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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 300 Dr. Blvch's Wochvnschrifk. Nr. 18 der Hebraifch-Lehrer muß daher den übrigen Lehrern ganz gleichgestellt sein. Wenn die Hebräisch-Lehrer beim Euratorium diese Anerkennung gewinnen könnten, würde schon die materielle Seite ihrer untergeordneten Stellung von selbst aufgehoben werden. Gustav Bader, Religionslehrer. Bukarest. (DerrumänischeMini st er Präsident Sturdza und die Juden.) Ueber eine Unterredung, welche der Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Bukarest, Herr Dr. Beck mit dem rumänischen Ministerpräsidenten hatte, erfährt die „Frankfurter Zeitung" Folgendes: Nachdem Sturdza auch seinerseits das Bedürfnis verspürt hatte, die „Mißverständnisse" in der westeuropäischen Presse über das rumänische Gesetz, betreffend „die Organisation der Gewerbe", einigermaßen aufzuklären, nahm er seine Zuflucht zu einer Unterredung mit dem Rabbiner Dr. Beck, den er in sein Ministerhotel zu kommen aufforderte. Als dieser nun vor dem Allgewaltigen erschienen war, redete ihn Sturdza wie folgt an: „Ich werde offenherzig sein und mit Ihnen ohne Umschweife reden. Die Solidarität Ihrer Glaubensgenoffen ist für mich immer ein Gegenstand des Erstaunens gewesen. Das ist ein sehr lobenswerthes, ein sehr schönes Gefühl, aber Ihre Solidarität schadet den Interessen Rumäniens." Herr Dr. Beck anttvortete, daß die Solidarität der Juden eine Folge der Unterdrückung sei. Herr Sturdza bemerkte darauf, die Juden dürften es den Rumänen nicht übel nehmen, wenn diese ihrerseits sich solidarisch zeigen und sich zu vertheidigen suchen; die Rumänen seien auf allen Seiten von Völkern verschiedener Race und Sprache umgeben, sie wollen ein Eindringen des fremden Elements hindern, und was die Sache erschwere, sei, daß die Juden des Landes sich nicht affimiliren wollen. Gegen diese Behauptung protestirte Dr. Beck mit der Bemerkung, daß man Alles thue, um sie zu hindern, sich zu affimiliren. „Und trotzdem", fügte Herr Sturdza hinzu, „sind wir ein außerordentlich tolerantes Volk. Was mich anbetrifft, so treibe ich bisweilen die Toleranz bis zum Aeußersten. Habe ich Ihnen nicht soeben gesagt, daß ich Sie nicht heute am Sonnabend stören lassen wollte? Diejenigen, welche mich für einen Antisemiten halten, täuschen sich. Ich bin mit der Familie Daniel in Jassy eng verbunden, in Bonn habe ich einen Israeliten zum Professor gehabt. Möge man uns nur glauben, der Jnstinct der Erhaltung zwingt uns, Maßregeln gegen das Eindringen fremder Elemente zu ergreifen. Das letzte Gesetz über die Handwerker ist ein Gegenzug unsererseüs gegen die Verbindung der Opposition mit Bratescu (dem bekannten Demagogen). Ich zögere nicht, Ihnen die Versicherung zu geben, daß dieses Gesetz nicht gegen die im Lande geborenen Juden gerichtet ist. Der Beweis hiefür ist, daß in dem Reglement, welches wir vorbereiten und das in zwei oder drei Wochen erscheinen wird, nur die Fremden in Betracht gezogen werden. Wir werden eine formelle Unterscheidung machen zwischen den eigentlichen Fremden und den Juden des Landes. Sie können Ihren Glaubensgenossen sagen, daß ich Ihnen in dieser Beziehung eine bestimmte Erklärung abgegeben habe, es liegt nicht in unserer Absicht, ihre Rechte zu verletzen." „Und das Versammlungsrecht?" warf Dr. Beck ein. „Ah, das ist ein politisches Recht!" „Warum hat Herr Missir nicht die Gemüther der Juden beruhigt, indem er die Interpellation Milles wegen der Reciprocität beantwortete?" „Ich habe ihn daran gehindert", bemerkte Herr Sturdza; „wenn Herr Missir geantwortet hätte, würden die Antisemiten des Parlaments die Debatten abgelenkt und die Gelegenheit benutzt haben, feindliche Aeußerungen gegen die Juden zu machen. Das Schicksal der Letzeren beschäftigt mich mehr, als man glaubt. Ich habe da alle Documentc. Ich werde die Frage studiren, sobald meine Arbeiten es mir erlauben." Jetzt erst will Herr Sturdza also „die rumänische Judenfrage" studiren; aber freilich erst, sobald ihm seine Arbeiten diese Beschäftigung erlauben! Ist vielleicht auch dazu ein Studium erst nöthig, um den Juden in Bukarest zu erlauben, sich wie die übrigen Rumänen friedlich zu versammeln, um über ihre Angelegenheiten zu berathen und auf Abwehrmittel gegen die ihnen durch die Fremdengesetzgebung drohenden Gefahren zu sinnen? Wenn aber der rumänische Ministerpräsident sich wirklich zu jener judenfreundlichen Gesinnung bekennt, die er sich in der obigen Unterredung vindicirt, so liegt die Frage nahe, weshalb er denn nicht einen Anfang mit der Gewährleistung der staatsbürgerlichen Gleichstellung bei denjenigen in Rumänien geborenen Israeliten macht, die ihrer staatsbürgerlichen Wehrpflicht genügt haben. Augenblicklich gehören dem rumänischen Heere circa 25,000 Juden an. Wäre es nicht angezeigt, diese und die in früheren Jahrgängen der Armee angehörenden