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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 367 der Notwendigkeit sei. Der Beschluß sei noch nicht rechtskräftig, weil die Beschwerde der israelitischen Cultusgemeinde dagegen noch nicht in letzter Instanz erledigt ist. Die israelitische Cultusgemeinde Böhm.-Leipa hatte nun in der Eingabe. Z. 3969, vom 6. Mai 1902 die Anfrage gestellt, ob die Gemeindevertretung geneigt wäre, der israelitischen Cultusgemeinde Böhm.-Leipa für deren consessionelle Begräbniste auf dem erweiterten Communalfriedhofe eine abgesonderte und welche Grundfläche und unter welchen Bedingungen zu Zwecken eines eonfessionellen Friedhofes zu überlassen. Die Beschlußfassung hierüber wurde in der Gemeindeausschußsitzung am 15. März 1902, nach Erörterung der Anträge der Abtheilung für Friedhofsangelegenheiten vom 12. März 1902 vertagt/ In der letzten Sitzung gelangte ein Antrag des Stadtrathes Martert zur Annahme, daß man auf dem interkonfessionellen Friedhofe nicht einen Theilfriedhof für eine besondere Religionsgenossenschaft errichten könne. Denn wenn diesem Theile der consessionelle Charakter eines Judenfriedhofes zugestanden werde, müßten auch alle Folgen der religiösen Gewohnheiten der Israeliten getragen werden, z. B. daß keine Wiederausgrabungen stattfinden dürfen. Anderseits sei nicht einzusehen, warum man nicht in derselben Weise, wie es für interconsessionelle Friedhöfe gilt, den Israeliten einen Theil für ihre Beerdigungen überlassen könnte. Er stelle daher den Antrag, der Gemeindeausschuß solle die Aeußerung abgeben, die Errichtung eines c o nfessionellen Friedhofes aus dem Communalfriedhofe sei ausgeschlossen, jedoch spricht der Gemeindeausschuß die Geneigtheit aus, der israelitischen Cultusgemeinde in Böhm.- Leipa, im Falle als der n i ch t c o n s e s s i o n e l l e Charakter des Communalfriedhofes und die Verwaltung der Stadtgemeinde ausdrücklich gewahrt bleibt, unter den erst festzustellenden näheren Bedingungen einen Raum des erweiterten Communalfriedhofes für Beerdigungen der Israeliten zuzuweisen. Wir erhalten hierüber aus Böhm.-Leipa vom 30. Mai folgende Zuschrift: „Sehr geehrter Herr Redacteur! Die hiesige jüdische Gemeinde, eine der ältesten Böhmens, besitzt einen Friedhof, der bereits Jahrhunderte alt ist. Dem antisemitischen Gemeinderath gefiel es nun, zu befehlen, dieser alte Friedhof sei aufzulassen. Anstatt einen eigenen Friedhof neu einzurichten, hat der israelitische Cultusvorstand an den Gemeinderath sich unterthänigst gewendet, daß man der israelitischen Cultusgemeinde für Beerdigungszwecke einen Platz auf dem Centralfriedhof überlasse. Dieser Platz wurde der israelitischen Cultusgemeinde zwar überlassen, aber unter Bedingungen, welche keine andere Cultusgemeinde acceptirt haben würde. Es muß von den religiösen Gewohnheiten Abstand genommen werden, die Verwaltung gehört nach wie vor der Stadtgemeinde und die Ausgrabung von jüdischen Leichen kann der Cultusvorstand nicht hindern. Trotz alledem hat der hiesige Cultusvorstand das Angebot angenommen. Die sogenannten „Aufgeklärten" erklären zwar, es bleibe sich ihnen gleich, wie und in welcher Art nach ihrem Tode mit ihren Leichen vorgegangen wird und ob ihre Knochen nach Ablauf von zehn Jahren herumgeschmissen werden. Allein in die Cultusverwaltung gehören solche Tendenzen nicht, denn die Pietät gegen die verstorbenen Angehörigen war seit je das b.'iligste Erbgut des Judeuthums, und man begreift, daß die Angelegenheit unter den noch jüdisch fühlenden Mitgliedern der Gemeinde einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat. Ueberdies existiren hier eine Chewra-Kadischa und eine Ghewra Nose hamitu, welche über bedeutende Capitalien verfügen, und man kann also nicht behaupten, daß es zur Errichtung eines eigenen Friedhofes an Geld gefehlt hat. Existiren diese zwei Vereine, um nur Gabuim zu haben oder Leudos zu machen? Eine geebrte Redactivn wird dringend gebeten, diese Zuschrift zu veröffentlichen. Hochachtungsvoll Salomon Gewing, im Namen vieler glaubenstreuer Israeliten." Sechster Delegirtentag der Deutschen Zionisten in Btannheim Montag den 19. Mai 1902, Vormittag 10 Uhr, begannen in den Sitzungssälen der August Lamey-Loge die Sitzungen für den deutschen Delegirtentag. Es sind über 60 Delegirte anwesend, die gegen 35 Ortsgruppen aus allen Theilen Deutschlands vertreten. Außerdem sind auch Freunde