Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 18 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 302 %. Vlmrr's Wochenrchrifl. Nr. 18 geb. Erzherzogin von Oesterreich, der Nuntius Erzbischof Taliani, Msgr. Aversa rc. Die Herren und Damen des ActionscomitSs beabsichtigten auch die Errichtung einer Gedenktafel im Kaiserin Elisabeth-Asyl zu Lanzendorf. Wien. (Beleidigender Zuruf.) Der Gastwirth Mathias Walnstorfer in der Lerchenfelderstraße wurde vorige Woche vom Strafrichter des Bezirksgerichtes Jvsefstadt wegen Ehrenbeleidigung zu einer Geldstrafe von 10 Kronen verurtheilt, weil er dem in seinem Locale als Gast erschienenen Kaufmann Joseph Stern „Hilsner-Jude!" zugerufen hatte. Wien. (Prediger Mannheimer-Verein.) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des Prediger Mannheimer-Vereines" zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbinen, Prediger und Lehrer in Oesterreich- Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche Mindestens 50 Mitglieder zählt, wenigstens durch 10 Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit des betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an den „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" in Wien, L, Eßlinggasse 7, zu übersenden. Wien, 11. N'.ffan. Am Sonntag fand die erste öffentliche Prüfung an der Religionsschule, welche die Adaß Jisroel (Schiffschul) im Vorjahre gegründet hat, statt. Sämmtllche sechs (vrei Knaben- und drei Mädchen-) Elasten erbrachten den glänzenden Beweis, daß die wirklich bestehende Ueberlastung der Schüler doch kein Hemmniß ist, den Kindern (vom 6. bis 14. Jahre) tüchtige Kenntnisse unseres heiligen Schriftthums beizubringcn. Das sehr zahlreiche Auditorium, in dem der Cultusvorstand und die großen jüdischen Vereine vertreten waren, zollte den Geistesleistungen der Schule vollste Anerkennung, und steht zu hoffen, daß die Schule nicht nur weiter gedeihen wird, sondern auch hoffentlich zur Nachahmung anregt. Die Schule, um deren Zustandekommen sich Herr Aron B o n d i besonders bemühte, wird von Herrn Rabbiner Fürst mit besonderer Sorgfalt geleitet, und widmet der Lehrkörper derselben sein bestes Können, das glänzenden Erfolg erzielte. Wien. Die Beerdigung des Rabbiners Doctor David Löwy hat Donnerstag am 24 v. M. stattgefunden. Der Ccremoniensaal des Friedhofes war von Leidtragenden erfüllt. Ter Cultusvorstand war durch den Vicepräsideuten Dr. Gustav K o h n und die Vorstandsmitglieder Architekt Fleischer, Baurath S t i a ß n y und Oberfinanzrath Rappavort vertreten. Ferner waren anwesend kais. Rath Dr. Lieben, Julius Braun. Rector Schwarz von der theologischen Lehranstalt, die Rabbiner Dr. S ch miedl, Dr. Taglicht, Dr. Kaminka, Dr. Gelbhaus, Dr. Bach^ Doctor Rosenmann, Sor, Dr. A b e l e s, Dr. Mandel, Dankow i c z, die Obercantoren G u t t m a n n und Kläger, ferner die Vorsteher der Tempelgemeinden Herren S e l i g m a n n, Beck, L i e b e r m a n n, Bach, die Vorsteher der Chewra-Kadischa Herren R o s e n b a u m und G o l d s ch m i d t, Regierungsrath Dr. G l o g a u, Regierungsrath I e l l i n, Chcfredacteur der „Wahrheit" Dr. Löwy, Director W a l d m a n n, Schauspieler Leopold und Sigmund N a tz l e r und Franz Fischer, Oberarzt Dr. N o b i t s ch e k Oberlehrer F r i e d l, Lehrer Vogel, Director des israelitischen Blindeninstitutes Heller, der Präsident des Tempelvereines des IV. und V. Bezirkes Adolf Lichtblau, der Vorsteher der israelitischen Armenanstalt Herr Josef I e l l i n e k. Herr Emil I e l l i n e k, Frau kais. Rath Vogel, Director S. Fischer der israelitischen Kinderbewahranstalt, Oberofficial Stransky mit Frau, die Vorsteher mehrerer Tempel- und Humanitätsvereinc 2c. 2c. Die cantoralen Functionen versah in besonders ergreifender Weise Obercantor Singer unter Assistenz des Tempelchores der inneren Stadt. Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n widmete dem Dahingeschiedenen warme Worte der Erinnerung, worauf Herr Eduard Beer namens der Redactionscollegen dem Verblichenen die letzten Dankesworte nachsendete. Dann trat der Obmann des Tempelvereines im X. Bezirke Herr Carl Seligmann an den Sarg heran, um von dem Seelsorger des Bezirkes nochmals Abschied zu nehmen. Herr Seligmann betonte das ersprießliche Wirken des Verblichenen als Priester, Lehrer und Gemeindemitglied, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Geist der Gemeinsamkeit unter den Gemeindemitgliederu zu wecken und zu pflegen, den Frieden in der Gemeinde zu erhalten, wozu derselbe durch gutes Beispiel erfolgreich beigetragen Die Judenschaft des X. Bezirkes wird daher dem Verblichenen stets ein warmes Andenken bewahren. Wien. (Todesfall.) Der in weiteren Gesellschaftskreisen best bekannte ehemalige Kaufmann Herr