Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 21 (23.5.1902)
- Date
- 1902-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Gtite 344 >jlt. 21 Dr. Bloch's Wochenfchrrfl. wurde Ottolenghi zum Corps commandanten von Palermo ernannt und verflossenes Jahr erhielt er das Commando des vierten Armeecorps in Genua. Bei dem verstorbenen Pianell, dessen Generalstabs Chef der jetzige Kciegsminister einige Zeit gewesen, stand er in besonderer Schätzung. Er besitzt die hohe Auszeichnung des Savoyenkreuzes. Bon der englischen Jndenmiffion. Am 22. v. M. fand in London die dritte Jahresversammlung des „Ostlondoner Fonds für Juden"' (Fonds der englischen Kirche für die Arbeit unter den Juden Ost- und Nordlondons) statt. Bei dieser Gelegenheit hielt der Bischof von London eine Rede, in welcher er versicherte, daß die Arbeit der Gesellschaft vielleicht die schwierigste ist, die die Kirche je unternommen habe. Es leben in London etwa 1,000.000 Juden, und zwar so dicht beisammen, daß es ganze Straßenzüge gibt, in denen nur jüdisch gesprochen und verstanden wird. In vielen Theilen Ostlondons kann man Schilder mit der Inschrift lesen: „Hier spricht man englisch". Er kennt manchen christlichen Geistlichen in Ostlondon, der in seinem ganzen Sprengel kaum 50 Christen zählt. Daher ist die Bekehrung der Juden zum Christenthum gerade für London besonders wichtig. Leiter ist die Sache nicht ganz leicht. Allein die Sprache der zu Bekehrenden macht schon Schwierigkeiten, da dieselbe für einen englischen Missionär schwerer zu erlernen ist, als die chinesische. Dann aber, fügte Se. Eminenz naiv hinzu, weigern sich die Juden hartnäckig, zum Christenthum überzugehen. „Sie weigern sich nicht nur, sich selber taufen zu lassen, sie sagen sich auch von ihren getauften Glaubensgenoffen los und gewähren ihnen weder Unterstützung noch Arbeit. Wollten wir aber die getauften Juden unsererseits unterstützen, so kämen wir leicht in den Verdacht der Bestechung und des Seelenkaufs" . . . Am meisten betrübt Se. Eminenz die Verblendung der Juden, welche es nicht einsehen wollen, daß durch die hartnäckigen Bekehrungsversuche chnen von den Christen eine ganz besondere Ehre erwiesen werde . . . „Die Juden besitzen manche glänzende Eigenschaften, von denen die Sparsamkeit. Nüchternheit und der hohe Familiensinn nicht die geringsten sind. Die Juten müßten doch begreifen, daß unsere Bemühungen, sie zu uns herüberzuziehen, nichts weiter als die Anerkennung dieser hohen Tugenden ist." Zum Schluffe ermunterte der Bischof die Herren Mistionäre, nicht zu verzweifeln und das edle Werk des Seelenfanges hartnäckig fortzusetzen. Nur müssen sie Jüdisch lernen und sich davor hüten, die bekehrten Juden gar zu sehr mit Geld zu unterstützen. Der Bischof von Stepney, der dann das Wort ergriff, warnte die Missionäre davor, als ein Resultat ihrer Thätigkeit direkte Conversionen zu erwarten. Was sie erstreben sollten, wäre die Hebung des Berständniffes der Juden für die christliche Religion und die Beseitigung des Argwohns, Mißtrauens und Borurtheils, welches — wie er fürchte — die vergangene Thätigeit der christlichen Kirche nur zu reichlich verdiente. Die „Times" veröffentlicht folgenden Brief von Claude G. Montefiore: „Sehr geehrter Herr, ich weiß nicht, ob der dpnkle Winkel Ihres Blattes, in^dem heute der Bericht der dritten Jahresversammlung des Mlffionsvereins „Oftlondoner Fonds für die Juden" abgedruckt ist, den Gradmesser abgibt für Ihre eigene Würdigung der Wichtigkeit dieser Angelegenheit. Die vom Bericht erwähnten Resultate in Betreff der directen Uebcrtritte sind ja sehr gering und unbedeutend, aber die indirecten Wirkungen der Miffion sind beiweitem nicht so harmlos, wie viele Leute glauben mögen. Ich bitte um die Erlaubniß, Ihre Leser auf einige dieser Wirkungen aufmerksam zu machen. Die große Mehrheit der Ostendjuden in London ist im Ausland geboren oder hat dort ihre Angehörigen. Die Führer und thätigen Mitglieder der englisch-jüdischen Gemeinschaft arbeiten angestrengt daran, diese Fremden zu guten Engländern zu machen, sie zu Bürgern im besten Sinne des Wortes zu erziehen, zu Bürger», die das volle Bewußtsein für die moralischen Pflichten und Verantwortlichkeiten des Bürgerthums in sich tragen. Wir streben darnach, daß sie die beispiellose Großmuth des englischen Entgegenkommens und der englischen Gesetze vergelten, indem sie hier ein einwandfreies Leben führen und sich ihren christlichen Mitbürger« in jeder Art der socialen Thätlgkeit beigesellen. In England gibt es keine Judenverfolgungen urkd wenig oder gar keinen Antisemitismus; jeder Jude kann, wo immer er es wünscht und wenn nichts gegen ihn vorliegt, sich auf guten Fuß mit seinem christlichen Nachbarn stellen. Unsere Führer und thätigen Leiter haben recht oute Erfolge in dieser grundlegenden Arbeit; aber ein großes Hinderniß und Hemmniß stellt sich ihnen entgegen — das sind die zahlreichen