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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 384 Dr. Bloch's Wochsnschrist« Nr. 21 gezeichnet meine Hand für's Bezahlen, na was soll ich thun? Ich bezahle. Und wenn ich zeichne meine Hand für's Zählen, werd' ich zählen. Hilf ihm, Rebekkche, und gib' mir was zu trinken, ich Hab so 'n Durst von dem Fieber. Und zähl ihm's Geld vor. . . siebenhundertdreizehn, sechs, zwölf. Nachdem die junge Frau, ihren Mann gelabt hatte, hockte sie auf die Dielen nieder, und Walther kniete daneben. Sie stürzte das Geld in ihren Schoß aus und wollte anfangen, zu zählen. Aber cs ging nicht. Sie selbst konnte nicht klug werden aus den zahllose» Geldsorten, die ihr Mann zueinander zu bringen gewußt hatte. Man hätte ein Museum daraus bilden können. Auch war kein Platz, denn der Fußboden war voll von allerhand Trödel. Ach, der alte Gerrit wußte es wohl, und wie ein Donnerschlag klang Walther die furchtbare Prophezeiung in den Ohren: .Wenn Sie davon abkommen mit ’n Thaler, können Sie von Glück reden!" Er kriegte große Angst. Da polterte etwas auf der Treppe,, und das alte Feigenfrauchen zeigte sich in der geöffneten Thür. Sie sprach Kauderwelsch und schien Rebekkchen etwas über das Geld zu sagen. Die junge Frau hielt auf mit Aussuchen und Zählen. .Vater, es is Großmutter, und se saacht. . ." Hier folgte das eine und andere, das Walther wieder nicht verstand, doch unterschied er einige Male den Namen von Rachelche. Doch einmal begann die alte Frau ihre Erzählung, und sie zeigte auf ihn und schien sich zu ereifern über all' die abgeknabberten Dreizahnt'halben und Schillinge und beinah' nicht erkennbaren Münzstücke. ,9la", sagte der Kranke, .ich Hab' wohl auch gutes Geld, wenn es muß sein. Hier Rebekkche, nimm's ..." Er überreichte seiner Frau einen großen Sack, den er mit sichtbarer Mühe unter seinem Bettzeug hervorgegraben hatte. »Nimm's, Rebekkche, uud zähl' hin. . . Zwechundert Stücke, und dann noch zwanzig Stücke, und sechs. Und thu' en Achtundzwanziger hinzu, der gut is, und sechs Utre.-t'sche Deuten, und laff' chn geh'n mit Chott! Und gib mir zu trinken, Rebekk'che, denn ich Hab' so 'n Durst." Walther empfing sein Geld in geränderten Dukatons, und dankte sehr freundlich. Die Gütigkeit dieser alten Frau hatte ihm wohlgethan, und er war sogar gerührt. Wenn er in diesem Augenblick in der Zuerkennung von Verehrung hätte wählen müffen zwischen ihr und der soviel bester geborenen Mevrouw Kopperlith... Ohne die geringste Absicht, dem runzeligen Mütterchen nächzureden, wünschte er ihr tausend göttliche Segen zu. Ihr und Minheer Rubens, der so krank war. Und der jungen Frau, die so liebreich für ihren Mann sorgte. Und Klein Rachelchen . . . o, allen zusammen! Erst als er die Straße erreichte, schoß es ihm in den Sinn, daß — er — sapperlot ja, wie schade! — beim Zeichnen . . . seinen Schnörkel vergeffen hatte. Nun, das ein andermal! Er war erfreut, daß er Menschen begegnet war, die ihm so liebenswürdig vorkamen, und dies war mehr werth, als der schönste Schnörkel. Hiterarische Wmscha«. Von Rabbiner Dr. K o b a k. Die Gelehrtenrepublik hat begründete Ursache, dem rühmlichst bekannten, unermüdlichen und opferfreudigen Midrafor^cher Salomon Bub er zum unauslöschlichen Dank verpflichtet zu bleiben, welcher seit einem halben Jahrhundert mit rastlosem Eifer und unsäglichem Fleiße sich bemüht, aus den tiefsten Schachten der Weisheit die herrlichsten Geistesschätze auszugraben; Schätze, welche Jahrhunderte lang in versteckten Winkeln von Büchersammlungen unbenützt lagen, welche Buber aber aus der Finsterniß, in der sie schlummerten, herausholte und in die lichten Hallen der Wissenschaft eingeführt. So mögen hier von den zahlreichen Editionen Buber's einige hervorgehoben werden: a) Pesikta d’ rab Kahana (1868), b) das Buch Lekach Tob (1880), c) der ursprüngliche Midrasch Tanchuma, worüber die hervorragenden Gelehrten Pros. Dr. W. Bacher und Abraham Epstein ausführlich referirten (vergl. die Agade der paläst. Amoräer von Bacher, Band lll s. v. Tanchuma — 1885), d) der vollständige Schibole Haleket, ein halachisches Sammelwerk von großer Bedeutung (1887), e) der Psalmmidrasch u. d. T. »Schocher Tob" (1891) und die Midraschim über .Samuel" und die Sprüche Salomo's (1893), k) Midrasch Agada zum Pentateuch (1884), g) Midrasch Suta über die .Rollen", Hohes Lied. Ruth, Echa und Koheleth (1895) und Agadath Ester (1897), h) Midrasch Echa rabba (1898), i) Jalkut Hamechiri (1900), k) Die Zusammenstellung berühmter Männer und Rabbiner Lembergs mit biographischen Notizen (1895), sowie