Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 19 (9.5.1902)
- Date
- 1902-05-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 316 Dr. Bloches WochonschrM. Nr. 19 .Seiner Königlichen Hoheit Großherzog Friedrich von Baden. Karlsruhe. Die Zionisten Deutschlands senden Eurer Königlichen Hoheit zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche. Möge Eurer Königlichen Hoheit noch ein langes und glückliches Leben beschieden sein, zum Wohle des badischen Volkes und des deutschen Vaterlandes, als Förderer aller edlen Bestrebungen im Dienste der Menschheit. Das Ceutralcomite der Zionistischen Bereinigung für Deutschland. Im Austrage Dr. Bodenheimer." Hierauf ist folgende huldvolle Antwort eingegangen: .Centralcomite der Zionisten Dr. Bodenheimer, Köln (Rhein). Seine Königliche Hoheit der Großherzog danken den Zionisten Deutschlands herzlichst für die dargebrachten Wünsche. Im höchsten Aufträge: von Babo." Posen. (GeheimrathOrgler.) Der Geheime Justizrath Orgler, Ehrenbürger der Stadt Posen, lange Jahre hindurch Stadtverordnetenvorsteher, Vorsitzender der Anwaltskammer, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Bei der Beerdigung waren u. A. zugegen: Oberpräsidialrath Thon als Vertreter des verreisten Oberpräsidenten, Regierungspräsident Krahmer, Regierungsaffeffor Abicht als Vertreter des Polizeipräsidenten, Oderlandesgerichtspräsident Dr. Gryczewski, Landeshauptmann von Dziembowski, Reichsbankdirector Maiwald. Gemeinderabbiner Dr. Feilchenfeld, Bürgermeister Künzer. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Lewinski, sehr viele Juristen aus der Provinz. Im Trauerhaus sprachen der Rabbiner der Brüdergemeinde Dr. Bloch, Oberbürgermeister Witting und im Namen der Anwaltskammer deren stellvertretender Vorsitzender Justizrath Schultz aus Ostrowo. Dem schmucklosen Sarg voran schritten die Ordensträger, Magistratsboten mit den Kranzspenden der städtischen Collegien, die Zöglinge der israelitischen Waisenknabenanstalt, deren Vorsteher der Verstorbene gewesen, Deputationen der Gerichtsbehörden und verschiedener Landgerichte 'der Provinz, der Anwaltskammer, der Ostbank, zu deren Aufsichtsräthen der Verstorbene gehörte, des Vereins junger Kaufleute, zu dessen Curator er gezählt, des Verbandes der Gewerkvereine, alle mit Kränzen und Palmwedeln. Dem Leichenwagen folgte die Familie, Mitglieder der städtischen Behörden, Beamte der Justizbehörden, der Ostbank, des Vereins junger Kaufleute und Tausende von Bürgern. Auf dem Friedhof hielt Rabbiner Dr. Bloch eine Ansprache, der Gesänge folgten. Warschau. Endlich haben auch wir in dem trüben, stehenden Wasser, in dem das Leben unserer Gemeinde sich nur langsam und schwerfällig vorwärts bewegen kann, zwei Ereignisse au verzeichnen, die, wills Gott, in Zukunft einen dauernd wohlthätigen Einfluß auf die ärmeren, der Hilfe so sehr bedürftigen Schichten der jüdischen Bevölkerung ausüben werden. Das erstere derselben ist die Gründung einer jüdischen Ackerbauschule in Czestoniewo, der ersten im Königreich Polen, deren Eröffnungsfeier gegenwärtig stattfand und zu der außer Anderen auch der Delegirte des Colonisationsvereins .Jca" aus Paris eingetroffen war. Vorerst wurden 34- Knaben Pis Warschau und sechs aus der Umgegend von Czestoniewo ausgenommen und hofft man, daß die Schüler dieser Anstalt es als ihre Pflicht betrachten werden, die jetzt noch so gern wiederholte Behauptung, Juden seien zum Ackerbau untauglich, glänzend Lügen zu strafen. — Das zweite, befriedigende Ereigniß ist die vollkommene Fertigstellung des neuen jüdischen Hospitals. Am 1. Mai d. I. wurde dasselbe sowohl von den Kranken, wie von Beamten und Dienstpersonal in Besitz genommen. Diese Zufluchtsstätte für die leidende Menschheit, deren Bau 1,200.000 Rubel gekostet hat, ist mit peinlicher Berücksichtigung der Forderungen der zeitgenössischen Hygiene und Wissenschaft, und — sagen wir es auch — mit innigem Mitleid errichtet worden. So steht denn auch zu erwarten, daß die Kranken nicht nur ihre Gesundheit daselbst wiedererlangen, sondern auch das tröstende Bewußtsein, daß ihre besser gestellten Glaubensbrüder sie nicht nur mit einem erzwungenen Almosen abfinden, sondern mit brüderlichem Gefühl ihnen helfen und ihre Leiden nach Möglichkeit lindern wollten, ein Bewußtsein, das unbedingt dazu beitragen wird, die Kluft zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen wenn auch nicht zu überbrücken, so doch zu verkleinern. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seilenstertengasse 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Anna U l lm a n : Von Frau Rosa Spitz, IV., Große Neugosse 44, X 10 —; Frau Regina Altar,SL, Bräunerstraße 11, X 4'—; Frau M. P., X 10 —; Herrn Dr. Julius Ullman für Familie Ullman, I., Elisabethstraße 3, K 25'—. Zusammen X 49'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Marie W o h lm u t h: Bon Herrn Hugo Weiß, I., Schottenring 32, X 6'—; Herrn Heinrich Bäck, VII., Mariahilferstraße 74a, X 6'—; Familie Wohlmuth, X17'—; Herrn Isidor Rappaport, XVI., Römergasse 72 statt eines Kranzes, X 2'—. Zusammen X 31'—. Wien. Der Erste Wiener jüdische Turnverein veranstaltet Samstag den 10. d. M. im Festsaale des „Hotel Savoy", VI., Mariahilferstraße 81 einen groß angelegten Bereinsabend. Dem Vortrage des Herrn Dr. Max Jerusalem „Ueber den hygienischen Werth des Turnens" folgen turnerische Vorführungen (Frei- und Riegenübungen), musikalisch, declamatorische Darbietungen und schließlich ein Tanzkränzchen. Beginn 8 Uhr Abends. Regiebeitrag X I. Wien. (Goldene Hochzeit.) Am 1. d. M. beging das in den westlichen Bezirken bestens bekannte Ehepaar Isaak und Rosalie Ellenbogen im rüstigsten Alter das Fest der goldenen. Hochzeit im engsten Familienkreise. Wien-Ottakring. Das Vorstandsmitglied, Obmannstellvertreter, des Bethausvorstandes Herr Samuel K o h n feierte am 1. Mai l. I. im engsten Familienkreise seine silberne Hochzeit mit seiner Gattin A u g u st i n e. Wien. (Institut Simonson.) Das seit 37 Jahren bestehende Institut Simonson (Wien, I., Werderthorgaffe 12) veranstaltete am 19. v. M. im „Hotel de France" eine von der königl. sächsischen Hofsolotänzerin Mme. Lind-Winkler arrangirte Prüfung in Tanz- und Anstandslehre, welcher ein recht animirtes Tanzkränzchen folgte. Die Prüfung hat Zeugniß davon abgelegt, wie das mustergiltig geleitete Institut seine Schülerinnen auch in der Tanzkunst auf das Beste unterweist. Das zahlreich erschienene distinguirte Publicum, in dem wir auch einige Wiener Künstler, literarische Persönlichkeiten und Pädagogen von Ruf bemerkten, wurde nicht müde, die Leistungen der Schülerinnen durch Beifall anzuerkennen. Der sehr fröhlich verlaufene Abend wird seinen jugendlichen Theilnehmerinnen in bester Erinnerung bleiben. X. B. Wien. (Iahrzeitfeier.) Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten in Wien veranstaltete am 4. d. M. im Tempel der Roßau eine solenne Jahrzeitfeier für sein vor zwei Jahren verstorbenes Mitglied, den gewesenen Banquier Herrn Moriz Schwarz in Bozen, einem hervorragenden Gönner und Förderer der Vereinszwecke, der sein ganzes, nicht unbeträchtliches Vermögen obgenanntem Vereine testamentarisch vermachte. Dieser Feier wohnten bei die Vorstandsmitglieder A. B r a n d e i s, Oberinspector Reifer und Fabriksbesitzer Herr Julius Stern, ferner der Vereinssecretär Hauptmann a. D. Hartmann und der Vereinsinspector A l l i n a nebst mehr als 500 Vereinszöglinge, schließlich auch der gewesene Zögling Herr S. Straßberg u. s. w. Der Religionsprofessor Herr M. A n s ch e r l hielt eine schön ausgeführte Exhorte, in welcher derselbe darauf hinwies, daß die Vereinszöglinge, dem Borbilde des Vereinswohlthäters Herrn Moriz Schwarz nachahmend, gleiche Grundsätze auf ihrem Lebenswege befolgen und sich der Wohlthaten, die ihnen seitens des Vereinsvorstandes zutheil werden, unentwegt würdig erweisen mögen. Herr Cantor Pekarnik besorgte den choralen Theil der Feier in ergreifender Weise, begleitet von dem Chor sämmtlicher anwesenden gutgeschulten Vereinszöglinge. Wien. Samstag den 26. April d. I. ist das verdienstvolle Bethaus- und Chewra-Kadischa-Vorstandsmitglied Herr Alois Schick im Alter von 52 Jahren nach langem Schmerzenslager gestorben. Welch allgemeiner Beliebtheit und Werthschatzung sich der Verstorbene bei Allen, die ihn gekannt, erfreute, zeigte die am Sonntag den 27; April stattgehabte Leichenfeier. An derselben betheiligten sich die Herren: