Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 21 (23.5.1902)
- Date
- 1902-05-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 350 Nr. 21 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Wie«. Der Compositeur Goldmark hat seine Oper ,Götz von Berlichingen“ vollendet. -Das Werk soll am 4. October d. I. in der Hofoper zum erstenmale in Scene gehen. Goldmark hat das 72. Lebensjahr bereits zurückgelegt, daher dessen Arbeitskraft und Schaffenslust umso erstaunlicher ist. Wie«. Donnerstag den 8. d. M. fand im Tempel des X. Bezirkes die Trauung des Fräulein Anna Straßberg. Tochter des im Bezirke überaus beliebten und verdienstvollen Vorstehers, Herrn I. S. S t r a ß b e r g. mit Herrn Manfred Hutterer, Sohn des Fabrikanten I. Hutterer, statt. Der prachtvoll mit Blumen geschmückte Tempel war in allen Räumen von einem distinguirten Publicum überfüllt. Man sah viele Vertretungen von Tempel- und Schulvereinen, unter Andern Cultusvorsteher Ellbogen, Vorsteher Hermann Beck vom VIII. Bezirke, Vorsteher Werther, Obercantor Bauer , u. v. A. Der Obmann des Tempelvereines im X. Bezirk, Herr Carl Seligmann, führte den Hochzeitszug in das Gotteshaus ein. Den Trauungsact vollzog Rabbiner Dr. Bach, welcher in einer schwungvollen Ansprache an das Brautpaar die Verdienste des Brautvaters würdigte. Obercantor I. Schlesinger trug unter Assistenz des gutgeschulten, unter der Leitung des Cantor Weißmann stehenden Chores die Trauungsgesänge in erhebender Weise vor. Wie«. Freitag und Samstag findet im Bethause Am Bolkert. H. Fugbachgaffe 7 ein Probevortrag des Herrn Elkones Jaristofski, Obercantor in Brody, statt. Wie». (Kranken-, Witwen- und Waisen- Unter stützungsverein „Chesed sc hei eines“.) Wenn das rege Jntereffe, welches der jüngsten Veranstaltung dieses Vereines, der am 18. d. M. im Deutschen Volkstheater stallgefundenen Matinee, von allen Seiten der jüdischen Bevölkerung Wiens entgegengebracht wurde, als Gradmesier für die Popularität, dieser Körperschaft betrachtet werden darf, so erfreut sich der Verein „Chesed schel eines“ thatsächlich einer seltenen Popularität. Das bewies das total ausverkaufte Haus, dessen Besucher sich aus den besten Kreisen unserer Glaubensgenossen recrutirten, welche der außergewöhnlich animirten Vorstellung (»Die Hochzeit von Valeni“) mit großem Jntereffe folgten. Das Haus bot mit dem festtäglich toilettirteu Damen- und Herren- Publicum den Anblick eines veritablen Theätre par6e, und gespielt wurde mit jener künstlerischen Vollendung, wie sie von den bewährten ersten Kräften dieses Theaters, den Damen: Sandrock und von Brenneis, den Herren Weisse, Kutschers, Weiß rc., ja bestens bekannt ist, und als im 3. Acte dem Fräulein Aoele Sandrock von Seite des Vorstandes ein riesiger Lorbeerkranz auf offener Scene überreicht wurde, ward diese verdiente Ovation von dem gesammten Publicum mit demonstrativem Beisalle acclamirt. Der Verein hat mit dieser Veranstaltung einen vollen und ganzen Erfolg erzielt, die Besucher haben einen genußreichen Nachmittag verlebt und — last not least — dem Armenfonde des Vereines wurde durch das Gelingen dieser Matinee eine ansehnliche Summe zugeführt. Raab. Am 8. Mai d. I. wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der Zier und Stolz unserer Gemeinde gewesen. Herr Elias Keppich, Nestor der hiesigen Kaufmannschaft, des Raaber Stadtrathes, der Cultusgemeinde — und der Chewra- Kadischa-Repräsentanz. und Mitglied vieler Humanitären Anstalten, ist am 6. d. M. im Alter von 90 Jahren sanft in ein befferes Jenseits hinübergeschlummert. Sein Sterben, ohne Todeskampf, war nach unseren biblischen Vorbildern der Tod des Gerechten. Im Trauerhause, wo die religiösen Ceremonien stattfanden. umstanden die Bahre des Verblichenen seine beiden gramgebeugten Söhne, die, sowie seine einzige Tochter Frau Johanna H-rzl, Präsidentin des Raaber israelitischen Fraueuvereines, aufopferungsvolle, treue Pfleger während seines Greisenalters gewesen; ferner die beiden von Seelenschmerz erfüllten Schwiegertöchter, der Schwiegersohn, drei Enkel und eine große Anzahl Angehöriger, von denen Viele aus weiter Ferne herbeioeeilt waren, um dem allverehrten Senior der Familie die letzte Ehrung zu bezeugen. Nachdem der Obercantor mit dem Chor einen stimmungsvollen Choral angestimmt, bestieg Oberrabbiner Ehrwürden Herr Dr. Moritz Schwarz die Trauerkanzel und hielt dem Verewigten einen wohlverdienten Nachruf in warmempfundeuen, begeisterten und zum Herzen