die von Zolkiew (unter der Presst). — Diesen sehr werthvollen Publicationen reiht sich würdig an das schätzbare Buch, womit Buber vor nicht langer Zeit die jüdische Literatur bereichert hat. Es ist dies das midraschartige Werk »Seche! Tob", Cvmmentar zum ersten und zweiten Buche Mosis von Rabbi Menachem ben Salomo, versaßt im Jahre 1139. Zum ersten Male herausgegeben nach den beiden Handschriften Cod. 165 und 166 in der Bodlejana, kritisch bearbeitet, commentirt und mit einer ausführlichen Einleitung versehen von Salomon Buber. Zwei Bände 1901—1902 im Berlage des Vereins M'kize Nirdamim. Die hohe Bedeutung dieses Werkes wird ganz gewiß von allen Kennern des jüdischen Schriftthums-richtig erfaßt werden, indem sie darin nicht nur Bereicherung ihres Wissens, sondern auch nützliche Anregung zu weiterem Forschen finden. Die Schriftverse des Pentateuchs werden vom Verfasser durch Paralletstellen aus anderen Versen der heiligen Schrift und aus talmudischen und midraschischen Auffassungen erläutert und mit fast allen gesttzlichen Vorschriften des Judenthums bereichert. Aber auch die Leistungen Buber's verdienen alle Anerkennung, indem er das verschollene, gediegene Werk, den Anforderungen der fortgeschrittenen wissenschaftlichen Forschung entsprechend, mit Quellenangaben, Worterklärungen und Sacherläuterungen, sowie mit einer' ausführlichen lehrreichen Einleitung ausgestattet, der literarischen Welt übermittelt hat, worin über das Buch und dessen Verfasser alles Wissenswerthe mitgetheilt wird. Die Einleitung enthält 12 Abschnitte, und zwar 1) über den NaMen des Buches, wobei bemerkt werden darf, daß es nicht ganz ausgeschlossen ist, daß die Benennung »Maskil" ein besonderes Merkchen oder eine besondere Abtheilung des »Seche! tob" war, weil der Satz: .wie ich erklärte in meinem Buche Seche! tob im Buche Maski!" darauf Hinweist, da sonst der Satz incorrect wäre; vielleicht fehlt das Copulativum und sollte heißen u n d in meinem Buche Maski!. — Im zweiten Abschnitt referirt Buber über den Namen des Verfassers und betont richtig, daß derselbe nicht zu verwechseln ist mit dem gleichnamigen Gelehrten, der auch den Beinamen Meiri erhielt. Im dritten Abschnitt bespricht Buber den Wohnort des Verfassers und kommt zum Resultat, daß die Heimat desselben Italien war, was aus den Uebersetzungen hebräischer und talmudischer Wörter zu ersehen ist, wofür Buber alle Belegstellen (27) auszählt. Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, daß im 1. B. M. 15, 4 duca minor zu verstehen wäre, das. 36, 20 das italienische Diminutivum von truppa (gemeine Soldaten) truppalo möglich ist, im 2. B. M. 9, 14 und 14, 24 segno (lat. signum) gemeint ist. Ueber die Lehrer des Verfassers wird im vierten Abschnitte gesprochen und nennt Buber den Verfasser des Leckach tob (Rabbi Tobia ben Elieser) und auch in Uebereinstimmung mit Prof. Dr. W. Bacher den bekannten Grammatiker Menachem ben Geruk als die vorzüglichsten Wegweiser unseres Verfassers. Im fünften Abschnitte wird erörtert, daß Rabbiner Menachem das Werk Seche! tob im Jahre 1139 und den .Prüfstein" (sprachwissenschaftlich) im Jahre 1143 abgefaßt hat. — Am reichhaltigsten ist der 6. Abschnitt, worin Tendenz und Inhalt des Buches angegeben sind und wo Buber fünf Verzeichnisse über die Themata desselben zusammenstellt, und zwar: a) über alle Stellen, worin Gesetzesvorschriften und Deeisionen aus den beiden Talmuden und aus späteren rabbinischen Autoritäten Vorkommen; b) grammatische Interpretationen; c) über variae lectiones; d) über Defectiva und Superflua; e) über Punkte und Accente. Der siebente Abschnitt beschäftigt sich mit den Namen der Werke und Schriftsteller, die im Buche erwähnt sind. Es sind dies die Targumim, die beiden Talmude, die Tosifta, Mechilta, Sifra, Sifre, der Midrasch JBereschith rabba, die Pesikta d’ rab Kahana, Schtzeltvth, die Schriften der Gaonim, der Kallir, Rabbi Chananel, Alfasi, Menachem ben Seruk und der Verfasser des Lekach tob (Rabbi Tobia ben Elieser). — Der achte Abschnitt enthält die Namen derjenigen Schriften, welche das »Leche! tob“ citiren und besonders bei wichtigen Deeisionen dieses Werk als Autorität ersten Ranges anerkannten. So z. B. die Halachische Schrift u. d^ T. .Das Buch der Analecten" (Leier Haasufoth), die einzige Handschrift in der Montefiore College Bibliothek Nr. 115, woraus Buber 31 Stellen mittheilte, die aus dem Leche! tob gebracht werden; auch meiner anderenHandschriftvvn einem bedeutenden (aber nicht bekannten) Gelehrten des Mittelalters finden sich 42 autori-

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