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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-06 · 23 (6.6.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
23 (6.6.1902)
Date
1902-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 375 elementare Katastrophe hat nun die Insel heimgesucht und ohne Zweifel in St. Pierre auch zahlreiche Opfer unter den Juden gefordert. Wenn jetzt die Mildthätigkeit der ganzen Welt aufgerufen wird, um ihre Bruderliebe an den Opfern der Katastrophe zu bethätigen, soll auch der Juden auf Martinique nicht vergessen werden. — Wie die französischen Blätter melden, ist der Leiter der Expedition, welche die Regierung zur Hilfeleistung für Martinique bestimmte, der Finanzdirector im Colonial-Ministerium Bloch. Außerdem befindet sich in derselben der Commissar der Colonialtruppen Alfassa — beide sind Juden. Vom Jahrmarkt des Iroens. Glossen zur Tagesgcschichte. (Die oft deutsche Jungfrau und ihr kleines Kind. — Richtige Selb st schätz» n g. — Die nöthige Achtung vor dem Bürgermei st er. — Wie die Häuptlinge von einander denken. — Abschiedsworte an Cooperator D i t t r i ch.) Die „Ostdeutsche Rundschau" nähert sich vermöge der Geringfügigkeit der Geldbeträge, die sie genommen, der Unbestechlichkeit. Diese Ostdeutsche Jungfrau hat wirklich nur ein ganz kleines Kind gehabt; wegen des Einhebens eines Pauschales von 600 Kronen bei den k. k. Staatsbahnen ist viel mehr Aufhebens gemacht worden, als dafür steht. Aber die Jungfrau ist doch „niedergekommen" damit und die Berechnung, die Herr K. H. Wolf von der Administration des Teutoburger Waldes sich ausfertigen ließ und in welcher ausgeführt wird, daß die „Ostdeutsche" von den k. k. Staatsbahnen allerdins ein Pauschale von 600 Kronen erhalten habe, daß aber die Einschaltungen nach dem Jnseratentarif viel mehr, und zwar einige tausend Kronen gekostet hätten, ist das beschämendste Geständniß, das in der Antwort Wolf's auf die Schalk'sche Broschüre enthalten ist. Wenn die Staatsbahnen ein so dringendes und unabweisliches Bedürfniß hatten, in der „Ostdeutschen Rundschau" zu inseriren, so hätte ja der alldeutsche Corruptionstödter ruhig das Einlangen dieser Inserate abwarten und den geschäftsmäßigen Tarif für die Einschaltung berechnen können. Seit wann datirt die Freundschaft des Herrn Wolf zum Eisenbahnminister, die ihn veranlassen sollte, dem Eisenbahnärar etwas zu schenken? Die Teutoburger „Verwaltung" ist eben an das Eisenbahnministerium mit der Bitte um Bewilligung eines Pauschales herangetreten, und die Thatsache, daß die „Ostdeutsche Rundschau" für lumpige 300 Gulden so viel Inserate brachte, daß diese bei tarifmäßiger Berechnung einige tausend Kronen gekostet hätten, zeigt nur, wie niedrig und wie richtig zugleich die „Geschäftsstelle" der „Ostdeutschen Rundschau" den Werth der Publicität dieses Blattes selbst eingeschätzt hat. Zugegeben aber, daß die Vereinbarung vom Standpunkte der Zeitung vollkommen einwandfrei ist; vom politischen Standpunkte ist die hiedurch erwiesene Corruption um so verächtlicher und lächerlicher, je weniger K. H. Wolf genommen hat. Das Pauschalste der „Ostdeutschen Rundschau" mußte nämlich vom Eisenbahnminister bewilligt werden, und nun vergegenwärtige man sich die Pose des großmäuligen Ministerstürzers, der von einem der Minister ein Jnseratenpauschale von 300 fl. nimmt. Wie kann man nur gegen die eigene Kundschaft so donnern? Das heitere Geständniß des Herrn K. H. Wolf über seine geschäftlichen Beziehungen enthebt uns der Mühe, auf seine Antwort weiter einzugehen. Schade um die vier Kreuzer, die wir für die betreffende Nummer der „Ostdeutschen Rundschau" ausgegeben haben. Seitdem haben wir zur Kenntniß genommen, daß bei einigen entlegenen Kreisgerichten gegen Blätter, welche die Schalk'sche Broschüre ganz oder theilweise abgedruckt haben, Ehrenbeleidigungsklagen überreicht worden sind. „Demnächst" soll auch gegen Dr. Schalk die Klage eingebracht werden. Auf den Verlauf dieser Proceffe, falls sie wirklich geführt werden sollten, sind wir durchaus nicht neugierig. Zur Beurtheilung des cheruskischen Antisemitenführers genügen vollständig seine eigenen, bei verschiedenen Anläffen und in seiner „Antwort" abgelegten Geständnisse. Das politische Hinscheiden des Herrn K. H. Wolf beansprucht nur mehr stilles Beileid. * * * Der Wäschehändler Gregorig verfügt nicht blos über eine gestärkte Hemdbrust, sondern auch über ein gestärktes Selbstbewußtsein, das er in der letzten Gemeinderathssitzung seinem eigenen Schöpfer gegenüber zu recht auffallendem Ausdruck brachte. Der