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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-06 · 23 (6.6.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Blvch's Wochonfchrifk. Geile 379 Hochwohlgeboren es nicht unterlassen werden, uns durch freundliche Ausfüllung des beiliegenden Formulares Ihren Beitritt anzuzeigen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Borstand der „Israelitischen Allianz" zu Wien: David Ritter von Gutmann, Präsident. Dr. Alfred Stern, Dr. Arthur Kuranda, Dr. Sigm. Wahrmann, Vicepräsidenten. Dr. Felix Katzau, Wilhelm Pappenheim, Schriftführer. Sigmund Ritter v. Bauer, Emanuel Baumgarten, Theodor Cohn, Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, Emil Horner. Adolf Klein, Heinrich Nirenstein, kaif. Rath Bernhard Pollack, Julius Reitlinger, Rabbiner Dr. A. Schmiedl, Fritz Singer, k. k. Oberbaurath Sigmund Taußig, k. k. Commercialrath Leopold Trebitsch, Donat Zifferer, Mitglieder des Vorstandes. Der Hauptzeuge im Hilsner-Proeeß. Aus O l m ü tz wird gemeldet: Der Sträfling Vincenz Z e l i n g e r aus P o l n a, der bekannte Belastungszeuge aus dem Hilsner-Proceß, beging, wie berichtet, in der Strafanstalt Mürau, wo er eine Strafe verbüßte, fünfmal nach einander das Verbrechen der Majestätsbeleidigung. Als Motiv seiner Handlungsweise gab er an, daß er in der Strafanstalt mißhandelt werde. Als er nun sofort nach der letzten Bestrafung neuerlich dasselbe Verbrechen beging, wurde Zelinger zur Ueberprüfung seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt nach Sternberg geführt. Dieser Tage wurde nun die Untersuchung abgeschlossen, welche ergab, daß Zelinger geistig nicht normal und nicht zurechnungsfähig ist. Zelinger wird in der Sternberger Irrenanstalt internirt bleiben. Innsbruck. Die „Neue Tiroler Stimmen", ein streng katholisches Parteiblatt, bringt in Nr. 122 vom 31. Mai folgenden Artikel unter der Ueberschrift: „Antisemitismus gegen die Liebe, Gerechtigkeit und Vernunft". Die neue Redaction des hiesigen antisemitischen Blättchens ist von einem Racenantisemitismus inficirt, den man nicht mehr christlich nennen kann und für den auch die Jugendlichkeit des Redakteurs nicht als Entschuldigung passiren kann. Wir pflegen die Ausbrüche des zuweilen geradezu verrückten Racenhasses zu ignoriren und hoffen, daß das Blatt damit auch in seinen Kreisen und bei allen Leuten von Geschmack schlechte Geschäfte machen wird. Denn schließlich siegt doch die ruhige Vernunft. Heute sind wir aber genöthigt, eine Ausnahme zu machen. Man hat unsere Hilfe angerufen, und es wäre Pflichtverletzung, wenn wir sie nicht leisteten. Zudem ist der Fall typisch, wie die Verhetzung gegen — Christen von antisemitischer Seite getrieben wird. Dabei lassen wir nur die Thatsachen sprechen. Die „Tir. Post" brachte in Nr. 42 folgende Notiz: „Die Macht Israels in Innsbruck. Unsere schöne Landeshauptstadt wird von Tag zu Tag knoblauchduftiger. Es ist, als ob das Volk Israels nach einem bestimmten Plane daranginge, aus der Stadt Andreas Hofer's ein Jericho zu machen. Zwar ohne viel Fanfaren und Trompetengebläse, aber nur um so sicherer dringen die x- und o-füßigen Wüstensöhne in unsere Stadt. Da war vor Kurzem auf der Maria Theresiastraße ein Verkaufslocal zu vergeben. Mehrere christliche Geschäftsleute bewarben sich darum. Ein christlicher Gewerbetreibender hatte der Vermietherin des Locals bereits 100 Gulden Drangabe gezahlt und glaubte das Local sicher zu haben. Der Contract war bereits so fest, daß der Drangeber nicht mehr ohne Verlust der 200 Kronen hätte zurücktreten können. Aber der christliche Geschäftsniann hatte seine Rechnung ohne einen hiesigen Kleiderjuden gemacht. Die Vermietherin bereute bald ihren Vermiethsvertrag mit einem Christen, der Christ wurde von der Nichtigkeit seines Contractes verständigt, die 100 Gulden wurden ihm znrückgeschickt und au seiner statt zieht ein Kleiderjude in das Local ein. Unsere weltberühmte Maria Theresiastraße wird durch eine jüdische Hosenburg verschandelt werden. Die christlichen Geschäftsleute werden immer mehr aus den Hauptstraßen verschwinden und an die Peripherie der Stadt hinausgedrängt. Gewerbetreibende schließt euch zusammen und organisirt euch auf antisemitischer Grundlage, ehe es zu spät ist, sonst werdet ihr vom Judenthum, das euch schon zu verdrängen begonnen hat, erbarmungslos ruinirt! Für diesmal könnt ihr euch bei Frau A. Ram, der Vermietherin des Locales, bedanken. Hoch Israel!" Das Citat ist wörtlich, nur haben wir unsere Leser mit der Sperrschrift und den fetten Lettern, womit