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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-06 · 23 (6.6.1902) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 376 dr. Vlvch's WmiMfchrifl» Nr. 23 Priester, der die Kanzel mit dem Wirthshaustisch verwechselte, an dem er häufiger zu sehen war, als in der Kirche. Ein echter Parteimann von „der Sohle bis zum Scheitel", fehlt auch in dem Leben dieses Edlen nicht jener Charakterzug, der so ziemlich bei allen Antisemiten „von Rang und Namen" zu finden ist und ohne den ihr Bild nur unvollständig wäre. Als der „allverehrte Herr Bürgermeister" mit seinem Gasabenteuer begann, aber nirgends Geld erhalten hatte, da bemühte sich der Cooperator D i t t r i ch und nur ein Zufall ließ das Geschäftchen nicht zu Stande kommen. Aber aus dieser Zeit noch stammt ein Brief, laut welchem dem Priester die edle That mit 400.000 Kronen „Provision" hätte bezahlt werden sollen und der die Unterschrift — eines Juden trägt. Diese schöne Episode aus dem Leben des Parteimannes vergaß sein Biograph vom „Deutschen Volksblatt". „Es soll das dem Herrn Cooperator D i t t r i ch auch in seinem neuen Amte als Pfarrer im Markte Piesting nicht vergessen sein", sagte ein zu Thränen gerührter Parteifreund jüngst in einer Wählerversammlung, „und ein Trost ist es, daß er versprochen hat, bei den Landtagswahlen als Mitkämpfer in der Leopoldstadt zu erscheinen". Wir gratuliren dem Markte Piesting an der Gutensteiner Bahn zu dem ausgezeichneten Manne, dem es leider nicht gegönnt war, bei der englischen Gasgesellschaft 200.000 fl. zu ergattern. Ein echter antisemitischer Ehrenmann! Isegrim. Zionistische „Vornehmheit". Wenn ein zionistischer Schriftsteller in einer nichtzionistischen Zeitung Zuflucht vor zionistischen Verleumdungen und Verdächtigungen suchen muß, so kennzeichnet das zur Genüge das geistige und sittliche Niveau des deutschen Zionismus. Seitdem ich meine Artikelserie „Der Zionismus am Scheidewege" im Jahre 1899 in der „Oesterreichlschen Wochenschrift" veröffentlicht habe, gehöre ich zu den bestgehaßten Männern der zionistischen Leitung in Wien und Köln. Wäre ich Antizionist geworden, man hätte es mir verziehen, allein daß ich für die Vertiefung und Verwirklichung der Zionsidee mit aller Wärme eintrat und gerade darum das Können und Wollen des hohlen Streberthums innerhalb der Bewegung kritisirte — dieses Verbrechen konnte man nicht vergessen. Man fand nie den Muth, meine Ideen zu widerlegen und man gab die Parole aus, meine Artikel in der zionistischen Presse todtzuschweigen. Wohl aber begann ein niederträchtiger, geheimer Kampf gegen mich, der nur im Antisemitismus eine Analogie findet. Man verfolgte mich auf Schritt und Tritt und suchte mir in jeder Weise das Leben zu verkümmern. Als ich noch in Köln lebte wurde ich sogar einmal um 12 Uhr Nachts auf der Straße von einem Hauptschreier des Kölner Zionistenvereines überfallen und bedroht, so daß ich mich nur mit dem Stock wehren konnte. Als im December 1899 meine Artikelserie „Moderne Vereinsmeierei" in diesem Blatte erschien, ließ man mir durch Herrn Dr. M. sagen, ich solle mich nur in Acht nehmen, man werde mich — ich war damals noch Reichsausländer — bei der Polizei denunciren und meine Ausweisung bewirken. Ich kehrte mich nicht daran, ging meiner Wege, vertrat nach wie vor den consequenten organischen Zionismus, bekämpfte aber Alles, was ungesund und unwahr war. Wie scharf auch meine Kritik gewesen sein mag, so wird doch Niemand behaupten dürfen, daß sie unwürdig gewesen ist. Ich habe stets die Ideen kritisirt, und wo ich Personen kritisiren mußte, weil fie von der Sache nicht zu trennen waren, geschah es in ihrer Eigenschaft als Führer. Nie habe ich das Privatleben irgend eines Zionistensührers in der Presse oder sonst wo berührt. Der fanatische Haß gegen mich hat aber nicht aufgehört, und seitdem ich fern von Köln lebe, hat man eine neue sehr bequeme Berfolgungsmethode für mich ausgedacht. Durch zarte Winke und halbe Andeutungen läßt man allerhand Gerüchte über mich verbreiten und man läßt durchschauen, ich hätte etwas Fürchterliches begangen. Der Eine glaubt dann, ich hätte silberne Löffel gestohlen, der Andere, ich hätte Waisengelder unterschlagen, und der Dritte, ich hätte das Judenthum verrathen. Man stiehll mir also meine Ehre, ohne daß ich mich vertheidigen kann, man verleumdet mich in einer Form, die gerichtlich unfaßbar ist, und man gibt mir nicht die Möglichkeit, Jemand zur Verantwortung zu ziehen. Auch auf der jüngsten zionistischen Parade in Mannheim verfuhr man nach diesem Ehrenrecept. Ohne jeden Anlaß zerrte man meinen Namen in die Debatte und man beschimpfte mich, weil ich zum Preisrichter für eine von „Ost und West" ausgeschriebene beste jüdische Novelle gewählt wurde. Man sündigte also gegen die elementarste