Missions- und Bekehrungsvereine. Der fremdbürtige Jude sagt natürlich: „Wir werden unseres Glaubens wegen verfolgt, und hier macht man die größten Anstrengungen, uns ihm abwendig zu machen. Darum wollen wir lieber unter uns bleiben. Das ist das einzige sichere Mittel, die unangenehmen Annäherungen der Proselytenmacher zu vermeiden." Auf diese Weise werden die lobenswerthen Bemühungen unserer zum öffentlichen Wohl Arbeitenden durchkreuzt, und der unangebrachte Uebereifer einiger Christen, der übrigens von vielen anderen Christen ebenso ungünstig beurtheilt wird wie von uns, wird von den ungebildeten Juden der ganzen christlichen Bevölkerung zum Vorwurf gemacht. Ich bin nicht erstaunt über die Beschwerde des Bischofs von London, daß seine gelegentlichen Convertiten oft unter „Boycottiren und kleinlichen Verfolgungen zu leiden" haben. Die Natur des Menschen ist überall dieselbe. Wenn Protestanten römisch-katholisch werden, oder wenn Katholiken zur unitarischen Kirche übertreten, gibt es auch vielfach Anfeindungen und Llergerniß. Und wenn wir Juden ein paar arme Christen zu unserem Glauben bekehren würden, bekämen wir ebenfalls von solchen Unzuträglichkeiten zu hören. — Es ist bemerkenswerth, daß der Bekehrungseifer der verschiedenen Missionsgesellschaften sich hauptsächlich der Sphäre der ärmern und ungebildeten Juden zuwendet. Sind nur solche Personen empfänglich für die freien Theeabende, freie ärztliche Behandlung und die „ärztliche Misson", die unseren im Ostend wirkenden Freunden so wohlbekannt sind? Leute in meiner Lebensstellung bekommen nur einmal im Jahre ein kleines Tractätchen, im Uebrigen läßt man uns in Ruhe. In seiner vorbischöflichen Zeit hatte ich wiederholt die Ehre vertrauter Gespräche mit dem nunmehrigen Bischof von Stepney, aber er hat niemals den geringsten Versuch gemacht, mich zu seinem Glauben zu bekehren. Und er wußte sehr wohldaß ich — um mich seiner eigenen Worte zu bedienen — wenigstens einige Kenntniß davon besaß, „was der christliche Glauben thatsächlich ist und wie weit er auf dem Judenthum beruht." Danach hätte doch die Voraussetzung bestehen müssen, daß ich ein vielversprechendes Subject für „directe Bekehrung" war, die nach den Worten Seiner Lordschaft nicht sofort als „Resultat ihrer Thätigkeit" erwartet werden durfte. In Wahrheit wird die Beseitigung des „Argwohns der Abneigung und des Borurtheils" gegen den christlichen Glauben durch die Miffionsthätigkeit nicht gefördert, sondern erschwert. Leute wie der Kanonikus Barnott und W. P. Jay — ich wollte, er lebte noch in Whitechapel! — die die Behauptung ausgesprochen haben, daß man nicht früher Juden zu Christen bekehren solle, ehe man nicht alle Christen zu wahren Christen gemacht habe; Geistliche, die von den jüdischen Bewohnern ihrer Parochien geliebt und verehrt werden, sichern am wirksamsten den Niederbruch des Borurtheils, der Abneigung und des Argwohns." Eine Wafferleitung aus -er Zeit -es Königs Salomo. Wie einem englischen Blatte ausIerusalem berichtet wird, ist dort vor Kurzem das erste Wasser aus den alten Teichen des Königs Salomo mit einer einfachen Feierlichkeit in der großen Moschee Omars, die an dem Ort des früheren Tempels Salomos steht, eingeweiht worden. Die Nöhreuleitung aus dem alten Reservoir liefert das Wasser an zwei Punkten in die Stadt. Das Wasser in der Moschee Omars ist nur für die Moslemin, das andere auch für alle Andersgläubigen bestimmt. Für die Bewohner Jerusalems ist diese Wasserleitung eine große Wohlthat, da sie bei geringem Regenfall Wasser kaufen mußten. Der griechische Ingenieur Franghia hat die Leitung von Bethlehem, wohin das Wasser aus den Teichen Salomos schon geführt worden war, bis nach Jerusalem weitergesührt. Dies ist der erste bedeutsame Schrittzur Nutzbarmachung der alten salomonischen Wasser-Reservoirs. Die großen Teiche, die König Salomo vor so vielen Jahrhunderten in den Hügeln Judas anlegen ließ, gehören zu den größten technischen Leistungen überhaupt und setzen eine genaue Kenntniß von der- Theorie des Wasserdrucks voraus. Aber Salomo verband noch einen anderen Zweck mit diesen Reservoirs, wie er Prediger II, 6 sagt: „Ich machte mir Teiche, daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume." Wie sie gebaut wurden, kann man nur aus den Berichten in der Bibel muthmaßen, die von dem Tempelbau in Jerusalem und dem wunderbaren Palast Königs Salomo's handeln. 150.000 Einwohner des unterjochten Landes arbeiteten danach unter 3000 israelitischen Aufsehern. 80.000 bearbeiteten die Steine in den Steinbrüchen, 20.000 beförderten sie, und 50.000 setzten die behauenen Steine zusammen. Sie bauten gewaltige Aquäducte, um das Wasser nach Bethlehem und Jerusalem zu leiten. Eine dieser Wasserleitungen ist seit Langem zerfallen, aber von einer zweiten höher gelegenen hat der Ingenieur die directe Leitung nach Jerusalem gelegt. Die Teiche Salomo's liegen in dem Thal Urtas, dem früheren Etam,