Arnold Brunner ist Montag den 21. v. M. zu Grabe getragen worden. Der Tod nahte hier als sanfter Erlöser von schier unerträglichen körperlichen Qualen, denen der Dahingeschiedene 20 Jahre hindurch tapfer Stand gehalten hatte und diese ganze lange Zeit hindurch von seiner Gattin in aufopferungsvollster Weise gepflegt wurde. Jeder Sommerbewohner Ischls kannte den interessanten charakteristischen Kopf mit den durchgeistigten Gesichtszügen des in einem Rollwagen geführten Leidenden. Wer aber Gelegenheit hatte, diesen seltenen Mann näher kennen zu lernen, war bezaubert von seiner geistvollen Unterhaltungsgabe, seiner reichen Menschenkenntniß, seiner scharfen Urteilsfähigkeit, und man genoß in Gesellschaft dieses von furchtbaren, seelischen und körperlichen Qualen heimgesuchten Mannes Stunden reinster Freude und reichen belehrenden Genusses. Mit Arnold Brunner, der sich ursprünglich dem Lehrerberufe zugewendet hatte und namentlich in den gebildeten Kreisen Brünns als Lehrer erwachsener Mädchen sich eines ausgezeichneten Rufes erfreute, ist ein biederer, rechtschaffener Charakter, em reiches Geistes- und Gemüthsleben, ein Mann voll höheren Schwunges, vertieften Wissens, innerer Wahrheit und reicher Erkenntniß, dahingegangen. Möge die Erde, die hienieden ein wahres Jammerthal für den Aermsten gewesen, ihm leicht werden. Friede seiner Asche! Charlotte Frischauer. Wien. (Spenden.) Der früher in Preßburg ansäßige Advocat und Stadtrepräsentant, jetzt in Wien als Publicist wirkende Herr Dr. Ignaz Deutsch hat mehreren israelitischen Instituten seiner Vaterstadt Preßburg namhafte Spenden zugewendet. Er stiftete nämlich dem Fcauenvereine der Preßburger israelitischen Religionsgememde 1000 Kronen zum Andenken an seine selige Gattin Therese Deutsch geborene Pollak, ferner dem Preßburger israelitischen Altersversorgungshause 2000 Kronen zum Andenken an seinen seligen Vater, und dem israelitischen Waisenmädchen-Wohlthätigkeitsvereine in Preßburg 1000 Kronen zum Andenken an seine selige Mutter. Diese Beweise von treuer Anhänglichkeit an die Vaterstadt und diese tatkräftige Förderung jüdischer Institutionen verdienen auch an dieser Stelle anerkennend verzeichnet zu werden. Wien. (Handwerker-Seder.) Gegen 450 Zöglinge des Vereines zur Verbreitung des Handwerks unter den inländischen Israeliten fanden sich letzten Montag Abends zu einer, wie alljährlich auch heuer, für sie veranstalteten Sederfeier im Saale der Frucht- und Getreidebörse in der Taborstraße ein. Der Vorstand der Börse hatte in besonders zuvorkommender Weise den herrlichen Saal, den große elektrische Bogenlampen taghell erleuchteten, wieder dem israelitischen Handwerksvereine zur Verfügung gestellt. Der langjährige Vorstand und Schriftführer dieses Vereines Dr. Reiß, assistirt von sämmtlichen Vorstehern, leitete das Arrangement und standen ihm noch der Secretär und die Aufsichtspersonen helfend zur'Seite. Das Verhalten der jungen Handwerker muß als ein geradezu musterhaftes bezeichnet werden. Die Cultusgemeinde war durch den ersten Vicepräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern und Herrn Vorsteher Emil Horner, der auch dem Vereinsvorstande angehört, vertreten und wohnten zahlreiche Ehrengäste und auch Meister, die eine solche religiöse Feier aus eigener Anschauung kennen lernen wollten — auch Damen aus den höheren Kreisen hatten sich eingefunden — dem Handwerker-Seder bei. Den Festvortrag hielt Herr Professor Antscherl, dem die zahlreiche Zuhörerschaft unter lautloser Stille mit besonderer Spannung folgte, während der gesangliche Theil von Cantor Pekarnik aus dem IX. Bezirke absolvirt wurde. Es war ein Riesenchor aus den Kehlen von mehr denn 400 jugendlichen Sängern, der den Saal durchbrauste und zeigte, daß unsere jungen Handwerker nicht nur gut arbeiten, sondern auch bei einiger Schulung, wie in diesem Falle, schön singen können. Feuilleton. Kechaf Adoschem.*) Skizze aus dem jüdischen Leben der Slowakei von Julius Weiß. In der Stille und Verlassenheit eines Februar-Nachmittags lag die Dorfstraße mit ihren niedrigen strohgedeckten Häuschen. Ein finsterer Himmel hing tief darüber her und ließ einen immer dichter werdenden Nebel niederrieseln, als wäre ihm das karge Tageslicht, das er durchsickern lassen mußte, ein Gegenstand des Verdrusses für seine unwirsche Laune. Aber als so das spärliche Licht sich immer mehr verdüstert hatte und es vollends dunkel werden wollte, begann sich die Gasse zu beleben. Vor dem verfallenen Plankenthor, das den Hof des jüdischen Bethauses gegen die Straße abschloß, sammelte sich eine kleine Gruppe Israeliten an, zum Zeichen, daß Abendgottesdienst abgehalten werden sollte. Chaim Blau hatte »Jahrzeit". Es war der Vorabend des Todes- *) Beim Dasein des Ewigen.