Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-30 · 22 (30.5.1902) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
22 (30.5.1902)
Date
1902-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021462--11808-3036366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift^ Sette 365 um Zustimmung zu den vom Vereine beschlossenen Statutenänderungen. Referent beantragt, diesen Aenderungen unter der Voraussetzung zuzustimmen, daß in das Statut ergänzende Bestimmungen, betreffend die Jngerenz des Cultusvorstandes auf die Bestellung, Disciplinirung und Entlassung des Vereinsrabbiners und der Vereinscantoren, ausgenommen werden. Der Referentenantrag wird angenommen. Vicepräsident Dr. Kohn beantragt namens der Schulcommission und des Vertreter-Collegiums, gemäß dem schriftlichen Referate des Herrn Directors Simon den Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an Mädchen-Gymnasien conform dem Lehrplane für den israelitischen Religionsunterricht an Obergymnasien zu gestalten. Nach durchgeführter Debatte, an welcher sich.insbesondere die Herren Dr. Spitzer und kaiserl. Rath Wilhelm P o l l a k betheiligen, wird der Antrag des Vertreter-Collegiums genehmigt. Des Weiteren referirt Vicepräsident Dr. Kohn namens der Commission für Cultus- und rituelle Angelegenheiten und des Vertreter-Collegiums betreffend eine Anzeigepflicht der Bethausvereine bei Bestellung von Vereinsrabbinern. Das Vertreter-Collegium beantragt, eine Verständigung an alle Bethausvereine des Inhaltes zu erlassen, daß neu zu bestellende Vereinsrabbiner in Hinkunft dem Cultusvorstande anzuzeigen seien, deren Bestellung aber insbesondere im Hinblicke auf die Eventualität der Berufung als Gemeinderabbiner im Falle einer vom Cultusvorstande erhobenen Einsprache zu unterbleiben habe. Ueber Antrag des Herrn Biee-Präsidenten Dr. Stern wird beschloffen: - In Betreff der Bestellung eines Vereinsrabbiners haben die Bereinsvorstände vor Fassung eines Beschlusses das Einvernehmen Mit dem Vorstande ver Cultusgemeinde zu pflegen und die Zustimmung desselben bezüglich des zu Ernennenden einzuholen. Als Berificatoren der Protokolle vom 8. Mai und vom 25. Mai 1902 werden über Vorschlag des Präsidenten die Herren Dr. Felix K a tz a u und Dr. Markus Spitzer berufen, und erfolgt nach Erledigung von Steuerangelegenheiten und Personalfragen der Schluß der Sitzung um X/21 Uhr Mittags. Wien. (D i r e c t o r Gustav R. v. M a u t h n e r.) Die große Theilnahme, welche das plötzliche Hinscheiden des Directors der Creditanstalt Herrn Gustav R. v. Mauthner hervorgerufen, und die Sympathien, deren der Dahingeschiedene sich in der Wiener Gesellschaft erfreute, fanden ihren Ausdruck bei der Leichenfeier, zu welcher sicy eine ungewöhnlich große Anzahl von Trauergästen einfand. Bor dem Wohnhause des Verblichenen, Kärntnerstraße Nr. 51, fuhren Hunderte von Wagen vor, so daß der Verkehr in der Straße zeitweilig stockte. Außer der Witwe, den Kindern und den übrigen Verwandten darunter dem Vetter des Verblichenen, dem Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Max Freiherrn v. M a u th n er, der Baronesse Jella und dem Baron Max Oppenheimer hatten sich eingefunden.' Sectionschef v. Merey, der Präsident des Berwaltungsrathes der Creditanstalt v. Gomperz mit sämmtlichen Verwaltungsräthen, den Directoren und dem Beamtenkörper des Creditinstitutes. Ferner waren erschienen: Unterrichtsminister Dr. R. v. H a r t e l, der zweite Präsident des Obersten Rechnungshofes Dr. Steinbach, der Gouverneur der Oesterreichischungarischen Bank Dr. R. v. B i l i n s k i mit dem Bicegouverneur Freiherrn v. Winter st ein, der Gouverneur der Länderbank Max Graf Montecuccoli, Freiherr v. Bezecny, Philipp Graf Boos-Waldeck, FML. R. v. H a u p t m a n n, Albert Freiherr v. Rothschild, David R. v. G u t m a n n, der Präsident der Staatseisenbahn-Gesellschaft R. v. Taussig, Generaldirector Palmer, die Herrenhausmitglieder Freiherr v. S o ch o r, Hofrath Professor G r ü n h u t, Arthur Krupp, L o b m e y r und Dr. M i l l a n i ch, die Reichsrathsabgeordneten Dr. Rudolph A u s p i tz und Dr. Edler v. R a p o p o r t, in Vertretung der Ungarischen allgemeinen Creditbank Generaldirector Kornfeld, in Vertretung der Direction der Discontogesellschaft in Berlin Geheimrath Schoeller, für das Haus S. Bleichröder in Berlin Generalconsul Paul S ch w a b a ch und für das Haus Mendelssohn u. Co. in Berlin Herr Arthur F i s ch e l, Director Dernburg aus Darmstadt, w nters Franz Graf Hardegg, Freiherr v. Pirquet, Freiherr v. S ch e y, der Chefredacteur der „Neuen Freien Presse" Dr. Benedikt, Generaldirector Hofrath I e i t t e l e s, der Generaldirector der Südbahn Hosrath E g e r mit