Israeliten der Fremdengesetzgebung zu entziehen? Geschähe dies, dann sähe man doch wenigstens das Bestreben, der hart bedrängten jüdischen Bevölkerung Rumäniens zum Theil Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, während man jetzt alle Versicherungen des Herrn Sturdza als leere Beschwichtigungsredensarten anzusehen gezwungen ist. Berlin. Josef Israels, der berühmte holländische Maler, hält sich seit einigen Tagen in Berlin auf. Er ist nicht nur gekommen, um seinem Freunde Geheimrath von Leyden, dessen Porträt er im vorigen Jahre im Harz gemalt, zu gratuliren, sondern auch um der Eröffnung der Secessionsausstellung beizuwohnen. Der Meister, der trotz seiner Jahre sich einer großen Rüstigkeit erfreut, bekundet für Alles das regste Interesse. Man kann ihn oft in den Straßen Berlins antreffen, während er rechts und links seine Beobachtungen anstelle. So hat er auch längere Zeit Unter den Linden gewartet, um den Kaiser vorbeireiten zu sehen. Hoffentlich wird der große Künstler einige ihm willkommene Anregungen aus der Reichshauptstadt nach seiner Heimat mitnehmen. Berlin. Aus Schlochau wird der Konitzer „Ostdeutschen Tageszeitung" geschrieben: Oeffentlich ausklingeln mußte es also die Polizei, daß das angeblich spurlos verschwundene Dienstmädchen des Pferdehändlers Z. nicht zu dem bevorstehenden Osterfest „abgeschlachtet" worden sei, sondern seinen Dienst böswillig bei Nacht verlassen habe und sich in einem Dorf bei Kamin bei Verwandten aufhalte. Ausklingeln, um den Pöbel, welcher schon an mehreren Abenden eine drohende Haltung eingenommen hatte, zu beruhigen und von weiteren Ausschreitungen, die auch von der Polizei befürchtet wurden, zurückzuhalten! So weit sind wir hier also durch die fortgesetzten Hetzereien der Berufs- und Geschäftsantisemiten gekommen; daß es schon genügt, wenn nur ein Dienstmädchen heimlich seine Herrschaft verläßt und sich eine Tage zu verbergen weiß, um eine ganze Religionsgemeinschaft des schwersten Verbrechens zu bezichtigen und auch sofort die rächende Nemesis ihres Amtes walten zu lassen. Fast könnte man auf den Gedanken kommen, die ganze traurige Geschichte sei eigens zu dem Zweck zurecht gemacht worden, um nur einen willkommenen Anlaß zu einem neuen Putsch gegen die jüdische Gemeinde zu erhalten. Denn das „Puhrufen" und das Fenstereinwerfen, das man vor zwei Jahren ja so ungestraft hatte ausüben dürfen, ist doch eine zu schöne Sache, die schon der Wiederholung von Zeit zu Zeit werth ist. Wer mit offenen Augen gesehen, .wie in der letzten Zeit nach dem Konitzer Mord so manche Strafthat gegen die Juden gar nicht oder doch nur sehr milde gesühnt worden ist, wird sich über die neueste Leistung unseres Mobs nicht zu sehr wundern können. Glaubt doch die demoralisirte Masse sich dadurch die Zustimmung und Anerkennung der sogenannten „besseren Stände" zu erwerben, und es wird bestimmt behauptet, daß diese Anerkennung den Radauhelden von anno 1900 thatsächlich in Form von Bier, Schnaps und Cigarren zutheil geworden ist. Leider ist es. zu schwer, zuverlässige Unterlagen für ein gerichtliches Verfahren nach dieser Richtung zu gewinnen, und der Fall in Bütow hat die Gefährlichkeit eines Vorgehens auf Grund von Angaben unzuverlässiger Zeugen zu drastisch lllustrirt, als daß noch Jemand den Muth haben könnte, den Staatsanwalt auf die wahren Urheber solcher Scandalgeschichten aufmerksam zu machen. Ein Christ in Schlochau." So weit die Zuschrift an das Konitzer Blatt. Berlin. Der Verein Jüdischer Studenten steht im Begriff, sein 15. Semester zu beginnen. Der Verein, der sich zu einem wichtigen Factor im jüdisch-akademischen Leben entwickelt hat, steht nicht allein, da er von einer Reihe von Brudervereinen an anderen Hochschulen umgeben ist, die zu einem Bunde jüdischer Corporationen verbunden sind. Wenn es vor 7 Jahren als ein Wagniß gelten konnte, die erste Vereinigung jüdischer Studirender an der Berliner Universität ins Leben zu rufen, so ist seitdem diese Gründung durch die glänzende Entwicklung gerechtfertigt, welche die im Bunde jüdischer Corporationen vereinigten Verbindungen genommen haben. Ein neuer Schritt auf der betretenen Bahn ist die Gründung einer eigenen Verbindungszeitung, von der soeben die erste Nummer erschien. Das Blatt, das sich ängstlich bemüht, nichts zu versprechen, das es später vielleicht nicht halten könnte, macht es sich zur Aufgabe, einen Mittelpunkt nicht nur für die Vereine jüdischer Studenten, 'sondern für das ganze jüdisch-akademische Leben zu schaffen. Jüdisches Selbstbewußtsein, getragen von der Kenntniß jüdischer Geschichte, Cultur und Wissenschaft, von der regsten Äntheilnahme an allen Fragen des jüdischen Lebens, ohne Partei zu werden, soll das Programm sein, das „Der jüdische Student" unter den jüdischen Studenten vertreten soll und wird. Er will die Stimme

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