Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 22 (30.5.1902)
- Date
- 1902-05-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 366 Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift. Mädchen durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen die Erlernung und Ausübung einer Ecwerbsbeschäftigung zu ermöglichen, wurde nach verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. Das Curatorium wandte in erster Linie seine Fürsorge den im Jahre 1899 gegründeten vier Mädchenarbeitsschulen in Buczacz, Kolomea, Stanislau und Tarnorv zu und beschloß, die Errichtung von mehreren, aber kleiner angelegten Nähstuben in Bohorodczany, Bursztyn und Zaleszcyki. Außerdem wurden an 34 Mädchen, die zum Theil in Wien, zum Theil in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt und weiteren 42 Mädchen zum Theil Schulgeldbeiträge bewilligt, zum Theil für sie das ganze Unterrichtshonorar erlegt. Das Curatorium hat in den Vorjahren an 20 galizische Mädchen monatliche Stipendien von je 20 Kronen bewilligt und in diesem Jahre die Anzahl der Stipendistinnen auf 25 erhöht. Diese Mädchen waren in Wien bei Schneiderinnen, Modistinnen, Cravattenmacherinnen, Wäscheerzeugerinnen, Handschuhmachern rc. in der Lehre, wurden bei der betreffenden Genossenschaft ordnungsmäßig aufgedungen und freigesprochen und erhielten während der Dauer der Lehrzeit, die bisweilen zwei Jahre beträgt, freie Wohnung. Kost, Quartier, Kleider und Wäsche. Das Curatorium hat weiter vier im israelitischen Waisenhause in Wien untergebrachten galizischen Mädchen Stipendien von zusammen 1000 Kronen, dem Waisenhause in Brody eine Subvention für 10 Mädchen von zusammen 1200 Kronen, der Osias Gotthelff'scheu Handelsschule in Sambor für Frequentantinnen des Handelscurses für Mädchen 400 Kronen und sechs Schülerinnen der gewerblichen Fortbildungsschule für Mädchen in Storozynetz die Bezahlung des halben Schulgeldes per 165 Kronen bewilligt. Der zweite Stiftungszweck besteht darin, den durch die Baron Hirsch-Stiftung zu Handwerksgesellen herangebildeten, in Galizien und der Bukowina wohnhaften israelitischen Kindern Unterstützungen zum Behufe weiterer Ausbildung in ihrem. Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Ausland zu gewähren. Durch den hierfür bestehenden Fonds war es möglich, den zu Handwerksgesellen herangebildeten ehemaligen Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich ins Ausland zu begeben, nicht blos, um sich weiter auszubilden, sondern auch dort, wo oft ein größerer Bedarf an speciellen Arbeitskräften bestand als im Jnlande, sich Erwerb zu schaffen. Das Curatorium hat in zahlreichen Fällen Handwerksgesellen, die schon durch einige Jahre gearbeitet hatten, nach Paris, London, Berlin, Offenbach a. M. u. a. O. gesendet und hierfür 3750 Kronen verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen einlangten, lauteten durchwegs günstig. Eine gleich ersprießliche Ergänzung erfuhr die Stiftungsthätigkeit durch den weiteren Zweck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerks körperlich untauglich sind, durch Ertheilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Berufszweiges zu ermöglichen." Hierdurch war das Curatorium in die Lage gesetzt, nicht allein jenen Kindern, welche wegen körperlicher Schwäche gezwungen waren. Handels-, Gewerbe- oder Mittelschulen rc. zu besuchen, Stipendien zu gewähren, auch für eine Reihe unglücklicher, verkrüppelter Personen konnte durch Anschaffung eigens construirter Strickmaschinen rc. die Möglichkeit eines Erwerbes geschaffen werden. Jnsgesammt wurden aus diesem Fonds 22.452 Kronen verausgabt. Budapest. Die Pester israelitische Cultusgemeinde hielt am 26. Mai Bormittags ihre Jahresversammlung, in welcher in Verhinderung des erkrankten Präsidenten Sigmund Kohner der Bicepräsident k. Notar Dc. Philipp Weinmann den Vorsitz führte. Der vom Vorstand unterbreitete Jahresbericht stellt die materielle Lage der Gemeinde in nicht gerade rosiger Weise dar. Der Hauptgrund liegt in dem Umstande, daß das Gesuch der Gemeinde an die Hauptstadt um Votirung einer Jahressubvention nicht von Erfolg begleitet war, trotzdem im Gesuch darauf hingewiesen wurde, daß die Ausdehnung der kulturellen und humanitären Institutionen der Gemeinde immer größere Opfer erheische. Die Gemeinde hat im Vorjahre pädagogischen Zwecken etwa 150.000 Kronen, Spitalszwecken 325.000 Kronen und Wohlthätigkeitszwecken 100.000 Kronen zugewendet. Eine lebhafte Debatte entwickelte sich in Angelegenheit der deutschen Predigten. Es wurden Stimmen laut, welche die Aufrechterhaltung der Tradition wünschten; nach den Ausführungen des Abgeordneten Paul Saridor und Dr. Salamon Eulenburg wurde beschloffen, in Hinkunft die Zahl der deutschen Predigten stufenweise zu verringern. Die Einnahmen betrugen 1,055.711 Kronen 71 Heller, welchen Ausgaben in der Höhe von 1,073.274 Kronen 72 Heller gegenüberstanden. Das Deficit von 17.563 Kronen wird aus dem Stammvermögen der Gemeinde gedeckt. Das Präliminare des nächsten Jahres wird mit 1,137.000 Kronen Einnahmen und 1.095.000 Kronen Ausgaben festgestellt. Unbedeckt bleiben 42.000 Kronen. Vor Berathung des Budgets ergreift Repräsentant Dr. Julius Schwarz das Wort. Redner führt aus, daß das orthodoxe Executivcomite an den Cultusminister das Ansuchen gerichtet habe, derselbe möge die im Jahre 1888 erlassene Verordnung, betreffend die Einheitlichkeit der israelitischen Confession, zurückziehen, da in Ungarn die orthodoxen und neologen Israeliten zwei Confessionen bilden. Das Cultusministerium hatte dieses Ansuchen abgewiesen. Der G.-A. XLII vom Jahre 1895 über die Reception der Juden stellt zweifellos fest, daß in Ungarn sowohl vom Gesichtspunkte der Staatspolitik als von dem des Judenthums nur eine israelitische Confesfion existire. Trotz dieser Thatsache habe der Magistrat der Hauptstadt die Existenz zweier selbstständiger, der „israelitischen" und der „autonomen orthodox-israelitischen", Confessionen festgestellt. Redner legt die am 28. Februar 1902 von der Hauptstadt herausgegebene Liste der im Jahre 1881 in Budapest geborenen Stellungspflichtigen vor, in welcher bei Bezeichnung der Religion derartige Unterschiede gemacht sind. Redner beantragt, die Gemeinde möge an den Cultusminister eine Repräsentation richten, in welcher derselbe ersucht wird, die Hauptstadt anzuweisen, daß, nachdem es gesetzlich blos eine israelitische Confesfion gebe, in Hinkunft die Rubrik über die Religion der Bürger dementsprechend ausgefüllt werde. Die Generalversammlung erhob diesen Antrag einstimmig zum Beschluß. Schließlich wurde der Ausschuß mit Dr. Emerich Birnbaum ergänzt. Ung-Hradisch. Am 5. Mai 1902 fand bei uns unter großer Berheiligung und lebhafter Agitation -die Neuwahl der hiesigen Cuitusgemeinde-Vertretung statt, bei welcher nachstehende Herren in den Ausschuß gewählt wurden: Blum Gustav, Braun Josef, Brunn Sigmund, Fürst Emanuel, Gansel Heinrich, Hahn Samuel, Kapp Wilhelm, Morgenstern Hermann Schallinger Lazar, Schön Jacob, Schindler Adolf, Spiegler Ignatz, Strauß Elias, Trost Wilhelm und Dr. Otto Winter. Bei der am -22. d. M. stattgefundenen Constituirung wurden nachstehende Herren einstimmig in den Vorstand gewählt: Braun Josef, Brauereibesitzer, als Vorsteher; Brunn Sigmund, Kaufmann, als Vorsteher-Stellvertreter; die Herren Gansel Heinrich, Privatier, Hahn Samuel, Getreidehändler. Schindler Adolf, Kaufmann, und Spiegler Ignatz, k. k. Postcassier, als Beiräthe. Wir wollen hoffen, daß der neugewählte Vorstand mit Eifer an sein Werk gehen und sofort zum Umbau des hiesigen, bereits für baufällig erklärten Tempels schreiten wird, damit wir zu den hohen Feiertagen in demselben wieder unseren Gottesdienst werden verrichten können zur Ehre Gottes und zur Freude aller Cultusgemeindemitglieder. Lemberg. Aus Skole wird dem „Slowo Polskie" gemeldet: Das dem Abgeordneten Byk gehörige Gut Zupanie sollte verkauft werden, und die Gemeinde Zupanie beabsichtigte, es zu erwerben. Es kam ihr aber ein jüdischer Gasthauspächter zuvor. Als die Gemeinde dies erfuhr, entstand große Erregung, und mehrere Hundert Bauern sammelten sich vor dem Gasthause und stürmten es; sie zertrümmerten Thüren und Fenster, zerstörten alle vorräthigen Spirituosen und demolirten die Einrichtung. Der Pächter rettete sich mit seiner Familie; aber die Dienstboten mußten der Wuth der Menge Stand halten. Als die Gendarmerie kam, war nichts mehr zu retten. Der Untersuchungsrichter berief die Rädelsführer nach Skole. Alle Bewohner von Zupanie erklärten jedoch, kein einziger Mann dürfe verhaftet werden. Der Vorfall hat in der Nachbargemeinde unter der jüdischen Bevölkerung eine Panik hervorgerufen, da weitere Ausschreitungen der Gebirgsbewohner befürchtet werden. Die Friedhosssrage in Böhm.-Leipa. Dem Amtsblatte der Stadtgemeinde Böhm.-Leipa entnehmen wir: „Der Gemeindeausschuß hatte in der Sitzung am 1. Juli 1899 (Amtsblatt Nr. 74) beschloffen, der israelitische Friedhof in Böhm.-Leipa sei zu schließen, demnach seien die Beerdigungen auf demselben zu untersagen, weil auf Grund der an Ort und Stelle gepflogenen Erhebungen, insbesondere der Gutachten der dieser Commission beigezogenen Sachverständigen die Schließung des israelitischen Friedhofes aus sanitären Gründen ein Gebot