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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 262 Dr. Bloch's WochenjÄjrifk. Nr. 16 den Ocganistendienst zur vollsten Zufriedenheit. Zwei derselben, Herr Salomon Storch und Herr Josef Herz sind seit Jahren als Musik- und Gesangslehrer am Blindeninstitute thätig, Beide haben von dem hohen k. k. Landesschulrath concessionirte Musikschulen für Sehende begründet, die sich des besten Rufes und einer stetig wachsenden Frequenz erfreuen. Dieses höchst befriedigende Ergebniß der musikalischen Ausbildung ist dem Professor und Kammer-Virtuosen Herrn Josef Labor zu danken. Herr Curator Emil Karpeles hat die musikalische Ausbildung der Zöglinge dadurch gefördert, daß er dem Institute ein neues Clavier von Bösendorfer spendete. Die im Institute ausgebildeten Clavierstimmer haben bei dem k. k. Hof- und Kammer-Clavierfabrikanten, Herrn Commerzialrath Ludwig Bösendorfer eine strenge Prüfung mit gutem Erfolg, einer derselben, mit Auszeichnung abgelegt. Den Gesangsunterricht in der oberen Classe leitet Herr Obercantor Josef Singer wie seit Jahren in selbstloser, überaus erfolgreicher Weise, den der unteren Classe ertheilt Herr Josef Herz. Der Handfertigkeits-Unterricht hatte den bedeutenden Erfolg, daß es dem Institute gelungen ist, eine neue gewerbliche Beschäftigung, die Eisen-Arbeiten, in die Blindenbildung einzuführen. Ohne Anwendung von Feuer, nur mit Zange, Feile, Stemmeisen und Hammer werden von den Zöglingen aus Eisenstreifen Leuchter, Lampen, Laternen, Ampeln, Schlüsselkästen, Ofen- und Lichtschirme, Rauchrequisiten, Palmen- und Blumenständer, Basen, Bilderrahmen u. A. m. formvollendet hergestellt. Die weiblichen Handarbeiten hatten das Häckeln, Netzen, Knüpfarbeiten, Handnähen, Ausnähen, Hand- und Maschinstricken zum Gegenstände. Im Handwerks-Unterrichte, welcher die Bürstenbinderei, die Korb-, Rohr- und Sesselflechterei umfaßt, ist ein gedeihlicher Fortgang zu constatiren. Die jungen Handwerker werden nicht früher aus dem Verbände der Anstalt entlassen, ehe sie nicht durch jahrelange Proben ihre volle Leistungsfähigkeit und ihre Unabhängigkeit von jeder fremden Hilfeleistung erwiesen haben; sie werden mit den erforderlichen Werkzeugen und mit reichlichem Arbeitsmateriale ausgestattet, und für jeden von ihnen werden Freunde und Förderer geworben, welche sie in dem Bestreben, einen Kundschastskceis zu gewinnen, unterstützen. Und dennoch steht die Anstalt oft der betrübenden Thatsache gegenüber, daß es den strebsamen und tüchtigen blinden Handwerkern an Arbeit fehlt; dadurch wird nicht allein ihr Erwerb, sondern auch ihre Lebensfreude beeinträchtigt, da sie in der Bethätigung ihrer ausgebildeten Arbeitskraft die Grundlage eines ehrenvollen Lebens und damit auch ihres Glückes schätzen gelernt haben. Erneuert sei an alle Menschenfreunde die inständige Bitte gerichtet, durch reichliche Arbeitszuweisung werkthätig ihre Theilnahme an dem Lose der blinden Handwerker zu erweisen. Viele von diesen, welche in gedeihlichen Verhältnissen arbeiten, das Durchschnittsmaß der Leistungsfähigkeit weit überschritten haben und großen Betrieben und Geschäften seit Jahren vorstehen, beweisen, daß der ausgebildete Blinde keine Nachsicht bei der Beurtheilung seiner Arbeiten beansprucht und allen Anforderungen im vollsten Maße gerecht zu werden vermag. Für solche absolvirte Zöglinge, welche eltern- und heimatlos sind, wurde in Budweis eine Blinden-Colonie begründet. Bei diesem Unternehmen leistete in überaus menschenfreundlicher Weise der Vorstand der dortigen israelitischen Cultusgemeinde, an seiner Spitze der Präsident desselben, Herr Dr. I. Kohn, Beistand; ein Comitä, welchem die Herren Jacob Adler, Josef Behali, Ludwig Arnstein, Victor Fürth, Rudolf Kopperl und Siegfried Schiffmann angehören, arbeitete mit wahrer Hingebung an der Einrichtung der Colonie. Herr Rudolf Kopperl hat als Obmann des Comitäs die Fürsorge für die Colonisten übernommen und widmet sich ihrem Wohle nach allen Richtungen in wahrhaft väterlicher Theilnahme, die nicht genug gerühmt werden kann. Die Sorgfalt, welche den Augenleiden der Zöglinge zugewendet wird, wurde in den letzten Jahren immer mehr auch auf die Erhaltung und Erweiterung der vorhandenen Sehreste ausgedehnt. Durch Sehübungen ist es gelungen, das Sehvermögen des externen Schülers Eduard Jercke erheblich zu erhöhen und es bei dem externen Schüler Karl Braun so zu verbessern, daß er gegenwärtig die Bürgerschule für Sehende mit bestem Erfolge besucht. Nach einer von dem verdienstvollen Augenärzte Docent