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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Blvch's Wochenschrrfl. Seite 369 \ Wien. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier nach längerem Leiden der gewesene Oekonom Herr Hermann Pollak aus Jarmeritz in Mähren. Der Dahingeschiedene erfreute sich wegen seines biederen Charakters allgemeiner Sympathien, die in lebhafter Betheiligung an dessen Leichenbegängnisse zum Ausdruck gelangten. Wien. (Todesfall.) Am 26. d. M. verschied hier Frau Regine N e u m a n n geb. Pappenheim, Gattin des Großhändlers Michael Neumann. Die durch Frömmigkeit und Edelsinn ausgezeichnete Frau entstammte einer der hervorragendsten jüdischen Familien Ungarns und war wegen ihrer glänzenden Herzenseigenschaften von Allen, die sie kannten, hochgeachtet. Die Leiche der Verstorbenen wurde am 28. d. M. vom Trauerhause aus nach Preßburg überführt und dort im israelitischen Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. Die Verstorbene war eine Schwester der Herren Max Pappenheim, Director des Creditinstitutes für jüdische Gewerbetreibende und Beamte, und Wolf Pappenheim, ein hervorragendes Mitglied des orthodoxen Vereines „Adass Jisroel“ (Schiffschul). Wien. (Kranken-, Witwen- und Waisen- Unterstützungsverein „Otiesed seliel emes'.) Im großen Saale des „Jüdischen Volksvereines" fand Sonntag den 25. d. M. eine außerordentliche Generalversammlung des Vereines „Chesed schel eines" statt, welche sehr zahlreich besucht war. Es wurden den Mitgliedern die nun fertig gestellten Statuten des neu zu gründenden Witwen- und Waisenfondes vorgelegt, deren Hauptpunkt darin gipfelt, daß nunmehr im Ablebensfalle eines Mitgliedes der Hinterbliebenen Witwe oder Waisen statt der bisher üblichen Abfertigung von 100 Kronen, eine solche per 400 Kronen geboten wird. Die Mitglieder haben sich denn auch, in Erkennung der Tragweite dieses erweiterten Beneficiums, ausnahmslos dem Witwen- und Waisenfonde angeschlossen und wurde der Vereinsleitung der Dank der Mitglieder für die Initiative zu dieser immens wohlthätigen Institution einstimmig ausgesprochen. — An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß die von diesem Vereine am 18. d. M. im Deutschen Volkstheater veranstaltete Matinee, um deren Zustandekommen sich der Obmann des Vereines Herr Siegfried Beer und der Obmann-Stellvertreter Herr Adolf H u p k a ganz besonders verdient gemacht haben, ein Reinerträgniß von über 1600 Kronen ergeben hat, welcher namhafte Betrag dem Armenfonde des Vereines zufließt. Baden bei Wien. Am 19. d. M. verschied hier Herr Karl W e h l i, Privatier aus Prag, ein Sohn des seligen Herrn Ernst Wehli, des langjährigen Vorstehers der Prager Cultusgemeinde, im 77. Lebensjahre. Der Verblichene, um welchen seine Witwe und sein Sohn Dr. Ernst Wehli, Curarzt in Meran, trauern, war seit mehreren Jahren ein Besucher und Freund Badens und erfreute sich infolge seines freundlichen, entgegenkommenden Wesens großer Beliebtheit. Bei der Bestattung hiett Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Reich einen ergreifenden Nachruf. — Sein Name und Andenken sei gesegnet! Innsbruck. (Verlobung.) Fräulein Alice Bauer hat sich mit Herrn Sigmund Braun aus Wien verlobt. Floridsdorf. Sonntag den 8. Juni l. I. um 7a4 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel zu Floridsdorf die Trauung des Fräulein Gisela W o d i«k a, Tochter des Herrn Ignaz Wodieka, mit Herrn Arnold Pollak statt. Frauenberg. Fräulein T i n i S t e i n, Tochter des Herrn Philipp Stein, Cultusvorsteher, hat sich mit Herrn Dr. Kann, Advocät in Brüx, verlobt. Brünn. (Lehrer-Jubiläum.) Am 27. d. M. beging Herr Religionslehrer S. Schoßberger, zugleich mit seinem 60. Geburtstage, die Vollendung seiner 40jährigen Berufsthätigkeit in Brünn. Zu Papa in Ungarn geboren, wirkte der Jubilar durch mehr als 20 Jahre an der ehemaligen Gollerstepper'schen Lehranstalt in der Hauptstadt Mährens, stand sodann, gleichfalls in Brünn, mehrere Jahre hindurch seiner eigenen, staatlich anerkannten Schule vor und ist nunmehr seit 1891 als Religionslehrer der Brünner Cultusgemeinde an Volks- und Bürgerschulen thätig. Herr Lehrer Schoßberger, heißt es im „Mähr.-Schles. Correspondenten" vom 26. d. M., erfreut sich in Folge seiner Tüchtigkeit und Bescheidenheit großer, wohlverdienter Achtung. Feuilleton. Gin Zeitbild. Nach wahren Begebenheiten erzählt von Richard Rolfs. Schon zweimal hatte es an der Thür geklopft, die Frau an der Nähmaschine hatte es nicht gehört, doch als jetzt der bleiche Mann, der auf dem Sopha lag, mit matter Stimme „herein!" rief, blickte sie fragend auf. „Hat es geklopft?" Da ging schon die Thür auf und mit freundlichem Gruß trat ein ältlicher Herr in das Zimmer. „Ah, willkommen Herr Wiesner!" rief die Frau, indem sie sich erhob und dem Eintretenden mit ausgestreckter Hand entgegenging. „Das ist schön, daß Sie fich wieder einmal bei uns sehen lassen." „Ich bin verreist gewesen, Frau Meier, sonst wäre ich sicherlich schon früher gekommen. Na, wie geht's denn?" fragte er, indem er auf den Leidenden deutete. Frau Meier zuckte mit den Achsel». „Danke schön für die Nachfrage" erwiderte sie, indem sie einen Seufzer unterdrückte „es ist dieser Tage schon besser gegangen als heute." „Nun, wie ist's Franz, kommst Du denn nicht zu mir?" rief der Kranke vom Sopha her, „stehst da bei meiner Frau und vergissest an mich." „Immer der alte Krakehler" entgegnete Wiesner lächelnd, indem er zu dem Andern trat und dessen ihm entgegengestreckte Hand sanft, aber herzlich drückte. „Also wie geht's Paul? — Gehst Du Sonntag mit auf die Rax?" „Ach, wie gerne ginge ich mit", erwiderte der Kranke seufzend, „aber ich fürchte, mit dergleichen ist es für immer vorbei und überhaupt-" „Was sind das für Sperenzchen, Paul! für immer sollt's mit dergleichen vorbei sein? — und warum? — weil Du ein paar Wochen aus dem Sopha hast liegen müssen? —" „Was redest Du von Wochen, es" sind schon bald einige Monate —" „Monate sind es noch nicht, genau heute vor sieben Wochen bist Du erkrankt und ich glaube, Du wärest schon weit frischer, wenn Du nicht beständig raunzen würdest." „Recht so, Herr Wiesner, recht so", sagte die Frau, die sich wieder an ihre Arbeit gemacht hatte, „lesen Sie ihm nur gehörig die Leviten, es ist ja eine Schande, daß ein Mann von noch nicht achtundvierzig Jahren reden soll, als ob er schon über Siebzig wäre. — Sie nehmen's doch nicht übel, daß ich mit der Maschine weiter den Lärm mache? Aber Sie können es fich ja denken, etwas mehr geht jetzt doch d'rauf." „Arbeiten sie ' nur frisch d'rauf los, Frau Meier, die Maschine stört mich gar nicht, wenn ich unserm guten Paul die Leviten lesen soll. Also mein lieber Paul, ich erbitte nur Deine Aufmerksamkeit. Deine brave Frau hat bei Gott recht, wenn sie behauptet, daß es eine Schande ist, daß Du so kleinmüthig bist, Du verzögerst dadurch Deine Genesung." „Meine Genesung — meine Genesung — ach. ich bin ja gar nicht kleinmüthig, ärgerlich bin ich, weiter nichts." „Aber Du sollst Dich auch nicht ärgern, das verzögert Deine Genesung gleichfalls." „Du solltest Dich nicht ärgern", wiederholte der Leidende unmuthig lachend, „meinst Du, ich ärgere mich zum Vergnügen? Aber weist Du nicht, wie die Gräfin Orsini in Emilia Galotti sagt: „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat überhaupt keinen zu verlieren." Und ich sage: wem über gewisse Dinge die Galle nicht überläuft, der hat überhaupt keine Galle, und wer keine Galle hat, der ist nicht nur kein Mensch, der ist nicht einmal ein Vieh, der ist nichts weiter als eine Schlasmütze oder ein Waschlappen." „Na, na, da bist Du ja ganz hübsch im Zuge", lachte Wiesner, „aber sage mir nur um Himmelswillen, was hat's denn gegeben, das Dich dermaßen aufgeregt hat?" „Laffen's gut sein, Herr Wiesner", bat die Frau, „die Sache ist wirklich nicht werth, davon zu reden; aber wenn mein Mann es Ihnen erzählen wird, da wird er sich noch mehr aufregen." „Ach was, Schnickschnack. Wenn ich da liege und den Aerger in einem fort in mich hineinfresse, das regt mich noch weit mehr auf, als wenn ich davon rede."

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