dem Director K a i z l, Hofrath R. fr Kamler, Hofrath Spitzmüller, Generalconsul Hofrath R. v. H a h n, Hofrath Kaan, Hofrath R. v. B o r k e n a u, Hofrath Pöschl, Generalinspector Regierungsrath Lewis, der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde kaiserl. Rath K l i n g e r mit den Vorstandsmitgliedern, die Procuristen des Bankhauses S. M. v. Rothschild Stiedry, Emil Horner und Langbein, Centraldirector K e st r a n e k. zahlreiche andere Persönlichkeiten aus der Finanzwelt und der Industrie, Künstler und Schriftsteller. Die Ceremonie begann mit einem vom Obercantor Singer vorgetragenen Trauerpsalm, worauf sich der Conduct nach dem Centralfriedhofe in Bewegung setzte. Am Sarge sprachen Oberrabbiner Dr. Güdemann und der Director der Creditanstalt Dr. Miko sch. Bei der Creditanstalt liefen zahlreiche Beileidsbezeigungen ein. Es condolirten: Der Ministerpräsident Dr. v. K o e r b e r, Finanzminister v-Böhm-Bawerk, Handelsminister Freiherr v. Call, der ungarische Finanzminister v. L u k a c s, der Präsident der Ungarischen Creditbank Graf Aladar A n d r a s s y und zahlreiche andere Persönlichkeiten, sowie auch viele Behörden, öffentliche Körperschaften, Banken und Firmen des In- und Auslandes. Die rumänischen Judenauswanderungen. Wer am 22. d. M. Vormittags in der Abfahrtshalle auf dem Nordwestbahnhofe in Wien zu thun hatte und einen Blick in den anstoßenden Raum für die Gepäcksaufnahme warf, dem bot sich ein ungewöhnliches Bild. Etwa zwei bis drei Männer, sonngebräunte, kräftige Gestalten, eine größere Zahl von Frauen und Mädchen und eine Schaar von Kindern befanden sich dort, umgeben von einem Berg von Gepäcksstücken, die sie sorgsam hüteten und bewachten. Es sind Frauen und Kinder aus Rumänien, die ihren Gatten und Vätern nach Amerika Nachfolgen. Die Männer sind vor zwei Jahren hinübergewandert und mußten damals ihre Familien in größtem Elend in der Heimat zurücklaffen. Als tüchtigen Handwerkern gelang es ihnen bald, meist in Milwaukee und Philadelphia Erwerb zu finden und sie sparten sich den Biffen vom Munde ab, um mit Frau und Kindern in der Heimat ihren Verdienst zu theilen. Nun soll die Trennung ein Ende haben. Die spärliche Habe wurde zusammengerafft und verpackt und mit froher Hoffnung haben sie die Reise angetreten, um dem furchtbaren Elend der Heimat zu entgehen und in der Ferne einen neuen Hausstand zu gründen. Ihnen haben sich einige junge Männer angeschlossen, die schon monatelang am Hungertuch nagen, da sie nicht im Stande sind, ihr Handwerk auszuüben. Das neue rumänische Gewerbegesetz, das im September in Kraft treten soll, wirft seine Schatten voraus und den israelitischen Handwerkern ist es jetzt schon unmöglich, Verdienst zu finden. Die Auswanderer sind des Morgens hier angekommen und fuhren noch Vormittags weiter; die Mütter hatten oft noch Säuglinge im Arm und an ihre Kleider hängte sich furchtsam und verschüchtert eine ganze Schaar kleiner Kinder, die mit großen, verwunderten Augen umherstarrten und nicht wußten, was mit ihnen geschehen wird. Aus den Augen der Frauen strahlte Zuversicht und Hoffnung auf ein besseres Los. Ihre Gatten in Amerika sind meist Schmiede, Spängler und Schneider. Wenn man die Männer, die mit der Gruppe ziehen, fragt, ob sie glauben, in Amerika ihr Los zu verbessern, erwidern sie fest und bestimmt: „So hoffen wir!" — Einige Functionäre der Israelitischen Allianz in Wien hatten sich auf dem Bahnhofe eingefunden und lösten für die Emigranten die Bahnkarten zur Weiterfahrt. Auch sonst ließ man den Ankömmlingen die werkthätigste Hilfe im reichsten Maße angedeihen. Bei allen diesen aus ihrer Heimat verdrängten Auswanderern sah man den dankerfüllten Ausdruck im Gesichte und in den Augen sich spiegeln, mit welchem sie das so edle und menschenfreundliche Wirken der Wiener Israelitischen Allianz entgegennehmen und dankerfüllten Herzens segnen. Wien. Auch der Bericht über die Thätigkeit der Baronin Clara von Hirsch Kaiser-Jubiläums-Stiftung ist jetzt erschienen. Die Stiftung dient zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich; sie besitzt ein Vermögen von 4,467.300 Kronen. In Erfüllung des ersten Zweckes der Stiftung: armen Kindern, welche die Schulen der Baron Hirsch- Stiftung in Galizien und der Bukowina besuchen. Mittagskost und Kleidungsstücke zu gewähren, wurden 11.895 Frühstücke und 197.016 Mittagmahle verabreicht und circa 6000 Kinder mit Kleidern, Mützen und Schuhen betheilt. Jnsgesammt wurde für den Zweck der Bekleidung und Beköstigung ein Betrag von 98.531 Kronen verausgabt. Dem weiteren Zwecke: israelitischen, insbesondere in Galizien und in der Bukowina wohnhaften

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.