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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Nr. 16 Sette 268 Dr. Bloch's Wochenschrift. Rede. Ihm folgte sein Sohn, der Raaber Rabbiner Herr Dr. Moritz Schwarz. Seine mit Rührung und Ergriffenheit gesprochenen Worte drangen in die Herzen der aufmerksam lauschenden Zuhörer. Sodann begab man sich in den schön decorirten Sitzungssaal. Der Jubilar wurde durch eine Deputation aus seiner Wohnung abgeholt. Nach einer Ansprache des Herrn Gemeindepräses N. Wollak überreichten der Cultusvorstand, der Präses der Cbewra-Kadischa Herr Leo Hirschmann und die Präsidentin des israelitischen Frauenvereines Frau Paula Wollak die werthvollen Ehrengeschenke mit eingravirten Widmungen. Eine Ansprache des Herrn Bürgerschuldirectors Palya bildete den Schluß dieser denkwürdigen Festsitzung. Abends versammelten sich Damen und Herren zu einem gemeinsamen Festmahle, an welchem auch die Herren Dr. Neumann. Rabbiner aus Gr.-Kanizsa, und Dr. Wiener aus Güns theilnahmen. Viele geistreiche, witzige und humorvolle Toaste würzten das Mahl, welches spät nach Mitternacht beendet wurde. Möge dieser glänzende Beweis von Eintracht, Liebe und Friede, die hier herrschen — auch ein Lehrer wirkt bereits seit nahezu einem halben Jahrhundert Hierselbst, — vielen anderen Gemeinden als erhebendes Beispiel und Muster dienen und Nachahmung finden. Galgücz. (Ein seltenes Familienfest.) Herr Emanuel R u d o l f e r feierte am 28. Weadar (6. April) ein dreifaches Fest: die Hochzeit seiner jüngsten Tochter Frl. Irma mit dem kön. ung. Finanzbeamten Samuel L o r i a n, ferner seinen 70. Geburtstag und in Verbindung damit sein goldenes Hochzeitsjubiläum mtt seiner Gattin Regina Rudolfer geb. Ullmann. Der Jubilar, von den erbgesesienen Familien unserer Gemeinde abstammend, stand zu wiederhottenmalen als Gemeindepräses an der Spitze der Gemeinde, ferner bekleidete er auch lange Jahre hindurch die Ehrenämter eines Vorstehers der Chewra-Kadischa und eines Schulpräses. Unverwelkliche Verdienste hat er sich besonders durch die Aussöhnung der während der Siebziger-Jahre in Orthodoxe und Status quo getheilten Gemeinde erworben, wofür er, der ohnehin in seiner Jugend mehrere Jeschibahs besucht hatte, vom Oberrabbiner Josef Rosenfeld mit dem Morenu-Titel ausgezeichnet wurde. Den feierlichen Acten wohnten die Elite unserer Cultusgemeinde unter Führung des Vorstehers Jakob Fuchs, das Rabbinat, alle Vereine, der jüdische Lehrkörper und auch Nichtjuden bei. Die Trauung des jungen Paares vollzog ein Sohn des Jubilars, Herr Rabbiner Dr. Anton Rudolfer, in ungarischer Sprache. An das greise Jubelpaar richtete unter dem in der Wohnung des Jubilars ausgestellten Baldachin der Schwiegersohn desselben, Heiw Rabbiner Galandauer aus Sobotten in Böhmen, herzliche Worte. Beide Reden, schwungvoll gehalten, aus dem Herzen kommend, ergriffen auch das Herz aller Anwesenden, von welchen Viele zu Thränen gerühtt waren. Bei der Festtafel feierte Herr Rabbiner Rosenfeld die Tugenden und Verdienste des Jubilars in geistvollen Worten. Auch Herr Rabbiner Moses Rudolfer aus Hotzenplotz (Oesterr.-Schlesien), ein Neffe des Jubilars, hielt eine gedankenreiche Tischrede an seine Verwandten, die großen Beifall fand. Nun erhob sich der greise Jubilar und dantte in Jedermann ergreifenden Worten dem gütigen Allvater für die besondere Gnade, die er ihm und seiner Gattin zutheil werden ließ, und schloß mit Sobebeebejuui seine Rede. Herr Cantor Moses Kriener verfaßte zu Ehren des Jubilars ein ausgezeichnetes hebräisches Gedicht, welches auf jeden Kenner der hebräischen Sprache großen Eindruck machte. Lipto-Ujvar, 15. April 1902. Das hervorragendste Mitglied unserer Filialgemeinde, bat hochverdienten Präses unserer „Chewra-Kadischa" Herrn Sam. Hoffmann, haben wir gestern zur letzten Ruhe gebettet. Als armer Waisenknabe kam er vor etwa 60 Jahren aus Wetter Ferne hieher und hat es durch Fleiß und Redlichkeit zu einem der angesehensten Kaufleute der hiesigen Gegend gebracht. In dieser bedeutenden Stellung war sein Augenmerk der Armuth zugewendet; wo ein Leid zu mildern, eine Wohlthat auszuübeu war, fand man ihn in den vordersten Reihen. Waisenkinder ließ er erziehen und ausstatten. Was er für seine hiesige kleine Gemeinde that, wird ihm ein unvergeßliches und dankbares Angedenken bewahren. Seinem unermüdlichen Eifer und aufopferungsvoller Thätigkeit ist es zu danken, daß ein kleines