Dr. S. Klein glücklich ausgeführten Operation wurden zur Vervollständigung des wiedererlangten Sehvermögens auch bei dem Zögling Wilhelm Kräutler Sehübungen angestellt und auf solche Weise war es möglich, diesen Zöglingaus der Anstalt zu entlassen und ihn als Lehrling in der Prag-Rudniker Korbwaarenfabrik unterzubringen, deren Chef, Herr Commercialrath Karl Krauß, das dankenswertheste Entgegenkommen bewies. Durch reichliche nahrhafte Kost, zweckmäßige Kleidung, fleißige Bewegung im Jnstitutsgarten, durch Wanderungen in der hochgelegenen Umgebung der Hohen Warte, regelmäßige Bäder und durch rationell ertheilten Turn-Unterricht wird die körperliche Entwicklung der Zöglinge mit aller Sorgfalt gefördert. Für den ärztlichen Beistand ist nach allen Richtungen gesorgt. Durch denselben haben sich um die Anstalt Verdienste erworben der Hausarzt Herr Dr. I. P o l l a k, Herr Hofrath Professor Dr. A. Politzer, Herr Regierungsrath Professor Dr. O s e r, Herr Docent Dr. S. K l e i n, Herr Dr. S. M i t t l e r, die Verwaltung und die Aerzte des Rothschild-Spitales. Musikalische Kunstgenüsse danken die Zöglinge dem Herrn kaiserl. Rath Albert G u t m a n n, Herrn Alexander R o s 6, dem Vorstande des Orchestervereines Dr. W. S e d l i tz k y, dem Kammervirtuosen Herrn Alfred G r ü n f e l d, Herrn Friedrich Kohn durch Uebersendung von Freikarten. Zum Vorlesen hat Herr Professor Dr. Reh er 4 Bücher-Abonnements aus der Central-Biblwthek der Anstalt gratis überlassen. Religiöse Weihe wird dem Leben der Zöglinge durch Lehre und die verständnißinnige Feier der Feste, welche sie im Betsaale des Institutes mit Gebet und andachtsvollem Gesang begehen, verliehen. Das Chanukafest ist den Zöglingen, denen Freude Licht bedeutet, ein wahres Lichtfest, an welchem sie reichlich beschenkt werden. Verehr ungsvolle Erinnerung und Dankbarkeit bewahren sie ihren dahingeschiedenen Wohlthätern, vor Allem dem Erbauer des Jnstitutsgebäudes, dem Herrn Jonas Freiherrn von Königs warter und feinem edlen Sohne, dem Herrn Moriz Freiherrn von Königswarter. Am 14. Jänner 1897 schied aus der Mitte des Curatoriums Herr Gustav Simon. Der Verewigte hatte an der Begründung der Anstalt wesentlichen Antheil genommen, sein bewährter Rath hat in derselben zur Ausgestaltung des gewerblichen Unterrichtes erheblich beigetragen. Die Entwicklung der einzelnen Zöglinge und deren Führung nach ihrem Austritte verfolgte er mit der lebhaftesten Theilnahme. Sein Andenken wird in unserer Anstalt gesegnet bleiben. Im Jahre 1896 wurde Herr Sigmund Kraus als Lehrer, 1900 Frl. Anna Porges als Lehrerin angestellt, sie bewähren sich als tüchtige Kräfte. Die nun in Gott ruhende edle Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth bot in ihrer Hochherzigkeit die Mittel, im Jahre 1897 den Um- und Zubau des Jnstitutsgebäudes in einer Weise durchzuführen, daß die Anzahl, die Anordnung und Einrichtung der Räume allen Anforderungen entsprechen und es ermöglicht wurde, eine größere Anzahl von Zöglingen als bisher aufzunehmen. In einer Marmortafel des Prüfungssaales ist mit goldenen Lettern diese That eingegraben. Das Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers im Jahre 1898 wurde von der Anstalt festlich begangen, sie betheiligte sich auch an der Jubiläums-Ausstellung in hervorragender Weise. Der Director der Anstalt, Herr S. Heller, nahm an den Blindenlehrer-Congreffen in Berlin 1898 und in Breslau 1901 theil und legte in den Vorträgen „Die heilpädagogischen Momente der Blindenbildung" und „Das Bewußtsein als Factor der Blindenbildung" die Ergebnisse seiner Studien unter Anerkennung der Versammlung dar. Zahlreiche Blindenfreuude und Fachmänner besuchten die Anstalt und drückten über die Einrichtungen und Leistungen derselben ihre Anerkennung aus. Das Gefühl der Befriedigung, welche die Ausgestaltung des Institutes hervorrief, wurde durch schwere Prüfungen getrübt. welche die Anstalt trafen. Am 30. September 1900 starb der Zögling Max Adler, welcher als Clavierstimmer eine ungewöhnliche. von Autoritäten rühmlich anerkannte Leistungsfähigkeit erlangt hatte. Am 20. September 1901 folgte ihm der Zögling Josef Blatt. Seit dem Bestände des Institutes hatte sich kein Schüler durch musterhaftes liebenswürdiges Betragen, durch die treueste Pflichterfüllung und durch eine bewunderungswürdige Leistungsfähigkeit so ausgezeichnet wie er. Josef Blatt, in dem sich das Genie eines Künstlers mit dem größten sittlichen Ernst verband, war es, der durch seine rastlosen Versuche die Elfenarbeiten in

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