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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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B» Nr. 18 der Vereine jüdischer Studenten sein, die innere, die Rechenschaft gegen sich selbst ablegt, und die äußere, die sich bestrebt, jüdisches Selbstbewußtsein im Sinne des Vereines Jüdischer Studenten in immer weitere Kreise unserer Studentenschaft zu tragen. Als Motto hat sich »D e r j ü d s ch e Student" das bezeichnende Wort gewählt: Für Freiheit und JudenthumWir wollen hoffen, daß er dem blau-weiß-gelben Banner, dem er sich widmet, alle Ehre macht und daß er die Erfolge habe, die seine Gründer von ihm erwarten. Jedenfalls ist sein Erscheinen ein neues Zeichen von dem Wiedererwachen eines gesunden jüdischen Selbstbewußtseins in den Kreisen unserer Akademiker. Berlin. (Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums.) Dem zwanzigsten Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin ist der dritte Abschnitt einer Abhandlung von Dr. E. Baneth über »Maimunis Neumondsberechnung" vorausgeschickt. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der ordentlichen Hörer im Sommersemester 1901 sich aus 28, im Wintersemester 1901/2 auf 30 belief. An dem Lehrcursus zur Ausbildung akademisch gebildeter Lehramtscandidaten und Lehrerinnen für den Religionsunterricht haben im Sommersemester 1901 zwei Lehramtscandidaten und sechs Lehrerinnen theilgenommen. Im Wintersunester ist der Lehrcursus aus Mangel an ausreichender Betheiligung eingestellt worden. Der eiserne Fonds der Anstalt beträgt Mark 191,890.20, für laufende Ausgaben verwendbar sind außerdem Mark 13,748.40, an sonstigen Stiftungen sind Mark 33,292.45 vorhanden, insgesammt ein Vermögen von Mark 238,831.05. London. (Die jüdischen Speisegesetze im Lichte d er W i s s e n s ch a f t.) In der am 12. April erschienenen Nummer des hochangesehenen englischen „British. Medical Journal“ werden die jüdischen Speisegesetze einer modernen wissenschaftlichen Prüfung unterworfen, wobei der unbekannte Autor zu dem Ergebniß gelangt, daß diese altjüdischen Vorschriften ausschließlich oder doch wesentlich im Interesse der Gesundheit erlassen worden sind. Die verbotenen Speisen lassen sich in 4 Kategorien eintheilen: 1. Der Genuß von Blut, das absolut und in jeder Form verboten ist. Begründet wird dieses Verbot mit der etwas mystisch klingenden Erklärung, »denn das Blut ist die Seele". Aber der Genuß von rohem Blute ist so-widerlich und so widernatürlich, daß sein Verbot vom ethischen Standpunkt aus keiner weiteren Begründung bedarf. 2. Der Genuß von „Trefah“, d. h. von Fleisch, der durch reißende Thiere oder durch sonstige Ursachen gewaltsam ums Leben gekommenen Geschöpfe. Auch dieses Verbot bedarf keiner weiteren Begründung, da solches Fleisch zur menschlichen Ernährung offenbar ungeeignet ist. 3. „Neweleh", d. h. Fleisch von an Krankheiten oder auch infolge hohen Alters verstorbenen Thieren. Solches Fleisch wird heutzutage von keinem civilisirten Menschen, gleichviel ob er Jude ist oder nicht, mehr gegessen. Da die wichtigste Krankheit, an der die meisten Menschen und auch ein großer Theil vieler Thiere zugrunde gehen, die Schwindsucht ist, da ferner der Sitz dieser mörderischen Krankheit in der Lunge ist, so kann man der Vorschrift des Talmuds, welche eine minutiöse Untersuchung der Lunge geschlachteter Thiere anordnet, nur Bewunderung zollen. Die Lunge ist neben der Schwindsucht auch der Sitz anderer wichtiger und das Leben arg bedrohender Krankheiten. Die enorme Bedeutung der Lungenuntersuchung für die gesammte fleischessende Menschheit geht aus der unbestreitbaren und merkwürdigen Thatsache hervor, daß die Juden so gut wie immun gegen Schwindsucht sind. Man weiß seit vielen Jahren, daß in London unter den Juden die Todesfälle an Schwindsucht um mehr als die Hälfte geringer sind als unter der nicht jüdischen Bevölkerung. Es ist das umso bemerkenswerther, als der Percentsatz der im jugendlichen, der Schwindsucht am meisten ausgesetzten Alter stehenden Juden in London weit größer ist, als er dem Durchschnitte nach hätte sein müffen. 