Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 18 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 391 e) Vorschüsse a n Garantoren. Was heißt das? Diese Ziffer ist nicht allein nicht klar — sie ist ganz unerklärlich! Worauf gibt die Bank in offenem Conto Vorschüsse???.Pfd. St. 3518 8 11 Schließlich f) Stempel auf Schabercertificate. Ist das ein Activum? . . . Pfd. St. 1072.8*9 Zusammen Pfd. St. 126 395.12'1 zweifelhafte Activposten. Wenn aber diese zweifelhaften Activen unzweifelhafte Werthe repräsentiren würden — zu dieser Annahme ist man ohne genauen Geschäftsbericht leider nicht berechtigt — dann würde nach unserer Meinung die Bilanz auf Grund der eigenen Ziffern der Gesellschaft immer noch einen Fehlbetrag von Pfd. St. 17.992.9-3 aufweisen — in unserer Währung circa K 432.000 etwa 8 Percent des Actiencapitales. Daß die 2041 Pfund die Zinseinnahmen nur für die ersten zwei Monate des Jahres darstellen, ist aus der Bilanz nicht ersichtlich. Und wo stecken in der Bilanz die Zinsen für die verflossenen drei Jahre? Sind sie vielleicht in den Posten: »Reserve für verfallene Beträge" und »Reserve für andere Zwecke" enthalten, so hätte das doch ausdrücklich gesagt werden müssen. Und hinsichtlich der Gebahrung: Die Gründungsspesen betragen circa 8% des Actiencapitales — eine wohl noch nicht dagewesene Summe bei Gründungen — da man hier doch nicht die »Idee" oder die »Concession" bezahlt; nebst den Gründungsspesen erscheint mit diesen 8% allerdings noch eine Post mitbeglichen: »... und Saldospesen bis zur Geschäftseröffnung" — was damit nur gesagt sein mag — »Saldo" ist verständlich — »Spesen" ist deutlich — aber »Saldospesen?" Sind das Spesen, welche die Saldi verursacht haben, oder Saldi, aus denen Spesen entstanden sind? Ein Weiser wird gesucht, der uns aus dem Labyrinth dieser Ziffern auf einen Lichtpunkt führt, von welchem aus das Bild jedem Laien klar und unzweifelhaft erscheint! Krimaims der Jüngere. Seit geraumer Zeit hält in Wien die Scandalfucht eines Journalisten alle Müßiggänger, Pflastertreter und Sensations-Gyurmands in Athem. Herr Karl Kraus und seine „Fackel" leben von der Verdächtigung und Besudelung hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Es ist eine Corruption, die sich anticorruptionistisch verbrämt, ein scheinbares Schwimmen gegen den Strom, wobei sich der Schwimmer doch allen' einträglichen Strömungen des Tages anzuschmiegen weiß. Herr Karl Kraus ist der Typus des vielzüngigen Journalisten, der um des Vortheiles willen sich das Recept Schmocks zu eigen gemacht hat, für 5 Silbergroschen bald rechts bald links zu schreiben. Sein Witz ist unfruchtbar, wenn er damit nicht eine Beschimpfung.oder Verhöhnung verbinden kann; und um einen Witz zu machen, beschimpft und verhöhnt er das Beste, das Heiligste, ja unter Umständen sich selber. Aus einer gut jüdischen Familie hervorgegangen, in der jüdischen Gesellschaft ausgewachsen, von ihr gefördert und getragen, hat Herr Karl Kraus sich nicht einen Augenblick besonnen, dem Glauben seiner Väter abtrünnig zu werden, als es der wahre oder vermeintliche Vortheil seines Ehrgeizes erheischte. Er war geradezu prädestinirt zum Renegaten. Es wäre fast ein Wunder gewesen, wenn Herr Karl Kraus Jude geblieben wäre, wenn er in der Zeit der höchsten Bedrängniß und der tiefsten Erniedrigung unserer Glaubensgenossen bei ihnen ausgehalten hätte. Es gibt Hunderte, welche diese Charakterstärke nicht besaßen und denen gegenüber wir uns trotzdem nicht veranlaßt sahen, ihre Namen dem verdienten Dunkel zu entreißen. Aber der perverse Ehrgeiz des Herrn Karl Kraus begnügt sich nicht damit, in der Masse der Treulosen zu verschwinden. Er hatte die herostratifche Ambition, sich neben Herrn