Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021456--11697-3036249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 260 Dr Bloches Wochenschrift. Nr. 16 einfach lächerlich! Darüber haben erst wir eine Untersuchung anzustellen. Wir werden das schon machen. Zweiter Freund: Die Jedliczka weiß aber nicht, wie und von wem ihr die Verletzung beigebracht wurde. Schwer: Braucht sie auch nicht zu wissen. Das werden wir schon Alles besorgen. Aber jetzt möchte ich nur wissen, wo unser Doctor so lange bleibt? Er sollte schon längst da sein. Ihr wißt ja, ohne medicinisches Gutachten fangen wir nichts an. Dann können sich später alle medicinischen Facultäten auf den Kopf stellen ... Es läutet, ich glaube der Doctor kommt. (Der Diener tritt ein und meldet): Ein Geheimpolizist wünscht den Herrn von Scbn-r zu sprechen. Schwer (herablassend): Er soll herein. Geheimpolizist: Ich . . . Schwer: Ich kann mir schon denken, was Sie wollen. Sie sollen die Mädchen mit sich nehmen? Geheimpolizist: Ich . . . Schwer: Schweigen Sie, wenn ich mit Ihnen spreche. Also gut! Ich gestatte Ihnen, daß Sie die Mädchen mit sich nehmen. Aber merken Sie sich: für den Unterstand und Unterhalt der Mädchen sorge ich. Daß es Niemanden in den Sinn komme, sie vielleicht per Schub wegführen zu lassen! Geheimpolizist: Ich .. . Schwer: Unterbrechen Sie mich nicht immer! Merken Sie sich auch, daß ich, der Herr v. Schwer, protestire gegen die Verhaftung der Mädchen! G eh e imp o l izist: Ich . . . Schwer: Ruhig! Und hören Sie, was ich Ihnen zu sagen habe: Wenn die Freilassung und Ueberstellung der Mädchen an mich bis Abends 7 Uhr nicht erfolgt, dann ... dann . . . bei meinem Zorn, dann werde ich Schritte einleiten, daß . . . Geheimpolizist (zähneklappernd): Ich . . . Schwer: Schon gut, schon gut. Gehen Sie, aber vergessen Sie nicht: Pünktlich um 7 Uhr haben Sie sich bei mir zu melden. (Der Geheimpolizist verläßt knieschlotternd, von den Mädchen gefolgt, das Haus.) Diener (leise): Das ist ein Mann, der Herr v. Schwer. So sollt ein Anderer mit der Polizei reden, die hält' ihn gleich auch mitgenommen. III. Act. (Im Hause des Herrn H. A. Schwer. Anwesend der Hausherr, dessen zwei Freunde und der „antisemitische" Doctor.) (Es schlägt 7 Uhr.) Geheimpolizist (tritt athemlos, gefolgt von den zwei Mädchen ein): Ich ... . Schwer (abwinkend): Schon gut, ich Hab' das viele Reden nicht gerne. Sie können gehen. (Der Geheimpolizist mit einer tiefen Verbeugung ab.) IV. A c t. Schwer: Und jetzt, lieber Doctor, beginnt Ihr Werk. Bitte ziehen Sie sich mit dem armen Opfer zurück. V. A c t. (Der „antisemitische" Doctor kehrt nach einer Minute todtenbleich mit entsetzten Mienen zurück.) Alle: Was ist's? Was ist geschehen? Der „antisemitische" Doctor: Grauenhaft! Unerhört! Es ist Alles so, wie der — Polizeiarzt gesagt . . . Schwer: Ich bin verloren! Ich verliere noch meinen Titel: „Der Bluthund von Polna!" Er st er Freund: Und ist da gar nichts mehr zu machen? Zweiter Freund: Leider nein! Vergiß nicht, wir sind in Wien. Ja, in einem Nest, wie Polna! Dort könnten wir was versuchen. Schwer (aus verzweifeltem Brüten aufschreckend): Sorgt nicht Freunde! Es kommt schon wieder Anderes. Man nennt mich nicht umsonst den „Bluthund von Polna!" Gatullus. Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cuttusgemeinde in Wien vom 13. April 1,902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung um 10 Uhr Vormittags.- Aus dem Einlaufe werden zur Kenntniß gebracht an Spenden: Von Frau Friederike Grünfeld, Legat für Arme . K 1000.— „ Herrn Karl Goldschmidt, Legat für Arme . „ 1000.— „ Herrn S. Heit, für verschiedene Wohlthätigkeitsvereine.„ 450.— „ Herrn M. Löwenthal, anläßlich der Vermählung seiner Tochter für die Armenanstalt K 50.— - für den Siechenhaus-Erhaltungsfond „ 50.— für das Blindeninstitut . . . „50.— für den Waisenverein . . . . „ 50.— „ 200.— „ Frau Mathilde Straßer, anläßlich des Todestages ihrer sel. Mutter Frau Charlotte Mandl zur Vertheilung an Arme.„ 100.— „ Herrn und Frau Jakob Karpeles, anläßlich der Genesung ihrer Tochter, für die Chewra- Kadischa ..K 20.— für den Handlungs-Krankenverein „ 10.— für den Israelitischen Waisenverein „ 10.— für den Verein „Chonim Dalim“ „ 10.— „ 50.— , -Ch", für Arme.. . . . . „ 20.— „ Frau Helene Schulhof, anläßlich des Todestages ihres Vaters, des Herrn Salomon Goldschmidt, für Arme des XVHI. und XIX. Bezirkes .. 20.— „ Herrn Eduard Arnstein, für Arme . . . . „ 15.— „ Herrn I. Voglhut, für Arme.„ io.— „ Frau Cäcilie Josef-Adler, anstatt eines Kranzes, für das Siechenhaus.v io.— „ Herrn Kolbrie, zur Verköstigung armer Schulkinder in der Brigittenau .„ 10.— „ Herrn Gustav Tedesco, für Arme . . . . „ 5.— „ Herrn R. u. E. Brasch, für Arme . . . . „ 5.— „ Herrn Ludwig Podwinetz, für Arme . . . „ 5.— „ der Brunnendirection in Bilin, für das Versorgungshaus 100 Flaschen Biliner Sauerbrunn, 25 Krüge Saidschitzer Königswasser. „ der Brunnendirection in Krondorf, für das Siechenhaus 50 Flaschen Krondorfer Sauerbrunn. „ Herrn G. u. R. Fritz, für das Siechenhaus 1 Kilogramm Plasmon. „ der chemischen Fabrik Dr. Fritz u. Dr. Sachsse, für das Versorgungshaus Alboferin. Aus den Sammelbüchsen im Tempel I., für die Armen der österr.-ungar. Gemeinden in Jerusalem .„ 42.63 für die Chewra-Kadischa.„ 174.22 für die Armenanstalt.a 126.95 „ den Sammelbüchsen im Tempel 11., für die Armen der österr.-ungar. Gemeinden in Jerusalem .. 20.15 für die Armenanstalt.a 63.86 für die Chewra-Kadischa.. 57.38 Den Spendern wird der Dank votirt. Das Präsidium der „Israelitischen Allianz" zu Wien ladet die Mitglieder des Cultusvorstandes zur Theilnahme an der am 27. April d. I. stattfindenden Generalversammlung ein. Im Präsidialbericht macht der Präsident Mittheilung von der durch Herrn kaiserl. Rath Hirsch am 7. April vorgenommenen Cassenscontrirung, bei welcher vollkommene Ordnung in der Amtsgebahrung constatirt wurde, und gibt der Vorsitzende ein Bild über die bisherigen Steuereingänge und die Finanzlage der Gemeinde mit dem Bemerken, daß angesichts der großen, an die Gemeinde herantretenden Anforderungen nach wie vor Sparsamkeit im Haushalte erforderlich sei. Betreffend die Berufung von Predigern zu Probepredigten, mit welcher Aufgabe die Plenarversammlung vom 23. März 1902 das Vertreter-Collegium beauftragt hat, bemerkt der Vorsitzende: