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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-18 · 16 (18.4.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochensüirifk. Seite 257 Haus, das Abgeordnetenhaus und 17 Landtage zusammengeuommen. Das habe sich am deutlichsten bei der Wahl des Dr. Lueger gezeigt, bei der „ein Veto dieses Geldjuden genügte, um seine Bestätigung zu vereiteln". Daß Rothschild um seine Meinung über die Bestätigung oder Nichtbestätigung Lueger's gefragt wurde, glaubt die „Deutsche Zeitung" wohl s lber nicht, und das Rothschild'sche „Veto" ist ihre eigenste alberne Erfindung. Davon ausgehend, ventilirt das Blatt die Frage, wie „die Macht des Judenthums gebrochen werden kann," und da kommt es auf den originellen Vorschlag, den Juden — nichts zu verkaufen. Kauft nicht bei Juden, — diese Parole genügt nicht. Man soll ihnen auch nichts verkaufen. Für einen jüdischen Händler oder Confectionär soll kein christlicher Gewerbetreibender arbeiten, in den Häusern der Juden soll kein Christ eine Wohnung miethen und die christlichen Hausbesitzer sollen keine Wohnung an einm Juden vermiethen. Ihren Töchtern müffen die Christen verbieten, in jüdischen Häusern Dienste zu nehmen, in ihre Geschäfte dürfen sie weder jüdische Gehilfen noch Lehrlinge nehmen. Man dürfe nicht dulden, daß sie als Richter, Lehrer oder Beamte angestellt werden und daß ihre Kinder „unsere" Schulen besuchen. Man müsse sie überall aus der Gesellschaft ausschließen, auch den Frauen und Töchtern den Verkehr mck ihnen verbieten. Aus der Advocatenkammer, der Gesellschaft der Aerzte, den Genossenschaften und den Vereinen müsse man sie hinauszudrängen suchen. Welche staatsmännische und ökonomische Einsicht, welche edle Gesinnung und Herzensgüte spricht aus diesen wenigen hier citirten Vorschlägen! Nur fürchten wir, daß es noch lange währen wird, bis alle diese wohlwollenden Rathschläge verwirklicht werden; bis dahin dürfte sogar die „Deutsche Zeitung" längst eingegangen sein. Das Heiterste in diesem originellen Artikel ist aber der Rath: „Wir dürfen jene jüdischen Schwindler und Gauner, die ins Ausland flüchten, nicht steckbrieflich verfolgen, sondern dort lassen, wo sie sind." Es sollte uns nicht wundern, wenn die jüdischen Gauner und solche, die es werden wollen, an die „Deutsche Zeitung" dafür, daß sie ihrer Standesinteressen sich so warm annimmt, eine Dankadresse richten und ihre Schriftleiter zu Ehrenmitgliedern ihres Gremiums ernennen. Das ist das Heiterste und zum Schlüsse erwähnen wir noch das Niederträchtigste aus dieser kostbaren Probe antisemitischer Denkungsart. „Wir dürfen ihnen", heißt es da, „weder das Bürgerrecht, noch die Zuständigkeit geben, sondern sie nur als geduldete Fremdlinge behandeln. Wir müssen sie für ihre Unarten mit einer empfindlichen Kopfsteuer belegen; dafür dürfte es sich empfehlen, sie vom Militär zu befreien, bei dem sie ohnehinnuralsSpione zu gebrauchen sind." Die Tausende jüdischer Soldaten, die den Fahneneid geschworen haben und des Kaisers Rock tragen, müssen sich von einem antisemitischen Schandblatte sagen lassen, daß sie „nur als Spione zu gebrauchen sind", und das Andenken jener jüdischen Soldaten, die in den Reihen des Heeres gekämpft und ihr Blut vergossen haben, darf durch den erstbesten Lotterbuben besudelt werden, der bei der Ausübung seines schmutzigen Handwerkes die Druckerschwärze mißbrauchen darf. Nochmals sei hier die Genugthuung über die vollständige Preßfreiheit ausgesprochen, unter deren Schutz die antisemitische Hetze betrieben werden darf, weil es nur von Vortheil ist, daß der Charakter der antisemitischen Bewegung in seiner ganzen Abscheulichkeit sich enthülle. Wenn in der Versammlung des christlichen Frauenbundes Prior Graf Mels-Colloredo erklärte, der Antisemitismus sei „nichts Anderes als Nothwehr gegen Uebergriffe einer Race", so sehen wir aus dem hier citirten Artikel der „Deutschen Zeitung", wie die saubere Gesellschaft sich diese Nothwehr vorstellt. Wenn aber der Herr Graf noch hinzuzufügen wagt, der richtige Antisemitismus vertrage sich vollständig mit dem Christenthum, so müßte er, wenn es nach Gerechtigkeit ginge, in Anklagestand versetzt werden wegen Beleidigung des — Christenthums. * * * Alle Festversammlungen der sogenannten christlichen Frauenvereinigungen, in welchen man immer und immer wieder denselben weiblichen Gestalten begegnet, welche der schöne Karl zur Agitation abgerichtet hat, alle Anstrudelungen des Doctor Lueger und seine vielfachen Ernennungen zum Ehrenmitglied dieses und jenes Conventikels vermögen darüber nicht hinwegzutäuschen, daß das Urtheil über diese Clique, die sich in Wien der Herrschaft bemächtigt hat, in der Bevölkerung sich allmälig klärt und zur richtigen Erkenntniß durchringt. (Sin wesentliches Verdienst daran gebührt den Parlamentsdebatten; hier wurde erst in den letzten Tagen das schmachvolle Vorgehen der Christlich- Socialen gegen die jüdischen Lehrer wirksam charakterisirt. Unmännlich. unwürdig, gemein und perfid nannte Herr Seitz das Vorgehen des Dr. Lueger gegen jene Lehrer, die nichts anderes verbrochen haben, als daß sie das Unglück hatten, als Juden auf die Welt zu kommen. Auch dieses Vorgehen also ist „Nothwehr gegen die Uebergriffe einer Race." Zu dieser Nothwehr gehört es wahrscheinlich auch, den Bau eines jüdischen Waisenhauses zu hindern, wahrscheinlich, weil die jüdischen Waisenkinder einst heranwachsen und die christliche Bevölkerung unterdrücken könnten. Folgerichtig müßte man sie eigentlich ertränken, bevor sie heranzuwachsen drohen. Weil das aber umständlich und vielleicht doch nicht ganz zulüffig ist, so soll wenigstens der Bau des israelitischen Waisenhauses in der Gebhartgaffe vereitelt werden,- und eine Leuchte des antisemitischen Spießerthums, der Herr Bezirksrath Kraft, brachte als Motiv dafür vor, „damit nicht die Schulen Döblings durch jüdische Kinder aus allen Gauen verseucht werden." Dem Bezirksvorsteher Langweber bereitete es große Freude, mittheilen zu können, daß der Bau nicht bewilligt worden sei. Kampf gegen jüdische Waisenkinder, gegen arme jüdische Studenten, gegen jüdische Lehrer — Herr Graf Mels-Colloredo, sagen Sie uns doch aufrichtig, verträgt sich das wirklich mit dem Christenthum? Isegrim. Traurige Folgen der Blutlüge. In einer niederösterreichischen Bezirksstadt erkrankte vor Kurzem das Kind eines christlichen Arbeiters an typhösen Erscheinungen. Es lagen aber Anzeichen für Milliar-Tuberculose vor, welche den behandelnden Arzt — einen Juden — bestimmten, zur Feststellung einer genauen Diagnose die sogenannte „Blutprobe" vorzunehmen. Dieselbe erfolgt derart, daß dem Kranken mit einer Lanzette einige Tropfen Blut zur chemischen Untersuchung entzogen werden. Der Arzt hatte bereits alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen, als er das „Blutmärchen von der Pramergasse" las. Ein wohlmeinender christlicher College, mit dem er die Sache besprach, rieth ihm von der Vornahme der Blutprobe ab. „Wenn Aberglaube und Dummheit", sagte er, „wirklich so tief in den unteren Volksschichten wurzeln, dann halte ich es für gefährlich, knapp vor den jüdischen Ostern eine solche Operation vorzunehmen, deren Zweck den Laien nicht sofort erkennbar ist und die zu den vollsten Mißdeutungen Anlaß geben kann." Mit schwerem Herzen fügte sich der jüdische Arzt dem Rathe des Freundes, obwohl dadurch die Diagnose erschwert und das Leben des Kindes in Gefahr gebracht wurde. So übt die Bluthetze auch schon ihre bedenklichen Rückwirkungen auf die ärztliche Wissenschaft. Die Juden in der Landwirthschaft. Die Juden als Ackerbauer in Rußland erhalten von dem Agronomen I. A. Kowalski, welcher vor einigen Jahren von der rnssisch-'n Regierung zum Pfleger der jüdischen Colonien des Gouvernements Jekaterinoslaw bestellt worden ist, ein überaus glänzendes Zmgniß. „Man muß selber sich längere Zeit in den jüdischen Dörfern aufgehalten haben", berichtet der christliche Regierungsbeamte, „um sich von der Tüchtigkeit, dem Fleiße und der Sauberkeit der zehntausend jüdischen Bauern des Gouvernements Jekaterinoslaw zu überzeugen. Jedes jüdische Dorf macht auf den Fremden den Eindruck einer Musterwirthschaft; die Straßen zeichnen sich durch Sauberkeit aus und die Häuser sind mit Vorgärten umgeben, in denen die jüdische Bäuerin ihr Gemüse u. s. w. baut. Kein Dorf besitzt eine Schenke oder Verkaufsstelle für Schnaps; die Leute sehen gesund und blühend aus und die jüdischen Recruten aus diesen Dörfern werden in der Regel zur Artillerie genommen. Die vielfach verbreitete Ansicht, die Juden eignen sich für die Landwirthschaft nicht, wird durch die jüdischen Colonien des Gouvernements Jekaterinoslaw gründlich widerlegt. Ich selber", so schließt Herr Kowalski seinen Bericht, „tun bis vor wenigen Jahren dieser Ansicht gewesen. Jetzt bin ich jedoch eines Besseren belehrt worden und bin fest davon überzeugt, daß unter gewiffen Verhältniffen aus jedem Juden ein vorzüglicher Bauer werden kann." Dasselbe gilt von den jüdischen Tabakbauern in Südrußland. Der Tabakbau, welcher bis vor 20 Jahren in Südrußland in hoher Blüthe gestanden hat, ist mit dem Inkrafttreten des Gesetzes vom Jahre 1882, durch welches der Bauer in dem Vertrieb seines Productes sehr eingeengt worden ist, rapid zurückgegangen. Gegenwärtig liegt der Tabakbau in den beiden Gouvernements Beffarabien und Podolien ausschließlich in den Händen der Juden, die ihren Producte selbst unter den erschwerten Umständen günstigen Absatz

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