Dr. Max Anton Löw zu stellen, jenen Mann, der sich noch vor wenigen Jahren vor dem Preßburger Rabbiner seiner Abstammung von dem großen Talmudisteu gerühmt hat und dann dem Pfarrer Deckert juristischen Beistand leistete in dem Bemühen, das Blutritual bei den Juden zu beweisen. Man weiß, welche Rolle Herr Dr. Max Anton Löw einige Zeit in der christlich-socialen Partei spielte, und man weiß auch, wie endlich dieser Renegat den verdienten Lohn erhielt und von seinen neuen Parteigenossen zuletzt ebenso verachtet wurde wie von seinen ehemaligen Glaubensgenossen. Das. Schicksal Dr. Max Anton Lön/s hat Herrn Karl Kraus nicht abgehalten, in dessen Fußtapfen zu treten und den Juden in niedrigster Weise in den Rücken zu fallen. "In Nr. 100 seiner „Fackel"' beschäftigt sich Herr. Karl Kraus mit dem „Blutmärchen in der Pramergasse" und der Haltung der sogenannten „jüdischen Presse" gegenüber dieser Affaire. Er schreibt wörtlich: „Durch ihr aprioristisches Verneinen scheint sie dem schwersten Verdachte Thür und Thor geöffnet zu haben, der Frage, ob nicht auch das Zeitalter der drahtlosen Reclame und des noch nicht conftruirteu Luftschiffes für traurige Residuen dumpfen Sectenglaubens Raum haben könnte, von vorneherein ihren blödsinnigen Aufklärungshochmuth entgegengestellt." Herr Karl Kraus, der in Zungbunzlau bei der Beschneidung den Namen Chaim erhielt, der Sohn des Herrn Jakob Kraus, der Bruder und Schwager von Persönlichkeiten, die in der Wiener jüdischen Gesellschaft eine geachtete Stellung einnehmen, will somft seinem antisemitisch-verblödeten Leserkreis glauben machen, daß es wirklich jüdische Secten gegeben hat, in denen der Ritualmord geübt wurde und daß es heute noch solche Secten gibt, in welchen traurige „Residuen" dieses furchtbaren Verbrechens zurückgeblieben wären. Es ist selbstverständlich, daß Herr Karl Kraus von der Unwahrheit dieser nichtswürdigen Behauptung ebensosehr überzeugt ist, wie Herr Dr. Max Anton Löw, der die Ritualmordverdächtigungen des Pfarrer Deckert vertheidigte. Aber Herr Kraus braucht den Ritualmord-Glauben, braucht die Ritualmord-Heuchelei, um seinem Blättchen die Zuneigung und die klingende Münze des dummen Kerls von Wien zu sichern. In Bezug auf Max Anton Löw hat ein Wiener Antisemitenorgan strengster Observanz vor Jahren wörtlich geschrieben: „Ein Jude, der Racenantisemit sein will, ist ein Renegat, der mit der Brandmarkuug seines Volkes sich selbst der allgemeinen Verachtung preisgibt". Antisemitischerseits hat man nicht übel Lust, es den Juden zur Last zu legen, weil die Abgefallenen frech und geschmacklos ihre früherem Religionsgenossen öffentlich schmähen. Was generelles, sozusagen internationales „Charakter"- Merkmal des Apostatenthums überhaupt bildet, wird als „semitische Racenqualität" ausgegeben. Die religiöse Ueberzeugung um äußerer Vortheile willen zu verleugnen und zu verschachern, sei blos den Juden eigen, behaupten unsere Gegner. Dagegen protestiren wir mit aller Entschiedenheit!Zunächst ist das Renegatenthum mit seinen häßlichen Erscheinungsformen absolut nicht specifisch jüdisch. Die Geschichte der Christen unter türkischer Herrschaft kennt und nennt viele Apostaten von dem Charakter und den Antecedentien des Dr. Max Anton Löw! Ueber das Verhalten der Christen zu ihrer Religion in den Ländern der Türkei bietet die interessante Schrift von Dr. M. Friedrich Gmelin „Sclaverei und Renegatenthum unter den Völkern des „Islam" (Sammlung gemeinverständlicher, wissenschaftlicher Vorträge von Virchow und Holtzendorf) belehrende Aufschlüsse: „Die Achtung des Osmanen besaßen die Renegaten nicht, was man ihnen vorwarf, war ein schrankenloser, vor den schlechtesten Mitteln nicht zurückschreckender Ehrgeiz. Sie