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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Date
1902-04-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 280 Br. Bwch's WochenschrW Sk. 17 aber geschehen; Frau Baumberg hat gerade seitens der sogenannten Judenblätter die freundschaftlichste Förderung erfahren. Und nunmehr strolcht der erstbeste Schriftleiter herum mit der Behauptung, Juden hätten eine unglückliche Frau zum Selbstmord getrieben, und wenn Herr Karl Bleibtreu aus diesem Anlasse von einem an Frau Baumberg begangenen Ritualmord und von professionellen Schächtern spricht, so steht das ungefähr auf demselben literarischen und sittlichen Niveau wie die Vertheidigung des Raubmörders Woboril. Da sagte kürzlich der Msgr. Scheicher: „Man sollte nicht darüber debattiren, welche Partei die unanständigste, welche Partei die dümmste und welche die schlechteste ifi." Das meinen wir auch. Eine Debatte darüber ist nach den hier mitgetheilten Proben antisemitischer Verwaltungskunst und antisemitischer Publicistik wirklich überflüssig. 18 e g r i m m. Correspondenzen. Oesterreichifch-Jsraelitische Union. Samstag den 19. April fand im Restaurant Khuner die siebzehnte ordentliche Generalversammlung der Oesterreichisch- Jsraelitischen Union statt, welche überaus zablreich besucht war. Unter den Anwesenden bemerkten wir den Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herrn kaiserl. Rath Heinrich K l i n g e r, den Vrcepräsidenten Herrn Landesschulrath Doctor Gustav K o h n, die Vorstandsmitglieder Bezirksschulrath Doctor Marcus Spitzer, Oberingenieur Arthur Edler v. Mises und kaiserl. Rath Wilhelm Pollack, ferner Herrn kaiserl. Rath Adolf R u z i c k a, Docent Dr. Josef G r ü n f e l d, Consul Marek u. v. A. Nachdem der Präsident Herr Maximilian Paul-Schiff die Gäste begrüßt hatte, erstattete der Leiter des Rechtsschutzbureaus, Secretär Siegfried Fleischer folgenden Rechenschaftsbericht: Geehrte Versammlung! Die allgemeine politische Lage hat auch im abgelaufenen Jahre keine derartige Wandlung erfahren, daß wir Ursache gehabt hätten, aus der seit Jahren beobachteten Reserve herauszutreten, und wir haben daher nach wie vor das Schwergewicht unserer Vereinsthätigkeit in unser Rechtsschutzbureau und in den weiteren Ausbau seiner Organisation verlegt. Einen gesonderten Bericht über die Thätigkeit des Rechtsschutzbureaus glauben wir Ihnen angesichts der Thatsache, daß alle wichtigeren Fälle in unserer Monatsschrift eingehend mitgetheilt wurden, nicht vorlegen zu sollen. Auch der Journalauszug, der an die Theilnehmer der heutigen Versammlung vertheilt wurde, gibt eine zwar knappe, aber umfassende Darstellung dieser Thätigkeit. Der erwähnte Journalauszug ist in letzter Zeit von christlich-socialer Seite zum Gegenstände heftiger parlamentarischer Angriffe gemacht worden. Die Erbitterung der Gegner beweist nur, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden. Was wir unternehmen, vollzieht sich im vollen Lichte der Oeffentlichkeit. Wir haben nichts zu verschweigen und zu verschleiern, denn wir stehen nicht auf dem Standpunkte des Schutzjudenthums, sondern auf jenem vollberechtigter Staatsbürger, die nichts verlangen als die gerechte und gleichmäßige Anwendung der Gesetze. Den stetigen Ausbau unserer Organisation mögen Ihnen die nachfolgenden Z'ffcrn veranschaulichen: Bei der vorjährigen ordentlichen Generalversammlung hatten wir einen Stand von 3477 Mitgliedern, von denen 139 in Folge Ablebens rc. ausschieden. Es verblieben demnach 3338 Mitglieder. Am 31. December 1901 erreichte der Stand die Zahl von 5690 Mitgliedern. Wir haben sonach seit der vorjährigen Generalversammlung einen Zuwachs von 2213 Mitgliedern zu verzeichnen. Bei der vorjährigen Generalversammlung belief sich die Zahl der Cultusgemeinden und Ortschaften, in denen wir vertreten waren, auf 126, am 31. December 1901 auf 247. Diese Ziffer hat sich bis 15. April auf 313 erhöht. Wer zählen gegenwärtig in Wien 2047, in der Provinz 3620 Mitglieder, und dieses Verhältniß bestätigt neuerdings die alte Erfahrung, daß wir in der Reichshauptstadt mit einer starken Indolenz unserer Glaubensgenossen gegenüber ihren eigenen, vitalsten Interessen zu kämpfen haben. Der Leiter unseres Rechtsschutzbureaus hat im abgelaufenen Jahre weitere 52 Wanderversammlungen abgehalten, und zwar 4 in Wien (Mariahils-Neubau, Fünfhaus- Rudolfsheim-Meidling, Landstraße und Margarethen-Wieden), 1 in