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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochsnschrif). Seite 307 Abkunft und daher ganz anders geartet seien. In Wirklichkeit sind mindestens -*f6 der westlichen Juden nicht portugiesischer Abstammung. Aber auch das Argument aus der Zahl ist nicht ganz zutreffend. Es kommt ja nicht blos auf die Zahl an, sondern auf die Vertheilung — im Centrum von ganz England, in der City von London, ist eine Art jüdischer Ghetto. In England steigt die Zahl der Juden verhältnißmäßig stark, in Deutschland nimmt sie üb. Sich über die 4/5 Percent der Juden aufzuregen, ist für die Reichsdeutschen zumal lächerlich, zudem gefährlich, der Percentsatz der Deutschen im Auslande ist fast überall größer. Dabei sind die Juden Deutsche, die Deutschen im Auslande nicht Unterthanen der betreffenden Staaten. Hinter den Deutschen im Auslande steht die bedeutendste Weltmacht. Also das ist ein gefährliches Gebiet der Diseussion. Wie steht es außerdem mit Holland? Dort ist die Zahl der Juden verhältnißmäßig größer als in Deutschland, sie machen dort zwei Percent der Bevölkerung aus. Das Studium Hollands ist überhaupt für die Judenfrage bedeutsam — es ist dasjenige Land, wo sie zwei Jahrhunderte lang ziemliche Freiheit genossen haben, wohin sie mit großen Reichthümern aus Spanien kamen, wo sie in großer Zahl lebten. Der Erfolg der Freiheit war. daß sie verarmten. Sie nehmen durchaus feine besonders bedeutende Stellung im Handel ein. Dagegen findet man sie häufig als Dienstleute (Krujer). Stiefelputzer, Omnibuscondücteure rc. Der Reichthum der Pintos und anderer spanischjüdischer Häuser ist zerfloffen und diejenigen Juden, welche dort eine große Stellung im Handel einnehmen, sind deutsche Juden, die in der ersten Generation dort eingewandert sind. Ein besonderes Curiosum: in den alten holländisch-jüdischen Familien ist der Trunk nicht selten. Die Antisemiten sind also die wahren Philosemiten, sie zwingen die Juden, die durchaus nicht befähigter sind, auch nicht einmal für den Handel, zu gesteigerter Kraftanstrengung, Alles zu leisten, deffen sie fähig sind. Die Studenten, die Juden nicht in ihre Verbindungen aufnehmen, treiben die Juden dazu an, fleißig zu sein. Es ist eine alte Erfahrung, daß Verfolgung Kräfte weckt. Dagegen sind die ^Philosemiten" nur „Phantome". Die rumänische Preßeampague. Es war davon jüngst die Rede, daß Rumänien einen großen Preßapparat aufwenden werde, um den bösen Eindruck zu verscheuchen, den seine neueste Unthat, das berüchtigte Gewerbegesetz, in aller Welt verursacht hat. Herr Demeter Sturdza hat zwar sich in höchsteigener Person herabgelassen, dem Bukarester Rabbiner die Versicherung zu geben, das Gesetz sei nicht gegen die Juden gerichtet, sondern gegen die „Fremden", durch welche nach seiner Behauptung das „nationale" Gewerbe bedroht werde, allein der alte Schlaumeier wird wohl selbst nicht geglaubt haben, daß dieser Versicherung Niemand auch nur den allergeringsten Glauben beimessen werde, und vorsichtig, wie er nun einmal ist, läßt er die feile Preßmeute los, die der ganzen Welt verkünden soll, die braven Rumänen hätten es gar nicht schlimm gemeint, sie hätten es auch nicht auf die Juden abgesehen, sondern auf die „Fremden". Die gute „Kölnische Zeitung", die bekanntlich auch dem antisemitischen Mist ihres Wiener Berichterstatters, der natürlich auch nur seine „nationale" Denkweise zur Schau tragen will, wohlwollend ihre Spalten leiht, gibt sich auch dazu her, der von der rumänischen Regierung inspirirten Stimme, die unter dem kennzeichnenden Symbol einer „Hacke" noch jeder rumänischen Regierung willfährig gewesen ist, ihren Raum zur Verfügung zu stellen. Dieser Charaktermensch beginnt nun seine Erörterung sofort mit einer Lüge, indem er bebauplet, die Preßfehde in der auswärtigen Presse sei mit Hilfe einflußreicher einheimischer und ausländischer israelitischer Agitationscomitös in Scene gesetzt worden. Der Verfasser dieser Zeilen, der sich dessen bewußt ist, als Erster den Inhalt des. berüchtigten Gesetzes öffentlich bekanntgegeben zu haben, kann mit aller Entschiedenheit die Behauptung des „Hacken"-Correspondenten als Lüge bezeichnen, da er weder von der Existenz solcher Comitös eine Kenntniß hat, noch mit irgendwelchen Comites in Verbindung steht, sondern ausschließlich rumänischen Blättern den Text des Gesetzes entnommen und dann publicirt hat. Der Gesetzeswortlaut ist die Grundlage aller Angriffe, weil er all das enthält, was den Rumänen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als Verletzung ihrer übernommenen Verpflichtungen angerechnet werden muß. Es wird nichts hineininterpretirt, es wird nicht ein coittessionelles Moment eingeschoben. Alles Böse ist im Gesetz selbst enthalten. Das Gesetz macht den „Fremden" den Betrieb eines Gewerbes unmöglich, oder stellt Bedingungen, welche die Verleihung der Gewerbsberechtigung zu einem Act der Willkür machen. Wer sind die „Fremden", die Rumänien vom Gewerbebetriebe ausschließen will? Sind es die Bulgaren, die so zahlreich im Lande leben? Sind es die Serben oder Griechen? Sind es Russen, Franzosen, Ungarn, Italiener? Warum sagt man es denn nicht offen — wentl man eine dieser Nationalitäten im Sinne hat? — Man sagt es nicht — weil von dieser Lüge sich, doch kein Vernünftiger auch nur einen Augenblick würde irreführen lassen und man ganz gut weiß, daß das offene Bekenntniß einer solchen internationalen Ungeheuerlichkeit sofort zur Folge hätte, Rumänien das ganze Schwergewicht europäischen Unwillens fühlen zu lassen. Wenn unter „Fremden" ein Staatsangehöriger welchen europäischen Reiches immer gemeint wäre — kein einziger, noch so unbedeutender Staat würde sich diese Mißhandlung seiner Unterthanen gefallen lassen. Man interpretirt also nicht etwa willkürlich, daß unter „Fremden" die Angehörigen anderer Staaten absolut nicht gemeint sein können. Es ist vielmehr eine verlogene Ausrede, wenn man den Glauben verbreiten will, Rumänien hätte unter den „Fremden" seines Gewerbegesetzes, andere Nationen verstehen, die Juden aber damit nicht bezeichnen wollen. Wir brauchen doch gar nicht einmal darauf hinzuweisen, daß die „nicht naturalisirten Juden" von den Gesetzen selbst als „Fremde" bezeichnet werden. Welche Wirkung die „Lügenhacke" erzielen wollte, als sie in der „Kölnischen Zeitung" den Lesern die Mär auftischte, daß man unter „Fremden" in Rumänien, die man vom Gewerbe ausschließe, Nichtjuden, also Christen, etwa Deutsche oder Oesterreicher oder Russen rc, verstehe, ist sofort zu erkennen! Der „Hacken"-Correspondent schwatzt nämlich aus der Schule. Indem er füi. das rumänische Gesetz eintritt, gesteht er, daß der „Zeitungslürm" für Rumänien jetzt bei dessen finanziellen Ordnungsbemühungen doppelt unangenehm ist, und er sieht sich zugleich zum Bekenntniß genöthigt, die Regierungserklärungen, daß die außerhalb Rumäniens kein Vaterland besitzenden und hier ihre Staatsbürgerpflichten einschließlich der Militärpflicht erfüllenden israelitischen Handwerker bei der Ausführung des neuen Gewerbegesetzes genau so wie die bürger-berechtigten rumänischen Handwerker behandelt werden sollen, thatsächlich neu ist und mit der bisherigen Ausführung der von Fremden sprechenden Gesetze in Widerspruch steht. Mit diesem Bekenntniß aber ist constatirt, daß seine eigene Behauptung, es sei das konfessionelle Element von den europäischen Zeitungen auf Anstiften den „israelitischen Comitss" eingeschoben worden, erlogen ist. Er vermag die Wirkung seiner absichtlich falschen Darstellung nicht dadurch zu beschönigen, daß er am Schluffe seiner Auseinandersetzung sich den Anschein gibt, versichern zu können, es sei in den Regierungserklärungen „die Ankündigung einer dankenswerthen Aenderung in der Behandlung der Juden enthalten". Nein! solange der Wortlaut des Gewerbegesetzes nicht geändert wird, solange das Ruralpolizeigesetz wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der Juden schwebt, solange das Schulgesetz den Juden den Unterricht verwehrt, Regierungsverordnungen und Gesetze sie von den Beschäftigungen ausschließen, die durch § 23

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