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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Vr. Blortz's Wochen sUrrifk. Sette 345 und sind theils ausgehöhlt, theils in dos enge Thal gebaut, einer unter dem andern. Sie variireu in der Länge von 380 bis 580 Fuß, in der Breite von 207 bis 233 Fuß und sind 25 bis 50 Fuß tief. Die Forschungen des „Palestine Exploration Fund" haben gezeigt, daß man zur Speisung dieser Wasserbehälter Quellen bei ihrem Ursprung das Wasser abgezogen und es durch verborgene Canäle in den oberen Teich geleitet hatte, während massiv gebaute Wasserleitungen auf drei verschiedenen Niveaus, von denen die eine ganz verborgen war, das Waffer nach Bethlehem, Jerusalem und Hebron leitete. Der Wasservorrath Jerusalems, der ans Quellen, Cisternen und Leitungen geliefert wurde, culminirte unter dem Berg Morija, wo der Tempel Salomo's stand. Die interessantesten geschichtlichen Quellen sind die der Jungfrau auf der Ostseite und die von Siloah auf der Südseite von Ophel. Beide werden durch unterirdische Wasserleitungen gespeist, und zwischen ihnen hat man einen mit Höhlen verbundenen Canal entdeckt, in denen Kochgeräthe, Wasserkrüge, Lampen und sogar Holzkohlen gefunden wurden, ein Zeichen, daß sie während der Belagerung Jerusalems als Zufluchtsort dienten. Siloah ist der berühmteste und heiligste Teich Jerusalems. Am letzten Tage des Laubhüttenfestes wurde das Wasser, das man über das Opfer goß, aus Siloah in großer Procession gebracht, zur Erinnerung an das zu Zeiten Mosis ans dem Felsen Rephidirn fließende Wasser. Auch Jesaia spricht von den besonders heiligen Wasser Siloähs. Jetzt steigt man auf zerbrochenen Stufen an bröckelndem Mauerwerk vorbei hinunter. Der innere Teich ist eine kleine in den Felsen gehauene Höhle von sechs Fuß Breite, m die das Wasser regelmäßig durch einen unterirdischen Canal läuft. Von da strömt es in einen größeren Behälter von etwa 50 Fuß Länge ' und nicht ganz 20 Fuß Breite. Einige zerbrochene Säulen zeigen, daß er früher von einem Bogengang beschattet war. Aus den Zeiten Abrahams. Aus Paris, wird berichtet: „Im „Grand Palais“ ist der bekannte Archäologe Morgan mit seinen Mitarbeitern eifrig beschäftigt, die zahlreichen Documente der letzten französischen Ausgrabungen in Susa zu ordnen. Die archäologische Ausstellung soll schon am 1. Mai eröffnet werden. „Alle diese Funde", so äußerte sich Morgan selbst, „ sind vom geschichtlichen und künstlerischen Standpunkte außerordentlich interessant, weil man durch sie in großen Linien die Geschichte Elams reconstruiren kann; die Sculpturen, Broncen, Emailarbeiten geben uns einen hohen Begriff von dem, was die Künste achtzehn Jahrhunderte vor d. g. Z. bedeuteten. Hauptsächlich wurde Thon gebraucht, um die elamitische Keilschrift einzuschneiden; alle. Urkunden, Verträge und sogar Geschäfte wurden auf diese Art aufbewahrt. Um die Echtheit der Urkunden zu gewährleisten, brauchte man ein merkwürdiges Mittel. Ter Vertrag wurde erst auf eine Thonoberfläche geschrieben, dann halb gebrannt, und mit einer neuen Thonschicht bedeckt, die mit denselben Sätzen beschrieben wurde. Erhob sich eine Streitigkeit, so zerbrach der Schiedsrichter diese Art Schale, die den ursprünglichen Text bedeckte, und sprach sein Urtheil mit Sachkenntniß. Das wichtigste Document aller unserer Entdeckungen ist jedoch nach meiner Meinung eine im vorigen Winter gefundene Stelle von 2/, Meter Höhe ans hartem Stein. Sie hat eine Menge Zeichen, die von kleinen Rechtecken eingerahmt sind, und ein Basrelief, das den König von Babylonien, Khammourabi, den Zeitgenossen Abrahams, in anbetender Haltung darstellt. Ich kenne dieses Denkmal, das erst in einigen Tagen hier sein wird, nur durch Photographien, aber trotz der Kleinheit der Clichäs hat unser Assyriologe P. Scheil fast den ganzen Text übersetzen können. Es fehlen nur einige Linien, die auf den Cliches schlecht sind. Der lange Text ist das Original der von Khammourabi verordneten Gesetze; er enthält das Straf-, Civil- und Handelsgesetzbuch und die ans die Bodenbestellung, die Bertheilung der Wasser n. s. w. bezüglichen gesetzlichen Regelungen. Der Text beginnt mit einer Art Anrufung voll poetischen Schwunges und fährt in einem Stil fort, dessen Klarheit und Eigenart folgender Theil zeigen kann: „Wenn das Feuer ein Haus ergriffen hat und Jemand zum Löschen herbeieilt, dann das Eigenthum des Besitzers begehrt und es stiehlt, so wird dieser Mensch ins Feuer geworfen Wenn Jemand eine Lücke in ein Haus macht, um zu stehlen, und wenn er dabei überrascht wird, so wird man ihn tobten und vor der Lücke beerdigen. Wenn Jemand ohne Erlaubniß des Eigenthümers einen Baum in einem Obstgarten abhaut, so wird er eine halbe Mine Silber zahlen. Wenn Jemand einen Ochsen gemiethet hat und durch schlechte Behandlung seinen Tod herbeiführt, so soll, er dem Besitzer Ochsen