Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 284 Dr. Bloch's Wochrnschrifl< Nr. 17 strenge Hausdurchsuchungen vorgenommen wurden, worauf die Verhaftung der Doctorm Huzarska, sowie von dreißig jüdischen Studenten (Söhnen von Aerzten, Publicisten und Künstlern) erfolgte. Die Polizeibehörde verweigerte bisher jede Andeutung über den Grund dieser Maßregel, die um so rätselhafter erscheint, als die verhafteten Personen, wie auch diejenigen, bei denen Hausdurchsuchungen stattfanden, sich mit Politik nie befaßt haben. Ein Nachspiel zum Konitzer Nitualmord-Procest. Berlin, 23. April. Nach Meldungen aus Könitz wurde ein dortiger Nachtwächter unter dem Verdachte des Mordes an einem Schuhmacher verhaftet. Der Nachtwächter war der Hauptbelastungszeuge im Meineids-Proceffe gegen den in dem Ritualmord-Proceffe vielgenannten Moriz Levy, der auch wegen Meineids verurtheilt wurde. Aus Alexandrien schreibt man der „Alliance israelite“: Wir hatten dieser Tage hier unsere kleine „Ritualmordbeschuldigung"'. Wir verdanken sie nicht dem schlechten Willen, sondern dem Fanatismus eines unwiffenden Pöbels. Das Ereigniß trug sich im Viertel Hamamil zu, wo eine bunte Bevölkerung vo Griechen, Sizilianern und ausgewanderten rumänischen Juden wimmelt. Ein griechisches Weib weint und schreit. Eine Jüdin, ihre Nachbarin, fragte sie nach der Ursache. „Ihr habt mir mein Kind genommen, Ihr wollt es zu euren Ostern morden, gebt es mir zurück! Zu Hilfe! meine Brüder!" Sogleich war das ganze Viertel in Bewegung. Die Griechen versammelten sich und besprachen die Sache. Der Vater des Kindes, Demostenus Brok, hatte die Polizei benachrichtigt. Während seiner Abwesenheit fand sich der verloren geglaubte dreijährige Kleine wieder ein. Als der Vater ihn später erblickte, wollte er ihn in seiner Wuth schlagen, worauf den jammernden Kleinen unser Glaubensgenosse Jsak Milawar in seine Arme nahm, um ihn vor den zu erwartenden Schlägen zu schützen. Vielleicht hat er auch, nachdem er das Kind angetroffen hatte, es seinen Eltern zugeführt. Wie es auch sein möge, seine Güte wurde schlecht belohnt. Die Griechen umringten ihn und schrieen: „Da ist der Jude, der das Kind fortgenommen hat!" und die Rasenden ergriffen den armen Mann und schlugen ihn krumm und lahm. Er war in einem sehr traurigen Zustande, als er im Karacal (Cvmmissariat) anlangte. Alle Griechen zeugen einstimmig gegen ihn, die Unglücklichen find in der Mehrzahl überzeugt, daß der arme Milawar versucht hat, sich des Kindes zu bemächtigen, um ihm das Blut zu entziehen. Das Zeugniß der Polizeidiener, welche ihn festgenommen, bestärkte noch das der anderen. Der Jude hat das Kind weggenommen. Ein einzelner italienischer Zeuge sagte zu Gunsten unseres bestürzten Glaubensgenossen aus. Alle Zeugenaussagen wurden in ein Protokoll ausgenommen, welches dem Gerichtshof zuzestellt wurde. Isaak Milawar wurde unter Caution in Freiheit gesetzt. Ohne Zweifel wird diese Sache bald durch die Verwirrung der unwiffenden und fanatischen Ankläger zu Ende kommen. Ein Manifest israelitischer Handwerker. Bukarest, 13. April. Das C o m i t 6 der Vereinigung der hauptstädtischen israelitischen Handwerker „Asociatia meseriasilor evrei diu capitala“ hat folgendes für die Beurtheilung der Ursachen der rumänischen Judenauswanderung sehr bezeichnendes Manifest erlassen: „Israelitische Handwerker! Es ist nothwendig, daß wir uns ein für allemal über die Lage klar werden, in der wir, die rumänischen Israeliten, uns hier befinden. Zahllose Gesetze sind gegen uns geschaffen worden; alle vorgeblich gegen die Fremden erlaffenen Gesetze werden in Wirklichkeit nur uns gegenüber angewendet. Obgleich im Lande geboren, werden wir doch als Fremde und zwar als solche ohne jeden Schutz behandelt, als eine Claffe von Menschen, die Jeder nach Gefallen ausbeuten kann, und wenn wir dagegen zu protestiren versuchen, antwortet man uns mit einem 23. November und einem 16. Mai. (Anspielung auf die Antisemitenkrawalle der letzten Jahre. Red.) Wenn es sich um Heer und Steuern handelt, sind wir Rumänen wenn es sich um Schulen und