Niederösterreich, ferner 24 in Mähren, 3 in Schlesien und 20 in Böhmen. Unter den Provinzstädten sind derzeit Budweis mit 108. Graz mit 105, Prag mit 117, Pilsen mit 139 und Teplitz-Schönau mit 156 Mitgliedern vertreten. Ein genaues Ortsverzeichniß mit der Angabe der Mitgliederzahl steht den geehrten Mitgliedern zur Einsichtnahme offen. Wir werden dasselbe in der nächsten Nummer der Monatsschrift veröffentlichen. Mit lebhafter Freude erfüllte uns ein Zeichen der Theilnahme, das wir von jenseits des Weltmeeres durch den Beitritt und die Anerkennung unseres Landsmannes Herr Kauderer in Rio de Janeiro erhielten. Unsere Monatsschrift hat sich als ein vortreffliches Organ zur Communication mit unseren Mitgliedern außerhalb Wiens bewährt, die auf solche Weise nicht nur über die Thätigkeit des Rechtsschutz-Bureaus und alle internen Vorgänge fortdauernd in Kenntniß erhalten, sondern auch durch die Wiedergabe der im Vereine gehaltenen Vorträge über allgemeine Fragen des Judenthums orientirt werden. Der Union-Kalender wurde auch im abgelaufenen Jahre von unseren Glaubensgenossen als willkommene Gabe begrüßt. Leider haben es auch diesmal mehr als tausend Empfänger für unnöthig erachtet, den beigelegten Erlagsschein zu benützen. Trotzdem haben wir ein Reinerträgniß von Kronen 2650.48, gegen das Vorjahr ein Plus von Kronen 902.43, erzielt. Die zahlreichen Mängel, welche namentlich der schematische Theil des Kalenders durch veraltete Angaben aufwies, werden im neuen Jahrgange beseitigt werden. Wir haben diese Abtheilung einer vollständigen Neubearbeitung unterzogen und werden dieselbe auch durch eine Reihe werthvoller neuer Daten, wie Seelenzahl, Zahl der Steuerträger, Einnahmen und Ausgaben jeder Cultusgemeinde rc., bereichern. Der Bericht erwähnt der verstorbenen Vereinsmitglieder und widmet dem Heimgegangenen Ehrenmitgliede Landesgerichtsrath Dr. Kohn einen warmen Nachruf. Die Versammlung ehrt sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Der Bericht fährt dann fort: Das markanteste Ereigniß in unserem inneren Vereinsleben war der im Laufe des Berichtsjahres eingetretene Wechsel im Präsidium. Mit lebhaftem Bedauern haben wir Herrn kais. Rath Ruzicka, der sich um unseren Verein so hervorragende Verdienste erworben hat, scheiden gesehen, und wir konnten dem trefflichen Manne nur einen Beweis unserer dankbaren Anerkennung durch seine Ernennung zum Ehrenmitgliede und Beirathe der „Union" geben. — In der am 12. October 1901 stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung wurde Herr Maximilian Paul-Schiff einstimmig zum Präsidenten gewählt, der in einer vielbeachteten Antrittsrede nicht nur die Zusage ertheilte, den Verein im Geiste seiner verdienten Vorgänger fortführen zu wollen, sondern auch eine Reihe neuer programmatischer Gesichtspunkte entwickelte, welche die kraftvolle Zusammenfassung der gcsammten österreichischen Judenschaft betreffen und die Zustimmung auch solcher Kreise fanden, die den Bestrebungen der „Union" bisher fernestanden. Geehrte Herren! Die consequente und energische Zurückweisung jedes Unrechtes mit allen gesetzlichen Mitteln, die von uns rastlos geübte politische Erziehung der österreichischen Judenschaft, die unermüdliche Propaganda, die wir für die Taktik der furchtlosen Selbsthilfe entfalteten, haben uns manche, nicht unbedeutende Erfolge gebracht. Aber noch immer sind Kleinmuth und Gleichgiltigkeit im eigenen Lager unsere schlimmsten Feinde, die wir nur dann besiegen können, wenn Sie alle mithelfen, um jeden uns noch fernestehenden Glaubensgenossen an seine Pflicht gegen die Gesammtheit zu erinnern. Die Erkenntniß muß eine allgemeine werden, daß nur derjenige werth ist, ein Recht zu besitzen, der auch den Muth und die Kraft bekundet, es kämpfend zu behaupten. Und somit überantwortet der abtretende Vorstand seine Wirksamkeit dem Urtheile der geehrten Generalversammlung. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Thätigkeitsbericht knüpfte Herr Controlor Albert Winterberg den Cassabericht. Der Päsident der Wiener Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rath Heinrich Kling er erbat sich sodann das Wort, um nicht als Präsident der Cultusgemeinde, sondern als Vereinsmitglied zu dem eben Gehörten eine Bemerkung zu machen. Die Oesterreichisch-Jsraelitische Union habe sich seit ihrem Bestände zu einer derart bedeutenden Corporation entwickelt, daß man ihren Be-

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