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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-23 · 21 (23.5.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
21 (23.5.1902)
Date
1902-05-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 «eite 343 Dr. Bloch's Wochenschrift. maßung dieser K. H. Wolf und seine damaligen Freunde sich als die Repräsentanten des „Edelvolkes'' aufspielten, die auf andere „minderwerthige" Moral mit Geringschätzung, auf. die Juden mit unsäglicher Verachtung herabblickten. Das sind die Leute, von welchen die deutsche und christliche Bevölkerung angeeifert wurde, die Juden als „fremdes" und sittlich tiefstehendes Element gesellschaftlich zu boycottiren. Der schäbigste Binkeljude würde sich entehrt fühlen, würde man ihm zumuthen, mit einem K. H. Wolf oder einem Vergani gesellschaftlich zu verkehren. So sehen in Wahrheit die Bekämpfer der „jüdischen" Korruption aus, deren moralische und Politische Verworfenheit außer allem Zweifel steht. „Witzig" und ironisch gehalten ist die Antwort, die in der „Ostdeutschen Rundschau" auf die Schalk'sche Broschüre ertheilt wird. Aus dieser Antwort spricht das Schuldbewußtsein. So antwortet keine im Vordergründe des öffentlichen Lebens stehende integre Persönlichkeit auf den Anwurf ehrloser, verbrecherischer und verächtlicher Handlungen. Herr K. H. Wolf verfügte doch sonst über ein gewisses Maß von Rhetorik und Pathos; in dieser Antwort aber finden wir eine widerliche „Witzigkeit", die den geraden ehrlichen Satz vermeidet. Würdig und einfach wäre es gewesen, zu erklären, daß alle vom Schalk erhobenen Anschuldigungen von Anfang bis zu Ende unwahr seien und daß ihre Unwahrheit vor Gericht werde bewiesen werden. Zu dieser directen Erklärung hat dem K. H. Wolf augenscheinlich der Muth und die Kraft gefehlt. * * * Unter der Firma „Institut für Genealogie und Heraldik" betreibt ein sicherer Hermann Hermann in Wien einen Handel mit Wappen, Wappenhändler — das ist eine neue Specialität auf dem Gebiete der problematischen Berufe, und aus einem uns gedruckt vorliegenden „offenen Briefe" dieses Herrn HermannHermann erfahren wir, daß dieser Doppel- Cherusker sich zum alldeutschen Antisemitismus bekennt. Wer das Bedürfniß hat, sich einen „Stammbaum" anfertigen zu lassen, aus dem er vielleicht erfährt, daß er eigentlich von altem Adel ist, der wende sich an H e r m a n n Hermann. Dessen Institut liefert Stammbaum und Wappen in jeder Preislage laut aufliegendem Tarif. Aber ach, wir armen Juden, die wir die Familienehre und Familientugend der Race von K. H. Wolf, Georg Schönerer und Herzog nicht besitzen, sind nicht würdig, uns den allfällrgen Adel von Hermann Hermann um 60 bis 100 Kronen bescheinigen zu lassen. Er sagt nämlich in seinem offenen Schreiben, gerichtet an ein Provinzblatt, das ihn eines schwindelhaften Gebahrens beschuldigte: Nach § 224 der im Jahre 1778 zu Erlangen erschienenen Wappenlehre sind Juden nicht wappenfähig. Wir armen, beklagenswerthen Juden! Alles Geld ist in unseren Händen, über die ganze Welt herrschen wir, aber wappenfähig sind wir nicht. O, diese unglückselige Wappenlehre, warum mußte sie auch zu Erlangen erscheinen, und warum ist Erlangen überhaupt auf der Welt? Wie schön sagt Hermann Hermann: „Einen Sinn für Familiengeschichte werden Sie nur in deutschen Kreisen suchen müssen, wo die Tradition erhalten blieb und noch weiter überliefert wird, aber nicht bei einem Nomadenvolke, welches jede Generation in einem anderen Lande des Erdreiches das Licht der Welt erblicken ließ." Wir armen Nomaden — uns blüht kein Wappen und kein Stammbaum um 60—100 Kronen, obgleich in dem betreffenden Provinzblatte die heitere Thatsache erzählt wird, daß Hermann Hermann seine Wappen und Stammbäume auch Juden offerirt hat, die aber dem Herrn Hermann nicht „hineingesprungen" sind. Das ist auch ein verunglückter Repräsentant des Edelvolkes, der sein Deutschthum geschäftlich zu sructificiren sucht. 18 e g r i m. Karlsbad und der Antisemitismus. Wiewohl die Communalverwaltung von Karlsbad sich für den Antisemitismus bereits gehörig compromittirt hat, stehen die antisemitischen Blätter nicht an, über Karlsbad zu schimpfen und den Curplatz in Verruf zu bringen. Das „Deutsche Volksblatt" vom 14. Mai 1902 bringt einen Artikel: „Eine Warnung vor Karlsbad", welcher folgenderweise beginnt: „Karlsbad, der Zufluchtsort vieler Kranker und krank sein wollender Leute, ist keinesfalls das Dorado für Angestellte des Hotel- und Gastwirthegewerbes, so wie es mit Rücksicht auf seinen Ruf als Wefltbadeort anzunehmen wäre. Wohl ist es richtig, daß dieser Ort jährlich von circa 40.000 bis 60.000 Kurgästen besucht wird. Davon gehören aber 75 Percent der jüdischen