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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 317 Cultusvorsteher Gottlieb Taussig und kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, der Obmann des Bethausvorstandes Herr Samuel Steiner mit dem gesammten Bethausvörstande, der gefammte Vorstand des Vereines Chewra-Kadischa, der Vorstand des Vereines „Maskil el dol“, > der Vorstand des Vereines „Talmud-Thora" und der Vorstand des Vereines „Obeseä sebel eines“, der Friedhofverwalter Herr I. Bäcker u. v. A.' Se. Ehrwürden Herr Dr. I. Bach hielt im Ceremoniensaale eine formvollendete Trauerrede, bei der kein Auge thränenleer blieb. Der gesangliche Therl wurde von den Kantoren Herren S. Jurberger und I. Schleifer in erhebender Weise zum Vortrag gebracht. Namens des Vereines Chewra- Kadischa sprach der Präses Herr Dr. Bars, namens des Bethausvorstandes der Director Herr Alex. Hecht, namens des Vorstandes des Vereines „Maskil el dol“ Herr Anton Schwarz tiefergreifende Äbschiedsworte. Hierauf recitirte im Aufträge der Chewra-Kadischa Herr Cantor I. Schleifer am offenen Grabe das El-mole-rachamim-Gebet und wurde dann der Leichnam zur ewigen Ruhe gebettet. Wien. Der k. k. Hofrath Herr Professor Dr. Th. G o m p e r z hat Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. M. Marge! in Rosenberg (Böhmen) das Uebersetzungsrecht der „Griechischen Denker" ins Hebräische ertheilt. Diese Mittheilung dürfte von allen Freunden der neuhebräischen Literatur mit Freuden begrüßt werden. Wien. (Kranken-, Witwen- und Waise n- Unterstützungsverein „Ofieseck sefiel eines“.) Es ist. immer ein erfreuliches Zeichen von besonderer Rührigkeit, wenn ein humanitärer jüdischer Verein, in zielbewußter Verfolgung seiner Tendenzen den Muth hat. in unserer realistischen Zeit eine in großem Maßstabe angelegte Veranstaltung zu unternehmen, um seinen Fond zu stärken und demselben jene Mittel zuzuführen, welche seine Kranken, Witwen und Waisen in hohem Grade beanspruchen. So veranstaltet dieser.Verein am Sonntag den 18. d. M. Nachmittags lJ23 Uhr im Deutschen Volkstheater eine interessante Matinee. Gegeben wird das mit Recht so gerne gesehene Stück „Die Hochzeit von Baleni" in jener künstlerischen Besetzung, in welcher dieses Stück seinerzeit das erste Mal aufgeführt wurde. In den Hauptrollen werden Frl. Adele Sandrock. die Herren Weise, Kutschers und Weiß beschäftigt sein, und es ist demzufolge den Besuchern der Matinee ein genußreicher Nachmittag gesichert. Es ist ein vollständiges Gelingen dieser Veranstaltung um so gewisser zu gewärtigen, als die Preise der Sitze die' volksthümlichen ohne Vorverkaufsgebühr sein werden und sind schon Sitze L 90 Heller inel. Garderobe und Theaterzettel zu bekommen. Sitze aller Kategorien sind beim Armenrath Herrn Adolf Hupka, Rothenthurmstraße erhältlich und empfiehlt es sich, solche zeitgerecht zu besorgen, weil schon jetzt rege Nachfrage um Karten herrscht. Der Verein „Ofisseck sefiel eines“ beruft ferner für den 25. d. M. eine außerordentliche Generalversammlung ein, in welcher den Mitgliedern von der nunmehr vollständig durchgeführten Gründung des neuen „Witwen- und Waisenfondes" officielle Kenntniß gegeben wird. Wien. (Kadimahner und Deutschnationaler.) Bor dem Berufungs-Senate des Landesgerichtes in Strafsachen unter dem Vorsitze des Landesgerichtsrathes Klifienbauer