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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Bloches Wochenschrifk. Sette 261 Das Vertreter-Collegium hat diesen Gegenstand bereits am 25. März in Anwesenheit des Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemannund des Herrn Rector Prof. Dr. Schwarz (Herr Rabbiner Dr. Schmied l hatte sein Ausbleiben entschuldigt), sowie einiger Mitglieder der Commission für Cultus und rituelle Angelegenheiten in Berathung gezogen. Hiebei wurde eine größere Anzahl von Persönlichkeiten namhaft gemacht, welche für Probepredigten in Betracht kämen. In diesem Stadium der Berathung des wichtigen Gegenstandes wurde eine engere Auswahl nicht vorgenommen, vielmehr wurde betont, daß es sich nicht blos darum handeln könne, Predigten anzuhören, sondern vorerst über Charakter und Lebensführung der zu Berufenden genaue Erhebungen zu pflegen. Mit Rücksicht auf diesen Umstand, sowie auf die hinsichtlich des bereits vorgeschrittenen Frühjahres und wegen des bevorstehenden Peffach-Festes nur knapp zu Gebote stehende Zeit wurde beschlossen, die Probepredigten erst Ende October nach den Feiertagen beginnen zu lassen, die Zwischenzeit aber zu Informationen und Erhebungen über die einzelnen Persönlichkeiten zu benützen. Wird zustimmend zur Kenntniß genommen. Mittlerweile seien, wie der Vorsitzende noch bemerkt, von mehreren Rabbinern aus der Provinz theils directe, theils indirecte Bewerbungen angemeldet worden. Weiters theilt der Präsident mit, daß das Vertreter- - Collegium sich in allernächster Zeit mit dem Rechnungsabschlüsse pro 1901 beschäftigen werde und daß dieser noch innerhalb des vom Statute vorgeschriebenen Termines, wahrscheinlich Ende April oder Anfang Mai, die Plenarversammlung in öffentlicher Sitzung beschäftigen werde. In Erwiderung einiger Anfragen und Urgenzen aus früherer Zeit theilt der Präsident mit, daß über seine Anregung das Comite für die Reform der inneren Verwaltung unter dem Vorsitze seines Obmannes des Herrn Theodor Rckter v. Taussig eine Sitzung abgehalten habe, welche sich mit der Angelegenheit der Bezirkscommissionen beschäftigte. Das Comite wird seine Berathungen über diese wichtige Angelegenheit demnächst fortsctzen. Den hervorragendsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Organisation des ärztlichen Dienstes im Spitale der israelitischen Cnltusgemeinde im Hinblicke auf die neuerrichtete chirurgische und gynäkologische Abtheilung. An der hierüber in sachlicher Hinsicht und wegen Bestellung der Functionäre in eingehender Weise durchgeführten Debatte betheiligten sich die Herren Oberbaurath Taussig, Theodor Ritter v. Taussig, Wilhelm Kuffner, Eltbogen, Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Bicepräsident Dr. K o h n, Baurath von Goldschmidt, Dr. Steiner, Commercialrath Leopold P o l l a ck, Rudolf A u s p i tz, Dr. Breuer und kaiserl. Rath Weil. Als Zeitpunkt der Eröffnung der beiden neuen Abtheilungen wird der Monat Mai in Aussicht genommen. Zum Vorstande der chirurgischen Abtheilung ist, wie bekannt, Herr Docent Dr. Otto Zuckerkandl, zum Vorstande der gynäkologischen Abtheilung Herr Dr. Karl Fleischmann ernannt. Zu Secundarärzten werden bestellt: für die chirurgische Abtheilung Herr Dr. Hugo Schüller, für die gynäkologische Abtheilung Herr Dr. Leo W e ch s b e r g. zum Hilfsarzte für beide Abtheilungen Herr Dr. Robert Lichten st er n. Hierauf wird über Antrag des Vertreter-Collegiums einstimmig und mit Beifall begleitet beschloffen, Herrn Regierungsrath Professor Dr. Leopold O s e r, welcher das Spital bereits seit 30 Jahren in mustergiltiger und opferfreudiger Weise als Primarius leitet, nunmehr zum Spitalsdireetor zu ernennen. Auf Grund des Antrages des Vertreter-Collegiums wird das Normale für die Bethausvorstände der ehemaligen Vororte-Cultusgemeinden Fünfhaus, Ottakring und Währing, welches sich an das Normale für die Gemeindebethäuser in der Stadt und Leopoldstadt sinngemäß anschließt, angenommen. Herr Vertreter Oberingenieur von Mises referirt für das Comits zur Ueberprüfung der Rechnungen für den Bau des Siechenhauses und die Erweiterungen des Altersversorgungshauses und beantragt namens des Vertreter-Collegiums, der Cultusvorstand wolle die für den Bau und die innere Einrichtung der Siechenabtheilung und für die Erweiterung des Altersversorgungshauses verausgabte Gesammtsumme von Kronen 324.290*79 genehmigend zur Kenntniß nehmen. (Zustimmung.) Die Verwendung der Zinsenerträgniffe der Abel Rappaport'schen Studenten-Stiftung wird nach den Anträgen