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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 368 Dr Bloch's Wochsnfchrifk. Nx. L2 Großherzog in überaus gnädiger Weise, daß er sich freue, zu bemerken, wie die früher vorhandenen Mißverständnisse zu schwinden begännen. Er halte cs für seine werthe Pflicht, die Bewegung zu unterstützen. Hiernach unterhielt sich der Großherzog eingehend mit den geladenen Herren der Deputation über den Stand und Fortschritt der Bewegung in Deutschland. Auf das Huldigungstelegramm des Delegirtentages der deutschen Zionisten an den dentschen Kaiser ist folgende Antwort eingetroffen: .Delegirtentag der deutschen Zionisten, Mannheim — Urville Schloß. Se. Majestät der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruß danken. Auf Allerhöchsten Befehl: der geheime Cabinetsrath v. Lucanus.^ Jüdischer Patriotismus. Bei Besprechung des d e u t s ch-a merikanis chen Schiffahrtsübereinkommens schreibt die oft antisemitisch angehauchte „Germania": „HerrBalliu ist in den letzten Jahren in einem gewissen Theile der deutschen Prefle so oft und schwer angegriffen worden, weil man ihm einen großen Einfluß auf den Kaiser zuschreibt und weil er jüdischer Herkunft sein soll. Wenn das Letztere richtig sein sollte, so hat — das muß Jedermann, wenn er ehrlich sein will, anerkennen — Herr Ballin in dieser großen wirthschaftlichen und politischen Frage des Schiffahrtstrustes einen selbstlosen deutchnationalen Standpunkt eingenommen, dem man die Anerkennung nicht verweigern kann. Wie viele seiner Gegner würden sich mit einer Million Dollars Jahresgehalt und sogar sehr viel darunter für den Morgan-Trust haben „kaufen" laffen!" Was sagt die „Staatsbürgerzeitung" zu diesem Umfall ihrer antisemitischen Kollegin? Paris. Das Budget der Synagogen Verwaltung der jüdischen Gemeinde von Paris weist eine Einnahme von 266.500 Francs und eine Ausgabe von 205.500 Francs für Synagogenzwkcke und 60.000 Francs für eine Zpercentige Verzinsung der Consistorialanleihe stuf. Der Verkauf der Synagogenplätze brachte 119.000, und die Gebühren für im Laufe des Jahres geschloffenen 315 Ehen 94.000 Francs. Die Zahl der geschloffenen Ehen ist die höchste seit 1895, dennoch blieben die gezahlten Gebühren um 6000 Francs hinter der Norm zurück. Als Grund dafür wird ang-geben, daß die vermehrten Eheschließungen eine Folge der steigenden Einwanderung ruffischer Juden ist, die zwar sehr heiratslustig, aber mit Glücksgütern wenig versehen find, und daher eine Hochzeit dritter Claffe mit nur 15 Francs Gebühren sich leisten können. Unter den Ausgaben figuiren 138.000 Francs für Unterhaltung der Prediger, der Chöre und der Synagogendiener in den drei officiellen Synagogen. 22.500Frcs. betrugen die Kosten des Secretariats und 15.000 Frcs. wurde für Beheizung rc. ausgegeben. Für das Jahr 1903 wurden die Einnahmen mit 253.770 Francs und die Ausgaben mit 252.959 Francs eingestellt. Paris. Die Katastrophe aus Martinique hat die Juden nicht direct berührt, da auf der Insel, die im 17. Jahrhundert von einigen Hundert Juden bewohnt war, jetzt kein einziger Jude sich befindet. Dagegen steht an der Spitze der von der Regierung zur ersten Hilfeleistung nach Martinique abgeschickten Commission ein Jude, nämlich der Finanzdirector und Chef der Rechnungsabtheilung im Colonialministerium, Mr. Bloch. Ebenso befindet sich in der Commiffion der jüdische Commiffär Alfassi. Daß sich die französischen Juden lebhaft an den zu Gunsten der Bewohner der heimgesuchten Insel veranstalteten Sammlungen betheiligten, braucht bei der bekannten jüdischen Mildthätigkeit kaum besonders hervorgehoben zu werden. Unter den ersten Zeichnern figurirt das Haus Rothschild mit 50.000 Francs. Jekatermosläw. Der neue russische Minister des Innern Herr v. Plehwe hat seinen Verwaltungsantritt mit einem Act großer Milde gegen die Juden begonnen. In den Dörfern in der Umgebung der Stadt Bachmut haben sich den Maigesetzen zum Trotze viele Tausende von Juden niedergelassen. Der ermordete Minister Sipjagin befahl nun einige Monate vor seinem Tode, daß sämmtliche jüdische Familien die Dörfer um Bachmut bis zum 20. Mai unbedingt zu verlassen haben. In