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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-25 · 17 (25.4.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
17 (25.4.1902)
Date
1902-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 275 hergestellt, der Renegat der Verachtung preisgegeben werden. Das „Iwri onauchi“ muß wieder zu Ehren kommen; es datirt von lange früher, ehe das Civis Romanus sum seine Bedeutung erhalten hat. Damit all dies geschehe, muß das Haus dem Geiste wie der Form nach wieder ein jüdisches werden — das Haus ist aber nach der jüdischen Tradition: die Frau. Wenn die Mütter unserer Kinder wieder jüdisch werden, dann ist das Judenlhum für alle Zeiten geborgen. Das walte Gott! Eine diplomatische Intervention in Rumänien. Antisemitische Blätter haben die Nachricht verbreitet» daß sich die europäische Diplomatie ins Mittel gelegt habe, um sich der armen Juden in Rumänien anzuuehmen. Sie habe sich von der rumänischen Regierung Auskunft über das neue Gewerbegesetz, durch welches bekanntlich „Fremden" die Ausübung eines Gewerbes in Rumänien unmöglich gemacht wird, erbeten und sonach eine Action eingeleitet. Es kann bei Niemand Verwunderung erregen, daß die verlogene antisemitische Presse die diplomatische Intervention, so bescheiden sie für den ersten Augenblick gewesen sein mochte, der Allianz israelite zuschreibt, als ob diese rein humanitäre Gesellschaft die Macht und Mittel hätte, auch nur einen Diplomaten zu bewegen, aus den enggezogenen Grenzen herauszuschreiten, die ihm durch die allgemeine Convenienz geboten sind. Von rein Humanitären Beweggründen wird die europäische Diplomatie überhaupt nicht beeinflußt. Wäre dies der Fall — die Gräuel der Ermordung Tausender Armenier auf europäischem Boden — in Constantinopel — hätten nicht ungestraft bleiben, sich nicht fast von Jahr zu Jahr wiederholen dürfen.. Und da handelte es sich um einen arischen Volksstamm, um „christliche" Brüder! Man läßt sie ermorden, mit Keulen erschlagen, hinschlachten, entehren, keine Diplomatenhand rührt sich zu ihren Gunsten! Ein Reformproject war vor fünf Jahren von der gesammten europäischen Diplomatie entworfen worden, das dem rechtlosen Zustande dieses Volkes ein Ende machen sollte — es modert in den Gesandtschaftsarchiven und inzwischen wird fortgemordet. Und da sollte eine so ausschließlich humanitäre Gesellschaft, wie die Alliance israelite im Stande gewesen sein, nicht einen, nein mehrere Vertreter von Großmächten zu bewegen, sich der armen, verfolgten Juden in Rumänien anzunehmen? Nein, solche Macht hat die Alliance nicht, solche Macht würde ihr kein Diplomat zugestehen und es ist offenbar nur eine von der antisemitischen Lügenbande ersonnene tendenziöse Bosheit, wenn sie den Schritt der Diplomaten der Einwirkung der Alliance zuschreibt. Daß die Intervention der Diplomaten erfolgt ist, glauben wir allerdings, aber nicht um der Juden willen. Das Gewerbegesetz in Rumänien spricht gar nicht von Juden, wie käme ein Diplomat dazu, sich derselben anzunehmen; es spricht aber von „Fremden" und diese Fremden können ebenso gut Deutsche, wie Engländer, Oesterreicher oder Italiener, Franzosen oder Türken sein. Sie könnten Protestanten,. Orthodoxe, Muselmannen oder Juden sein. Es haben also wirklich alle Staaten, deren Angehörige sich in Rumänien aufhalten, ein Recht, sich um die Gesetzgebung dieses Landes zu bekümmern und namentlich darüber zu wachen, daß dieselbe nicht im Widerspruch stehe mit internationalen Vereinbarungen, Mit wechselseitigen Verträgen, und sich die Frage vorzulegen, ob nicht durch dieselbe die Basis der Anerkennung Rumäniens als europäischer Staat erschüttert werde. Diese Anerkennung hatte zur bedingungslosen Voraussetzung, daß Rumänien die Grundsätze europäischer Civilisation in seine Gesetzgebung aufnehme. Wenn diese Voraussetzung nicht vorhanden ist, so verwirkt Rumänien das Recht, als europäischer Staat anerkannt zu werden. Es sinkt zu einem Tunis, Marokko herab, die unter Curatel stehen oder gestellt werden müssen, damit man sie zwinge, Hunmnität und Gerechtigkeit walten zu lassen. Nicht die Judenverfolgung in Rumänien, sondern die allen Fremden feindselige Gesetzgebung der jüngsten Zeit, die Willkür des Beamtenthums, die mangelnde Rechtssicherheit fordern förmlich eine europäische Intervention heraus, und wenn diese jetzt in der so überaus rücksichtsvollen Form einer Anfrage über die Bedeutung der Gewerbegesetzgebung erfolgte, so ist dies eben die allermildeste Art, in der die europäische Diplomatie dem Barbarenftaate an der Donau zu verstehen gab, daß die Langmüthigkeit denn doch eine Grenze habe. Es ist versichert worden, daß Rumänien beruhigende Aufklärungen gegeben habe. Wenn sich die europäische Diplomatie von den Machthabern au der Dimbowitza mit Redensarten abspeisen läßt, so wird es ihr so ergehen, wie es ihr in China ergangen ist. Die „Einheimischen" machen sich dann über die „Fremden" zuerst lustig, belügen und betrügen sie nach Herzenslust, und im gegebenen Momente brechen sich die wilden Instinkte Bahn, hierin stehen die Rumänen den Chinesen nicht nach, und die Blutbäder vou China können im Donaulaude sich ebenso wiederholen, wie die Armenierermorduugen in Zeitun, Sassun, Constantinopel u. a. O. Will die europäische Diplomatie einen Erfolg erzielen, dann muß sie kraftvoll, entschieden, zielbewußt austreten, und insbesondere nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Rumänien hat viel zu saniren, man muß es ihni klar machen, daß es im europäischen Coneerte nur daun eil« Factor sein kann, wenn es sich wirklich europäisirt und die Bedingungen erfüllt, an die seine Aufnahme in die europäische Gemeinschaft gestellt wurde. Gerade mit dem Ge werbegesetz hat Rumänien den Beweis erbracht, daß es ans deni einseitigsten und ungerechtesten Standpunkte verharrt. Hier ist also die Handhabe geboten, Rumänien zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu verhalten, und von diesen: Gesichtspunkte aus wollen wir die diplomatische Anfrage nur als ersten Schritt begrüßen. Ans Rumänien wird gemeldet: Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Bukarest Herr Dr. Beck, hat dem König Carol in einer Audienz die verzweifelte Lage geschildert, in der sich Tausende jüdischer Handwerker infolge des neuesten, himmelschreienden Handwerkergesetzes befinden. Wie es heißt, hat sich der König „persönlich entgegenkommend" geäußert, aber hinzugefügt, er sei zur Zeit nicht in der Lage, irgend eine positive Aenderung in Aussicht zu stellen. — Etwas Anderes war nicht zu erwarten. Dagegen arbeitet das Preßdepartement der rumänischen Regierung unablässig, das öffentliche Urtheil zu verwirren. Man kann sich denken, daß die energische Stellungnahme der Preffe ur Deutschland und England gegenüber dem Gewerbegesetz und die Nachrichten über die Auswanderungsbewegung in Bukarest sehr empfindlich berührt haben. Die Wirkung war, daß die Polizeiorgane angewiesen wurden, alle Versammlungen von Juden zwecks Organifirung der Auswanderung rücksichtslos zu verhindern. Dabei kamen Mißgriffe vor, und es wurden zugleich Zusammenkünfte zu religiösen Zwecken verboten. Die Absicht der Regierung ist doch, im Augenblick unter allen Umständen eine Auswanderung, die die Aufmerksamkeit Westeuropas erregen würde, zu verhindern, bis neue financielle Transactionen zum Abschluß gelangten. Gleichzeitig würde eine Auswanderung sttzt den Häuserkrach und die bedrohte Lage der Pfandbriefinstitute verschlimmern. Die diplomatischen Vertreter Rumäniens im Auslande erhielten den Auftrag, die öffentliche Meinung des Auslandes zu beruhigen. Denn Rumänien braucht wiederum einmal Geld und steht vor der Nothwendigkeit, um ein neues Anlehen zu betteln. Zu diesem Zwecke werden diplomatische Kniffe und Kunstgriffe angewendet, um über die Tragweite der neuen rumänischen Gesetze die Oeffentlichkeit zu täuschen. Das rumänische Generalkonsulat in Berlin verlautbart in der Berliner „Nation" ein Communique, in welchem es betreffend dem Artikel IV. des Gewerbegesetzes heißt: „Aus dem Wortlaut dieses Gesetzesartikels und den ausdrücklichen Erklärungen des rumänischen Handelsministers hier-

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