Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochsnfchrifk« Seite 883 Venz des „liberalen" Bürgermeisters erscheint, von „liberalen" Gemeinderäthen abonnirt und von „liberalen" Geschäftsleuten durch Inserate unterstützt wird. Der Bürgermeister wird ohne Zweifel berichtigen. Sie können ihm aber ruhig entgegenhalten, daß der wirkliche Redacteur dieses Hetzblattes der Professor des Communal-Realgymnasiums, Herr Zein er, ist und daß auch der Religionsprofessor der städtischen Mittelschule,?. Kainz, zu den Machern des Blattes gehört. Man muß sich das wohl merken! Communale Mittelschulprofessoren, die aus dem Gemeindesäckel, also auch aus den Steuergeldern der einheimischen und aus den Curtaxen der fremden Juden bezahlt werden, dürfen eine schamlose Judenhetze betreiben, ohne daß ihnen der Bürgermeister dieses unsaubere Handwerk legt. Das ist ja übrigens nichts Neues. Auch der Dirigent der Badener Curmusik, Herr K o m z a k, scheut sich nicht im Mindesten, öffentlich seinen Judenhaß zur Schau zu tragen, und der christlich-sociale Stadtbuchhalter W a st l durfte jahrelang seine Hetzereien betreiben, bis er, wie so viele seiner Gesinnungsgenossen, mit feiner „Moral" Schiffbruch litt, nachdem er nicht blos für die Confiscation der Judengüter, sondern auch für die Aneignung städtischer Gelder geschwärmt hatte. Das sind Erscheinungen, die unsere für die Annehmlichkeiten eines Badener Sommeraufenthaltes enthusiasmirten Glaubensgenossen stutzig machen sollten. Ich werde mich bemühen, Ihnen sobald als möglich die Namen jener „liberalen" Geschäftsleute bekanntzugeben, die das neue Antisemitenblntt inspiriren, abonniren und darin inseriren. Man muß doch wiffen, mit wem man es zu thun hat! Wir haben lange genug unsere geschworenen Feinde gefüttert, um endlich eine vernünftigere Taktik einzuschlagen. Prag. Löbliche Redaction! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes wurde in einem mit „Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen" überschriebenen Artikel bezüglich der Wahl des Ausschusses u. A. berichtet: „Der bisherige Präsident des Verbandes, Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in Prag wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt." Znm richtigen Verständnisse dieses Passus diene folgender Commentar: Der Oberrabbiner, der dem Verbände seit dessen Gründung als Präsident Vorstand, hatte vor einigen Monaten dieses Ehrenamt niedergelegt und zugleich seinen Austritt aus dem Verbände erklärt. Tatsächlich fand auch die letzte Generalversammlung ohnt ibqi statt. Nach Schluß dieser Versammlung jedoch begab sich eine dreigliedrige Deputation zum Oberrabbiner und ersuchte ihn, doch wenigstens die unverbindliche Würde eines Ehrenpräsidenten anzunehmen. Diesem Ersuchen hat nun der Oberrabbiner, und zwar auch erst nach langem Zögern und erst infolge wiederholter, dringender Vorstellungen der Deputation, stattgegeben und das Ehrenpräsidium mit Vorbehalt acceptirt. Prag. (Fortgesetzte Hilsner-Agitationen.) Die „Katolicke Listy", das Organ des Prager Erzbischofs, melden : „Der katholische Verein in Polna beabsichtigte, auf dem Grabe der ermordeten Agnes Hruza im dortigen Friedhofe ein Denkzu errichten und die Kosten für dasselbe durch Sammlungen aufzubringen. Der Verein überreichte auch der Bezirkshauptmanw schüft in Deutschbrod ein Gesuch um Bewilligung zur Einleitung jener Sammlungen; die Bezirkshauptmannschaft hat dasselbe jedoch mit der Begründung abgewiesen, daß der Verein nach seinen Statuten nicht die Errichtung von Denkmälern bezwicke, und daß auch schon zu viele andere Sammlungen unternommen würden. Ferner theilt das genannte Blatt mit, Hilsner's neuestes Geständniß gehe dahin, daß er mit seinen Kameraden Laixner, Dworaczek und Zelinger den Mord ausgeführt habe. Zwei Zeugen, welche er hiefür namhaft machte, seien jedoch nicht in der Lage gewesen, seine Angaben zu bestätigen. (Mit den drei Genannten hatte Hilsner nach seiner eigenen Aussage in beiden Processen und nach den Depositionen dieser seiner Freunde zwei Stunden vor der Zeit, zu welcher Agnes Hruza ermordet worden sein soll, im Brezina-Walde, in dem man Tags darauf die Leiche der Hruza gefunden hat, Karten gespielt.) Lemberg. Bei der unter dem Vorsitz der Herren Doctor Vierer und Julius Hochfeld hier abgehaltenen Sitzung des Vereines „Schomer Israel" wurde über Antrag des Herrn I. Hochfeld beschlossen, in einer Petition die Abgeordneten Doctor Byk in Wien und Dr. Falk, Budapest, aufzufordern, bei den Delegationen an Se. Excellenz den Minister des Auswärtigen, Grafen Goluchowski folgende Interpellation zu richten: Welche Maßregeln gedenkt die österreichisch-ungarische Regierung gegen die unseren österreichischen Unterthanen in Rumänien drohenden Gesetze, zu ergreifen, die in jüngster Zeit proclamirt wurden und sowohl dem Berliner Vertrage, als allem Völkerrecht widersprechen Warum sollen österreichische Unterthanen in Rumänien keinem Gewerbe nachgehen können, während Rumänen in Oesterreich Schutz und Freiheit genießen? Der Verein „Lelwmer Israel" fordert zugleich alle israelitischen Cultusgemeinden auf, sich obiger Petition anzuschließen. Lemberg. Die Angelegenheit des Spirituscartells mit seinen schweren Gefahren für zahlreiche Familienväter, welche ihres einzigen Erwerbes dadurch beraubt würden, hält noch immer die Oeffentlichkeit in starker Erregung. In Brody hat eine Wählerversammlung stattgefunden, in welcher eine Resolution an die Adresse des Brodyer Abgeordneten Dr. Emil Byk gerichtet wurde, des Inhaltes, nicht nur nicht für das geplante Spiritus cartell, sondern gegen dasselbe Stellung zu nehmen. Dr. Byk hat darauf folgende telegraphische Antwort gegeben: „Wien, 16./4. 1902. Herrn Hermann Landau, Brody. Bildung Cartell ist eine private Organisation, welche mit Gesetzgebung und Parlament nichts zu thun hat. Kein Abgeordneter und kein Minister kann dasselbe vereiteln. Mit Cartell-Project befassen sich böhmische Großgrundbesitzer, hiesige Spiritus-Industrielle und Comite Lemberger Agronomischen Verein, dem ich nicht angehöre. Hiesige Gruppe consultirte mich auch als Advocaten und Vertrauensmann, hat aber gegenwärtig andere Wiener Advocaten Rechtsconsulenten bestellt. Cartellbildung größten Schwierigkeiten verbunden, äußerst geringe Chancen wenigste Wahrscheinlichkeit Zustandekommens." Die Antwort hat — wie man uns meldet — in jüdischen Kreisen tief verstimmt. Serajewo. Der zu Gunsten des Tempelbaufondes arrangirte Ball, dessen Erträgniß dem Tempelbaufond der österr.- ungar. israelitischen Cultusgemeinde in Serajewo gewidmet ist, wurde in dem mit der Büste des Kaisers und mit Teppich- Arrangements geschmückten Vereinshause mit glänzendem Erfolge abgehalten. Landeschef G. d. C. Freiherr v. Appel wurde im Vestibül des Vereinshauses vom Comitä, mit dem Obmann Eduard S e r e l m a n an der Spitze, empfangen und in den Festsaal geleitet. Als Seine Excellenz den Festsaal betrat, intonirte die Musik die Volkshymne. Der Obmann des Comitüs richtete an Baron Appel eine Ansprache, in welcher er im Namen des Tempelbau-Comites für die besondere Auszeichnung, welche dem Balle durch das persönliche Erscheinen des Landeschefs zutheil wurde, wärmstens dankte, und auf den allverehrten und allgeliebten Monarchen, welcher mit seinem edlen, großen Herzen für alle Völker seines großen Reiches, ohne Unterschied des Glaubensbekenntniffes, väterlich sorgt, auf den Kaiser ein dreimaliges Hoch ausbrachte, das begeisterten Widerhall erweckte. Baron Appel erwiderte in warmen Worten, wünschte den Bestrebungen des Fondes Glück und ertheilte die Bewilligung zur Eröffnung des Balles, worauf die Ladies-Patroneffen Frau Jesua S a l o m mit dem Obmann S e r e l m a n und Frau Doctor R o t h k o p f mit Herrn Glückselig den Tanz eröffneten. Anwesend waren: Civil-Adlatus Baron Kutschers, G. d. C. Ritter von Gradl, die Hofräthe v. Rajner, R. v. Mikuli. Schnack und Ludwig; ferner der Bürgermeister der Landeshauptstadt N e z i r Eff. S k a l i 6, die Bicebürgermeister Petar T. Petrovi« und Dr. B. N i e 6; Leiter des Landesspitals Primarius Dr. Glück und Primarius Dr. Hödlmoser. Der Frauenoerein war durch die Präsidentin Marie Zerlauth vertreten. Das Reinerträgniß kann ein glänzendes genannt werden. Memel. Dem „Memeler Dampfboot" zufolge ist dererste Dr.-Jngenieur des Maschinenbaufache-, dessen Promotion an der Technischen Hochschule zu Eharlottenburg am 10. v. M stat'fand, ein Memeler, nämlich Herr Benno R ü l f, der dritte Sohn de» früheren Chefredakteur» de- „Dampfboot" und vormaligen Rabbiner» Dr. I. Rülf (jetzt in Bonn). Benno Rülf ist im Jahre 1871 in Memel geboren und seit mehreren Jahren al» Ingenieur in Nürnberg thätig. Er hat schon mehrere Erfindungen und sonstige technische Arbeiten geliefert, die in der wissenschaftlichen Welt größere Beachtung und Anerkennung gefunden haben. Die Examenleistungen Rülf'» wurden al» glänzende bezeichnet. Verhaftungen in Warschau. Aus Warschau wird Lemberger polnischen Blättern berichtet, daß im Aufträge der politischen Abtheilung der Polizeibehörde letzten Samstag bei sechzig angesehenen Mischen Einwohnern (Schriftstellern, Aerzten, Rechtsanwälten rc.) in Warschau