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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochrnfttzrifl. Seite 327 Dr. Rosenberg wurde mit großer Majorität zum Abgegeordneten gewählt, während Karl Legrady blos achtzehn Stimmen erhielt. Ist es denn nicht die höchste Ironie? Die ungarische Regierung und das Präsidium des Abgeordnetenhauses unterstützten mit wahrer Begeisterung die Wahl eines jüdischen Abgeordneten, weil sie es vorziehen, daß ein Jude der »Nachfolger Tißa's" sei, als daß ein »getaufter Aufdringling" den Stuhl des großen Staatsmannes einnehme! Die Zeichen der Zeit pflegen nicht deutlicher zu sprechen. Die Mandanten der jüdischen Notare. Bei den Berliner Abgeordnetenhaus-Erörterungen über die Anstellung jüdischer Richter und Notare ist vom Justizminister behauptet worden, eine größere Anzahl von Christen trage Bedenken, sich in intimen Familienangelegenheiten an jüdische Notare zu wenden. - Aus Anlaß dieser Erörterungen hat ein hervorragendes Mitglied der Berliner Anwaltschaft eine Umfrage bei Berliner jüdischen Notaren veranlaßt. Diese Umfrage hat, wie im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mitgetheilt wurde, ergeben, daß bei 36 jüdischen Notaren 18.600 christliche notarielle Mandanten, nebenbei bemerkt, darunter auch der verstorbene Herr v. Plötz, und nur 6975 jüdische notarielle Mandanten nachgewiesen wurden. Es ist aber auch versucht worden, soweit dies möglich ist — diese Statistiken haben selbstverständlich nur eine bedingte Bedeutung — der Frage näher zu treten, wie weit Christen in intimen Familienangelegenheiten die Inanspruchnahme jüdischer Notare zu vermeiden suchen, und es ist festgestellt worden, daß gerade in »intimen Familienangelegenheiten" Christen vorzugsweise zu jüdischen Notaren gehen, weil diese meist ihren Gesellschaftskreisen ferner stehen. Der Arzt der Königin Wilhelmine. Ueber den Arzt Professor Dr. R o s e n st e i n, welcher jetzt die Behandlung der schwer erkrankten Königin von Holland leitet, wird berichtet: Dr. Rosenstein hat nichts Höfliches in seinem Wesen. Eines Tages wurde er zu dem schwer erkrankten Vater der jetzigen Königin von Holland gerufen. Er untersuchte den König gründlich, fühlte den Puls, maß die Temperatur und bat dann höflich, aber ohne viel Ceremoniel dem König, er möge ihm die Zunge zeigen. »Meine Königswürde — sagte Wilhelm III. mürrisch — erfordert, daß Sie sich gewählterer Formen bedienen, wenn Sie ein solches Verlangen an mich stellen." — „Gut", sagte der Arzt, nahm seinen Hut, empfahl sich und fuhr nach Leyden zurück, von wo man alle Mühe hatte, ihn wieder an den königlichen Hof zu bringen. Erst die Bitten der Königin brachten das zu Stande. Und er hatte kaum im Schloß Loo das Zimmer des kranken Königs wieder betreten, als ihm Wilhelm III. schon unaufgefordert die Zunge.zeigte. Proseffor R o s e n st e i n, welcher jetzt den Adlerorden III. Classe erhalten hat, ist ein Sohn des verstorbenen Rabbinats- Afleffors R o s e n st e i n in Berlin. Die jüdischen Chemiker. Dem Berliner Abwehrorgan wird aus Prosessorenkreisen geschrieben: Die in Nr. 18 der »Mittheilungen" abgedruckte Anzeige, worin für das städtische Untersuchungsamt Bielefeld ein Assistent mit der Qualification »C h r i st" gesucht wird, findet nicht ganz selten Seitenstücke. Viel häufiger noch kommt es vor, daß stellensuchende Chemiker in ihren Inseraten gleich das Wort »Christ" beifügen; leider, wie man sagen muß, nicht ohne Grund, denn, wie ich einmal bei einer früheren Gelegenheit in diesen Blättern .ausgeführt habe, verweigern viele deutsche chemische Fabriken auch den tüchtigsten und bestempfohleüen israelitischen Chemikern eine Anstellung. Dies geschieht nicht oder doch nur ausnahmsweise aus Antisemitismus der Besitzer oder Leiter selbst, sondern weil in den größeren eine Anzahl von Chemikern beschäftigenden Fabriken befürchtet wird, daß der Corpsgeist ihrer Angestellten ein Zusammenwirken mit Fachgenossen, die das Unglück israelitischer Abstammung mit sich Herumschleppen, von vornherein ablehnen werde. Hiervon besitzt der Schreiber dieses ganz positive Beweise. Die Saat, welche Adolf Wagner und Treitschke ausgestreut haben, hat ja bekanntlich die herrlichsten Früchte getragen; alle Corps und Burschenschaften, sowie die meisten anderen Studentenverbindungen können sich seit längerer Zeit der »Judenreinheit" rühmen. Merkwürdig, und nur aus den selbst in den »höheren Schichten" überall schlummernden niedrigen Instinkten