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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 346 Nr. 31 Dr. Blvch's WoüMfchrM besaß den Orden der Eisernen Krone II. Claffe und den preußischen Kronenorden. Director v. Mauthner war auch Verwaltungsraths der Kaschau-Oderberger Bahn, der türkischen Tabakregie und mehrerer Jndustriegesellschaften. Die „Neue Freie Presse" schreibt: Director Mauthner hat die Ueberlieferungen der Creditanstalt fortgesetzt, welchen es seit dem Jahre 1873 zu danken ist, daß dieses großes Institut trotz seiner starken auswärtigen Verbindungen von allen großen europäischen Krisen und inländischen Finanzderouten unberührt geblieben ist. Ec genoß das besondere Vertrauen der auswärtigen Mitglieder der Gruppe, namentlich des Herrn v. Hansemann und des verstorbenen Gcrson v. B l e i ch r ö d e r. In freundschaftlicher Beziehung stand er auch zu dem Präsidenten der Deutschen Reichsbank, Dr. Koch. Mit diesem war er anläßlich der Rücklösung der Bereinsthaler. einer Action, bei der sich die deutsche und die österreichische Regierung der Creditanstalt bedienten, in nähere Berührung getreten. Damals erhielt Herr v. Mauthner eine besonders hohe Auszeichnung von Seite der preußischen Regierung, für deren Verleihung sich insbesondere Dr. Koch eingesetzt hat. Oft ist der Rath des Directors v. Mauthner von der österreichischen Regierung eingeholt worden, insbesondere beim Plane zur Gründung einer Exportbank, ferner bei jener Bestimmung des Jndustrieförderungs-Gesetzes, in welcher eine Steuerbegünstigung bei solchen Unternehmungen gewährt wird, die ein Finanzinstitut gegründet hat. deren Actien es aber noch im eigenen Besitze halten muß. Unter den Mitgliedern des Herrenhauses, dem er nur kurze Zeit angehört hatte, hatte sich Herr v. Mauthner viele Sympathien erworben. Er fand auch da Gelegenheit zu einer wichtigeren Thätigkeit, als ihm das Referat über die Bankschuldverschrcibungen zugewiesen wurde. Für die Creditanstalt bedeutet der Tod des Directors v. Mauthner einen großen Verlust, denn er hatte sich stets bemüht, den Ruf des Instituts tadellos, zu erhalten, die Geschäfte nach strengen kaufmännischen Grundsätzen zu führen und der Bank einen vornehmen Charakter zu geben. Der Verwaltungsrath der Creditanstalt versammelte sich behufs einer Trauerkundgebung zu einer außerordentlichen Sitzung, in welcher von Seite des Präsidenten v. Gomperz namens des, Verwaltungsrathes und seitens des Directors Blum namens der Direction die hervorragende Bedeutung des Verstorbenen, dessen ungewöhnliche Verdienste um die Öesterreichische Creditanstalt, sein Wirken auf öffentlichem Gebiete betont und der Trauer über den großen Verlust Ausdruck gegeben wurde, welchen die Creditanstalt und jene Unternehmungen, deren Verwaltung der Verstorbene angehörte, erleiden. Der Berwaltungsrath beschloß eine Beileidskundgebung an die Witwe, Frau Helene v. Mauthner. Von Seite des Ministerpräsidenten war ein Condolenzschreiben eingelangt, ebenso ein besonders warm gehaltenes Schreiben des F i n a n z m i n i st e r s. Rabbiner Dr. Jonathan Wolf. Wiederum hat der Tod einen der Besten aus unserer Mitte geholt. Montag Früh ist nach langem schweren Leiden der Rabbiner und Prediger an der Fünshaüser Synagoge der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Dr. Jonathan Wolf im 62. Lebensjahre gestorben. Zu Pohrlitz in Mähren geboren, absolvirte er seine Gymnasialstudien in Brünn, studirte Theologie in Breslau und Philosophie an der Wiener Universität, woselbst er auch den philosophischen Doctorgrad erreichte. Bon der Wiener Cultusgemeinde berufen, ertheilte Dr. Wolf durch 20 Jahre am Leopoldstädter Oberzymnasium Unterricht in Religion und Geschichte des Judenthums. Die ideale Auffassung, die er vom Lehrberufe hatte, seine umsaffende ästhetische Bildung und seine persönliche Liebenswürdigkeit erwarben ihm die aufrichtige Verehrung seiner Schüler. Als Nachfolger des Herrn Dr. Gerson Wolf im Schulinspeclorat wurde er vom Landesschulrath durch eine besondere Anerkennung ausgezeichnet. Als Prediger Dr. Jellinek durch Krankheit an der Ausübung seines Amtes verhindert war, betraute ihn die Cultusgemeinde mit deffen Vertretung. Dr. Wolf erwies sich als ausgezeichneter Kanzelredner; er wurde schließlich zum