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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gelte 818 Dr. Vwüs's WochensürrlH . Nr. 19 Herrn Rabbiner bei mächtigem Chorgesang und einem geradezu entzückend schön vorgetragenen Solo (Psalm 19) unseres sehr musikalischen, stimmbegabten, auch sonst den Gottesdienst sehr hebenden, beliebten Herrn Obercantors Otto Goldbaum in den Tempel gebracht. Nach feierlichem Umzuge mit sammtlichen Thorarollen^ wurde unter Abfingung des Wesoth-Hatorah aus der neuen Rolle der für diesen Tag bestimmte Theil vorgelesen und der edle Spender, der übrigens bei diesem Anlasse von dem Herrn Rabbiner den wohlverdienten Morcnutttel erhielt, als Erster aufgerufen, wobei er noch namhafte Beträge für verschiedene wohlthätige und humanitäre Zwecke spendete. Die Feier fand ihren Abschluß mtt der gediegenen, ungemein gehaltvollen Rede unseres ehrwürdigen Rabbiners Herrn Doc. Dr. Herzog, die wie immer ein Muster homiletischer Beredsamkeit gewesen. Bei dieser Gelegenheit nahm der Herr Rabbiner auch Veranlassung, der verehrten Gattin unseres hochgeachteten Cultusvorstehers. Frau Regina Grab, für die große Schenkung von Ornamenten und sehr kostbaren persischen Teppichen für unser gefälliges Gotteshaus bestens zu danken. Stanislau. (Eine Trauerandacht für Baron und Baronin H irsch.) Anläßlich des Todestages der Baronin. Clara Hirsch-Gereuth fand am 30. v. M. im hiesigen Tempel eine von der hier bestehenden Baron Hirsch'schen Schule veranstaltete Trauerandacht statt. Unter Führung des Schulleiters Sperber und sämmtlicher Anstaltslehrer begaben sich die Schulkinder — etwa 600 an der Zahl — in den Tempel, woselbst nach Verrichtung der üblichen Trauergebete Rabbiner Dr. Brande in einer tiefempfundenen Rede die Verdienste der Baronin Hirsch und deren Gemahls, um die jüdische Schuljugend in Galizien hervorhob. Croat-Kreuz. Am 2. d. M. kam der Cultusminister in unsere Stadt, um die hiesige Bürgerschule einzuweihen und besuchte zugleich die Kirchen und unseren herrlichen Tempel. In der Vorhalle des Tempels begrüßte ihn der Vorsteher Marko Breyer und im Tempel selbst hielt Sp. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Engel an Se. Excellenz den Herrn Cultusminister eine kroatische Ansprache, in welcher er von der Förderung der Wissenschaft als Hauptprincip des Judenthums sprach und dem Minister für sein Wirken im Dienste der Aufklärung und des Fortschrittes dantte. Herr Dr. Engel erntete mit seiner geistvollen Rede reichen Beifall, auch des Ministers, der sich wiederholt über das Wirken des Rabbiners, sowie auch des Vorstehers Herrn Marko Breyer höchst lobend aussprach. Eminenz Bischof Julius Drohobeczki gab zu Ehren des Gastes ein Bankett, zu welchem auch Se. Ehrwürden Herr Dr. Engel und Herr Vorsteher Marko Breyer geladen waren. Humpoletz. Seine Eminenz Herr Eduard Johann Ncpomuck^, Bischof von Königgrätz. Herr zu Cbrast u. s. w., bereiste gelegentlich der Firmung die Städte Deutschbrod, Humpoletz und deren Rayon. Die Cultusgemeinde Deutschbrod entsendete eine Deputation, bestehend aus dem Vorsteher Advocaten Herrn Dr. Meißner und dem Rabbiner I. Singer, welche Herren dem Bischof ihre Aufwartung machten. Bischof Brynich empfing huldvollst die Deputation, bedauerte die confessionellen Reibungen mit dem Bemerken, daß es endlich an der Zeit wäre, daß Ruhe eintreten möge, da wir doch alle zu Einem Gotte beten. Es Wäre zu wünschen, daß diese schön gesprochenen Worte vom Herzen gekommen sein mögen. Auch die Humpoletzer Cultusvertretung nahm corporativ Ausstellung bei seinem Einzug, für welche Ehrung der Bischof dem Cultusvorsteher Dr. Frank dankend die Hand reichte. — Gelegentlich der jüngst vorgenommenen Wahl in die seit dem Jahre 1723 bestehende Ohewra - Kadischa wurden nach deren erprobter Fähigkeit wiedergewählt die Herren: Simon Schneider als erster, Adolf Brook als zweiter Vorsteher und als Cassier Herr Jakob Schneider. Dieser humanitäre Verein erfreut sich eines wohlverdienten Rufes, indem er nicht nur zahlreiche Ortsarme, sondern auch Fremde reichlich unterstützt. — Es mag schließlich nicht unerwähnt bleiben, daß Herr Moses Klein, ein Mann von 83 Jahren, physisch und .geistig wohl erhalten, durch 56 Jahre die hiesige Gemeinde und wettere Umgebung mit Mazzos versorgt, wobei er persönlich thätig ist. Wir rufen ihm deshalb ein Jejascher Koaok zu! Frankfurt a. M. Der um die Wohllhätigkeits-Bestrebungen unserer Geoieinde und unserer Stadt hochverdiente Herr Georg Speyer ist nach kurzem Leiden verschieden und am 27. April d. I. unter überaus zahlreicher Betheiligung von Leidtragenden aus allen Kreisen