Regel des parlamentarischen Anstandes, daß man einen Abwesenden, der sich nicht vertheidigen kann, nicht angreifen darf. Ich erkläre daher öffentlich, daß an all diesen jämmerlichen Verleumdungen kein wahres Wort ist und ich protestire energisch gegen diese feige, niedrige Art. Ein solcher gehässiger, persönlicher Kampf gegen einen Schriftsteller, dessen Ideen man nicht widerlegen kann, ist weder jüdisch, noch zionistisch, noch anständig. Seit 12 Jahren führe ich meine Feder für das Judenthum. Ich hatte stets einen schweren Kampf ums Dasein zu kämpfen, aber nie habe ich eine Zeile gegen meine Ueberzeugung geschrieben. Ich darf daher von jedem ehrlichen Manne Achtung beanspruchen. Karlsruhe, 1. Juni 1902. Fabius Schach. Zur deutschnationalen „Wolfsjagd". Der lustige Krieg zwischen den Alldeutschen und Ostdeutschen wird munter fortgesetzt. Den reichsten Beitrag liefern die „Unverfälschten Deutschen Worte". Nicht weniger als zehn von den vierzehn Seiten feines Blättchens widmet Schönerer den Wolf - Artikeln und Wolf - Notizen, die in unübersehbarer Reihe einander folgen. Für ihren Inhalt mögen die Titel sprechen: „Der Soldschreiber", „Der Meuterer", „Wen drückt das Schuldbewußtsein, uns oder K. H. Wolf?", „D e r Zuckercartell - Wolf", „Die Dirnenfrechheit der W o l f's ch e n „O st d e u t s ch e n Rundschau", „Die Entlarvung der ostdeutschen Corruption" u. s. w. Zum Schluffe wird Herr Wolf gar in einem zwanzigstrophigen Poem angedichtet. Titel: „Zucke rc artellg'stanzeln". „Denn jetzt Dir der Boden — Verhängnißvoll brennt — Dein stinkender Odem - Bezeichnet Dein End'! — Der Zucker, der süße — Heut mundet er nicht — Er fliegt vor die Füße — Und ins falsche Gesicht." Diese poetische Verklärung der Vorgänge am Wiener „Volkstag" Wolf's möge als Stilprobe dienen. Der „schlichte Arbeiter" und Schönerer-Bewunderer Alois Aigner, der als Dichter zeichnet, hat's jedenfalls gut gemeint. Aber auch die prosaischen Beiträge sind nicht von Pappe. So heißt es von den Damen, die nach dem Berichte der „Ostdeutschen Rundschau" Herrn Wolf in Trautenau von der Galerie aus mit ihren Taschentüchern Grüße zugewinkt haben sollten. Das können nur sittlich verkommene Damen sein wie jene Damen, die dem italienischen Ehebrecher und vielfachen Raubmörder Musolino mit den Taschentüchern zuwinkten, wenn sie seiner im Gerichtssaale ansichtig wurden und mit ihm Liebesblicke austauschten . . . Vom Trautenauer Volkstag wird erzählt, es seien blos 25 Wähler erschienen; auf dem Weg vom Bahnhofe „zur ostdeutschen Herberge" habe man ihm Cartellzucker gestreut. — Auch die „Deutsche Zeitung" nimmt theil an der Treibjagd. Sie hatte bei Besprechung der Schalk'schen Broschüre die Bemerkung gemacht: „Warum schweigt Dr. Schalk über die „Mainzer A f f a i r e"? Wenn niemand anderer, so weiß Herr Karl Hron darüber Bescheid. Hat Herr Hron doch geäußert: „Alles, was gegen Wolf vorgebracht werden wird, ist nichts im Vergleich zu der Mainzer Geschichte. Die kennen aber nur Wolf und ich genau." Der Redacteur der „Ostdeutschen Rundschau", Hron, bestreitet nun in einer Berichtigung, die die „Deutsche Zeitung" heute veröffentlicht, sich je in der angegebenen Weise geäußert zu haben; ihm sei von einer Mainzer Affaire nichts bekannt. Die „Deutsche Zeitung" beschuldigt ihn deshalb der Lüge und fordert ihn zur Klage auf. Im Parlament forderte Herr Schönerer in der Sitzung vom 31. Mai die Auslieferung des K. H. Wolf wegen Vergehens der Ehrenbeleidigung des Ernst Vergant. Wolf hat den Proceß gegen Vergani bekanntlich für Schönerer geführt. Er hat dem dicken Popanz der Partei die Kastanien aus dem Feuer geholt, seine eigene Haut zu Martte getragen, damit Herr Schönerer einen Gegner unterkriege. Schönerer selbst hat das Resultat des Proceffes consequent ausgenützt, in jeder Nummer seines Blattes findet sich der Hinweis auf das Geschwornenurtheil im Proceß Vergani. Und nun hat er die Stirne, das Abgeordnetenhaus zur Auslieferung desselben Wolf in derselben Angelegenheit aufzufordern, in welcher dieser ihm (Schönerer) so ausgezeichnete Dienste geleistet hat. Herr Schönerer muß seiner Sache gegen Wolf nicht ganz sicher sein, wenn er schon solche meuchlerische Mittel zu dessen Bekämpfung anwendet. Jedes Wort, jede That dieses „Führers der Deutschen" ist ein Hohn auf die Begriffe: Treue, Reinheit, Geradheit, Tapferkeit, die ja in ihrer Gesammtheit den Begriff „deutsch" geben sollen. Es ist ganz unverständlich, daß sich noch Menschen finden, die ihre Würde und ihrern guten Geschmack und ihre sichere, bessere Erkenntniß bei Seite stellen" und einen solchen Mann wie Schönerer Gefolgschaft leisten. An ihm gemessen, ist Herr Wolf ein Mann von ausgebildetem Ehrgefühlmag er auch all das begangen haben, was ihm Schönerer vorwerfen läßt.

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