Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 20 (16.5.1902)
- Date
- 1902-05-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 336 Dr. Bloch's Wochenschrifl. Nr. 20 Litte«. Auf dem hiesigen Friedhofe, dessen Grabsteine vor einigen Zähren restaurirt wurden, finden sich viele s i n n e n tst eilende Fehler, die zu beseitigen die hiesige Chewra im Einvernehmen mit der Cultusgemeinde übernommen hat. Die Durchführung dieser Arbeit wurde Sr. Ehrwürden Herrn Phil. Dr S. W. Link, Rabbiner in Dobrisch, übertragen. Zu bemerken ist, daß der Friedhof 250 Jahre besteht. Mißlich. In der jüngst stattgefundenen Generalversammlung der hiesigen Chewra-Kadischa wurden die Herren Josef Hauser, Bürgermeister, Adolf König, I. Gemeinderath, Salomon K ö n i g, II. Gemeinderath, Gustav Grün bäum und Marcus Singer zu Vorstehern dieses humanitären Vereines mit großer Majorität gewählt. Bei der anerkennenswerthen Energie und dem hervorragenden Gemeinsinn, welcher die Genannten beseelt, ist für die hiesige Chewra-Kadischa das Beste zu erwarten. Kojetein. Am 25. März l. I. starb im jugendlichen Alter von 33 Jahren Rabbiner Dr. Samuel Rosenzweig, der von Allen, die ihn kannten, und besonders von seinen Gemeindemitgliedern wirklich verehrt und aufrichtig betrauert wird. Pachau. (Todesfall.) Am 29. April d. I. starb hier, allgemein betrauert, Frau Franziska Ascher geb. Guttmann im 72. Lebensjahre. Die Verblichene erfreute sich der aufrichtigsten Sympathien weiter Kreise. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung Freitag den 2. Mai d. I. statt. Abbazi«». Die Inhaberin der mit Recht höchst beliebten »Pension Exquisite" inAbbaziaFrau Roth hat über Ersuchen ihrer Stammgäste sich entschloffen, über die Sommermonate vom Mai bis September in Bad Reichenhall in der Villa Aurora eine Pension zu eröffnen. Die Villa liegt in der Luitpoldstraße, zwei Minuten vom Curparke und dem Gradierwerke entfernt, hat großen, schattigen Garten, mehrere Badezimmer für Soolbäder, Hochquellenwaffer, elektrische Beleuchtung, ist durchwegs elegant eingerichtet, jedes Zimmer mit Balcon. Dieses neue Unternehmen, das in der bekannt trefflichen Weise geführt werden wird, die den Besuchern der »Pension Exquisite" so wohl bekannt, verdient reichen Zuspruch der Curbedürftigen und wird allen Interessenten bestens empfohlen. Pirrntz. Am 21. April wurde die Gattin unseres um die hiesige Gemeinde hochverdienten Cultusvorstehers Herrn Simon Kälbl, Frau Fanny Kälbl, im Alter von 63 Jahren unter Betheiligung der gesammten Einwohnerschaft zu Grabe getragen. An der Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Abraham Kurzweil einen tiefergreifenden Nachruf, in welchem er die wahrhaft patriotischen Tugenden der Verblichenen schilderte und pries. Am offenen Grabe recitirte Herr Cantor Weißmann das „LI mole rachamim“. Mit der schwergeprüften Familie trauert die ganze Gemeinde um die Verblichene, die auf dem Gebiele der Wohlthätigkeit Hervorragendes leistete und sich die Verehrung Aller erworben hat, die ihr jemals nahe standen. Jglau. Die Feier der goldenen Hochzeit des Herrn Abraham Taußig und dcffen Gattin Bertha hat, wie wir in unserer letzten Nummer vorausgesagt, allen betheiligten jüdischen Kreisen Anlaß gegeben, ihrer Verehrung für den Jubilar spontanen Ausdruck zu geben. Schon am Vortage erschien das Präsidium des Gesangvereines »Schir Zion", die Herren Gustav Ullmann und Zahnarzt Pokorny, um die Glückwünsche des Vereines zu vermitteln. Am 8. Mai, dem Festtage fanden sich ein: die Repräsentanz corporativ unter Führung des Oberrabbiners Herrn Dr. Unger, des Präsidenten Herrn Lieblich und des Bicepräsidenten Herrn Feldmann. »In einer solennen Ansprache des Oberrabbiners und des Präsidenten der Cultusgemeinde Jglau wurde der Jubilar gefeiert, ihm der neuerliche Dank für sein langjähriges, ersprießliches, verdienstliches, uneigennütziges Wirken in warmen, zum Herzen gehenden Worten ausgesprochen und dem tiefgehenden Wunsche Ausdruck gegeben, daß es ihm vergönnt sein möge, neben seiner geehrten Gattin seine segensreiche Thätigkeit bis in die fernsten Zeiten und in körperlicher und geistiger Frische im Dienste und zum Wohle der Gemeinde fortzusetzen. Weiters folgte eine Deputation des Frauenvercines, bestehend aus den Damen Dr. Brandeis, Fuchs, Schulz und Feld mann — und schließlich die Deputation der Chewra-Kadischa, deren Ehrenmitglied der Jubilar ist, vertreten durch den Präsidenten Herrn O e st e r r e i ch e r, den Vice- Präsidenten Herrn Wurmsohn, den Obercantor Herrn Weiß und den Cantor Herrn Brunner, sowie viele Gemeindemitglieder, welche Alle den eminent humanitären Charakter und das liebenswürdige Wesen des Jubelpaares feierten. Unter den Hunderten telegraphischen und brieflichen Gratulationen hat eine einen ganz besonders tiefen Eindruck gemacht, sie kam von dem Rabbiner Herrn Dr. Kohn in Königgrätz, der das Jubelpaar vor fünfzig Jahren getraut hat und der sein Fernbleiben von der Feier durch seine Krankheit tief beklagte. Eine Feier im Tempel mußte mit Rücksicht auf die Sefira unterbleiben. Neu-Bidschow. Am 11. d. M. fand die Neuwahl der israelitischen Gemeindevertretung statt und wurden nachstehende Herren gewählt: Moritz Sachsel, Vorsteher; JUDr. Ignaz Weil, Vorstand-Stellvertreter; Friedrich Herman, Casser; Friedrich Klein. Rechnungssührer; Friedrich Porias, I. Tempelvorsteher; Karl Braun, II. Tempelvorsteher. Als Ausschußmitglieder: Leopold Schnabel, Gustav Schick, Bernard Passer, Ingenieur I. Reich, Ludwig Schwarzkopf, Wilhelm Mayer. Rokitzan. (Bitte an edle Mensche nfre u n de!) Am 3. d.M. starb in Rokitzan nach langem Siechthume Emanuel Sachs mit Hinterlassung einer alten kränklichen und erwerbsunfähigen Witwe, zweier verwaister Enkel im Alter von 3 und 5 Jahren, die sich in der drückendsten Nothlage befinden. Die Gefertigten wenden sich daher an edle Menschenfreunde mit der ergebenen Bitte, durch milde Gaben die Noth der Obgenannten lindern zu helfen und nehmen gütige Spenden entgegen. Rabbiner M. Fischer und Josef Stadler in Rokitzan. Preßburg. Das hiesige israelitische Altersversorgungshaüs erhielt im Jahre 1901 «folgende Stiftungen: 1. Stiftung, der Joel Wölfischen Erben zum Andenken an ihren Vater Joel Wolf s. A. Kronen 14.000.— 2. Legatstiftung der Frau Julie Politzer geb. Fleischhacker Kronen 6200.— 3. Legatstiftung des Herrn Josef Ornstein (Wessely) s. A. Kronen 2000.— 4. Simon Popper-Stiftung, errichtet von Herrn Emil Popper, Kronen 1000.— 5. Herm. Deutsch-Stiftung, errichtet von Herrn Dr. Ignaz Deutsch (Wien) und Frau Betty Wellisch geb. Deutsch, Kronen 2000.— 6. Leopold Kann-Stiftung, errichtet von Frau Fanny Kann geb. Siebenschein (Wien), Kronen 1000.— 7. Eveline Rosenfeld- Stiftung, errichtet zum Andenken an Frau Eveline Rosenfeld geb. Donat, Kronen 1000.— 8. Gründungsbeitrag des Herrn Israel Weiner anläßlich seines 80. Geburtstages Kronen 500.— 9. Gründungsbeitrag der Frau Therese Kohn geb. Abeles Kronen 200.— 10. Gründungsbeitrag des Herrn Leop. Leitersdorf aus dem Nachlasse seiner sel. Mutter Frau Eleonore Leitersdorf Kronen 200.— 11. Spende des Herrn Bernhard Popper zum Andenken an seine Mutter Frau Fanny Popper geb. Schlesinger (Wien) Kronen 200.— Summa Kronen 28.300.— Budapest. (Auszeichnung.) Se. Majestät hat der Präsidentin des Budapester (richtig: Pefter) israelitischen Frauenvereines Frau Witwe Anton H e r z l geb. Marie Müller in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlthätigkeit erworbenen Verdienste das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Posen. Im preußischen Grenzorte Weltschin wurde am 12. d. M. Nachts ein unmenschliches Verbrechen verübt. In das Haus eines dort wohnenden jüdischen Trödlers drangen Räuber ein, überfielen und fesselten die aus 8 Personen bestehende Familie, plünderten das Haus und steckten es schließlich in Brand. Die ganze Familie ist in den Flammen umgekommen. Kopenhagen. Georg Brandes, der bekannte Literarhistoriker, wurde zum Professor der Literatur an der hiesigen Universität ernannt. Feuilleton. Der Sabbattz von Einst und Jetzt! Liebe Schwestern von Nahe und Ferne gestattet mir im Geiste mit Euch plaudern zu dürfen. Es ist mir nämlich seit Langem schon ein wahres Herzensbedürfnitz, als treue Tochter unseres Volkes meinen Gefühlen schriftlichen Ausdruck zu verleihen und hier in diesem geschätzten, weit verbreiteten Blatte Euch zu sagen, daß es mich in tiefster Seele schmerzt, wie sehr unser herrlicher von Gott dem Allmächtigen als heiligster Ruhetag bestimmter Sabbath entweiht wird. Es gibt nur sehr wenige Frauen, denen dieser hohe Tag als heilig gilt. Dieses ist eine