Versammlungsrecht handelt, sind wir es nicht. Nachdem man uns aus den Dörfern verjagt hat. findet man, daß wir in den Städten zu zahlreich sind. Aus Anlaß der Botirung des Handwerkergesetzes hatte ein Deputirter vorgeschlagen, diejenigen von uns, die kein anderes Vaterland haben, aus der Masse der übrigen Fremden auszuscheiden; die Regierung hat sich dem w i d e r s e tz t. Und während später der Domänenmini fl er aus wohl erwogenen Gründen in einer Versammlung der Handelskammerdelegirten die Erklärung abgab, daß wir in die Rubrik der rumänischen Nationalität eingestellt werden müssen, hat ein anderer Minister unsere Versammlung verboten, obgleich die Constitution das Recht hierzu den Angehörigen der erwähnten Rubrik zuerkennt. Die Freiheit der Culte ist Allen, mit Ausnahme derjenigen ohne Nationalität, gewährleistet. Am Samstag den 23. März (5. April) hat uns aber die Polizei während der Zeit der Abendgebete in der Synagoge Baron Hirsch durch ihre Werkzeuge aus der Synagoge im Namen der Gesetze und Sr. Majestät des Königs vertrieben; zur Unterbrechung der Gebete gezwungen, haben wir die Synagoge verlassen müssen, von den überaus trivialen Worten begleitet, welche der betreffende Polizeicommissär gegen unsere Religion richtete. — Die Polizei schickt zu uns, wir sollen uns in die „Liga nationala" (regierungsfreundliche Handwerkervereinigung. Red.) einschreiben; Herr Bratescu (der Führer der oppositionellen Handwerkerbewegung. Red.) bedroht uns mit Verw.üstungen, wenn wir nicht zu ihm kommen. Alle fürchten sich, daß wir auswandern, weil sie dann Niemand mehr haben, denn sie ausbeuten können. Aber wir haben von dieser Liebe genug und genug auch der Erniedrigungen. Wir wollen als Menschen leben, und wenn wir das hier nicht können, so werden wir es anderwäkts thun und wir können es auch. Keine Freiheit und kein Brot! Wir aber wollen Beides. Das ist der wahre Grund für die Auswanderung der in Rumänien geborenen Israeliten. Venmjchtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seilenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Mathilde I a r a y: Bon Herrn Ferdinand Fuchs, I., Lichtenfelsgaffe 5, X 20'—; Herrn Max Quittner, I., Landesgerichtsstraße, X 20'—; Herrn Sigmund Jaray, IV., Heugasse 70, X 50'—. Zusammen X 90'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Nanette N y t r a i: Von Herrn Marcell Benesy, IX., Liechtensteinstraße 17, X 20'-. Wien. (Generalversammlung der „Israelitischen Allianz".) Sonntag den 27. April 1902 um halb 11 Uhr Vormittags findet im Saale der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, II. Stock, die Generalversammlung der „Israelitischen Allianz" zu Wien statt. Die Verfolgung der Juden in Rumänien, welchen die „Israelitische Allianz" unablässige Aufmerksamkeit und Fürsorge widmet, wird zweifellos bei dieser Generalversammlung zur Erörterung und Discuffion gelangen. Umso wünschenswerther ist es, daß die Generalversammlung zahlreich besucht werde. Jedes Vereinsmitglied der „Israelitischen Allianz" sollte es sich angelegen sein lassen, bei dieser Generalversammlung persönlich anwesend zu sein. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe, Wien, I., Wipplingerstraße 26.) Mittwoch den 30. April a. e., halb 8 Uhr Abends, findet in Khuner's Restauration, I., Adlergaffe 6, die XU. ordentliche Generalversammlung statt. Tages- Ordnung: 1. Erstattung des zehnjährigen Berichtes durch den Präsidenten; 2. Cassabericht; 3. Bericht der Revisoren; 4. Anträge und Interpellationen. Wien. (Ehrung.) Eine einfache, aber herzerhebende Feier fand letzten Samstag im XX. Bezirke im Vortragssaale der Toynbee- Halle statt. An diesem Tage versammelten sich daselbst gegen 1 Uhr Mittags unter Führung des Herrn Lehrers Faltitschek ungefähr 200 arme Schulkinder, welche während des vergangenen Herbstes und Winters unentgeltlich Mittagskost erhalten, um dem Obmanne der Ausspeisung. Herrn Heinrich Weiner, welcher trotz seines bedeutenden Geschäftes abwechselnd mit Herrn D. Polatschek in den Ausspeisungsräumen die Aufsicht hatte, eine Ehrung zu bereiten. Nebst den Kindern