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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 337 nicht zu leugnende Thatsache. Es haben ja im Allgemeinen alle Frauen im Judenthum ein gutes Herz, begeistern sich für alles Edle und Schöne, Helsen wie und wo sie können ihren Nächsten, scheuen selbst das größte Opfer nicht. Jedoch die wichtigste ihrer Pflichten vergessen sie — den Sabbath zu heiligen. Wo sind die schönen längst entschwundenen Zeiten hin, wo die jüdische Frau gleich einer Priesterin in ihrem Heim waltete, das Sabbathlicht entzündete, blüthenweißes Linnen den Tisch deckte; zwei Barches dursten nie fehlen. Es gab ein feierliches, fröhliches Mahl. Vater und Mutter saßen beim Tische, der Sabbath zog ein. festlich geschmückt, jubelnd und freudig empfangen wie eine holde Braut. Alles war im Hause bis zu dieser Stunde in bester Ordnung. Das war damals, und jetzt ist dies ganz anders geworden. Die Frau kommt gelangweilt und mißmuthig aus dem Kaffeehause heim. Sie weiß es überhaupt nicht, daß Feiertag ist und die Magd benutzt just diesen feierlichen Abend, um die Küche gründlich zu scheuern. Und erst der weihevolle Tag selbst wird vollständig entweiht. Man klopft Teppiche. Matratzen u. s. w. Möbel werden von der Wand gerückt, sogar Wäschetag wird abgehalten. Ist das erhört worden? Aber Ihr vergesset dabei vollständig, daß Ihr, abgesehen von der schweren Sünde, ein wahres Verbrechen an Euern lieben Kindern begeht, die im guten Glauben sind, daß Euer Vorgehen gewiß recht und billig ist und natürlich auch Euerem Beispiele folgen. Wie kann es dann um die religiöse Grundlage Euerer Kinder bestellt sein? Sechs Tage sollst Du arbeiten, der siebente Tag ist ein Ruhetag, sagt das III. Gebot. Ja, wenn Euren Lieben etwas fehlt, wenn im heftigen Fieber die Wangen erglüh'n, dann rufet Ihr ganz entmuthigt die Allmacht Gottes an. Er soll Euch helfen. Und er in seiner unendlichen Huld und Güte hilft Euch immer. Drum kehret zurück, liebe Schwestern, es ist noch Zeit, heiligt den Sabbath. Ein nie gekannter Friede und eine nie empfundene Freude wird in Eurem Herzen einziehen. So wie die Blumen in Beeten, Wald und Fluren Licht und Wärme brauchen, um sich zu entwickeln und zu gedeihen, so brauchen unsere Kinder eine streng religiöse Grundlage, um dereinst im Leben den wechselvollen Schicksalen gewappnet entgegentreten zu können. Ich hoffe zu Gott, daß Ihr mir beipflichten werdet und meine schlicht aus tiefsten Herzen kommenden Worte nicht unberücksichtigt bleiben und ein neues schönes Morgenroth anbricht zur Freude und zum Ruhme unseres ganzen Stammes, das walte Gott. Amen! Frau Dr. Ludwig Groß mann. Krchaf Adoschern.*) Skizze aus dem jüdischen Leben der Slowakei von Julius Weiß. (Schluß.) Drei Wochen waren verflossen, in denen Grünberg nicht das Dorf, ja kaum das Haus verlassen hatte, während er doch sonst den Ausgang des Sabbaths abzuwarten kaum die Geduld hatte, um wieder den Wagen zu besteigen und ins Land nach Geschäften hinauszufahren. Es war ihm, als würde hinter seinem Rücken sofort das Unglück in sein Haus hereinstürzen, und er wußte, daß er es dort draußen nicht aushalten würde vor angstvoller Ungewißheit, auch nicht einen halben Tag lang. Allein, wenn er dann nach der peinvollen Nacht und nach einem nicht erquickenden, von grauenhaften Träumen beunruhigten Schlaf erwachte und mit klopfendem Herzen aufhorchte, ob nicht inzwischen das grausige Unglück eingekehrt war, kam alsbald Regele lachend an sein Bett gelaufen und hinter ihr drein Maxl und Heini, und auch sein Weib hantirte in ungetrübter Gesundheit in Haus und Hof. Am Tage nach jener ersten schlaflosen Nacht, nach jenem verhängnißvollen Abend, an dem er seinen Mund zu der verruchten Gotteslästerung aufgethan hatte, da war ihm wie in einer plötzlichen Offenbarung der Gedanke gekommen, sich selbst eine Buße aufzulegen, bevor ihm der Allmächtige züchtige. Und er hatte fünfhundert Gulden an den Rabbiner in Preßburg geschickt, zur Weiterbeförderung nach Jerusalem für die Glaubensgenossen, die dort ihr Leben damit zubringen, an der von Thränen benetzten Klagemauer des Salomonischen Tempels Tag und Nacht den Gebenedeiten um endliche Wiederaufrichtung der gestürzten Herrlichkeit anzuflehen. Und der Rabbiner von Preßburg — wie scharfsichtig dieser hohe Gelehrte war — hatte ihm geantwortet, *) Beim Dasein des Ewigen. daß er gerade damit eine besonders gottgefällige Mizwe (frommes Werk) gethan habe, und daß er sich