des Vertreter-Collegiums genehmigt. Ueber das namens des Vertreter-Collegiums erstattet Referat des Herrn Baurathes von G o l d s ch m i d t wird bi* Nachtragsliste der periodischen Unterstützungen pro 1902 für 23 Personen im Gesammtbetrage von L 2493 genehmigt. Ein im Laufe der Sitzung vom Vorstandsmitgliede Commercialrath Leopold P o l l a ck überreichter, in längerer Ausführung motivirter schriftlicher Antrag, welcher die Verhältnisse der jüdischen Beamten und Lehrer zum Gegenstände hat, wird der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugeführt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 2 Uhr Nachmittags geschlossen. Bericht über die Wirksamkeit des israelitischen Blinden- Jnstitutes in Wien in den Jahren 1896—1901. In dem Zeiträume vom 1. Jänner 1896—31. December 1901 erhielten 74 ordentliche und 29 außerordentliche Zöglinge Erziehung und Unterricht. Gegenwärtig zählt die Anstalt 55 Zöglinge — 34 männliche und 21 weibliche. Von diesen sind 4 aus Wien, 27 aus Galizien, 4 aus Mähren, 5 aus Böhmen, 1 aus der Bukowina, 2 aus Schlesien, 6 aus Ungarn. 2 aus Rumänien, 1 aus Serbien, 1 aus Frankreich, 1 aus Egypten, 1 aus Palästina, 1 aus Rußland. Die Anstalt hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Zöglingen eine religiöse Erziehung, einen ihrer psychischen Eigenart entsprechenden Unterricht in den Gegenständen der Volks- und Bürgerschulen zu ertheilen und ihre sociale Selbstständigkeit dadurch zu begründen, daß sie zu tüchtigen Handwerkern, zu Clavierstimmern, Musiklehrern, Lehrern fremder Sprachen und zu Organisten herangebildet werden. Der Unterricht der Zöglinge wird in drei Abtheilungen und in einer Ausbildungsclasse ertheilt. Die Gegenstände desselben sind: Religionslehre, biblische Geschichte, Hebräisch, deutsche Sprache (Lesen, Schreiben, Sprachlehre, mündlicher und schriftlicher Gedankenausdruck), Rechnen, geometrische Formenlehre, Naturgeschichte, Physik, Geographie und Geschichte (Heimatkunde), Modelliren. Zeichnen, Uebung der Sinne. Die Absicht, den Unterricht der blinden Kinder zu einem wirkungsvollen Factor der Durchbildung und geistigen Erhebung zu gestalten, wird wesentlich durch die reiche Lehrmittelsammlung erreicht, welche aus 584 Stücke angewachsen ist. Sie umfaßt das Anschauungsmaterial für alle Gebiete des Unterrichtes; mehrere der instructivsten Modelle sind von den Zöglingen selbst als Ergebniß des Handfertigkeits-Unterrichtes angefertigt worden. Auch die Bibliothek der Anstalt hat eine wesentliche Bereicherung erfahren. In der Anstalt wurde eine Druckerei begründet, in welcher ein absolvirter Zögling die Herstellung von tastbaren Büchern und Noten besorgt. Die Leistungsfähigkeit der Druckerei wurde durch eine neue Maschine von F. Hintze erhöht, deren Anschaffung der Hochherzigkeit des Curators Herrn Baron Wilhelm von Königswarter zu verdanken ist. Die bis nun im Institute hergestellten Werke sind: Ein Gebetbuch in hebräischer Sprache. Goethe: Torquato Tasso, Egmont. Lessing: Nathan der Weise, Minna von Barnhelm. Rückert: Gedichte für die Jugend, I. und H. Band. Tennyson: Enoch Arden. Gutzkow: Uriel Acosta. Hebel: Schatzkästlein. Heller: Raphael Donner. Umlauf: Zitherschule 0p. 75. Mozart: Rondo in A-moll, Adagio in H-moll. Amicis: Bon den Apenninen zu den Anden (aus dem Buche „Herz"). Heller: Lesebuch für Blindenschulen, IV. Theil, 1. Band, Fibel für Später-Erblindete. Otto Ludwig: Die Makkabäer. Durch die Uebertraqung von hervorragenden Werken in die Blindenschrift haben sich um das Institut auch Fräulein Therese Brüll, die Frauen Natalie Patzau und Auguste Kanitz sehr verdient gemacht. Auf einem Typen-Schreibapparat, welchen Curator Herr Carl Mayer gespendet hat, schreiben die Zöglinge gewandt und fehlerlos, und daß auch diese Fertigkeit berufsmäßig ihrem Erwerbe zu dienen geeignet ist, wurde durch einen in der Anstalt ausgebildeten externen Blinden erwiesen, welcher seit mehr als einem Jahrzehnt in einem der größten Betriebe in Wien als Correspondent mit definitiver Bestallung in Verwendung steht. Der absolvirte Zögling Jda Mittler hat die Staatsprüfung für das Lehramt in der französischen Sprache — der erste Fall in Oesterreich — abgelegt. Sie wurde berufen, einigen hierzu geeigneten Zöglingen im Institute Unterricht in der französischen Sprache zu ertheilen. Auch die Staatsprüfung für das Musik-Lehramt haben wieder 4 Zöglinge, einer derselben Oscar Berger mit Auszeichnung bestanden. 6 Zöglinge, 5 in Wien, 1 in Brünn, versehen

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