fand gestern die Verhandlung über die Urtheile des Bezirksgerichtes Josefstadt statt, mit welchem stuck, weck. Oskar Löwenstamm zu einer 24stündigen Arreststrafe, stuck, phil. Gustav Wesp zu einer Geldstrafe von 20 Kronen verurtheilt worden waren. Dieser social und juristisch interessanten Studentenaffaire lag bekanntlich folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Deutschnationale Wesp hatte eine an Löwenstamm ergangene Herausforderung zurückgezogen, als er erfuhr, daß der Geforderte Jude sei. Die Zurückziehung der Forderung wurde vom Deutschnätionalen damit begründet, daß der Waidhofener Verband „wehrhafter Studenten" den Juden Satisfactionsfähigkeit abspricht. Zn diesem Verhalten erblickte Löwenstamm eine schwere Beleidigung seiner Person und antwortete mit einer Ohrfeige. Nach durchgeführter Verhandlung, in welcher für Löwenstamm Herr Dr. Jacob Kohn und für Wesp Herr Dr. Hantschel als Bertheidiger intervenirten, wodurch die 24stündige Arreststrafe für Löwenstamm in eine Geldstrafe in der Höhe von 10 Kronen umgewandelt, nachdem der Angeklagte erklärt hatte, die Frage des Erstrichters nach seiner Vermögenslage mißverstanden, die Frage betreffend die Bermögensverhältniffe seiner Eltern überhört zu haben, dagegen wurde die Verhandlung gegen Wesp vertagt und zwar zur Abhörung von Zeugen, welche über die Form, in welcher die Herausforderung zurückgezogen wurde, aussagen sollen. Dieser Vertagungsbeschluß war das Resultat einer dreiviertelstündigen Berathung, in welcher — wie verlautet — der Referent, nachdem er bereits bei seinem Bortrag die auf einen Freispruch des Deutschnationalen Bezug habenden Stellen besonders betont hatte, seinen Standpunkt gegen das Votum der anderen Räthe mit Feuereifer vertheidigte. Dieser Referent, welcher in der Erklärung, der Jude sei nicht satisfactionsfähig, keine Beleidigung erblickt, ist natürlich — ein Jude, der Geburt nach. Wien. (Tomech Ewjannim) Wie immer zu den Feiertagen entfaltete der humanitäre Verein zur Unterstützung armer israelitischer -Zugereister» II.. Herminengasse 6, auch am verflossenen Pessachfeste eine besonders rührige Thätigkeit. Es wurden an demselben nahezu 700 Personen mit Freitisch und Geldunterstützungen bedacht und in feierlicher Weise die Ceremonie des Seders veranstaltet, bei dem es auch an den arba Kausos nicht fehlte. Was aber dem schönen Werke die Krone aufsetzte, das war die Art, lote der Vorstand des Vereines bei dem Betheilungsacte Gastfreundschaft übte. Derselbe hatte sich schon vor Beginn des Seders in dem geräumigen, festlich erleuchteten Speisesaal der Restauration Bibring, II., Große Schiffgasse, eingefunden und alle Anordnungen getroffen, die sich für die Betheilung als nothwendig erwiesen. Und als dann Vereinsobmann Obercantor M. S ch o r r die mittlerweile angesammelte Gästeschaar herzlich begrüßte und ihnen, anknüpfend an die Bedeutung des hohen Festes, Trost und Muth zusprach, da richteten sich die gebeugten Gestalten förmlich auf, ihre tiefernsten Gesichter erheiterten sich allmälig und in ihren Zügen spiegelte sich jene Herzensempfindung ab, mit der sie ihren hochherzigen Stammesgenossen die Dankbarkeit für die überschwängliche Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen wollten. Wien. Am Sonntag den 4. d. M. wurde unter zahlreicher Bethefiigung der in weiteren Kreisen als