dafür in einer etwaigen Gewissensangst ohne Scrupel der Hoffnung aus eine erhebliche Milderung von Gottes Zorn hingeben dürfe, ohne Ueberhebung natürlich und in fernerer demüthiger Bereitschaft, das etwa vom Hochherrlichen ihm Zugedachte in Ergebung entgegenzunehmen und zu tragen. Und nun waren seitdem drei Wochen verstrichen und Gottes rächende Hand hatte in Gnaden sein Haus verschont. Warum sollte er sich, wie ihm der hohe Weise geschrieben hatte, nunmehr nicht dem tröstlichen Gedanken hingeben dürfen, daß ihm der Allerbarmer verzeihen wolle? Grünberg hatte mit großer Andacht in Tallis und Tephillin*) das Morgengebet abgehalten, worauf er seinem Weibe Mali den Auftrag gab, zu Wizene zu schicken, daß er anspanne. Er möge einigen Hafer mitnehmen, weil sie drei, vier Tage ausbleiben würden. Und eine heitere Ruhe stand in seinem Gesicht, so daß sein Eheweib ganz überrascht und erstaunt war. All die Zeit her war er mürrisch und niedergeschlagen gewesen und sie hatte nicht ausfindig machen können, was ihm denn Schreckliches zugestoßen sei. Sie kannte aber seine Art, ihr niemals etwas zu sagen, und so fragte fie auch jetzt nicht, sondern war im Innern froh, daß er wieder an die Geschäfte ging, und eilte mit ausgehelltem Gesicht, seinen Auftrag auszuführeu. Sie waren schon nach Losorn gekommen und Grünberg konnte sich sagen, daß er nicht einen einzigen Anfall von Seelenangst zu bewältigen gehabt hatte. Im Gegentheil. Gleich hinter dem Dorfe war es ihm gelungen, fich in vollständiger Ungetrübtheit des Gemüthes dem Ausspinnen seines Arbeitsplanes hinzugeben, wobei er in Seelenruhe die Pfeife stopfte, von Wizene Feuer verlangte und mit so viel Genuß wie schon lange nicht den Tabak sich schmecken ließ. Und jetzt in Losorn machte er ein Geschäft mit dem Fleischhauer Rotter über dreihundert Ochsenhäute, kaufte im Pfarrhof eine ansehnliche Menge Wachs und Honig und nahm bei Feiwel Kohn einen Auftrag auf drei Wagen Steinsalz entgegen. Auch in Jakobsdorf, in Dünburg und in Sohor machte er gute Geschäfte und blieb unangefochten von schreckoollen Gedanken an Haus und Familie. Er dachte dabei oft genug au Regele, und sie kam ihm mit ihrem Lachen und Singen mehr als einmal wie leibhaftig vor die Augen. Aber, Dank ihm! er behielt dabei die ungetrübteste Laune der Welt, so daß er über das Pfeifenmundstück hin ordentlich Regele's Liederchen mitsummte. Nur einmal gab es ihm einen Stich durchs Herz, als er in Sawoda dem Joseph Reschni Weizen abkaufen wollte und dieser ihm sagte, daß der rothe Schlefinger aus Hochstetten dagewesen sei und mit ihm das Geschäft schon gemacht habe. Grünberg sah sich mit Schlesinger an jenem düsteren, unglückseligen Abend vor dem Wlrthshaus in Wortstreit, und wie er die Schwurfinger gegen den Himmel erhob, vom Satan, dem Verderber, gestoßen. Aber in Malaczka, wo sie bei sinkendem Tage angekommen waren, spürte er doch wieder sein Gemüth im Gleichgewicht. In der Synagoge, die er sofort aufsuchte, kam er noch rechtzeitig zum Gottesdienst; in genußreicher Andacht konnte er ihm folgen. Und in der Nacht hatte er einen erquickenden Schlaf. Den ganzen folgenden Vormittag blieb er in Malaczka, wo gerade ein lebhafter Wochenmarkt war, und schaffte auch hier Erhebliches. Nun bin ich Tag und Nacht ausgewesen — so dachte er, indem er einen zerstreuten Blick in die dichtgefüllte Gaststube warf und die Hand um einen Becher rothen Weines legte, mit dem er sein Mittagmahl zu beschließen im Begriff war — und mein Herz ist ruhig und heiter geblieben. Dank dem Allmächtigen! Er blickte sinnend zurück auf diese drei Wochen voll unerträglicher Schwere für Leib und Seele, an die schlaflosen Nächte, in denen er mit zusammengepreßten Lippen Seufzer und Stöhnen unterdrückte, an den Angstschweiß, der ihn bedeckte, und an die lähmende, Glieder umstrickende Bangigkeit, so oft er von einem Gang in die Gaffe sich seinem Hause näherte. Und jetzt diese Leichtigkeit und Helle im Gemüth, daß es schier ein Wunder war! Durfte er nicht getrost glauben, daß er sich den lieben Gott durch sein Opfer versöhnt habe? Er setzte den Becher an die Lippen und leerte ihn in langen, genußfreudigen Zügen. Schon schmeckte ihm wieder der Wein ganz so wie ehedem. Freilich, er war heute um fünfhundert Gulden ärmer als noch vor drei Wochen. Doch was sollte dieser vorlaute, frevle, entsetzliche Gedanke? „Bereust Du am Ende?* rief er mit *) Gebetschleier und Gebetriemen.

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