der Bevölkerung bestattet worden. Die Gedächtnißrede hielt Herr Rabbiner Dr. Plaut, der des Heimgegangenen Charaktcrvorzüge, feine Nächstenliebe und Bescheidenheit pries.' Herr Oberbürgermeister A d i ck c s widmete einen Kranz „Namens der dankbaren Vaterstadt dem Edlen, Hilfreichen, Guten, dem großen Menschenfreund, dem hochhe^igen Bürger." Ferner sprachen die Herren Rechtsanwalt P l o t k e flir die israelitische Gemeinde, Oberlehrer Dr.Blam für die Senkenberg'sche naturforschende Gesellschaft u. A. Dem edlen Heimgegangenen, der sich Zettlebens als ein wahrhafter Philanthrop bewährte und für die humanitären Bedürfnisse unserer Glaubensgemeinschaft gabenwillig spendete, bleibt ein ehrenvolles Andenken gesichert. Feuilleton. Kechaj Adoschem.*) Skizze aus dem jüdischen Leben der Slowakei von Julius Weiß. Man hatte in der Synagoge nur wenig Licht gemacht für den zufälligen Abendgottesdienst. In den Ecken und an zwei, drei Stellen der Wände rang sich ein gelber Lichtfleck aus dem Dunkel. Ganz oben, an der rechten Seite der in die Wand eingelassenen Thoralade, über dem Pulte des Vvrbeters, brannten nebeneinander die beiden hohen Vorbeterkerzen. „Gelobt seidst Du, o Ewiger!" dröhnte es aus der Brust des unter heftigen Verbeugungen vorbetenden Rabbiners. „Gelobt sei er und sein Name!'' antwortete es hinter ihm. „Der Du bist der Schild Abraham's." „Amen!" antwortete die Gemeinde. „Gelobt selbst Du, o Ewiger!" „Gelobt sei er und sein Name!" „Der Du bist der Weltengott." „Amen!" bekräftigten die Stimmen hinter ihm. „Gelobt seidst Du, o Ewiger!" „Gelobt sei er und sein Name!" „Der die Menschen mit Erkenntniß begnadet." „Amen!" „Gelobt seidst Du, o Elyiger!" „Gelobt sei er und sein Name!" „Der da liebet Gesetz und Gericht." „Amen!" So donnerten die Segenssprüche des Schmone-Esre aus der mit brennender Gottesverehrung erfüllten Brust des sich unaufhörlich in langen Schwingungen beugenden Rabbiners an die widerhallenden Wände. Immer stärker wurde das Dröhnen seines Donners, immer leidenschaftlicher wurden seine Schwingungen, immer nachdrucksvoller und beredter die Betonungen. Seine Stimme drohte und lockte, suchte zu erschüttern und die Süßigkeit der Hingabe an den heiligen Gott zu erkennen zu geben. In der Versammlung verstummten die Zwiegespräche, 'immer mehrstimmiger wurde das Amen und immer klangvoller, die Hingabe an das Gebet steigerte sich. Und je stärker der Rabbiner die Herzen ergriffen fühlte, desto schmelzender wurden feine Modulationen, desto lockender ließ er in seiner Stimme die labende Erquickung erkennen, die in der Anbetung Gottes des Allmächtigen zu genießen sei. Und der in den Refponfen immer zunehmenden Innigkeit war abzunehmen, daß er dieses Gefühl eines Labsals auch in den Herzen hinter ihm glücklich geweckt hatte. Siegmund Grünberg faß abgeschieden von dem Trüpplein der Andächtigen. Er hatte sich einen Sitz im Finsteren ausgesucht. Wenn die Flammen der Kerzen über dem Pulte des Vorbeters manchmal hoch aufloderteu, leuchtete sein gerötheter Kopf wie im Schein einer nächtlichen Feuersbrunst. An sein Bewußtsein waren die mit sich fortreißenden Recitationen des Rabbiners nicht gedrungen. Manchmal schreckte er aus brütenden Gedanken in plötzlicher Besinnung auf und sandte ein verspätetes Amen der einstimmigen Response der Gemeinde nach, um gleich darauf wieder in starre Ruhe zurückzufallen. Die beiden Flammen über dem Borbeterpult schienen seinen Blick gebannt zu haben. Sie wanden sich nach rechts, sie wanden sich nach links, sie wanden sich vorwärts und rückwärts, wie wenn, es Wesen wären, die sich aus pressenden Feffeln ringen wollen. Sie duckten sich tief und sprangen jäh auf, wie wenn sie Kraft hätten sammeln wollen, um sich von der Umklammerung, die ihren Fuß in eiserner Gefangenschaft hielt, loszureißen. Aber die eisernen Feffeln ließen nicht los, und die Flammen fielen zusammen und krümmten sich weiter in ihren Schmerzen. Brennende Kerzen hatte er in seinem Leben schon sehr viele gesehen, aber daß die Flammen so schauerlich hin- und herarbeiten, als ob sie mit gellendem Wehruf nach Befreiung aufschreien möchten, war ihm in seinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen. Aber auch er selbst, spürte er nicht gleichfalls jeden Augenblick einen Antrieb, von seinem Sitz aufzuspringen und zu rufen : „Leute, helft mir! Mir ist so angst und bang. Ich habe bei dem Dasein des Ewigen geschworen und habe falsch geschworen!" Wie, um Gottes willen, war ihm das nur eingefallen? Wie waren ihm diese mit Grausen getränkten Worte über die *) Beim Dasein des Ewigen.

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