gelangenden Worten, die bei der Trauerversammlung tiefste Rührung hervorriefen. Sodann setzte sich der imposante Leichenzug in Bewegung, begleüet von einer unübersehbaren Menge von Leidtragenden aller stände «nserer Gemeinde, von Corporationen und den Sommitäten unserer Stadt nach dem Györ-Szigeter israelitischen Friedhof. woselbst der selig Verstorbene an der Seite seiner ihm im Tode vorangegangenen theueren Gattin zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Sarajewo. Wenn auch meines Wissens über die Juden in Bosnien in der Monarchie nur wenig oder gar nichts geschrieben wird, so soll damit keineswegs gesagt sein, daß es nichts mitzutheilen gibt. Speciell die Sarajewoer Gemeinde der aus der Monarchie eingewanderten Juden bietet seit etwa drei Jahren ein erfreuliches Bild des Aufschwunges. Jahre hindurch stagnirte Alles, denn es fehlte die führende Hand. Bei dem Umstande, daß die hiesige Gemeinde ein aus den an Cultur, Bildung, und Gewohnheiten heterogensten Elementen bestehendes Neugebilde ist, war es auch schwer, geeignete Persönlichkeiten für die Führung zu gewinnen. Nun ist es besser geworden. Seit der hiesigeAdvocatDr. MoritzRothkopf, durch das allgemeine Vertrauen dazu berufen, an die Spitze der Gemeinde trat, geht es ftisch vorwärts. Schon im Laufe dieses Sommers, voraussichtlich an des Kaisers Geburtstag, wird der neue Tempel eingeweiht, ein Gotteshaus, dessen sich keine große, alte und erbgesessene Gemeinde zu schämen brauchte, dessen Herstellungskosten nahezu ganz im Schoße der Gemeinde selbst aufgebracht wurden, eine Opferwilligkeit, die bei den notorisch nicht gerade glänzenden Verhältnissen der hiesigen Juden nicht genug gerühmt werden kann. Nebst der eifrigen Thätigkeit des Herrn Vorstandes ist dies mehr als günstige Resultat dem stillen» bescheidenen Wirken unseres Rabbiners zu verdanken, einem wahren Jünger Aharons, der den Frieden liebt und ihn fördert. Seit Rabbiner Dr. Wessel hier wirkt, haben die ausschließlich persönlichen Motiven entsprungenen Parteispaltungen aufgehört, ein Verdienst, das nicht hoch genug anzuschlagen ist. Auch als Prediger und Religionslehrer erfreut sich Dr. Wessel hier bei der gesammten Intelligenz ohne Unterschied der Konfession großer Beliebtheit, wie er als Mensch zu den mit Recht geachtetsten Persönlichkeiten der bosnischen Metropole gehört. Man ist ihm hier in allen Kreisen sehr dankbar, daß er im Vorjahre einen sehr ehrenden Ruf nach Frankfurt a. M. ausschlug, um in Sarajewo zu bleiben, wo ihn die allgemeine Achtung hält. Pose«. Wie ein Privattelegramm berichtet, haben in Ksions bei Miechow, Russisch-Polen, Räuber den vermögenden Rabbiner und dessen Frauin der Nacht durch Beilhiebe ermordet. Als sie den Geldschrank erbrechen wollten, wurden die Mörder durch Nachbarn verscheucht. Ein Abdecker und zwei Tagearbeiter sind als muthmaßliche Thäter ins Gefängniß zu Kielce eingeliefert. Washington. Vielfache von einflußreichen J.u den an die Regierung gerichtete Gesuche, sie möge gegen die behauptete Judenverfolgung in Rumänien protestiren, wurden von dem Staatsdepartement dahin beantwortet, daß die Regierung nicht einschreiten kann, da die betreffenden Personen nicht amerikanische Bürger seien. Feuilleton. Der kleine Walther mit dem ^schmierigen Papierchen" im Amsterdamer Indenniertel. Von Multatuli. Aus dem Holländischen übersetzt von Wilhelm Spohr. Wie die Querstraße beschreiben, wo Walther landete? Nach der Dichtigkeit der wimmelnden Menge, die, immer in der eigenartigen Erscheinung von Leuten, die auf Nachbarschaftsbesuch gehen, sich auf der Straße drängte, mußten all diese Wohnhäuser leer stehen, von den Kellern ab bis hinauf zu den obersten Stockwerken. Noch immer sah man da die Ordnung oder Unordnung eines Volksstammes, schwärmend in der Wüste. Die Leinewand der Zelte war Holz und Stein geworden, und den Sand der Heide entbehrend, begnügten sich die zum Stehen gebrachten Nomaden mit Schlamm oder Staub auf Pflastersteinen und Klinkern. Was sie für die üppigen Grasarten der bewässerten Flecken in Ersatz erhielten, weiß ich nicht. Doch auch ohne die geringste Vergütung für die hie und da ausgebreiteten Schönheiten in ihrem früheren Aufenthalt, noch immer war diese Straße selbst, und nicht das Zelt von Kalk und Stein, ihr geliebtes Domicil. Die Löcher, die sie behaupteterweise bewohnten, Faustschläge ins Gesicht der Civilisation, waren höchstens gut genug, um darin zu schlafen, und nicht einmal unbedingt. Sobald