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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wvchenfchrifk. Seite 399 theilweifer Ersatz nicht zu finden gewesen ist. Es mag ja richtig sein und soll sogar zugegeben werden, daß die Mittelclasse unserer Glaubensgenossen vielseitig für wohlthätige Zwecke in Anspruch genommen erscheint, allein einem Institute mit der culturellen Aufgabe, armen jüdischen Kindern zur Erwerbsfähigkeit zu verhelfen und durch Heranbildung tüchtiger Handwerker Armuth und Elend von Grund auf zu steuern, gebührt in allererster Richtung die Priorität. Es hört sich mit innerer Wehmuth an, wenn der Bericht darauf hinzuweisen für nothwendig erachtet, daß Glaubensgenosien, welchen Stellung, Rang und Vermögen die Verpflichtung auferlegen sollten, mit beizutragen zu der schwierigen Action, deren Durchführung die Vereinszwecke vorschreiben, unter den Reihen der vereinzelten Mitglieder fehlen. Dieser Apostrophe an unsere besser situirten Glaubensgenossen fehlt an Deutlichkeit nichts und wir wünschen vom Herzen, daß sie ihre Wirkung nicht verfehle. Bis dat, qui cito dat. Es ist nicht nur eine Hilfe erforderlich, sie muß auch rasch erfolgen, denn es muß leider die Thatsache constatirt werden, daß die Bereinsleitung mit schwerem Herzen die von entferntem Elternhause unter Roth und Entbehrungen den Weg nach Wien machenden Jünglinge, um ein Handwerk zu erlernen und sich dadurch eine Existenz zu schaffen, abweisen mußte, einfach deshalb, weil die Bereinsmittel unzureichend erscheinen. Thatsächlich mußte bedauerlicherweise eine Restringirung in der Aufnahme von Zöglingen erfolgen, und wenn sich die Vereinsleitung noch nicht zu einer einschneidenden Einschränkung in der Zöglingsaufnahme zu entschließen vermochte, so geschah es in der zuversichtlichen Erwartung, daß der Appell nicht wirkungslos verhallen werde. Während im Berichtsjahre die Eingänge sich um 10.000 K geringfügiger gestalteten, sind die Erfordernisse in jenen Titeln, welche zu Gunsten der Schutzbefohlenen, der Lehrlinge nämlich, ihre Verwendung finden, wie genossenschaftliche Gebühren, Wäsche, Bekleidung u. s. w., um Erhebliches gestiegen, worin ein Beweis gefunden werden kann für das Streben der Vereinsleitung, trotz der ungünstigen Verhältnisse an nichts Mangel leiden zu lassen. Nebst der materiellen Noth bildet für die Vereinsleitung auch die Frage der Unterbringung, beziehentlich Versorgung der zu Gehilfen freigesprochenen Zöglinge Gegenstand eingehender Erörterung. Es ergeben sich nämlich bei der Unterbringung jüdischer Lehrlinge in der derzeit so hohe Wogen bildenden antisemitischen Strömung Schwierigkeiten, die sich noch potenciren, wenn es gilt, die freiqesprochenen jüdischen Zöglinge mit Arbeitsgelegenheit zu versehen. Ist es ja männiglich bekannt, welche unüberwindliche Schwierigkeit es ist, jüdischen Handwerkergehilfen Zutritt zu Meistern oder in Fabriken zu verschaffen. Wenn dies in manchen Fällen gelingt, so ist es ja des Bleibens nicht lange aus bekannten Ursachen, die wir wohl nicht erst erwähnen zu müssen glauben. Der Bericht schließt mit dem Appell an die Mitglieder und Gönner, den Verein in seinen humanitären civilisatorischen Bestrebungen auch in Zukunft werkthätig und energisch zu unterstützen,. dem Vereine die in der Zeit der antisemitisch eit Strömung mehr denn je nothwendige Beachtung zu widmen und durch thatkräftige Mithilfe möglich zu machen, die Vereinszwecke auch weiterhin voll und ganz zu erfüllen. Es darf wohl der ebenso zuversichtlichen als freudigen Erwartung Raum gegeben werden, daß dieser Ruf nach Hilfe nicht wirkungslos verhallen werde. Möge der Weckruf bis in die entferntesten Gauen Oesterreichs dringen. Das goldene jüdische Herz, es lebt noch und wird einem Vereine, der sich die schönen Ziele und hehren Zwecke gestellt hat, arme elternlose Kinder durch Erlernung eines Handwerkes erwerbsfähigzu machen, die Mithilfe nicht versagen. Ed. Beer. Horazdiowih in Böhmen. Am 28. April a. c. traten die Wähler der Bezirke Taus, Klattau, Schüttenhofen, Horazdiowitz, Strakonitz, Wollein und Pisek an die Urne, um das durch das Ableben des bisherigen Reichsrathsabgeordneten Dr. Wilhelm Kurz (Jungczeche) erledigte Mandat zu besetzen. Um die Palme stritten die Candidaten der jungczechischen Partei Dr. Ladislaus Dwokak., der radicalstaatsrechtlichen: Dr. Karl Baxa, der radicalfortschrittlichen: Anton Hubka, der socialdemokratischen: Karl Banek. Das Scrutinium ergab folgendes Resultat: Dr. Dwkoak 1228, Dr. Baxa 420, Anton Hubka 479, Karl Vanek 88, leer 32. Wenn man erwägt, daß viele ursprünglich für Hnbka gestimmte Wähler ihre Stimmen dem Herold der Ritualmordbeschuldigung nur deshalb zuwandten, weil sie durch die Blätter erfuhren, daß Hubka noch nicht das 30. Lebensjahr überschritten hat, so muß man gestehen, daß sein Fiasco ein vollständiges ist, trotz der ungezügelten Agitation, die-für ihm entfesselt wurde. Constatirt muß werden, daß die jüdischen Wähler, nahezu 400 an der Zahl, den Ausschlag zu Gunsten des jungczechischen Candidaten gaben, da sie beinahe vollzählig an der Urne erschienen. Wiewohl es selbstverständlich war, daß jeder einzelne jüdische Wähler durch seinen Stimmzettel gegen Dr. Baxa protestiren mußte, gebührt doch der Cultusgemeinde Klattau das Verdienst, die Führung in der Organisation der jüdischen Wähler übernommen zu haben. Aber auch die czechische Bevölkerung Südböhmens hat durch diese Wahl, sowie durch die großen Minoritäten, die auf die Candidaten der radicalfortschrittlichen und socialdemokratischen Parteien entfielen, energisch gegen profeffionsmäßige Hetzer vom Schlage des Dr. Baxa protestirt. Von der heftigen Wahlbewegung kann man sich leicht eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, daß z. B. in unserer Stadt von 274 Wählern 202, also 75 Percent ihr Votum abgaben. Lemberg. (Die H e b r ä i s ch - L e h r e r in den H i r s ch ’) d) e n S cd u l e n.) In der Bestrebung der Hebräisch- Lehrer der Hirsch'schen Schulen zur Erlangung der Stabilisation sehe ich das Aufbäumen ibrer Menschenwürde, das beleidigte Gefühl der ungerechten Zurücksetzung. Sie haben ihre untergeordnete Stellung satt und wollen nicht mehr das Aschenbrödel spielen. Es kann nicht geleugnet werden, daß ein großes Stück der cvltisatorischen Thätigkeit der Hirsch'schen Schulen den Hebräisch-Lehrern derselben zu verdanken ist. Als das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung den hebräischen Unterricht in den Stiftungsschulen einführte, wollte es die Schuljugend ganz vom Cheder ablenken, es wollte das Cheder überflüssig machen. Ob dieser Wille löblich war oder nicht, das will ich jetzt nicht erörtern. Ich will nur jetzt die Thatsache feststellen: das Curatorium kam zu der Ueberzengnng, daß seine ganze Arbeit fruchtlos bleiben wird, wenn die Schüler der Stiftungsschulen auch noch ein Eheder besuchen werden, und führte deshalb den hebräischen Unterricht ein. Der Hebräisch-Lehrer sollte demzufolge die erste Geige in der Schule spielen, da ihm eine solche große Aufgabe zufällt. Leider ist es aber nicht so! Der Hebräisch-Lehrer spielt geradezu eine klägliche Rolle! Von seinen Collegen als etwas Ueberstüssiges betrachtet, kann er sich auch nicht die gebührende Achtung bei den Schülern verschaffen. Einerseits entmuthigt, andererseits gedemüthigt, sinkt er bei sich selbst zu einem der Schule unnützen Wesen herab; glaubt selbst, daß er nur ein Gnadenbrot esse und denkt nicht mehr an seine Mission. Männer von Bedeutung und Ruhm, deren Namen weit außerhalb Galiziens Grenzen bekannt sind, sinken als Hebräisch-Lehrer in den Hirsch'schen Schulen zu einfachen Nullen herab und werden gegenüber Jünglingen, die gestern ihr Lehrerexamen gemacht haben (über das „Wie" bitte mich nicht zu fragen!), in den Schatten gestellt. Es darf uns daher gar nicht wundern, daß sich so ein Hebräisch-Lehrer glücklich fühlt, wenn er einmal zur Aushilfe im Unterrichte der profanen Gegenstände zugelassen wird, wenn sich so ein Hebräisch-Lehrer die Lehrerprüfung zu machen bestrebt und dem hebräischen Unterrichte den Rücken kehrt... Noch ärger als dies ist aber, daß durch die Geringschätzung, die man dem hebräischen Unterrichte zutheil werden läßt, sich auch viele unberufene Elemente als Hebräisch-Lehrer heranwagen, die schon wirklich zu gar nichts fähig sind. .. Wenn nun die Hebräisch-Lehrer der Stiftungsschulen für ihre Gleichstellung nnd Berechtigung mit ihren profanen Collegen eintreten, freut es mich ungemein. Ich glaube zwar nicht, daß ihre profanen Collegen sie in ihrem Vorhaben unterstützen und für sie auch etwas thnn werden. Man muß eben ein Psychologe sein, um sich in die Tenkungsweise eines Stiftungslehrers hineindenken zu können. Jeder Mensch hat leider die Schwäche, etwas mehr als sein Mitmensch bedeuten zu wollen. Ter Stiftungslehrer, der sich gegenüber seinem christlichen Collegen zurückgedrängt fühlt, muß auch Jemand haben, dem gegenüber er den Höheren abgeben kann. Ich bin deshalb fest überzeugt, daß die armen Hebräisch-Lehrer von ihren Collegen keine thalkräftige Unterstützung in ihrem Streben erhoffen können. Ich glaube aber dennoch an den Sieg der guten Sache, weil ich an S e l b st h i l f e glaube. Wenn die Hebräisch-Lehrer der Baron Hirsch-Schulen ihre untergeordnete Stellung nicht mehr als etwas Selbstverständliches betrachten werden, dann muß die Sache endlich zum Durchbruch kommen. Nur Muth müssen die Leute haben und noch einmal Muth; Selbstbewußtsein müssen die Leute haben und noch einmal Selbstbewußtsein! Vorläusig haben die Leute, meiner Meinung nach, nichts mehr zu thnn, als ein Memorandum an das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung auszuarbeiten, in dem folgendes Postulat ausgestellt wird: Das Curatorium erkennt in dem Hebräisch- Lehrer einen wichtigen Factor zur Entwicklung der Stiftungs-Schulen;

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