gegen Ochsen zurückgeben. Wenn er ihm ein Auge ausaestochen hat, so soll er den halben Werth des Ochsen zurückgeben. Wenn ein Ehemann seiner Frau Haus, Feld, Obstgarten durch eine versiegelte Urkunde geschenkt hat, so sollen die-Kinder nach dem Tode des Mannes ihrer Mutter nichts streitig machen, und sie soll es dem Sohne hinterlassen, den sie vorzieht. Wenn Jemand ohne Zeugen und Contract eine Hinterlegung macht und Streitigkeiten kommen, so gibt es keine Berufung an das Gericht." Dieses Denkmal -hat also eine große Tragweite für den Ursprung unserer eigenen Gesetze. Khammourabi hat sicherlich nur die vor seiner Zeit geltenden Gewohnheiten zu einem Gesetzbuch vereinigen lassen. Es liefert uns alle wünschenswerthen Einzelheiten über das private und öffentliche Leben der chaldäisch-elamitischen Völker. Kaiser Wilhelm I. und Heinrich Gelzer. Ueber Heinrich G e l z er, den Freund Kaiser Wilhelms des Ersten uns des Großherzogs Friedrich von Baden, den Erzieher des Fürsten zu Wied, schreibt Friedrich Curtius in einer im Berlage von F. A. Perthes (1892) erschienenen Schrift: „Als die geistigen Mächte, welche der Friedensmisfion entgegengestanden, bezeichnet Gelzer drei Formen des Haffes: den R acenh aß, > den Classenhaß und den Sectenhaß. Diese drei Feinde waren zu bekämpfen, daher heißen die drei Losungsworte aller, um die sich alle Patrioten vereinigen muffen: Religionsfrieden, Claffenfrieden und Bölkersrieden!* (S. 29.) Gelzer schreibt selbst einmal (S. 48) °. „Die Reform der Nntionalerziehuiig muß hervorgehen aus Reinigung und Einigung .... Die Einigung hat drei Trennnng-U'-sach'n zu überwinden, den Gegensatz von Naturwissenschaft und Geschichtswissenschaft. den Gegensatz von Wissen und Glauben (Schule und Kirch-) und den Gegensatz der Confessionen. Am 22. Marz 1879 zu Kaiser Wilhelms Geburtstag schrieb er an diesen, indem er sich auf das seit zwölf Jahren ihm geschenkte Vertrauen berief, unter Anderem: „Erst wenn es gelingt, die Dämonen deA Classen-, Völker und Serten Hasses innerlich zu überwinden, wird ein dauernder Friede in Deutschland undEuropa begründet werden." (S. 45.) Und Kaiser Wilhelm antwortete (S. 46) vom 4. April 1879: „Mit aufrichtigem Dank für Ihren Geburtstagsbrief und seine Wünsche verbinde ich die Versicherung, daß jedes Wort Ihres Briefes mir aus der Seele genommen ist." Correspondenzen. Wien. Der Director der Creditanstalt Herr Dr. Gustav Ritter v. Mauthner ist am Montag in Böslau einem Schlaganfalle Plötzlich erlegen. Director Gustav Ritter v. Mauthner nahm eine hervorragende Rolle in der österreichischen Finanzwelt ein. Bei allen staatlichen Finanzoperationen, welche in den letzten zwei Decennien zur Erledigung gelangten, hat er eifrig mitgewirkt und sind seine Bemühungen auch wiederholt seitens der Regierung anerkannt worden. Er führte den Vorsitz in der Direction der Oesterreichischen Creditanstalt. Auch gelegentlich der Baluta-Enguöte hat sich Gustav R. v. Mauthner hervorgethan. Nachdem die Oefterreichische Creditanstalt auch im Rothschild- Consortium eine dominirende Rolle spielt, besaß R. v. Mauthner in dieser Finauzgruppe einen weitgehendem Einfluß. Sein fachmännisches Wissen und die Geistesschärfe, mit der er finanzielle Fragen noch jederzeit erfaßt hat, wurden allgemein gewürdigt. Im September 1899 erfolgte seine Berufung in das Herrenhaus. Gustav R. v. Mauthner wurde am 16. April 1848 in Horschitz in Böhmen als Sohn eines Industriellen geboren. Er absolvirte in Prag die Handelsakademie und trat am 3. August 1869 in die Creditanstalt ein, der er mit sehr kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode angehörte. Im Jahre 1878 wurde er Director-Stellvertreter und im Jahre 1880 Director dieses Institutes. Director v. Mauthner hat bei allen Staatsgeschäften, welche die Gruppe der Creditanstalt in den letzten zwei Jahrzehnten vermittelte, hervorragend mitgewirkt. In die Achtziger-Jahre fällt die große ungarffche Rentenconversion. in das Jahr 1893 die Conversion der österreichischen und ungarischen Papier-Rente, ferner die Emission der Gold-Rente zu Zwecken der Balutaregulirung und die damit verbundene Goldbeschaffung, in das Jahr 1897 die Begebung der österreichischen und ungarischen Investitions-Rente. Selbstredend hat er auch bei den letzten großen Finanzoperationen hervorragend mitgewirkt. Auch bei der Durchführung des Arrangements bezüglich der Bereinsthaler, durch welches sich Oesterreich verpflichtete, ein Drittel des Umlaufes der Bereinsthaler von Deutschland zu übernehmen, hat Director Mauthner insoferne mitgewirkt, als er die finanzielle Vermittlung der ganzen Transaction besorgte. Director v. Mauthner, ein Bruder des Schriftstellers Fritz Mauthner, war der Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten der Creditanstalt Car! Weiß R. v. Weißenhall. Er

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