Race an. Daß infolge dieses enormen Fremdenverkehrs die Botels und Gasthäuser wie Pilze aus der Erde schießen, darf nicht wundernebmen. Trotzdem kann sich die Concurrenz doch nicht in dem Maße entwickeln, als dies im Interesse der Besucher dieses Kurorts nothwendig wäre; und daß dies auch nicht geschieht, dafür sorgt ichon eine weise Stadtverwaltung, welche ein zu großes Ausdehnen und Ueberhandnehmen dieser Gewerbe zu verhindern weiß: mit Recht oder Unrecht bleibe dahingestellt. Persönliche Interessen der dortigen Einwohner dürsten jedenfalls für dieses System der „Einschränkung" von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Die Hotel- und Hauseigenthümer sind aber mit dieser Wirtschaft einverstanden und hiedurch ist nicht nur ein System der Ausbeutung der Kurgäste, sondern ein noch viel ärgeres System der Ausbeutung der Hilfs- und Arbeitskräfte entstanden, welches näher zu beleuchten hier gestattet sei." Und zum Schluffe des Artikels heißt es: „Schade ist es nur, daß so viele Menschen ihr gutes Geld, manchmal ganz unnöthig, dort ausgeben. Gute Lust, viel Bewegung und strenge Diät sind die Hanptfactoren, mit denen allein auch in Karlsbad die größten Heilerfolge erzielt werden; nicht in allen Fällen ist es das Wasser, das ja unstreitig Heilkräfte in sich birgt. Jedoch die jüdische Reklametrommel trägt das Meiste dazu bei, um die Wunder der Karlsbader Cur ver großen Menge glaubhaft zu machen, und die „ünsrigen Last" sind dort einer zahlreichen koscheren Gesellschaft sicher. Und was die Hauptsache ist: Das Geschäft blüht bei den jüdischen Aerzten ebenso wie für die Hoteliers." Wir empfehlen diese Auslassungen dem Stadtrath von Karlsbad zur Beachtung und Beherzigung. Eine irrthümlich adressirte Ritnalmordaffaire. Bisher war mau allgemein in dem Jrrthum befangen, daß blos Juden zur Verbesserung des Geschmackes ihrer österlichen Mehlspeise, der Mazzes, Blutabzapfungen an christlichen Jungfrauen vorzunehmen pflegen. Da aber auch Christen häufig — mit Vorliebe im Kaff e — Mazz-s essen, so war es scheinbar naheliegend, daß auch solche arische Gourmands sich ab und zu im Verhältniß zum Mazzesconsum dem Ritualmorde ergeben könnten. Trotzdem ist merkwürdigerweise bis vor einigen Tagen Niemand auf diese Idee gekommen und sie wäre vielleicht gar nie geäußert worden, wenn nicht tatsächlich gegen einen guten Arier und Christen, der überdies ein naher Verwandter eines bisher immer der antisemitischen Partei beigezählten Advocaten ist, eine polizeiliche Anzeige wegen vollbrachten Ritualmordes erstattet worden wäre. Das kam so: Bei dem Ingenieur und Ban-Obercommiffär in Währing, Bohuslav Arnold Schwamb e r g, war das Dienstmädchen Alosia I r o vom 6. Februar bis 5. Mai im Hause. Am 4. Mai verschwand das Mädchen. Sie hatte ihren „Ausgang", verspätete sich aber dermaßen, daß sie erst Mittags am nächsten Tage zurückkam. Sie wurde natürlich sofort entlassen. Als jedoch Herr Schwamberg, eingedenk der strengen Meldevorschriften, schon Nachmittag auf dem Polizeicommissariat erschien, um das Mädchen abzumelden, erstaunte er nicht wenig, als er erfuhr, daß gegen ihn die Strafanzeige vorliege, wonach er „bei dem Mädchen mit einer rituellen Blutabzapfung vorgegangen" sei. Die ärztliche Untersuchung des „Opfers" ergab, was solche Untersuchungen immer ergeben, nämlich den Beweis des blödsinnigen Aberglaubens der Anzeiger. Herr Schwamberg hat durch seinen Vetter Dr. Rabenlechner die Verleumdungsanzeige gegen den Privaten Wenzel P o t s ch e r, Kölblgasse 21, erstatten lassen. In der Klage wird um eingehende Untersuchung gebeten, da es an der Zeit sei. derartigen Blutmärchen mit Energie an den Leib zu rücken. Ob sie aber dadurch auch aus der Welt geschafft werden? Jüdische Generale im italienischen Heere. Der soeben als Nachfolger Ponza di San Martino's zum italienischen Kriegsminister ernannte, gewesene Corpscommandant von Genua, General Giuseppe O t t o l e n g h i, ist einer der fünf Generale mosaischer Confesfion in der Armee. Er zählt 63 Jahre, wovon 43 Dienstjahre. Er nahm an den 1859er und 1860 bis 1861er Feldzügen theil, wurde unter den Mauern Gaetas und 1865 in der Basilicata im Kampfe gegen den Brigantaggio verwundet und mit Kriegsmedaillen ausgezeichnet. Wiederholt gehörte er dem Generalstabe an. In der Kriegsschule von Modena lehrte er Geschichte und Kriegskunst. Im August 1869 wurde er zu den großen französischen Manövern bei ChLlons entsendet. Im Jahre 1888 zum Generäl der Königsbrigade ernannt, erhielt er sieben Jahre später das Commando der Türmer Division, wo er sein Augenmerk ganz besonders auf die Organisation der Grenzvertheidigung richtete. Juli 1899

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