Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Abimelech 1× ep/1003111
- Alfred Stern 1× ep/1024141
- Berthold Auerbach 1× ep/1025877
- Daniel Sanders 1× ep/2128058
- Eduard Meyer 1× ep/1026237
- Houston Stewart Chamberlain 1× ep/1025988
- Ludwig August von Frankl 1× ep/1023644
- Narcisse Leven 1× ep/1013843
- Paul Nathan 1× ep/1023795
- Paul de Lagarde 1× ep/1026196
- Salomon Reinach 1× ep/1027783
- Zadoc Kahn 1× ep/1002606
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Nr 20 Dr Bloch's Wochenschrift« Seite 339 liebe aus Sifrö, Mechilta, Gaonim, Kabballa rc., unter welchen jener in Tosesta, Baba Kama, IX, 29 nicht der seltenste ist: „Wenn Jemand seinen Nächsten verwundet, obwohl er den Verwundeten darum nicht gebeten hat, so ist dieser doch verpflichtet, für jenen die Barmherzigkeit Gottes anzurufen, weil es heißt: Genesis 20, 17: .Und Abraham betete zu Gott und Gott heilte den Abimelech". Und so erfüllt es mit wahrer Genugthuung, wenn ein Mann von den wissenschaftlichen Qualitäten eines Schreiner seine Ausführungen über „das Judenthum in der Religionswissenschaft" mit den Worten beschließt: „Wir sind darum der Ansicht, daß wir mit der Rolle, welche in der Geschichte unserer Religion zugefallen ist, zufrieden sein können. . . Unsere Pflicht ist es nur, bei den Ueberlieferungen unserer Väter und bei den Lehren unserer religiösen Urkunden zu verharren." (S. 62.) Unter denen, welche ferner dem Judenthum jeglichen Autheil an der europäischen Cultur bestreiten, sind es vornehmlich : Paul de Lagarde, Eduard v. Hartmann und Eduard Meyer, welche der Berfasier einer Auseinandersetzung würdigt. Diese discreditiren das Judenthum auf Kosten des falschen Trugschlusses: Posterius, ergo superius, daß alles später Entstandene deshalb auch das Bessere sein müffe. „Daran dachte er (P. d. L.) offenbar nicht, daß der Islam auch eine nachchristliche Religion sei, denn das hätte er doch .kaum zugegeben, daß der Islam höher stehe als das Christenthum" (S. 76). Wir sollen überhaupt die Religion nicht mit der Krämerelle der Größe oder des Umfanges bemessen, sondern gleichsam sub species aeternitatis betrachten. Wer kann es wissen, welche Pläne die weise Allmacht mit der Mehrheit verfolgt, während die Minderheit gleichwohl als Zeuge ihrer ewigen Mehrheit fortbesteht? „Jedes Kreuz, jede Kirche, jede Moschee, jeder Ruf des Muadhdhiu verkündet den Segen des Judenthums, die Geisteskraft der nachexilischen Gemeinde, welche das Judenthum in der Welt in einer Weise niedergetreten hat, wie es keine philosophische Speculation jemals zu thun vermocht hätte/ (S. 85.) Diese Hoffnung auf die erstarkende Gotteserkenntniß beseelt das Judenthum, und wenn cs eine Herrschaft anstrebt, so ist es nur die des Allmächtigen, der Himmel und Erde erschaffen und alle Weiten der Räume und alle Fernen der Zeiten und alle Pracht und alle Herrlichkeit des Weltalls. Diesen „asiatischen Trödel", wie Paul ve Lagarde und seine Nachbeter es nennen, darf das Judenthum sich gefallen laffen. Und was die Antheilnahme der Juden -an der europäischen Cultur der Neuzeit betrifft, so machte Mendelssohn mit seiner literarischen Bethätigung auf seine Zeitgenoffen durchaus nicht den Eindruck eines Neulings in der Cultur." (S. 96) Wir hätten noch hinzugefügt: Auch ein Berthold Auerbach, ein L. A. Frankl, ein Daniel Sanders sind nichts weniger als „unbekannte Größen". Einen meuchlerischen Angriff auf den C h a r a k t e r des Judenthums bildet endlich das wissenschaftliche, resp. unwissenschaftliche Pamphlet Houston Stewart Chamberlain's: „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Um zu veranschaulichen, wie schließlich der Verfasser diesen neuesten Talmudgelehrten heimleuchtet; müßten wir den ganzen 3. Abschnitt: „Der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte" Wort für Wort wiedergeben. „Er (Chamberlain) spricht auch davon, daß ein „reinhumanisirter Jude kein Jude mehr sei" . . . Wer aber noch nicht einmal verstanden hat, daß das Wesen der biblischen Erzählung von der Einheit des Menschengeschlechtes nicht die anthropologische Aussage, sondern die ethische Forderung ist, alle Menschen als solche von gleicher Abstammung zu betrachten und zu behandeln, der sollte uns Juden keine Predigten über Humanität halten." (S. 154.) Elf prägnante Schlußfolgerungen in Form von Thesen beschließen das treffliche Buch, die man den abgekürzten Ausdruck der jüdisch-modernen Forschung nennen könnte. Hier hätten wir freilich noch als 12. Grundsatz eine Aeußerung über die Thätigkeit des Judenthums nach Außen hin gehört, deren angeblicher Mangel ihm so oft vorgeworfen