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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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©eite 348 Dr. Bloch's Wochenschrrfk. Nr. 21 warm gehaltenen Brief gerichtet, außerdem war eine große Menge von Glückwunschschreiben eingelangt, unter Anderen von Karl Goldmark, Joachim, Frau Gomperz-Bettelheim. Salzburg. Unter den Auspicien des Rabbiners Herrn Dr. Johann Kren gel trat hier ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur ins Leben, der in der kurzen Zeit seines Bestandes bereits erfreuliche Fortschritte gemacht und den Beweis seiner Lebensfähigkeit erbracht hat. In der heutigen Zeit, die für viele Tausende von Juden in mancher Hinsicht noch ebenso schwer ist, als die der «bgelaufenen Jahrhunderte, ist die Kenntniß der jüdischen Geschichte von nicht zu unterschätzender Bedeutung, und trotz der von vielen Seiten wirkenden Afsimilationsbestrebungen gibt sich unter den Juden aller Schattirungen ein lebhaftes Jntereffe für die Geschichte und Literatur ihres Volkes kund. Hier in Salzburg ist es das Verdienst des erst im Herbst vorigen Jahres an die Spitze des jüdischen Gemeinwesens getretenen Rabbiners, eine Institution geschaffen zu haben, der allgemeine Sympathie -entgegengebracht und die von allen Mitgliedern aufs Eifrigste gefördert wird. Die bisher gehaltenen drei Vorträge, die in Zwischenräumen von etwa 3 Wochen einander folgten, waren sehr stark besucht, und der den Rednern gespendete Beifall, sowie die anschließenden regen Discussiouen bewiesen, wie gerne sich der Jude von dem Leben und den Thaten seiner Vorfahren erzählen läßt. Am ersten Vereinsabend sprach Herr Doctor Krengel von der Geschichte der Juden Salzburgs, ein Thema, das bisher fast allen Zuhörern fremd gewesen ist und über das sich doch so Vieles und so viel Interessantes erzählen ließ. Am zweiten Vortragsabend, am 12. v. M. faßte Herr L. Siccard ein großes Capite! jüdischer Geschichte, die Zeit vom babylonischen Exil bis zur zweiten Zerstörung Jerusalems, zu einer gedrängten aber übersichtlichen Darstellung zusammen, während Herr Groß iu seinem am 3. d. M. gehaltenen Vortrage über das Ghetto seinem Auditorium ein glänzendes farbenreiches Bild entfaltete, ein Stück Culturgeschichte, in das viele Blumen jüdischer Poesie verwebt waren. Eine stattliche Anzahl von Vereinsmitgliedern hat sich bereits für die kommenden Abende anqemeldet und bereit erklärt, aus dem großen Schatz jüdischen W ssens und Schaffens ein Stück herauszugreifen und darzulegen, so daß für die nächste Zeit den Juden Salzburgs eine schöne Reihe genußreicher Abende in Aussicht steht. Böhmisch-Leipa. Die hiesige Gemeinde hat durch den Hingang des Fabrikanten Ferdinand A l t s ch u l einen herben Verlust erlitten. Der leider viel zu früh Verblichene, welcher im 65. Lebensjahre stand, war eine hier so hochgeachtete, allgemein beliebte und bekannte Persönlichkeit, daß deren Andenken in unserer Stadt unvergessen bleiben' wird. Die Beamten und Arbeiter der Firma I. H. Altschul & Söhne verlieren an ihm einen sehr liebevyllen und wahrhaft väterlichen Chef, sie werden ihm gewiß jederzeit eine treue Erinnerung bewahren. Das Leichenbegängniß fand am 7. d. M. um 4 Uhr Nachmittags, trotz des ungünstigen Wetters, unter ungemein zahlreicher Betheiligung weitester Kreise statt und erbrachte neuerdings den Beweis der großen Sympathien, deren sich der Heimgegangene überall zu erfreuen hatte. An dem Trauerzuge nahmen von hier außer den Familienangehörigen theil: die Stadtvertretung, das Sanitäts- und Rettungscorps (besorgte auch die Fakulirung), der Militär-Veteranenverein, die freiwillige Feuerwehr, der Krankeu-Unterstützungsverein, der Bogenschützenverein, ferner die Feuerwehr Kratzau, sowie Beamte des k. k. Kreis- und Bezirksgerichtes, Freunde und Bekannte aus Nah und Fern, sämmtliche Beamte des Stammhauses Leipa, Kratzau und Neundorf, sowie Meister und circa 50 der ältesten Arbeiter der Baumwollspinnereien Kratzau und Neundorf. Dieselben formirten sich in folgender Weise: Arbeiter eröffneten, die Beamten und Meister schloffen den Conduct. Rabbiner Herr Dr. Wiesen hielt am Grabe die Leichenrede und rührte mit seiner treffenden Rede alle Herzen. Budapest. Die XXXVI. ordentliche Generalversammlung des Pester israelitischen Frauenvereins fand vorige Woche unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Marie Herz! statt. Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht hebt mit Befriedigung die Vollendung des neuerbauten Waisenhauses hervor. Zur Deckung der Bau- und Einrichtungskosten wurde ein Darlehen ausgenommen, auf welches der Verein jetzt noch 26.578 Kronen schuldet, doch wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß das besondere Wohlwollen, welches allseitig diesem schönen Institut entgegengebracht wird, die Tilgung dieser Schuld ehestens ermöglichen wird. Im abgelaufenen Berwaltungsjahr wurden an momentanen Unterstützungen 31.818 Kronen, an monatlichen Unterstützungsbeiträgen 30.124 Kronen, an vierteljährigen Zinsbeiträgen 10.440 Kronen, rc., zusammen 74.438 Kronen als Unterstützungen vertheilt. Im Mädchen-Waisenhause wurden 54 gänzlich verwaiste Kinder, im Baron Hirsch-Halbwaisen-Asyl 60 Kinder erzogen. In der Volksküche speisten vom 1. April v. I. bis 1. April d. 1.162.826 Personen ohne Unterschied der Confession, hievon gänzlich gratis 20.466 Personen, zum großen Theil arme Studirende, außerdem in der Zeit vom 15. December v. I. bis 15. März l. I. 8521 arme Schulkinder, darunter 1048 Kinder gänzlich gratis. Die allgemeinen Berwaltungskosten des Vereins betrugen 202.241 Kronen 61 Heller, die höchste Ziffer seit dem Bestände des Vereins, welchen nur Einnahmen im Betrage von 175.076 Kronen 16 Heller gegenüberstehen. Hierauf wurde jener zahlreichen Stiftungen, welche anläßlich des neuen Waisenhauses errichtet wurden, sowie der Legate und Spenden Erwähnung gethan, welche im abgelausenen Jahre eingeflossen sind. In pietätvoller Weise wird des Ablebens der Ehrenmitglieder Koloman v. Tisza und Moses Ehrlich, sowie des bereits b-i Gründung des Vereins wirkenden Ausschußmitgliedes, der Frau Rosa G o l d st ei n, Erwähnung gethan. Der Bericht wurde zur Kenntniß genommen, dem Ausschüsse das Absolutorium ertheilt und sowohl der Präsidentin, welcher aus Anlaß ihrer vor einigen Tagen erfolgten hohen Auszeichnung besondere Ovationen bereitet wurden, als auch den Vicepräsidentinnen, Vorsteherinnen und Ausschußmitgliedern, ferner dem Vereinssecretär für ihr hingebungsvolles WirAn und schließlich der Presse Dank ausgesprochen. Schließlich wurden die Herren Ludwig v. B i s i c z, Berthold v. Goldberger, Wilhelm Leipziger und Adolf v. U l l m a n n neuerlich zu Rechnungs¬ und Bllanzrevisoren, die Herren Stephan Popper, Oscar S z i r m a i und Manfred von Weiß zu Ehrenmitgliedern gewählt. Myslowitz. Am 2. d. M. kam der Cardinal und Fürstbischof Dr. K o p p von Breslau hierher; unsere überwiegend katholische Stadt hatte Festschmuck angelegt, am Samstag Abends fand eine Illumination statt, an der sich natürlich auch die jüdischen Mitbürger betheiligten. Am Eingang des Synagogengartens war eine circa 14 Meter hohe Ehrenpforte errichtet; auf einem großen Transparente waren in deutlicher Schrift: in hebräischer und deutscher Sprache die Worte zu lesen: »Der Ewige behüte deinen Ausgang und deinen Eingang!" Zu einem Festessen, das der katholische Pfarrer aus Anlaß der Anwesenheit des Cardinals am Samstag Abend gab. war auch unser Rabbiner Dr. Norden als Vertreter der jüdischen Gemeinde geladen; der Pfarrer hatte sogar für streng rituelle Kost Sorge getragen. Könitz. Die »Ostdeutsche Tageszeitung" schreibt: »Wegen öffentlicher, thätlicher Beleidigung des Herrn Rabbiners Doctor M a x W e y l in Könitz, Jdealconcurrenz mit grobem Unfug, verurtheilte das Schöffengericht in Könitz am 2. d. M. den aus Sternau gebürtigen Drechslergesellen Johann Look, zur Zeit in Hörde i. W. wohnhaft, zu einer Geldstrafe von 75 Mark, eventuell 25 Tage Gesängniß. Gleichzeitig wurde dem Beleidigten die Publicationsbefugniß zugesprochen. Der Herr Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängniß in Antrag gebracht. Look, ein wegen Aufruhrs mit fünf Jahren Zuchthaus vorbestrafter und aus dem Heere ausgestoßener Mensch, hatte bekanntlich am 3. December v. I. gegen Mitternacht den Herrn Rabbiner angefallen. Den Vorsitz bei der Verhandlung führte Herr Amtsrichter von Carlowitz." Paris, 14. Mai. Gegenüber verschiedenen von dem clericalen Schriftsteller Hugues le Raux in fremden Zeitschriften ausgestreuten Behauptungen über Dreyfus schreibt Emile Zola heute in einem an die »Aurore" gerichteten Briefe: »Ich muß mein Schweigen brechen, um diese Behauptung auf das Formellste zu dementiren. Niemals hat Alfred Dreyfus ein Gesuch um Begnadigung unterzeichnet, niemals hat er sich auch nur einer Uncorrectheit schuldig erklärt. Heute wie immer trete ich für seine volle Unschuld ein und ich habe für seine Person die größte Bewunderung und Zärtlichkeit bewahrt. Ich erwarte die unausbleibliche Gerechtigkeit. Was mich allein betrübt, ist, daß keiner von denen, die es wissen und in der Lage sind, es zu thun, den Muth findet, Frankreich von dem schmachvollen Nebel zu heilen, an dem es noch immer leidet." Odessa. (Vom vielgepriesenen »jüdischen Reichthum") erhält man eine richtige Vorstellung, wenn man eine eben erschienene kleine Schrift des Herrn Bordowski, »Die

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