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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 892 Dr> Vloch's Wochen schrtfk- Nr. 18 waren schlechte Christen und noch schlechtere Mosleminen, der einen und der anderen Religion Feind. Ihr Gott ist der Raub, und was sie mit der einen Hand der Pforte geben, das nehmen sie wieder mit der zweiten. Einzelne Renegatentreiben es in der Frechheit so weit, daß sie sich ihres Abfalles offen vor ihren Landsleuten rühmten, sich über das Gefühl des Heimweh und der Anhänglichkeit an Weib und Kind zuhause lustig machten." Mit feiner journalistischen Speculation auf den Blutaberglauben besudelt Karl Kraus das Andenken seines Vaters, die Ehre seiner Familie. Möge ihm seine Speculation unter den Wiener Antisemiten die ersehnten Früchte tragen, von unseren Glaubensgenossen erwarten wir, daß sie diesen Schimpf nicht länger durch die Lectüre der „Fackel" honoriren werden. Es wäre eine brennende Schmach, die jeder Don uns sich selbst anthäte, wenn er um der blöden Witze oder der persönlichen Insulten willen, die diesem Blättchen zu einem Augenblickserfolge verholfen haben, noch länger dazu beitragen würde, daß Herr Karl Kraus sein religionsschänderisches Treiben fortsetze. Wir wiederholen, daß Herr Karl Kraus nach unserer Ueberzeugung an das Vorhandensein einer jüdischen Secte, die Ritualmord übt, selbst nicht glaubt. Da aber seine Behauptung die Armen im Geiste hiezu doch verleiten konnte, wollen wir hier jene Stellen citiren, welche in der ausgezeichneten Schrift des katholischen Pfarrers Dr. Fr. Frank „Ueber den Ritualmord-Aberglauben" von den jüdischen Secten handeln. Pfarrer Frank schreibt: „Wollen wir nun im Geiste noch einmal kurz erwägen, wie die Juden selbst das größte Interesse daran hatten und noch haben, eine Seele aufzufinden und unschädlich zu machen, welche durch die geheime Lehre und Uebung des Ritualmordes das ganze Judenvolk jahrhundertelang in das größte Unglück gebracht, Hunderttausende von Juden dem Scheiterhaufen oder einer anderen Todesart überliefert hat und heute noch ihm die schwersten Gefahren für Gut und Leben bringt; wie die Inden aber nicht im Stande waren, eine solche Secte aufzufinden; wollen wir bedenken, wie die jüdischen Secten, die im Laufe der Jahrhunderte aufgetaucht find, einander stets feindselig gegenüberstanden, und wie jede einzelne Secte einer anderen gern den Untergang durch den Nachweis bereitet hätte, daß von ihr der Ritualmord geheim gelehrt und ausgeübt werde; daß dieser Nachweis aber von keiner Secte versucht, oder wenn er, wie von den Sohariten, versucht wurde, nicht gelungen ist; wenn wir erwägen, daß auch die christlichen Staaten die strengste Verpflichtung hatten und noch haben, ihre christlichen Unterthanen gegen eine jüdische Mordbande sicherzustellen, welche alljährlich christliche Familien durch Verübung eines Ritualmordes in namenlosen Schmerz und Jammer bringt, bis jetzt aber trotz der schärfsten gerichtlichen Untersuchungen eine solche Mordsecte nicht zu entdecken vermochten; wenn die Geschichte uns erzählt, daß die Juden im Laufe der Jahrhunderte aus ganzen Ländern und einzelnen Städten vertrieben worden sind, unter den Beweggründen, aus denen dieses geschehen ist, aber niemals sich der Beweggrund findet, daß es bei den Juden eine Secte gibt, die im Geheimen den Ritualmord lehrt und übt; wenn wir auf der einen Seite eine große Anzahl der ehrenwerthesten Männer sehen, Rabbiner oder Söhne von Rabbinern, die Christen geworden sind und vor Gott betheuern, daß ihnen nichts bekannt ist von einer jüdischen Secte, die den Ritualmord lehre und übe, und auf der anderen Seite unglückliche, durch die Folter zur Verzweiflung gebrachte Juden, schamlose Fälscher, gemeine Lumpen, welche für das Vorhandensein einer solchen Secte als Gewährsmänner augerufen werden; wenn wir die auffallende Wahrnehmung machen, daß die ganze deutsche Wissenschaft, vertreten durch gelehrte Gesellschaften und wissenschaftliche Vereinigungen, durch Facultäten an Hochschulen und einzelne katholische und protestantische Fachmänner, sich erhebt gegen einen einzigen deutschen Professor, der noch bis in die Neuzeit herein den traurigen Muth hatte, die Behauptung aufzustellen, es gebe eme jüdische Secte, die den Ritualmord lehre und übe: so steht doch sicher, über jeden Zweifel erhaben das wissenschaftliche Urtheil fest, welches Professor Dr. Strack als Vertreter der deutschen Wissenschaft (a. a. O. S. 28) mit den Worten ausgesprochen hat: „Es gibt keine Mischen Geheimsecten, keine jüdischen Geheimschriften," und hiermit ist der christliche Aberglaube vom jüdischen Ritualmord aus seinen letzten Schlupfwinkeln Herausgetrieben, und das Lebenslicht ist ihm ausgeblasen. Auch von dieser Beweisführung wird Herr Karl Kraus nicht überzeugt werden, er hat ja keine Ueberzeugung, er braucht keine und will keine haben. Er gehört zu jenen Leuten, von den6n Dr. Frank sagt, daß sie mit Haß gegen die Juden erfüllt sind und aus unlauteren Beweggründen den Aberglauben vom Juden-Ritualmord vertheidigen. Er hat sich freiwillig auf jene Ruhmesstaffel gestellt, auf der Brimanus, Paulus Meyer und Dr. Max Anton Löw stehen. Wir gratuliren ihm zu diesen Genossen und zu diesem Ziele seines Ehrgeizes. Die „Fackel" aber wird kein ehrlicher und anständiger Jude mehr in die Hand nehmen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (Die Statthalterei ist nicht die Südbahn. — Vom Hauptsächlichen und Nebensächlichen. — Was man weiß und was man nicht weiß. — DerKessel und der Ofentopf. — Lueger's Drohungen. — Verg'ani als Pornograph.) Das von Ernst Bergani herausgegebene Revolverblatt ver» wechselt die niederösterreichische Statthalterei mit der Südbahn oder mit irgend einem anderen „großstädtischen" Unternehmen, mit welchem das „Deutsche Volksblatt" seiner eigenen Angabe nach „in geschäftlichen Beziehungen" steht. Die Südbahn konnte das „Deutsche Volksblatt" durch fortgesetzte Angriffe auf die Verwaltung und auf die Betriebsleitung so lange bearbeiten, bis sie ihren jährlichen Pauschalbeitrag zu den Erhaltungskosten des Antisemitenhofes leistete, worauf weitere Angriffe natürlich nicht mehr erfolgten. Das Erpressen von Pauschalien scheint leichter zu sein, als das Erpressen gesetzwidriger Entscheidungen, aber während es sonst beim Verbrechen einen Milderungsgrund darstellt, daß es beim Versuche geblieben ist, würde Herr Vergani für den bloßen Versuch, eine Behörde durch Drohungen terrorisiren zu wollen, das Zuchthaus verdienen, dem er bekanntlich ohnehin nur durch die Kürze der gesetzlichen Verjährungsfristen entgangen ist. Der Statthalter hat die gesetzwidrige Entscheidung des Magistrates, durch welche die „gelblichen" Stimmzettel bei der Wahl der kaufmännischen Handelsangestellten als ungiltig und die durchgefallenen christlich-socialen Candidaten als gewählt erklärt wurden, aufgehoben, uno da erfrecht sich das „Deutsche Volksblatt" zu sagen: „Fürwahr, es ist Zeit, daß auch die antisemitische Partei gewissen Herren von der Statthalterei gegenüber jede Rücksicht bei Seite setze. Die große Mehrheit der Bevölkerung steht im antisemitischen Lager und nicht in dem der Judensoci, und wenn es derHerr Statthalter noch nicht weiß, so kann ihm ja bei Gelegenheit d i e Ueberzeugung beigebracht werden, daß die Mehrheit nicht weniger Rücksicht verdient und fordert, als eine kleine Minderheit von Krakehlern." Wer heutzutage noch so naiv sein sollte, zu glauben, daß eigentlich nach Recht und Gesetz entschieden werden sollte, ist also in einem unbegreiflichen Jrrthum befangen. Die Statthalterei und auch alle anderen Verwaltungs¬ und Justizbehörden haben sich darnach zu richten, was die Antisemiten wünschen. Verstanden? Und wenn der Herr Statthalter das nicht versteht, nun, so mag er darauf gefaßt sein, man wird jede Rücksicht bei Seite setzen! Wer im Laufe der Jahre die wechselnde Behandlung, die Herr Graf Kielmansegg seitens der christlich-socialen Clique erfahren hat, je nachdem er gethan oder nicht gethan, was sie wünschte, wird die neueste Phase sehr ergötzlich finden; es wundert uns nur, daß der bei so vielen Anlässen von derselben Seite sehr gelobte Statthalter nicht jetzt daran erinnert wird, daß er eigentlich aus Hannover zugereist sei und für die Interessen der „bodenständigen" Bevölkerung daher kein Verständniß habe. Ja, ist denn der Herr Statthalter von Niederösterreich wirklich auf die „Rücksicht" der antisemitischen Partei angewiesen? Wenn das der Fall wäre, dann wäre das ein Zustand, dem schleunigst ein Ende gemacht werden müßte. Von „Rücksichten", die ihm eine Partei angedeihen läßt, darf der Chef der politischen Verwaltung nicht abhängig sein, und es wäre traurig, wenn er in der Unabhängigkeit und Gerechtigkeit seiner Entscheidungen durch die Furcht vor Angriffen eingeschüchtert werden könnte. Diese Furcht bei ihm zu erzeugen, ist der unverhüllte Zweck der schamlosen Drohungen des Verganiblattes, dem die im Abenddunkel erscheinende „Reichspost", das Organ des Herrn Geßmann, in dieser scandalösen Haltung stilles Gefolge leistet.

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