Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Dr. Bloches Wochenschrift. Sette 247 Hause Aron" ein, der um sein Volk besorgte Staatsmann — Esra. — Die Statue des Herrn Bernstein-Sinajeff stellt uns den biblischen Vertreter im Augenblicke seiner Trauer und Schmerzen um das jüdische Volk vor. Der Ausdruck der Verzweiflung und des niederdrückenden, bewältigenden Kummers ist im Marmor in vollem Lichte wiedergegeben, und die Lorbeeren, die der junge Bildhauer sich auf der Pariser Weltausstellung erworben, hat er redlich verdient. Am 27. v. M. fand in St. Petersburg im Börsenhospitale zur Erinnerung an den hochseligen Kaiser Alexander ll. die feierliche Einweihung der neuen Baracke statt, die den Namen des Barons Joseph v. Günzburg trägt, in Gegenwart der Vertreter des Finanzministeriums, namentlich des Gehilfen des Finanzministers, Geheimrath Kowalewsky und anderer Persönlichkeiten. Nach dem Gottesdienste trug der Oberarzt des Hospitals, Dr. Fomin, die Geschichte der Entstehung dieser Baracke vor. Im Anfänge des Jahres 1898 drückte das Mitglied des Börsenc omits, der wirkliche Staatsrath Baron Horace von Günzburg, den Wunsch aus, 25.000 Rubel für eine Baracke im Börsenhospital, die den Namen seines Vaters Joseph von Günzburg tragen soll, zu spenden, und zwar für bemittelte Kranke, die nicht im allgemeinen Hospital sich curiren lasten wollen. Die ganze Baracke kostet ungefähr 35.000 Rubel. Am Schluffe seines Vortrages sprach Dr. Fomin im Namen des Aerztepersonals den innigsten Dank dem Finanzminister für seine herzlichen Beziehungen zu den Aerzten des Börsenhospitals und dem Baron Horace von Günzburg für seine hochherzige Spende aus. W. I. Kowalewsky brachte den Trinkspruch auf den Kaiser und die kaiserliche Familie aus. A. I. Protorow trank auf das Wohl des Staatssecretärs Witte und der Vertreter des Finanzministeriums. Kowalewsky übergab im Namen und Aufträge des Finanzministers einen Gruß dem edlen Spender, den Mitgliedern des Börsencomitäs und der Hospitalverwaltung. Canada. Vor einem hiesigen Gericht hat sich kürzlich ein antisemitischer Conflict abgespielt, der bis vor die höchste Instanz in Canada und eventuell selbst vor den Geheimen Staatsrath in der britischen Reichsmetropole in London gebracht werden soll. Der Richter Papnulo ist als ein grimmiger Antisemit bekannt Selten einmal, wenn je, hat ein Jude bei ihm einen Proceß gewonnen. Als neulich in einem Civilprocesse ein Jude der Verklagte war, sagte der Richter: „Es handelt sich um einen Juden." Der Vertreter des Verklagten, Rechtsanwalt Crantschaw, hatte das gehört und sagte daher, zumal der Richter sich sogar eine Verletzung der Proceßordnung erlaubte: „Obgleich mein Client ein Jude H, hoffe ich doch, daß Ew. Lordschaft bei Ausübung der richterlichen Befugnisse nicht vergessen werden, daß im britischen Reiche Alle ohne Unterschied der Abstammung und des Bekenntnisses gleich sind." Das nahm der Richter gehörig krumm, erklärte diese Worte für eine Beleidigung des Gerichtshofes und verlangte eine Bitte um Entschuldigung. Der Anwalt erwiderte, er habe keine Ursache, um Entschuldigung zu bitten. Er habe nur gemäß seiner Pflicht seinem Clienten gegenüber gehandelt, besonders da Se. Lordschaft, als die Parteien aufgerufen wurden, bemerkt habe: „Es ist ein Jude." Der Richter suspendirte hierauf den Anwalt. Dieser will die Angelegenheit im Parlament zur Sprache bringen lasten und eventuell auch an den Geheimen Staatsrath in London appelliren. Vermischtes. Wien. Das Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte sendet uns nachstehenden Aufruf, den wir allen Freunden der jüdischen Gewerbsleute zur Würdigung eindringlichst empfehlen. Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte (r. G. m. b. H.). Eine tiefempfundene Lücke im wirthschaftlichen und geschäftlichen Leben des sogenannten „kleinen Mannes" im Judenthum füllt das Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte aus. Sehr oft hängt die Existenz der ganzen Familie eines kleinen jüdischen Geschäftsmannes oder Beamten von der Beschaffung eines kleinen billigen Credites ab. Schon während seines kurzen Bestandes ist dieses jüdische Creditinstitut in die Lage gekommen, ganze Familienexistenzen vor dem Ruin zu retten. Die gedrückte Lage der kleinen jüdischen Geschäftsleute, Gewerbetreibenden und Beamten ist jedoch eine so empfindliche, daß