Sensationsblätter ihre „Schlager" hervorzuheben pflegen, verschont. Die so heftig angegriffene Frau begab sich nun in die Redaktion des antisemitischen Blattes und stellte dem Redakteur vor, daß der ganze Bericht seines Blattes unwahr und entstellt sei. Es ist unwahr, daß sich mehrere christliche Geschäftsleute um das Local „bewarben". Im Gegentheile hat die Frau drei christlichen Handelsleuten das Local angetragen: einem Devotionalien-, einem Kleider- und einem Fleischwaarenhändler. Alle drei hatten abgelehnt. Erst nachdem sich kein christlicher Geschäftsmann fand, mußte die Frau auf das Angebot des Israeliten eingehen, wenn sie nicht selber den Schaden haben wollte. Als dann hintendrein ein christlicher Geschäftsmann anfragte, erklärte sich die Frau bereit, ihm den Laden zu überlassen, wenn der frühere Miether zurückstehe. Anders konnte fie nicht handeln; denn ehrlich Wort halten muß man doch auch dem Juden. Nur unter dieser Bedingung nahm fie das Darangeld an und, nachdem dieselbe nicht erfüllt wurde, stellte fie es zurück. Bon diesem Sachverhalt wurde der Redakteur genau unterrichtet. Er entschuldigte sich, es sei ihm so mitgetheilt worden, wie es im Blatte stehe, und die angegriffene Frau verzieh dem unerfahrenen Herrn, der die hiesigen Verhältnisse ja noch wenig kennt. Er versprach auch, die Angaben seines Blattes richtig zu stellen. Anstatt deffen kam in der nächsten Nummer ein ganzer Leitartikel, worin nicht allein nicht berichtigt wird, sondern der Fall als ein „markantes Beispiel" besprochen und der Frau indirekt die Schuld am Ruin des christlichen Gewerbestandes mit aufgebürdet wird. So geht man im Namen des Antisemitismus gegen eine gut christliche Frau vor. Aber die Sache ist noch intereffanter. Die betreffende Frau erzählte dem christlichen Redacteur zum Beweise, daß fie bei Bermiethungen nicht leichtfertig vorgehe, eine andere Geschichte. Sie hatte zwei Zimmer zu vermiethen. Dafür meldeten sich zwei anständig gekleidete, ftemde Herren. Sie wollte wiffen, wer die Herren seien. Dieselben sagten, fie seien englische Pastoren, hieher gesandt, um ihre Religion auszubreiten, und dafür bezahlt. Sie wollten predigen und Propaganda machen. Die Frau stellte ihnen vor, daß fie damit in Innsbruck schlechte Geschäfte machen würden. Die Herren erwiderten jedoch, das sei gleichgiltig, fie seien dafür bezahlt. Wir wiffen nicht, ob die Herren am Ende Mormonen waren, jedenfalls waren es „Los von R o m" - A p o st e l. Die Frau wollte, nachdem sie über ihr Gewerbe aufgeklärt war, nichts davon wissen und nahm fie nicht an. Das erzählte fie dem antisemitischen Redacteur und er antwortete ihr: Diese Herren hätte sie genug aufnehmen können, nur keinen Juden. Die Frau hat uns ausdrücklich ermächtigt, diesen Ausspruch zu veröffentlichen. Gloffen find überflüssig. Prag. Unter den vielen religiösen humanitären Vereinen in Prag, ist der „Verein zur Beschaffung von Paffabedürfniffen" der einzige, welcher es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an Mazzos — streng rituell bereitet durch wöchentliche Einzahlung kleiner Beträge zu decken. Dieser bereits 20 Jahre bestehende Verein hielt am 29. v. M., unter Borfitz des Obmannes Herrn I. Perlitz, seine ordentliche Generalversammlung ab. Der vom Cassier Herrn Gabriel Lieben verlesene Cassa- und Geschäftsbericht wurde genehmigend zur Kenntniß genommen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern wurden die statutengemäß ausscheidenden Herren Hugo Eckstein, I. Kornführer und Joachim Stern einstimmig wieder¬ und die Herren S. Neurath und Joachim Schickler neugewählt. Als Rechnungsrevisoren wurden die Herren Simon Dewidels, S. Knina und Dr. N. L. Kohner mit Stimmeneinhelligkeit wiedergewählt. Bei der Constituirung wurden Herr I. Perlitz zum Obmann und Herr Gabriel Lieben als Obmann-Stellvertreter und Caffier wiedergewählt. Budweis. Unter ungewöhnlich großer Theilnahme beging " am 28. Mai l. I. Se. Ehrwürden Herr Kreisrabbiner Adam Wunder das vierzigjährige Jubiläum seines am 28. Mai 1862 in unserer Cultusgemeinde angetretenen Seelsorgeamtes. Bon Nah und Fern eilten dankbare Schüler und sonstige viele eingeladene Gäste aus den Provinzstädten herbei, an diesem seltenen Feste theilzunehmen. Um 6 Uhr Nachmittags war der schön geschmückte Tempel von einem distinguirten Publicum überfüllt. Der bekannte Gelehrte und Redner Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Alexander Kisch aus Prag hielt eine nach Form und Inhalt ausgezeichnete Festrede, nachdem Obercantor Nuß-

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