Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Sette SSV hältniß zu Gott. Die heilige Schrift , lehrt uns den Menschen verstehen als den, der zu Gott geschaffen ist, der Gott verloren und darum Unruhe hat, bis er Gott wiederfindet. Sie lehrt, -aß der Mensch nicht ohne Gott sein kann, ob er für oder wider Gott ist- So lernen wir in ihr uns selbst kennen. Solche sind wik. die wie jene beten: »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gih mir einen neuen gewissen Geist!* Darum können wir mit jenen nach Jahrtausenden jubiliren: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat!" Wir sind als Menschen von Gott und zu Gott geschaffen, und nur wenn der Herr unser Hirte ist, wissen wir, daß uns nichts mangeln wird. Das sind die Großen der Menschheit, die Gott gefunden. Darum geht von ihrem Leben ein ewiger Anstoß aus bis auf unser Leben« Jetzt wissen wir: Wir sind solche, die nicht Ruhe finden, bis sie Gott gesunden haben. In der Bibel finden wir weiter den lebendigen Gott. Das kann ja nicht anders sein. Wenn wir den Menschen recht erkennen als den, der zu Gott gehört, so gibt es keine rechte Menschenerkenntniß ohne Gotteserkenntniß. In der Bibel finden wir den lebendigen Gott in seiner vollen Wahrheit. Wir leugnen nicht, daß er in der Natur zu uns redet durch die Lilien auf dem Felde und durch die Vögel unter dem Himmel. Wir wiffen, daß er heute noch die Geschicke der Völker lenkt. In ihm leben, weben und sind wir, aber wenn wir wiffen, daß Gott die Welt durchwaltet, wenn wir spüren, daß nach seinen heiligen Gesetzen die Gerichte und Gnadenführungen heute noch in der Geschichte sich vollziehen: wer lehrt uns die Gedanken Gottes verstehen? Woher wollen wir wissen, daß er Gedanken des Friedens über uns hat und nicht Gedanken des Leides? Wer unter den Geschichtskundigen wagt, Gott nach dem zu messen, was heute in China und Afrika geschieht? Da heißt es doch immer: Du bist ein verborgener Gott. Gott ist der Gott der Geschichte, aber Eines Volkes Geschichte ist doch vor Allem die Geschichte Gottes mit dem Menschen. — Diese Geschichte haben wir allein in unserer Bibel. Nicht eine magere Lehre von Gott, sondern den lebendigen Gott selbst in seinem Walten haben wir in seinem Wort. Wir erkennen hier: im stillen sansien Säuseln der barmherzigen Liebe kommt Gott zu den Menschen. — Wollen wir ihn so verstehen, dann müssen wir Zwiesprache halten mit Abraham und Mose, in stillen Stunden zusammen sein mit Jesaia und Jeremia. Wer sich in diese Bücher versenkt, der spürt etwas von dem lebenden Gott, etwas Klares, Lichtes. Er erkennt ihn als den heiligen Richter, aber auch als den Vater, der Geduld hat mit seinen Kindern, bis er bei uns Wohnung machen kann. So spüren wir in der heiligen Schrift den Herzschlag Gottes selbst. Hier ist Gott gegenwärtig. Er dringt auf mich ein, demüthigt und erhebt mich. — Ein Jahrtausend hatte die Christenheit ihren gnädigen Gott trotz der Bischöfe, des Papstes, der Kirchenversammlungen verloren, weil das Licht der heiligen Schrift nicht mehr leuchtete. Mit dem Licht der Bibel haben die Reformatoren die Jrrthümer verscheucht. „Der Kitlllsmid." (Tragicomödie in 5 Acten.) Personen: H. A. Schwer. I Zwei Dienstmädchen. Ein Diener. > Ein Geheimpolizist. Zwei Freunde.! Ein Doctor. I. A c t. (In der Redactiou des „Deutschen Volksblatt".) Schwer: Einen Durst Hab' ich, einen Durst! Ich halt' es wahrhaftig nicht mehr aus. Diener: Soll ich rasch ein Glas Bier holen, Herr v. Schwer? Schwer: Dummkopf! Den Durst löscht kein Bier, kein Wein, kein Wasser. Blut muß ich haben! Diener (erschrocken): Aber Herr v. Schwer, was ist Ihnen denn? Soll ich zum Doctor laufen? Schwer Es ist entsetzlich! Jetzt sind Sie schon so lange im Hause und kennen sich noch immer nicht aus. . . Begreifen Sie denn nicht, die jüdischen Ostern stehen vor der Thüre und da muffen wir Blut haben um jeden Preis. . . Diener (schüchtern): Wie? Wir brauchen Blut von den Juden? Schwer: Aber nein, so blöd ist kein Jude und auch kein Antisemit, um das zu glauben. Mir fehlt das Christenblut, welches die Juden brauchen. Ohne das kann ich nicht existiren. Diener: Ja, wozu brauchen wir es denn? Schwer: Dummkopf! Wovon leben wir denn, wovon wächst und gedeiht unser Anhang? Wovon hat sich unser Chef feinen Umfang, sein Haus, seine Equipage angeschafft? Wie' bin ich Gemeinderath geworden? Wodurch erhoffe ich das Stadtrathsmandat? Alles vom Christenblut, welches die Juden brauchen. Dieses Blut ist der besondere Saft, aus dem unser Blatt seine Kräfte zieht. . . Aber sie werden das nie verstehen. . . Diener: O bitte, ich verstehe schon. Wir können ohne Ritualmorde nicht vorwärts kommen. Ich müßte ja begriffstützig sein, um das nicht zu capiren. Ja, die Geschäfte gehen halt leider jetzt alle schlecht. . . Schwer: Ja, wenn man 's nicht versteht! Ich kann nur leider nicht überall dabei sein. So geschehen dann Dummheiten. Wenn ich in Salzburg gewesen wäre, mir wäre das mit der Mumie nicht paffirt. Diener (lacht): Ja mit der Mumie als Opfer eines Ritualmordes, das war komisch! Schwer (zornig): Lachen Sie nicht so einfältig. Das war nicht komisch, das war traurig. Die Scharte muß eben ausgewetzt werden. . . Meine Ehre steht auf dem Spiel. Wenn wieder ein Jahr vergeht, ohne daß etwas für den Ritualmord geschieht, geht mein Renommee zum Teufel, geht unser Blatt zum Teufel. (Verzweifelt.) Ich könnt in meinem Zorn Jemanden erschlagen. Diener: Thun's das lieber nicht, Herr v. Schwer. Schwer: Esel, das war ja nur so geredt. Diener: Ich weiß, aber es ist mir gerad eingefallen, daß ich einmal gelesen Hab', wie ein Papst gegen die Christen losgezogen ist, die auf die jüdischen Ostern Christenkinder umgebracht haben, damit man glauben soll, die Juden haben 's gethan. Schwer: Genug, genug! Wenn ich von einem Papst höc', dann Hab' ich's schon satt. Die find ja alle von den Juden gekauft gewesen. Lesen's lieber die Gyp, wenn sie wiffen wollen, wie ein Christ zu denken hat. Diener: Merkwürdig, die Juden find doch dumm, wenn sie soviel Geld haben, die Päpste zu kaufen, warum haben sie sich nicht auch die Gyp gekauft? Schwer izornig): Sie find ein Esel. Bringen Sie mir den Einlauf. Diener: (Bringt einen Stoß Papiere.) Schwer (durchfliegt die Manuscripte und stößt einen Freudenschrei aus): Ich bin gerettet! Man soll mich nicht umsonst den »Bluthund von Polna" genannt haben. Diener: Was ist denn geschehen? Schwer: Sie werden schon hören. Aber jetzt rasch an die Arbeit. (Gibt dem Diener einige Aufträge.) ll. Act. (Im Hause des Gemeinderathes H. A. Schwer.) Schwer: Habt Dank, meine Freunde, daß Ihr mir die Mädchen gebracht. Die sollen es bei mir gut haben. Ach, Ihr könnt Euch nicht denken, wie glücklich ich bin, seitdem ich die armen, bedauernswerthen Opfer unter meinem Dache habe. Wie wenn mir neues, frisches Blut durch die Adern liefe. Erster Freund: Ja, das hat sich herrlich gefügt. Schwer: Seitdem ich mit dem Jtzig Hilsner geschmaust, hat mir keine Mahlzeit mehr so gut geschmeckt, wie heute. Und damals hatte ich noch Pech. Der Judenbub hat nichts recht vertragen. Wie er drei Vierteln getrunken gehabt, konnte er überhaupt nicht mehr reden. Zweiter Freund: Ich Hab' nur eine Angst. Der Polizeiarzt, gewiß auch so ein Jud', hat ein Gutachten abgegeben, das mir nicht recht gefallen will. Schwer: Was, die Polizei will fich auch da drein mischen? Was sagte denn der Herr Doctor, der Jud'? ZweiterFreund: Die Polizei hat die armen Mädchen durch den Polizeiarzt vernehmen lasten und dieser hat erklärt, daß die Hautabschürfung am Arme der Jedliczka kaum einen Millimeter groß und ganz ungeeignet zur Vornahme einer Blutabzapfung gewesen. Schwer: Haba! Laßt's mich nur machen! Der Polizeiarzt wagt es, eine solche Erklärung abzugeben! Das ist ja