4. Endlich gehört zu den verbotenen Speisen das Fleisch einer großen Reihe von Thieren, welche auch bei allen civilisirten Völkern als „unrein" gelten. Eine Ausnahme bildet das Schwein, welches zu den beliebtesten Schlachtthieren des ganzen Abendlandes gehört, von den Juden aber perhorrescirt wird. Daß auch das Schwein „nicht ganz koscher" sein kann, beweist aber die Thatsache, daß dieses Thier im ganzen Morgenland als unrein und zur menschlichen Ernährung ungeeignet, angesehen wird. Auch den Priestern im alten Egypten war der Genuß Sette 301 des Schweinefleisches untersagt, und es ist nur erklärlich, daß den Juden, die ein „Volk von Priestern" sein sollten, das Schwiinefleisch gleichfalls verboten wurde. Vermischtes. Wien. Am 7. Mai findet hier die Vermählung des Industriellen Herrn Rudolf Paul-Schiff mit Fräulein Flora v. T a u s s i g. Tochter des Präsidenten der Staatssisenbahn-Gesellschaft, Herrn Theodor Ritter v. Taussig, statt. Wien. (T r a u u n g.) Donnerstag den 8. Mai l. I. um i!i2 Uhr Nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräuleins Charlotte Schiller, Tochter des l. Cantors der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herrn I. S ch i l l e r, mit Herrn Hermann G e st r i n g statt. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 8. Mai a. c. 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, DL, Müllnergaffe, die Trauung des Fräulein Olga Brod, Tochter des Herrn S. Brod in Firma S. Brod L Co., mit Herrn Richard Schwarz, Hutfabrikant in Wien, statt. Wien. (T r a u u n g.) Donnerstag den 8. Mai a. c. um 3 Uhr Nachmittags findet im israelitische» Tempel, X., Humboldtgasse, die Trauung des Fräulein Anna Straßberg, Tochter des Herrn Jacob S. Straßberg, Obmann des Tempelvereines im X. Bezirke, mit Herrn Manfred Huttrer statt. Wien-Gloggnitz. (Trauung.) Donnerstag den 8. Mai l. I., um 4 Uhr Nachmittags findet in Gloggnitz die Trauung des Herrn Rudolf Kraus- Beamter der Wiener israel. Cultusgemeinde, mit Fräulein Helene U l l m a n n statt. Wien. (»Ferienheim".) Die ungünstige finanzielle Lage, in welcher sich dieser seit 10 Jahren bestehende, für das Wohl armer kranker Kinder unserer Glaubensgenoffen wirkende Verein derzeit befindet, veranlaßt den Vereinsvorstand, die Zahl der zu entsendenden Schützlinge gegen das Vorjahr zu verringern. Anmeldungen von Petenten können deshalb nur mehr bis zum 15. Mai d. I. zwischen 4 und 7 Uhr Nachmittags, IX., Türkenstraße 17. erfolgen. Beitrittserklärungen oder Spenden roolle man an das Präsidium, I., Schottenring Nr. 2, richten. Wien.'(A udienz beim Erzherzog Rainer.) Der vor Kurzem zum Gemeinderabbiner in Wien ernannte Dr. Reich, Prediger des Tempelvereines Wieden-Margarethen, wurde am 28. v. M. vom Erzherzog Rainer in besonderer Audienz einpfangen. Derselbe überreichte dem Erzherzog ein Exemplar der von ihm anläßlich der goldenen Hochzeit des erzherzoglichen Paares im Margarethener Tempel gehaltenen Festrede. sowie ein Exemplar seines Werkes „Genesis des Talmud". Der Erzherzog nahm beides dankend entgegen und benützte den Anlaß zu der Bemekrung. daß ihm die Kaisertreue und der Patriotismus der Israeliten wohlbekannt seien und es sei rühmcnswerth, wie namentlich von den Seelsorgern diese Tugenden besonders gepflegt werden. Nach mehr als viertelstündiger Audienz wurde Herr Dr. Reich vom Erzherzog huldvollst entlassen. Wien. (Eine Ehrung für Frau Jenny von Glaser.) Anläßlich des fünfjährigen Bestandes des von Frau Jenny v. Glaser gegründeten Kaiserin Elisabeth- Asylvereins für verkrüppelte Kinder haben auf Anregung mehrerer Damen zahlreiche Mitglieder des Vereins Frau v. Glaser durch Ueberreichung eines Widmungsgeschenkes geehrt. Die Widmung besteht in einer weißen Ledermappe, die als Emblem eine Palmeaus Gold und die Jahreszahlen 1897— 1902 in Türkisen trägt. Das erste Blatt der vornehm ausgestatteten Mappe schmückt das Bild der Kaiserin Elisabeth, gemalt vom Maler Koppay. Die Mcchye selbst enthält mehrere Widmungsblätter. So sendete Königin Carola von Sachsen ein Widmungsblatt mit ihrem Namenszug. Die Königin hat selbst ein Krüppelheim in Dresden gegründet, das eine Lieblingsschöpfung der auf dem Gebiete werkthätiger Nächstenliebe unermüdlich wirkenden Herrscherin ist. Der Gesammtvorstand dieses Königin Carola-Krüppelheims: Obersthofmeisterin v. Pflugk, Geheimrath Eschebach. Hofrath Dr. Klem und Fräulein v. Nostiz, sendeten gleichfalls ihre Unterschriften, ebenso Herzogin Thyra von Cumberland, Dr. Prinz Ludwig Ferdinand und Prinzessin Maria de la Paz von Bayern, Dr. Herzog Carl Theodor und Herzogin Marie Jos« in Bayern, Infantin von Portugal, Fürst Albert von Thurn und Taxis und Gemalin Fürstin Margarethe, Dr. Bloch's Wochenschrift.

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