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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-06 · 23 (6.6.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 880 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Kr. 23 bäum mit seinem.gutgeschulten Chor das „Boruch babo“ und einige Psalmen intonirt hatte. Wie ein elektrischer Strom pflanzten sich die begeisternden Worte des begeisterten Redners in die Herzen der Festgenoflen. .Alles, was Jakob begegnete, begegnete auch Josef, denn die Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde ist eng verknüpft mit dem Wirken dieses greisen Jubilars/ Besonders wirkte Redner auf die Herzen Aller durch die Vorführung der drei Lichtgestalten: Mose, Hillel und Rabbi Jochanan ben Sakkai, von denen der Eine in seiner Bescheidenheit, der Andere in seiner Menschenliebe und Toleranz, der Dritte in seiner Gelehrsamkeit dem ehrwürdigen Jubilar als Leitsterne dienten. Durch die glänzende, mit ungetheiltem Beifall aufgenommene Festrede ward der greise Jubilar von Thronen gerührt. Er bestieg daun die Kanzel und hielt eine Ansprache, die wie eine Eolsharfe geklungen hatte. Er schilderte die Entstehungsgeschichte unserer israelitischen Gemeinde in überaus enthusiasmirender Weise, er zeigte sich als würdiger Greis in seiner Erfahrung, Gelehrsamkeit und Redekunst und als lebensfrischer Jüngling in seinen herrlichen Worten, die von Herzen kamen und ins Herz drangen. Der ehrwürdige Jubilar sprach dann vor offener Lade den Segen für den glorreichen Landesvater, worauf der Chor die Landeshymne in ergreifender Weise abgesungen hatte. Unter den unzählig vielen Gästen bemerkte man: k. k. Statthaltereirath K r i k a w a, k. k. Commiffär H i e b l, Bicebürgermeister Taschek mit den städtischen Räthen L. Hauser, I. Zink, Gymnasialdirector Hofrath Dr. Koch mit den Profefforen, Realschuldirector Z u l e g e r sammt Professoren, die Directoren der Volks- und Bürgerschulen, Landtagsabgeordneter V o l l g r u b e r, k. u. k. Major Lederer, viele Rabbinen aus den benachbarten Cultusgemeinden: Dr. Posuanski aus Pilsen. Marttn Friedmann aus Horazdiowitz, Dr. Marge! aus Rosenberg u. m. A., der Vorstand unserer Gemeinde: Dr. I. Kahn. Ludwig Lederer, Ignaz Fantl, Alexander Kopperl, B. Fürth, Sigmund Ferda, Heinrich Fischer, Otto Ullmann, Adolf Taußig. Dr. Freund, die Vorstände sämmtlicher Vereine. Der ehrwürdige Jubilar ließ dann in seinem eigenen Hause ein Souper serviren, zu welchem Rabbiner Dr. Kisch, Dr. Kohn, Dr. Freund, Ignaz Fantl, Ludwig Lederer, Dr. Marge! eingeladen waren. Möge unser Kreisrabbiner Herr Adam Wunder zum Wohle unserer Gemeinde lange, lange wirken und mögen sich die Worte des Propheten an ihm bewahrheiten: Bees erew jihjeh aur!“ H. Blumenfeld. Graz. Am 29. v. M. starb hier im Alter von 74 Jahren der ftühere langjährige Präses der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Anton Schwarz, Chef der Firma Anton Schwarz und Sohn. Das Leichenbegängniß, welches am 1. Juni um 11 Uhr Vormittags stattfand, gestaltete sich in Folge ungewöhnlich großer Betheiligung fast sämmtlicher hiesiger Gemeindemitglieder und einer großen Anzahl nichtjüdischer Mitbürger zu einer imposanten, ehrenden Kundgebung für den Verblichenen, welche von der großen Beliebtheit und den ungetheilten Sympathien, deren sich Herr Anton Schwarz bei Lebzeiten erfreute, Zeugniß gab. Im Trauerhause fungirte Herr Obercantor Paul Horn unter Affistenz eines Quartetts und verrichtete die üblichen Gebete in gewohnter erhebender Weise. Der Zug der Leidtragenden, des gesammten Vorstandes und zahlreicher Trauergäste, gefolgt von einer schier endlosen Wagenreihe, gab dem selig Entschlafenen das letzte Geleite. Nach Abhaltung eines Gebetes für das Seelenheil des Verstorbenen hielt unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Mühsam eine tiefempfundene und ergreifend wirkende Trauerrede, in welcher er die Verdienste des Herrn Anton Schwarz um das hiesige Gemeiudewesen pries. Besonders betonte Herr Dr. Mühsam, daß der Verblichene einer der ersten Juden war, die sich nach mehr als 400 Jahren in Steiermark ansiedeln dursten, daß er seinerzeit Mitbegründer der hiesigen israelitischen Corporation war, welche im Jahre 1869 in die jetzige Grazer israelitische Cultusgemeinde überging. Sehr ergreifend wirkte es, als Herr Dr. Mühsam darauf hinwies, daß es der Initiative des Verblichenen zu danken war, wenn nach mehr als 400jähriger Unterbrechung der Gott unserer Väter in der heiligen Sprache unserer Väter an geweihter Stätte an gerufen werden konnte, und kein Auge blieb thränenleer, als Herr Dr. Mühsam unter Thränen auf den Verlust, den er durch den Heimgang seines ältesten und besten persönlichen Freundes erleidet, hinwies. Ferner hob der Redner die Lauterkeit