wird. Dieselbe, die sich ja in den Rahmen des Werkes von selbst fügt, würde etwa lauten: Den vermeintlichen Mangel einer Mission des Judenthums betrachten wir als erledigt durch die großen Geister aller Zeiten und Zonen und deren unsterbliches Wirken, wodurch sie an ihrem Theile zur Anbahnung der göttlichen Ideale des Judenthums beitragen und die auch wir unsererseits durch Gerechtigkeit und Hingebung an alles Wahre, Gute und Edle auf Erden zu erfüllen bestrebt sind. Das vorliegende Werk ist eine literarische Ehrenrettung des Judenthums. Daß es von keinem Sohne desselben unbeachtet bleiben möge, dem es Ernst ist um seinen Glauben, ist selbstverständlich. Aber auch Jenen, die unter dem Banne der Suggestion stehen, welche schriftstellende Spiritisten auf ihr Urtheil ausüben, die sich aber dennoch authentisch über die Wahrheit des Judenthums belehren wollen, sei es wärmstens empfohlen. Neutitschein. Rabb. Dr. Simon Mandl. Briefkasten. R. Tr. Jur. Färb st e i u und Kaufmann Max R o o n in Zürich sind in den Cantonsrath gewählt worden; es sind die ersten jüdischen Mitglieder des Züricher Cantonsrathes, dem sie als Vertreter der socialdemokratischen Partei -ingehören werden. L. An der internationalen Conferenz in Köln, von welcher in der Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" die Rede war, haben theilgenommcn die Herren: Grand-Rabbin de France Zadoc Kahn, Narcisse Leven, Präsident der „Alliance", Salomon Reinach, Membre de l'Jnstitut Jag. Beigart, Secretär der „Alliance" (aus Paris), Dr. Alfred Stern, stellvertretender Vorsitzender, als Vorstand der Cultusgemeinde Wien. Dr. Wahrmann (Wien), Mr. Hermann Landau, London, Dr. Paul Nathan und Dr. Heinrich Meyer Cohn, Berlin, Sonnemann, Verleger der „Frankfurter Zeitung", Schiff, Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Frank, Dr. Med. Apfel, Köln. 'Illiquid" Adresse: Funk & Wagnalls Company coro of Dr. Isidore Singer, 30 Lafayette Place, New-Pork, City, 0. 8. A. R Einen Beitrag zu arisch-germanischen Racenstudien bietet die „Ostdeutsche Rundschau" vom 13 Mai. Sie entnimmt eine Blütbenlese den antisemitischen „Egerer Nachrichten", dem Organ des Herrn Abgeordneten Laurenz Hofer, einem treuen Parteigänger des Herrn Schönerer. Herr Hofer findet zur Charakterisirung des Abgeordneten Wolf und seiner Wähler folgend- Kernworte: „eine blinde, urtheilsunfähige Masse; charakterlose Politiker; arme, irregeleitete Wählermasse; Banditenpolitiker; eine verkommene Welt; moralisch Entnervte; Demagogen; Lnmpokratie; entartetes Gelichter; betrügerische Comödianten; Lumpenmoral; Zuchthauscandidaten; politische Gaukler; selbstsüchtige Streber; Corruptionisten, die die Ostmark verpesten; der dumme Kerl von Dentschböhmen u. s. w." Ist es wahr, daß „der Deutsche lugt, wenn er höflich ist", dann ist der Herr Abgeordnete Hofer wirklich ein Wahrheitsfanatiker. Erklärung. Entgegen vielfachen Ausstreuungen, daß im T-mpel der Badener israelitischen Cultusgemeinde der Gottesdienst mit Harmoniumbegleirung abgehaltcu wird, erklärt der gefertigte Vorstand, daß dies auf völliger Unwahrheit beruhe. Der Gottesdienst wird daselbst, wie bisher, unentwegt nach streng conservativer Richtung abgehalten und dient das durch pietätvolle Widmung im Besitze der Cultusgemeinde sich befiudliche Harmonium, das nicht im Gotteshause, sondern nur im Sitzungssaale sich befindet, blos zur Einstudirung des Chores (Meschorerim) und zu Unterrichtszwecken für die Schuljugend. Baden. 12. Mai 1902. Der Vor st and der israelitischen Cultusgemeinde. Bade n. Danksagung. Für die uns anläßlich der Vermählung unserer Tochter Charlotte so zahlreich bewiesene ehrende Theilnahme und Freundschaft gestatten wir uns auf diesem Wege unseren besten Tank auszusprechen. Insbesondere danken wir dem verehrlichen Präsidium und Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde, meinen geehrten College«, der Beamtenschaft der israelitischen Cultusgemeinde und den zahlreich erschienenen Corporationen. Wien, aur 13. Mai 1902. I. Cantor I. Schiller und Frau Z««,stistang. Die Zunzstiftung unterstützt ausnahmslos nur solche Arbeiten, welche inhaltlich und methodisch die Wisienschaft des Jndenthums fördern. Nur Anträge, welche mit vollständigen, ein Urtheil ermöglichenden Unterlage versehen sind, werden berücksichtigt Dieselben sind spätestens bis zum 31. Juni l. I. dem Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen. Für das Jahr 1902 sind überhaupt 1300 Mark verfügbar. Berlin, im Mai 1902. Das C u r a t o r i u m der Zunzstiftung: Dr. S. Neumann Dr. A. Abraham Vorsitzender Schriftführer. Steglitzerstraße 27.