Prediger und Rabbiner an der Fünfhauser Synagoge ernannt, welchem Amte er durch sieben Jahre in musterhafter Weise Vorstand. In kurzer Zeit erwarb er sich durch seuren Pflichteifer und seine Hingebung die Liebe und Verehrung oller Classen seiner Gemeinde, wie er vermöge seiner wissenschaftlichen Capacität die ungetheilte Anerkennung in Kreisen der Collegen genoß. Er gehörte einer zahlreichen und vielverzweigten Familie an, deren Mitglieder in Wien angesehene und hervorragende Stellungen einnehmen. Ueber Anordnung des israelitischen Cultusvorstandes wurde die Leiche Mittwoch Vormittags in die Fünfhauser Synagoge gebracht und hier — an der Stätte seines segensreichen Wirkens — wurde eine Trauerfeier veranstaltet. Die Beerdigungsfeierlichkeit gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung für den Heimgegangenen Seelsorger des isralitischen Tempels in Fünfhaus. Der schwarz decorirte Tempel war von Andächtigen und Verehrern des Heimgegangenen dicht gefüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man den Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde kais. Rath Heinrich Klinger, die Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, die Vorsteher Dr: Alfred Berger, Architekt Max Fleischer, Isidor G e w i t s ch, Dr. Josef G r ü n f e l d, kais. Rath und Kammerrath Wilhelm P o l l a k, S. R o s n e r, Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, Baurath Wilhelm S t i a ß n y und Gottlieb T a u ß i g, kais. Rath Dr. Lieben, Vicesecretär Dr. Adler, viele Mitglieder des Bethausvorstandes der Inneren Stadt, den Gesammtvorstand des Bethauses Turnergaffe mit dem Obmann Herrn S. Steiner an der Spitze, die Vorsteher der Tempklvereine in den verschiedensten Bezirken Wiens, Gottlieb Bettelheim, Dr. Straß er, Karl S e l i g m a n n, S. Straßberg, Leopold W e r t h e r u. s. w.; von der jüdisch-theologischen Lehranstalt Rector Schwarz, Hofrath Prof. Müller und Lector Friedmann, von dem Rabbinate die Rabbinen Meyersohn, Dr. Gelbhaus, Dr. Taglicht, Pap o, Dr. Bach. Kramer, Dr. Ab eles, Reich, <sohr, Dr. Mandl; den Präsidenten der „Oesterr.-Jsrael. Union * Paul-Schiff mit den Vorstandsmitgliedern I a i t e l e s, Winterberg, Rosenbaum. Kanitz u. A.; Hofrath v. U l l m a n n, Director Leopold E y s e r t, Prof. Dr. Kürschner, Obercantor Singer, Ortsschukrath Heit, Armenrath Adolf Schreiber und seine beiden Söhne, Schulinspector Kanitz; aus Floridsdorf Vorsteher Emanuel G r ü n w a l d und Rabbiner Dr. Rosenmann; aus Göding Rabbiner Dr. Lazarus. Man bemerkte ferner hervorragende un,d angesehene Mitglieder der „Bne Brith", deren gegenwärtiger Präsident, Herr Dr. Isidor Schnabl, ein Schwager des Verblichenen ist; von den Mittelschulprofessoren bemerkte man Dr. G r a u b a r t, Dr. P o l l a k, Dr. Weiß u. v. A.; ferner war die gesammte jüdische Schuljugend des Bezirkes unter Führung ihrer Religionslehrer erschienen. Die Zöglinge des Baron Springer'schen Waisenhauses trugen unter Leitung des Directors Hecht einen deutschen Choral „Ruhe sanft!" vor, dann sang Herr Obercantor Jurberger, unter Assistenz der Cantoren Smotritzky und Schleifer, das Joschew besesar, woraus Herr Rabbiner Dr. Schmied! an den Sarg hintrat, um dem Heimgegangenen Collegen und Nachfolger auf dieser Kanzel folgenden Nachruf zu widmen : Trauerrede im Tempel zu Fünfhaus von Herrn Rabbiner Dr. A. Schmied!. pwp "nu b ix (Buch Samuel II, 1.) Hochgeehrte Trauerversammlung! Nach einem Zeiträume von acht Jahren, die uns freilich auf den rastlosen Schwingen der Zeit ziemlich rasch vorübergingen — obschon acht Jahre in der Spanne Zeit, die man Menschenleben nennt, immerhin einen hochbedeutsamen Abschnitt bilden; wie viele Kinder sind inzwischen Jünglinge geworden, die mich kaum mehr kennen werden? Wie viele Männer sahen inzwischen ihr Haar bleichen oder gar mit dem Schnee des Alters sich bedecken und gar Mancher ist inzwischen hinüber geschlafen und ruht nun von des Lebens Mühen und Kämpfen aus — nun nach diesem ziemlich langen Zeitraum von Jahren sehe ich mich heute wieder hier in diesem heiligen Hause und vor der hier versammelten Gemeinde» Doch welch' tief traurige, ja mächtig erschütternde Veranlassung ist es, die mich heute auf diese heilige Stätte rief!

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