der zionistischen Bewegung in großer Zahl aus Nah und Fern als Gäste anwesend. Dr. Bodenheimer-Cöln eröffnet die Sitzung, gibt einen allgemeinen Ueberblick über die Bewegung in Deutschland, die günstige Hoffnungen für die Zukunft rechtfertigte, und theilt in großen Umrissen die Tagesordnung mit. Redner gedenkt zum Schluffe des Großherzogs von Baden, der ein warmer Gönner der zionistischen Bewegung sei. Ec schließt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf denselben. Die Wahl des Bureaus wird per Acclamation vorgenommen. Dr. Bodenheimer-Cöln wird zum I. Vorsitzenden, Doctor Wolffsohn-Cöln, Dr. Moses-Mannheim zu Stellvertretern des Vorsitzenden, Dr. Felsenthal-Mannheim, Dr. Friedmann-Wiesbaden, Dr. Klee-Berlin, Dr. Kaufmann-Freiburg zu Beisitzern gewählt. Sodann referirt Dr. Gronemanu-Hannover über das neue Organisationsstatut. Die Discussion über dieses wichtige Thema, das eine Neuorganisation der deutschen Bewegung regelt, dauert ununterbrochen bis Abends 5 Uhr und endet mit der Annahme des Statuts. Dr. Friedemann-Berlin und Dr. Bodenheimer-Cöln referiren nun über die Bildung von Fractionen nach politischen und religiösen Schattirungen innerhalb der Bewegung. Beide Redner sind der Ansicht, daß die Bildung von Sondergruppen unsere junge Bewegung zeriplittern würde. Das Ziel, eine Heimstätte in Palästina zu gründen, müsse das gemeinsame Ziel sein, das alle Zionisten einige. L".Die Discuffion über diesen Punkt setzt sehr lebhaft ein und führt zu recht intereffanten Debatten. Abends halb 9 Uhr wird die Sitzung auf Vormittag 9 Uhr vertagt. Es schließt sich ein großes Bankett an. das die 'Mannheimer Ortsgruppe zu Ehren der fremden Delegirten veranstaltet. Dienstag den 20. Mai 1902. Der zweite Tag wird durch die Erstattung des Cassenberichts eröffnet. Ein mächtiges Anwachsen der Bewegung in Deutschland geht aus ihm hervor. Die Errichtung eines Centralagitations-Bureaus in Berlin wird beschlossen. Dr. Friedemann berichtet über das Parteiblatt, die „Israelitische Rundschau", die aus Privatbesitz in die Hände der zionistischen Ortsgruppe übergegangen ist. Großes Interesse und Sympathie fand der Prospect des verdienten palästinensischen Lehrers Belkind.der die Gründung einer jüdischen Nationalschule in Palästina bespricht. Dort soll die palästinensische Jugend für den Ackerbau und das Handwerk vorbereitet werden. Eine Grundlage für eine zukünftige Colonisation. Es wird beschlossen, das Project materiell zu unterstützen. Doctor Moses-Mannheim referirt über Gegenwartsarbeit; politische Gleichstellung, körperliche, geistige und wirthschaftliche Hebung der Juden sei ihr Ziel. Die Nachmittagsfitzung brachte Fortsetzung der Preßdebatte, Statuirung der Functionen des Comitös und die Wahl von 15 Mitgliedern in das Central-Comite. Dann folgt die Discussion über das Referat von Dr. Moses. Diese bewegt sich im Wesentlichen auf der gleichen Grundlage, wie jene des Referenten. Klausner-Heidelberg fordert Trennung der Culturfrage von jener der körperlichen und ökonomischen Hebung der Judenheit. Jene sei specifisch zionistisch, diese solle gemeinsam mit allen anderen Juden gelöst werden. Der Zionismus solle sich nicht ins Uferlose verlieren, die Idee selbst rein und hoch erhalten werden. Abends 6 Uhr schließt Dr. Bodenheimer-Cöln den sechsten Delegirtentag. Nach den Aeußeruugen der Führer ist in der Mannheim abgehaltene Delegirtentag der Deutschen Z i o n i st e n überaus erfolgreich verlaufen. Dieselben find mit den Resultaten ihrer Besprechung, besonders mit dem neuen Orgauisationsstatut und den Resolutionen, die in der Frage nach der Opportunität von Fractionsbildungen gefaßt worden find, sowie den freundlichen Empfang der maßgebenden jüdischen Kreise in Mannheim außerordentlich zufrieden. Am 21. Mai wurde eine Abordnung des Delegirtentages, bestehend aus den Herren: Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, Köln am Rhein; Assessor Dr. Friedemann. Wiesbaden; Dr. Kaufman. Freiburg; Dr. Klee, Berlin; Dr. Moses, Mannheim; Rechtsanwalt Dr. Schauer, Mainz, von Sr. königlichen Hoheit dem Großherzog von Baden empfangen. Auf die Ansprache des Präsidenten der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herrn Dr. Bodenheimer, Köln, welcher dem Großherzog den Dank der Zionisten für sein der Bewegung und ihren Führern bewiesenes Wohlwollen aussprach, erwiderte d:

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