletzt kann man ja doch nur von anständigen Menschen ein gerechtes Urtheil erwarten. „The Common Lord“, zu denen leider noch so viele Gelehrte und insbesondere Orientalisten gehören, ändert seinen Sinn doch nicht, am allerwenigsten der Richtung des Besseren und Edeln zu. Darunter zählt leider auch unser Professor Blackgard, wie ich ihn getauft habe (sprich Blaggard) in Göttingen, dem

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