Bürgermeister ruft Herrn Gregorig zur Ordnung und der Mann, dessen Kragen so schön gebügelt sind, unternahm es, den Bürgermeister „niederzubögeln". Er erklärte: „Ich werde den Ordnungsruf mit der nöthigen Achtung entgegennehmen, die ich vor dem Bürgermeister der Stadt Wien haben muß." Die „nöthige Achtung" — das ist in dem Zusammenhänge des citirten Satzes eine recht unangenehme Wendung. Die Barrierestöcke fangen an auszuschlagen. Den Verweis des Bürgermeisters hatte Herr Gregorig sich dadurch zugezogen, daß er, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, etwas schmutzige Wäsche vorbrachte. Er verdächtigte einen Gemeinderath, daß derselbe als Baumeister von den Lazzaristen beschäftigt werde, und brachte damit das Project der Freilegung der Lazzaristenkirche in einen unreinlichen Zusammenhang. Jener Baumeister aber ist ein Antisemit — wie konnte Herr Gregorig es wagen, ein Mitglied seiner eigenen die Corruption bekämpfenden Partei zu verdächtigen? Eine ähnliche Verdächtigung brachte Herr Hawranek gegen einen strammen Parteigenossen vor, indem er dem Stadtrath Weit mann insinuirte, daß dieser nur deshalb gegen eine gewiffe Straßenregulirung sei, weil er fürchte, den Verkehr vor seinem Geschäfte abzulenken und weniger Meffer zu verkaufen. Herr Stadtrath W e i t m a n n war gerade nicht sehr aufgeregt über diese Zumuthung; ihm genügte es, anzugeben, daß er schon seit einem Jahre in der betreffenden Straße keine Messer verkaufe. Diese artigen Dialoge sind sehr lehrreich. Mögen auch die ausgesprochenen Verdächtigungen noch so unbegründet sein, so zeigen sie doch, welche Hochachtung die antisemitischen Parteigenoffen voreinander hegen und wie sehr jeder Einzelne in der sauberen Gesellschaft von der Integrität und Gesinnungsreinheit seiner Collegen überzeugt ist. Bei dieser Gelegenheit sei ein kleines Geschichtchen erzählt, deffen buchstäbliche Wahrheit wir verbürgen. Zu einem Gewerbetreibenden, dessen liberale Gesinnung allgemein bekannt ist, kommt ein fortschrittlicher Parteimann mit der Bitte um einen Beitrag für den Wahlfond. „Recht gerne", sagte der Geschäftsmann, indem er einen Geldbetrag hergab, „jetzt kann ich's thun. Ich bin nämlich nicht mehr Contrahent der Commune und brauche also nichts mehr für den antisemitischen Wahlfond herzugeben. Früher habe ich mir eben nicht helfen können." Städtische Contrahenten wurden also für den antisemitischen Wahlfond gepreßt, trotzdem man wußte, daß fie im gegnerischen Lager stehen und fich nur aus geschäftlichen Rücksichten dem geübten Zwange fügen. * * * * Die christlich-socialen Blätter beklagen einen „geradezu unersetzlichen Verlust". „Der Organisator und geistige Führer der antisemitischen Partei des 2. Wiener Gemeindebezirkes", so beginnt das „Deutsche Bolksblatt" sein Lamento. „Cooperator Josef Dittrich scheidet von Wien." Und nun werden die Leistungen des Mannes gepriesen, um noch einmal den Wienern zu zeigen, was fie an dem Herrn Dittrich verlieren. Er war der Obmann des Wahlcomitäs der Bereinigten Christen der Leopoldstadt und Brigittenau, der in den Wahlkämpfen die christlichen Schaaren zu herrlichen Siegen geführt hat. Er hat „unter Anderem" dem Bürgermeister Dr. Lueger und Bezirksvorsteher Müller zum Landtagsmandat verholfen. Er gründete ein Bezirksblatt, fand aber nicht die „nothwendige journalistische Verbindung", verlegte sich dann auf die Schaffung antisemitischer Vereine, war „energisch" in den verschiedenen „Fällen" der antisemitischen Partei, wie im Falle „Kubik" und „Jedek" und schließlich wird als eine ganz besondere Großthat gepriesen, daß er im December vorigen Jahres seinen — hundertsten Leitartikel schrieb: So war Dittrich, wie das „Deutsche Volksblatt" sagt: ein Parteimann von der Sohle bis zum Scheitel, während Bergani bekanntlich ein Ehrenmann vom Scheitel aufwärts und von der Sohle abwärts ist. Doch in dem ganzen Panegyrikus erfährt man nicht ein Sterbenswörtchen über die Leistungen des Herrn Dittrich in seinem Berufe. Das „Deutsche Volksblatt" vergißt darauf ebenso, wie Herr Dittrich selbst daran constant vergessen hat. Er war neben seiner Thätigkeit als Feldmarschall und Schlachtenlenker des christlichsocialen Heerbannes, neben seinem Berufe als Mandatsschacht r er, Zeitungsgründer, Journalist, Bereinsmeier und Agitator in seinen Mußestunden auch erster Cooperator an der Pfarre „zum heiligen Josef". Herr Cooperator Dittrich war das Muster eines Priesters, wie es D e ck e r t war, und wie es Schnabl, Latschka und ähnliche Herren noch heute find. Er war ein

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