Anbetracht dessen jedoch, daß durch diese drakonische Verordnung über 10.000 Menschen um ihre ganze Existenz gebracht werden, befahl der neue Minister des Innern, daß diejenigen Juden, welche vor 1901 sich in einem der in Betracht kommenden Dörfer niedergelassen haben, bis auf Weiteres in Ruhe gelassen werden sollen. London. Der neubegründete Bund der jüdischen Gemeinden wird in weiten englischen Kreisen mit großer Genugtuung begrüßt. Namentlich wird die ihm zugrunde liegende sociale Idee der Sprengung des Londoner Ghettos sehr sympathisch ausgenommen. Aus zahlreichen jüdischen Kreisen laufen beim Präsidenten des Bundes nicht unbedeutende Beiträge ein und aus einigen Städten wurden an ihm Schreiben gerichtet, in denen er von Christen aufgefordert wird, Werkstätten für jüdische Schuhmacher und Schneider bei ihnen zu errichten. Daß der Gedanke vortrefflich sein muß, dafür spricht schon die Thatsache. daß Sir Samuel seinetwegen von der judenfeindlichen Presse und den Antisemiten Englands heftig angegriffen wird. Wie zeitgemäß der vom Bunde gefaßte Beschluß ist, beweist die Mittheilung, welche Mr. C. G. Troup vor wenigen Wochen dem von beiden Häusern des englischen Parlaments eingesetzten Wohnungsausschusse gemacht hat. Danach hat die Riesenstadt London bereits ihren Culminationspunkt überschritten und bewegt sich seit einiger Zeit auf einer abschüssigen Bahn. Die Arbeitslöhne und die Miethspreise haben eine solche Höhe erreicht, daß zahlreiche Gewerbe sich in London nicht mehr behaupten können und genöthigt sind, nach der Provinz auszuwandern. Zu diesen Gewerben gehören das Bäckergewerbe, die Möbelfabrication, die Conservenfabriken, die Buchbinderei und die Buchdruckerei. In allen den erwähnten Gewerben sind gerade die fremden Juden im hohen Grade betheiligt und es entspricht nur einer klugen Voraussicht, wenn man bei Zeiten daran denkt, die Arbeiter dahin zu senden, wohin die Arbeit sich allmählich zurückzuziehen beginnt. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Gustav Neurath: Bon Herrn Richard Kann, I., Börseqasse 9, K 10 —; Herrn Ludwig Neurath, I.. Ebendorferstraße 8, X 10'—; Frau Hermine Neurath, I., Schottenring 35, X 10'—; Herrn Leo Kann, I.. .Neuthorgasse 13, X 10'—; Herren I. & I. Neurath, II., Große Schiffgasse 12, X 10'—; Frau Gisela Neurath, II., Krnmmbaumgasse 1. X 10'—; Herrn Moritz Winter, I., Gonzagagasse 2, X 5'—; Herrn Architekt Oskar Marmocek, IX., Maximilianplatz 4, X 5'—; Herrn Michael und Frau Leontine Neurath, II., Große Schiffgasse 12. X 10'—; Herrn Dr. Rudolf Neurath, I., Marc Aurelstraße 6, X 10'—; Herrn Wilhelm Löwy, II., Konradgafse 3, X 10 —; Herrn Adolf und Frau Therese Kann, I., Börsegasse 9, X 10'—; Herrn Dr. Wilhelm Schönwald, II., Taborstraße 17, X 10'—; Herrn Adolf Deutsch, VII., Mentergasse 9. X 5'—; Herrn Docent Dr. Eduard Spiegler, I., Ebendorferstraße 10, X 10'—; Herrn Ludwig Spiegler, I., Schottenbastei 11, X 10'—; Herrn Eduard Neurath, ll., Große Schiffgaffe 12, X 10'—; Frau Jacob Neurath, II., Untere Augartenstraße 15, X 10'—; Herrn Aron Bvndy, ll.. Untere Augartenstraße 15. X 10'—; Herrn Theodor Schrecker, II., Marinelligasse 7, X 10'—. Zusammen X 185'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Ernestine Beckmann: Von Herrn Max Beckmann, I., Judengaffe 11, X 2'—; Herrn Alexander Bethauer, Xi —; Herrn Moritz Bethauer, X 1'—; Herrn Israel Hilfstein, X l*—. Zusammen X 5 —. Anläßlich des Ablebens des seligen. Herrn Max.Böhm: Von Herrn Siegfried Schleißner in Prag, X 10'—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Gustav Ritter von M a u t h n e r: Von Herrn Moritz Karpeles, Präsident der Chewra- Kadischa, I., Ebendorferstraße 8. X 50'—; Herrn S. E. W. aus Wien, X 6'—. Zusammen X 56'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Therese Schmidek: Bon Herrn Albert Schmidek, VII., Zieglergaffe 2, K 2 —; Herrn Emanuel Schmidek, lll., Matthäusgaffe 16, X 2'—; Herrn Ödön Kovacs, II., Rembrandtstraße 4, X 1'—; Herrn I. Klein, II., Große Pfarrgasse 11, X 2'—; Herrn Rudolf Hauser, II., Obere Augartenstraße 70, X i-—; Herrn Moritz Quittner, X 1'—; H. E., X 1'—. Zusammen X 10'—.

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