Talmud-Gelehrter bestbekannte Herr Alexander Süfie Chameides im Alter von 63 Jahren zu Grabe getragen. Der Verblichene genoß seine Erziehung und talmudische Ausbildung im Hause seines Großvaters, des einstigen Duklaer und nachmaligen Tismeniczer Rabbiners Nathan Aschkeney s. A. Rach seiner Verehelichung widmete er sich für kurze Zeit dem Kaufmannsstande, um dann sein späteres Leben hindurch der talmudischen Forschung zu obliegen. Durch 20 Jahre lebte er in Wien, wo er wegen seines Wissens und Charakters allseitiger Werthschätzung sich erfreute. Wien. Im Alter von 74 Jahren verschied vorige Woche Herr M. Mohrberger, Schüler des Rabbi Salomon Guetsch und des Kethab Loser s. A. Durch seine gediegenen talmudischen Kenntniffe hervorragend, war er auch im Lehrfache viele Jahre thätig. Die Beerdigung fand am Freitag statt unter Betheiligung der Freunde und Bekannten. Sein Name und Andenken sei gesegnet! Ober-Hollabrunn. Bei der am 2. Mai d. I. durchgeführten Borstandswahl der israelitischen Cultusgemeinde Ober- Hollabrunn wurden Herr Max Wallisch—Ober-Hollabrunn zum Präses; Herr Jakob König-Rrtz zu dessen Stellvertreter; Herr Simon Braun—Ober-Hollabrunn und Herr Bernhard Grünwald- Mailberg zu Beiräthen gewählt. Der Gesammtausschuß besteht noch aus den Herren: Max Herzog—Ober-Hollabrunn, Johann Ranzenhofec—Ober-Hollabrunn, Salomon Weinmann-Retz, Max Kurz-Retz, H. H. Meyer-Guntersdorf. Waidhofen. Herr Otto Friedländer, bisher Cantor in Piesling, hat sein neues Amt als Obercantor und Religionslehrer in Waidhofen a. d. Thaya am 1. Mai angetreten. Jglau. Wir empfangen von Jglau die Nachricht, daß der Senior der dortigen Cultusgemeinde Herr Abraham Tausig am 8. d. M. mit seiner Gattin Bertha, geb. Morawetz, das seltene Fest der goldenen Hochzeit in voller Rüstigkeit beging. Wiewohl der Jubilar in seiner Bescheidenheit das Fest in aller Stille und Zurückgezogenheit begehen wollte, rüstete dennoch der Vorstand und an dessen Spitze Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Unger, dem Jubelpaare an ihrem Festtage alle Ehren zu erweisen, sie der Verehrung aller Gemeindemitglieder zu versichern. Diese Verehrung hat der Jubilar durch sein langes, segensreiches Wirken im Dienste der Gemeinde vollauf verdient. Als Armenrath und Caflaverwalter versieht er seit 20 Jahren die Armenpflege, 36 Jahre gehört er der Cultus-Repräfentanz an, 20 Jahre ist er Tempelvorsteher. Schon vor 30 Jahren wurde er zum Ehrenmitgliede der „Chewra-Kadischa" ernannt. Wir behalten uns vor, über die Feier besonders zu berichten und schließen uns all den Ungezählten an, welche dem Jubelpaare den reichsten Segen des Himmels für ihre ganze und hoffentlich noch sehr lange Lebenszeit vom Herzen wünschen. Prag-Smichow. Am 28. April fand die feierliche Einweihung einer von Herrn Jacob M. Taussig, einem hochgeachteten Mitglied« unserer Gemeinde, zum Andenken an seinen in der Blüthe verstorbenen Sohn Max Taussig besonders für den Jugendgottesdiei.st, der sich einer blühenden Entwicklung in unserer Gemeinde erfreut, gewidmeten Thorarolle statt. In feierlichem Aufzuge, unter Vorantritt weißgekleideter Schulmädchen und Schüler des hiesigen Gymnasiums, wurde unter einem von vier sehr würdigen Mitgliedern unserer Gemeinde getragenen Baldachin die Thorarolle, ein wahres Kunstwerk, von den»

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