des Charakters, den Wohtthätigkeitssinn, die seltene Herzensgüte und endlich die langjährige ersprießliche Thätigkeit als Präses der h'esigen Gemeinde, seine Mitwirkung bei Gründung der Chewra- Kadischa, beim Ankäufe des hiesigen israelitischen Friedhofes und seine werkthätige Theilnahme an Wohlthätigkeits-Jnstitutionen der hiesigen Gemeinde hervor. Zum Schluffe brachte der anwesende Schwiegersohn des Verstorbenen Herr Obercantor Josef R e n d i aus Agram das Ha^ur-tomim-Gebet zum Vortrag und erzielte derselbe mit seiner Meisterleistung eine herzerschütternde, alle Anwesenden zu Thränen rührende und unvergeffen bleibende Wirkung. Am offenen Grabe hielt namens des Vorstandes der Präses Herr Fabrikant Bernhard Biller dem Verstorbenen einen warmempsundenen Nachruf, in welchem ec die Verdienste des Heimgegangenen um das hiesige Cultuswesen als langjähriger Präses der Gemeinde rühmte. Budapest. Der PesterHeiligeBerein (Chewra- Kadischa) hielt kürzlich unter dem Vorsitze Jakob B o s ch ü n's seine ordentliche Jahresversammlung. Aus dem von Bereinsanwalt und Secretär Dr. Franz M e z e y verlesenen Jahresberichte gelangte nur der Passus zur Verlesung, welcher in pietätsvollen Worten des im verflossenen Jahre verstorbenen Präsidenten Moriz Ehrlich gedenkt. In dankbarer Anerkennung der Verdienste des Verblichenen ließ der Verein dessen lebensgroßes Porträt durch den hervorragenden Maler Gustav M a g y a r-M a n n h e i m e r für den Sitzungssaal des Vereins Herstellen. Der übrige Theil des Berichtes wurde als verlesen betrachtet und das Absolutorium ertheilt. Ueber die vorjährige Thätigkeit des segensreich wirkenden Vereins seien folgende Daten angeführt: Das Siechenhaus im Stadtwäldchen kam dem Heiligen Verein im verflossenen Jahre auf 45.074 Kronen zu stehen; die Vereinsbeiträge für das israelitische Spital und für das Adele Brody-Kinders p i t a l beliefen sich auf 48.000 respective 10.000 Kronen. Die Vereinsstiftung für das S t e P h a n i e-K i n d e r s p i t a l wurde auf 4400 Kronen ergänzt. Für die Pflege von in ihrer Wohnung belassenen Kranken wurden 4000 Kronen verausgabt. An A r m e wurden 100.000 Kronen vertheilt. Auf Bereinskosten wurden im Vorjahre 1522 Personen begraben, nach weiteren 276 Leichen wurde dem Verein nur ein Bruchtheil der Spesen ersetzt. Jnsgesammt fungirten die Vereinsorgane im verflossenen Jahre bei 2493 Begräbnissen. Die vorjährigen Humanitären Ausgaben des Vereines betrugen nicht weniger als 504.181 Kronen. Die Generalversammlung billigte die von der Bereinsleitung geplante Erweiterung des Siechenhauses und die Errichtung eines Curses für Krankenpflege. Ebensolche Billigung fand die Idee der Errichtung eines Vereins-Asyls für arme und sittlich unbescholtene Familien. Das Vereinsbudget pro 1902 wurde mit 491.810 Kronen Einnahmen und 511.671 Kronen Ausgaben festgestellt. Zu Rechnungsrevisoren wurden gewählt: Robert Auer, Gabriel Heller, Berthold Herzmann, Joseph H üvös de Botfa, August Ko hu er, Ludwig Krauß de Megyer und Joseph Wolfner; in den Ausschuß (an Lteile mittlerweile verstorbener Mitglieder): Joseph B r ü d y Jacob Deutsch und Moriz Widder. Mit dem Ausdrucke des Dankes und der Anerkennung für die Vereinsleitung nahm die Sitzung ihr Ende. Budapest. Das Spital derPesterisraelitischen Gemeinde veröffentlicht den Bericht über seine Thätigkeit im Jahre 1901. Wir entnehmen demselben die folgenden Daten: Im Jahre 1901 wurden 1929 bettlägerige Patienten (gegen 1947 im Vorjahre) gepflegt, und zwar auf der internen Abtheilung 1079, auf der chirugischen 546, auf der ophthalmologischen 304. Unentgeltlich wurden 764 bettlägerige Kranke gepflegt. Die 1929 bettlägerigen Kranken — wovon 321 christlicher Religion waren — nahmen 44.044 Berpflegstage in Anspruch. Todesfälle kamen 192 vor, d. i. 9 Percent. Ambulante Kranke gab es auf der internen Abtheilung 5681, auf der chirurgischen 3370, auf der ophthalmologischen 7391, zusammen 16.422. Die Zahl der ambulanten Ordinationen betrug 60.842. Specialisten ordinirten 4289 Kranke. Die gesanlmte Ambulanz erstreckte sich auf 20.731 Patienten (im Vorjahre 20.376) mit 90.088 Ordinationen. Von den ambulanten Kranken, die insgesammt unentgeltlich behandelt wurden, waren 11.980, d. i. mehr als 57 Percent, Nichtisraeliten. Die Summe der bettlägerigen und ambulanten Kranken betrug 22.660 (im Vorjahre 22.313). Die Armenärzte behandelten 5475 Kranke. Die Gesammtzahl der auf Kosten der Gemeinde behandelten Patienten belief sich auf 28.135. Die Gesammtausgaben des Spitals machten 148.500 Kronen aus. Das ärztliche Personal des Spitals steht unter Leitung des dirigirenden Primarius Prof. Dr. Berthold Stiller und der Primarii Docent Dr. Jonas Bäron und' Prof. Dr. Adolf

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