dieses eminent humanitäre Institut nur dann den an dasselbe gestellten Anforderungen seitens der Creditsuchenden gerecht werden kann, wenn sich alle Schichten des Judenthums und hauptsächlich die Bemittelteren durch größere Einlagen, Uebernahme von Antheilscheinen oder Beitritt zum Sicherstellungsfonde seiner Action anschließen und es in seinem Rettungswerke unterstützen. Die Direction des Creditinstitutes stellt daher an alle gutgesinnten Juden das höfliche Ersuchen, dasselbe nach Gutdünken fördern zu wollen. Die Statuten des Institutes stehen Jedermann zur Verfügung. Wien. (Ehrenbürgerrecht.) Der Großindustrielle k. k. Commercialrath Isidor Mautner, Chef der Firma Jsaac Mautner Sohn, wurde von der Gemeinde Schumburg (Böhmen) zum Ehrenbürger ernannt. Wien. (Leopoldstädter Frauen-Wohlrhätigkeits- Berein und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort.) Sonntag, den 13. April 1902, halb 11 Uhr Vormittags, findet im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort, II., Obere Donaustraße Nr. 65, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes. 2. Caffabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Neuwahl des Vorstandes, Beirathes und der Revisoren. 5. Mittheilung und Beschlußfassung über geplante Statutenänderung. 6. Anträge und Interpellationen. Für die Bereinsleitung: Berta Kohn, Präsidentin, Lina Weiß, Schriftführerin. Wien. (1. Verzeichniß der für die ausgeraubte Familie Lampel in Mähren, laut unseres Aufrufes in Nr. II vom 14. Märzd. I. eingegangenenBeträge.) Herr Bernhard Weinreb, Wien K 80, Herr Alb in Weinreb, Wien K 10, Herr Ludwig Weinreb, Wien K 10, Frau Dr. Jda Spitzer, Wien K 10, Frau Alice Herbert, Wien K «, Barmherzigkeit, Wien K 4, Herr Dr. Berthold Knöpfelmacher, Advocat. Leitmeritz K 50, Herr Sigmund Knöpfelmacher, Loschitz K 20, Herr Dr. Bernhard Fuchs, Bistritz a. H. K 8, Herr Dr. Leopold Toff, Bistritz K 2, Frau Witwe Julie Zifferer, Bistritz K 2, Herr David Grimm, k. k. Schatzmeister, Olmütz K 10, Herr Leopold Ehrlich. Loschitz K 5, Herr Max Pollak, Sternberg K 4, Herr Adolf Singer, Riean K 5, Herr Sigmund Weiß, M.-Ostrau K 2, Frau Lina Haas. Stadtliebau K 5, Frau Witwe Haas, Barn K 2, Herr N. Karptus, Barn X 2; Summe K 187. Bernhard Weinreb, VII., Neustiftgasse 23. Wien» (Bau eines Tempels im Allgemeinen Krankenhause.) Im sogenannten „Thurmtracte" des Allgemeinen Krankenhauses wird — wie wir erfahren — demnächst mit dem Bau eines israelitischen Bethauses begonnen werden. Der neue Tempel, deffen Erbauung auf Kosten der Wiener Cultusgemeinde erfolgt, soll einen Faffungsraum sür hundert Personen haben. Bisher wurde an den hohen jüdischen Feiertagen der Gottesdienst für die im Krankenhause in Pflege befindlichen Israeliten in einer von der Spitalsdirection sür diese Zwecke zur Verfügung gestellten Baracke abgehalten. Wie verlautet, soll der Bau schon im heurigen Herbste seiner Bestimmung übergeben werden. Wien. (B linden-Sparkörbchen.) Das Curatorium des Blinden-Jnstitutes „Hohe Warte" spricht die höfliche Bitte aus. diejenigen Körbchenbesitzer, deren Spenden wegen Mangels richtiger Adressen nicht eincastirt werden konnten, mögen ihre Körbchen gefälligst bis längstens 13. d. M. täglich zwischen 10—12 Uhr Vormittags bei Frau Curatorin Fanny B ä ch e r, l. , Rathhausstraße 19, abgeben. Wien. (Trauung.) Am 6. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Helene Scheuer. Tochter des seligen Herrn N. Scheuer, mit Herrn Nathan Wollisch. Kaufmann in Wien, Sohn des langjährigen Vorstehers der israelitischen Cultusgemeinde in Stanislau Herrn Hirsch Wollisch, statt. Prediger Dr. Gelb haus würdigte in seiner Trauungsrede die Verdienste des Vaters des Bräutigams. Die cantorale Function versah Obercantor Kläger mit seinem gutgeschulten Chor unter Leitung des Cantors Pekarnik. Wien. (Brigittenauer Israelitischer Unterst ü tz u n g s - V e r e i n.) Der Brigittenauer Israelitische Unterstützungs-Verein veranstaltete am 22. v. M. im Prachtsaale des „Hotel Continental" seinen diesjährigen Purimball, der einen äußerst animirten Verlauf nahm. Um das Fest haben sich vor Allem der Vereinsvorstand und der Obmann des Ballcomites Herr Dr. Jacob Schreiber große Verdienste erworben. Unter den Klängen der Polonaise zog das Comitö in den Saal ein. Der Tanz wurde von Herrn Dr. Jacob Schreiber mit Frl. Elsa Körner eröffnet. Hieran'