zu erklären ist dieser gewaltige Erfolg einer so durchaus culturfeindlichen Bewegung in der akademischen Jugend, wenn wir bedenken, daß doch nur ein ganz verschwindender Bruchtheil der Hochschullehrer irgendwie offen dafür eintritt, unbeschadet des Crypto-Antisemitismus ziemlich vieler Professoren, der etwa ebensoviel Berechtigung hat, wie die so weit verbreitete Abneigung des Süddeutschen gegen den Norddeutschen, des (heutigen!) Deutschen gegen den Engländer und umgekehrt u. s. w., der sich aber doch wesentlich nur bei Berufungsfragen und dergleichen äußert und den Studirenden gegenüber aus sehr richtigem Schamgefühl fast immer im Hintergründe gehalten wird. Gerade bei den Chemikern ist der Antisemitismus wenig verständlich. Eine ganze Reihe der hervorragendsten Chemiker dieser Generation ist jüdischen Ursprungs (ich nenne nur Victor Meyer, Liebermann, Ladenburg, Lieben, Heinrich Caro, B a m b e r g e r), und wie sich einer der größten Chemiker des 19. Jahrhunderts zu jener unheilvollen Bewegung stellte, das geht mit großer Klarheit aus der soeben in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft erschienenen Biographie August Wilhelm von Hofmann's (verfaßt von I. Volhard in Halle) hervor (S. 136 und 137). H o f m a n n hatte 1878 die berühmte Notabeln-Erklärung gegen die antisemitische Bewegung mit unterschrieben, und war deshalb mit Mommsen, Droysen, Scherer, Forkenbeck und so vielen anderen wirklich Edelsten der Nation von einem Theile der akademischen Jugend als politisch unfähig beschimpft worden. In Helle Wuth brach diese angeblich »nationale" Gesinnung aus, als Hofmann, in seiner Eigenschaft als Rector der Universität Berlin, die vom Senat beschlossene Nichtbestätigung der vom antisemitischen »Verein deutscher Studenten" eingereichten Statuten zur Ausführung brachte und in seiner Rectorats-Schlußrede am 15. Oetober 1881 von einem »ebenso unerfteulichen, als wenig erwarteten Mißton" sprach, »der auch heute noch nicht ganz verklungen ist und die Harmonie des studentischen Verkehrs a-trübt hat." Volhard bemerkt dazu: »Der Verein deutscher Studenten hat Hofmann sein Einschreiten nie verziehen." Nach den mir vorliegenden Notizen des Dr. Koppe (eines Assistenten Hofmann's, der mit Sammlungen von Materialien für dessen Biographie beauftragt worden war), »der angibt, daß er selbst mit den Bestrebungen dieses Vereines sympathifire, hat "er Verein sich von jeder zu Hofmann's Ehren veranstalteten Festlichkeit, ja selbst an seiner Begräbniß- und der zu seinem Gedächtniß am 20. Juli 1892 veranstalteten Feier ferngehalten." Das bedarf keinerlei Commentars; die guten Jünglinge haben in ihrer Verblendung sicher kein Verständniß für den Humor davon, daß ihr »nationaler" Verein einen weltberühmten Gelehrten, eine der ersten Zierden des deutschen Vaterlandes in Verruf gethan hat! Dieses Unglück muß er ja freilich mit Mommsen, Droysen, Gneist und so vielen Anderen theilen, die gleichfalls der deutschen Nation nicht zur Unehre gereichen, und wird sich darüber im Elysium vielleicht trösten. „Jüdischer Bankerott." Der „American Israelite“ schreibt: »Während der Panik im Jahre 1893 fallirte in Chicago die Bankfirma Hermann Schaffner u. Cie. Schaffner, der Senior, beging Selbstmord, und Becker, der Afsocis, ein Jude, mußte den Sturm aushalten. Es blieben damals zwei Millionen Mark Schulden übrig: Becker erklärte, er werde die Hälfte, die er zu zahlen sich verpflichtet fühlte, obschon er keineswegs dazu verpflichtet war, sofort und den Rest später zahlen. Nach neun Jahren schwerer Arbeit und großer Entbehrungen hat der Jude Becker, Makler in Chicago 178 La Salle Street, freiwillig die zweite Million abbezahlt." Man pflegt ja wohl so zu thun, als sei das Bankerottiren eine jüdische Erfindung und ein von Juden vorzugsweise angewandtes'Mittel, Reichthum zu erwerben: Und der Jude Becker? Und das jüdische Blatt, das diese „unjüdische" Handlungsweise lobt?" Ein Mord aus Aberglauben. Aus Belgrad, 12. d. M., wird telegraphirt: In Krufics gruben drei Landleute, Juics, Miklin und Markovics, nach einem Schatz, der. wie sie glaubten, nur durch ein Menschenopfer gehoben werden könnte. Die Männer gruben erfolglos von 3 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends. Da kam die jungangetraute Frau Miklin's herzu. Die Drei überfielen die Frau und tödteten sie in gräßlicher Weise, um den Schatz zu heben. Die Mörder wurden verhaftet.

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