Häuflein Menschen, die er durch sein Beispiel zu den größten Opfern anspornte, heute ein schönes Gotteshaus besitzt. Nicht minder war er für das Aufblühen der hiesigen „Chewra- Kadischa" mit Leib und Seele thätig. Er war ein edler Mensch im wahrsten Sinne des Wortes und verstand es, durch sein conciliantes und humanes Wesen die Sympathien seiner Mitbürger, ohne Unterschied der Confession, in hohem Maße sich zu erwerben. Sein Hinscheiden erweckte daher allgemeine Theilnahme und gestaltete sich dessen Leichenbegängniß zu einer imposanten Trauerkundgebung, an dem sich das hiesige Forstamt. mit dem Herrn Forstdirector an der Spitze, sowie der Vicegespan mit mehreren Comitatsbeamten und die beiden Vorstände der Gemeinde und „Chewra-Kadischa" aus Szt.-Miklos, sowie viele Fremde betheiligten. Dem letztwilligen Wunsche des Verstorbenen, der sein Leben lang ein frommer Jude war, wurde ihm die letzte Ehre nach alter Sitte auf die einfachste Weise erwiesen und bie irdischen Ueberreste in einen einfachen ungehobelten Sarg in den von ihm selbst noch lange vor seinem Tode vorbereiteten Sterbekleidern gelegt. Unser Herr Rabbiner Singer aus Szt.-Miklos zeichnete in gewohnter zu Herzen gehender Rede den Lebenslauf des Verewigten und alle Zuhörer waren von dem geistvollen Vortrage tief gerührt. Der trauerndm Familie, besonders der edlen Gattin sind zahlreiche Kundgebungen der Thellnahme zugekommen. Chewal al deawdiu wlu mischtakchin. Feuilleton. Gm Passahfrst. (1421.) Von Alfred Meißner. O schwarze Judenstadt! Im lauten Prag Ein stummes trauerndes Jerusalem, Durch deine Gassen zieht am Hellen Tag Das ewige Gespenst von ehedem. Lebend'ges Grab! In deine Räume fällt Kein Heller Schimmer und kein Hauch der Welt, In deinen Gassen ist die Jugend alt, Der Frühling duftlos und die Sonne kalt, Durch hohe Dächer kaum ein Sonnenblick! Hier schweigt die Lippe und hier schweigt der Stein. Hier schläft des Lebens Wettkampf und Geschick, Nur Juda's Trauer wacht und schläft nicht ein. Sie schläft nicht ein! O geh, du Christenkind, Des Weges durch die kalten Dämmerungen, Wo träufelnd Naß von allen Mauern rinnt, Als sei vom Schmerz der Stein sogar bezwungen, 'S ist Abend schon, und durch die Fenster bricht Ein karger Schein von Sabbathlampenlicht, Da tönt aus jedem Hause noch der Sang, Erzählend von den ewig neuen Leiden Das Lied, das einst an Babels Strömen klang, Das Klagelied von den Harfen an den Weiden. Es ist das Lied der schlummerlosen Haft, Aus Judas ewiger Gefangenschaft, Als säß' Nebukadnezar noch zu Thron Und Prag sei Susa oder Babylon! Das Pasfahfest ist mit dem Frühling 'kommen. Da feiert frohe Rast die Judenstadt, Der Fremde selbst wird gastlich ausgenommen, Und Judas Sitte macht ihn froh und satt. Verbannt sei heut' des Lebens bittres Kränken, Verbannt das Lied, das heut' an Schmerzen rührt — Es lebt das Fest, des Tages Angedenken, Der Israel aus seiner Haft geführt. Und festlich steht des Rabbi Chaim's Halle Für Jung und Alt — im festlichen Gemisch — Die Enkel und Verwandten sitzen alle Im Kreise um den weißgedeckten Tisch. Die schöne, reiche Tafel! Auf ihr prangt In Schüsseln blank, was das Gesetz verlangt, Der grüne Lattig und das Fleisch vom Lamme, Die Kost der Väter im Egyptenland Steht prangend, und die Sabbathlampenflamme Läßt heit're Schatten tanzen an der Wand. Wie stolz das südlichdunkle Auge blitzt Dem Patriarchen mit getheiltem Barte, Der königlich auf hohem Pfühle sitzt — Um ihn der Enkel Kreis, der dichtgeschaarte. Ec hat ein Väterpfand aus alten Tagen. Mit krausen Lettern ein vergilbtes Buch, Die heilige-Agada aufgeschlagen, Und liest d'raus singend manchen theuren Spruch. Und wie der Vers von seiner Lippe schäumt, Die Seele von der Väter Heimat träumt. Ach, eine frohe Botschaft bringt der Reim: „Der Glaube macht euch frei und bringt euch Heim: Im nächsten Jahre in Jeruscholaim!" „Im nächsten Jahre!" jauchzt des Greises Seele, Doch von dem Tische schleicht der Enkelsohn, Er birgt die Stirn, daß er die Thräne hehle — Ihm dünkt, er höre fernen Glockenton. Er spricht: „Nimm meinen Fluch, du Sang der Ahnen, Du schönes Lied vom Heimatsparadies. Vergessen hat auf harten Unglücksbahnen Uns der Messias, den die Schrift verhieß: O Harren tausend Jahr! Die Zeiten luden Auf Judas Schultern nur noch ärg're Last, Die Kinder Baal's sie haßten nicht die Juden, Wie jetzt der Christ den jüd'schen Bruder haßt

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