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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 244 Dr. Bloch's WochsnfchrM Nr. 15 Sinnes, sowie ihrem körperlichen Gedeihen wird besondere Sorgfalt zugewieseu. Die Vereinsleitung ist darauf bedacht, die Schützlinge den verschiedensten Berufsarten zuzuführen und dieselben im Kleidermacheu, im Schirm-- und CravatLengewerbe, in der Kunststickerei, im Modisteufache, im Frisiren u. s. w. ausdilden zu lassen. Den Begabteren wird Unterricht in Buchhaltung, Maschiuschreiben und Stenographie ertheilt, schließlich andere wieder zu Köchinnen und Stubenmädchen herangebildet. Infolge der stets wachsenden Zahl der Zöglinge hat sich die Vereiusleitung genöthigt gesehen, geräumigere Localitaten für die Unterbringung des Hortes zu miethen, der sich nunmehr II. Obere Donaustraße 65 befindet und Unterkunft für 30 Mädchen gestattet. Zum großen Leidwesen ist der Verein nicht in der Lage, die zahlreichen Gesuche um Aufnahme in den Hort berücksichtigen zu können, weil es die knapven Geldmittel nicht gestatten. Es muß zu dem Aushilfsmittel gegriffen werden, außerhalb des Hortes armen Mädchen durch Zuweisung von Lehrmitteln, von Aufding- und Freisprechgeldern, sowie durch Gewährung von Kleidung und Wäsche die Erlernung eines Gewerbes thunlich zu erleichtern. Diese Exteruisten, derzeit 46 an der Zahl, werden jedoch gleichfalls systematisch beaufsichtigt und nach erfolgter Ausbildung durch Zuweisung von Arbeit und Verdienst berücksichtigt. Der Jahresbericht spricht allen Förderern und Gönnern des Vereines gebührenden Dank aus, insbesondere dem Curatorium derBaronHirsch'schen Stiftung und der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, und hebt weiters hervor, daß Se. Ehrwürden, der greise Rabbiner Dr. Adolf S ch m i e d l sich hervorragende Verdienste um das Aufblühen des Vereines erworben hat, und daß die Vereinsleitung in dankbarer Anerkennung den einhelligen Beschluß gefaßt hat, Herrn Rabbiner Dr. Schmiedl zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. Der Bericht gedenkt ferner des wohlwollenden Interesses, dessen sich der Verein durch die Zeitungen, namentlich durch die „O e st e r r e i ch i s ch e Wochenschrift", zu erfreuen hatte. Betrübend ist der Umstand, daß der Gebahrungsausweis mit einem Deficit von nahezu 5000 Kronen schließt, welches durch das Stammcapital gedeckt werden mußte, daher an die Glaubensgenossen der warme Appell ergeht, die hehren Zwecke des Vereines intensiv und extensiv zu fördern und für die gebrachten Opfer denLohn darin zu finden, das Elend und die Noth Tausender armer jüdischer Familien gemildert und einer großen Zahl von im jugendlichen Alter befindlicher Mädchen den Weg geebnet zu haben, sich durch Erlernen eines Gewerbes in anständiger Weise fortbringen zu können. Dem gesammten Vereinsvorstande sei für dessen aufopfernde und hingebende Thätigkeit im Interesse des Vereines der Dank zum Ausdruck gebracht, denn es hat der Anspannung aller Kräfte bedurft, um die schönen Resultate zu erzielen, auf welche die Vereinsleitung mit Befriedigung und Genugthuung zurückzublicken vermag. Eduard Beer. Wien. (Generalversammlung des I. israelitischenReconvalescentenheimfürarmejüdis ch e F r a u e n u n d K i n d e r, Wien, ViII., Langegasse 1.) 3äugst fand die Generalversammlung dieses Vereines unter großer Betheiligung der Vereinsmitglieder im Hotel „de Frantze" statt. Nach Erstattung des Berichtes über das abgelausene Bereinsjahr durch den verdienstvollen Obmann Herrn Fabrikanten Leopold Guttmann, welcher von der Generalversammlung mit großem Beifall zur Kenntniß genommen wurde, berichteten die Herren Revisoren Dr. Alfred Schlesinger und S. Steiner über die vorgenommene Prüfung der Bücher und der Cassa, constatirten die größte Ordnung und beantragten, der Vereiusleitung das Absolutorium zu ertheilen, welcher Antrag von der Generalversammlung einstimmig angenommen wird. Die Generalversammlung wählt sohin den bereits früher cooptirten Herrn Med. Dr. Carl Koch zum Caffier. An Stelle des Jos. Czerwenka wurde Herr Manuel Schwager zum Jncassanten bestellt. Frau Präsidentin Amalia Beck macht die erfreuliche Mittheilung, daß der Verein im abgelaufenen Jahre einen großen Aufschwung zu verzeichnen hat, nachdem seine Mitgliederzabl von 357 auf 467 gewachsen ist. Herr kaiserlicher Rath Anninger gibt die Anregung, die Verwaltungskosten zu verringern, hingegen möge die Vereinsleitung an die Auszahlung von Unterstützungen an Reconvalescente schreiten. Der Obmann Herr Guttmann gibt die nöthigen Aufschlüsse, welche der vorgenannte Herr Redner zur Kenntniß nimmt. Hierauf ergreift Herr Rabbiner Dr. Sigmund Gelbhaus, Obmann-Stellvertreter des Vereines das Wort zu einer längeren Rede, in welcher er an die Generalversammlung den Appell richtet, schon jetzt mit der Unterstützung von Reconvalescenten durch Unterbringung derselben in Privatpflege vorzugehen, und motivirt dies damit, daß dies der Zweck des Vereines sei und daß die in Aussicht genommene Begründung eines Heimes die gegenwärtige Unterstützung durchaus nicht ausschließr. An der sich diesfalls entspinnenden Debatte betheiligten sich lebhaft die Herren Dr. Saxl, Herr Schriftführer Architekt Jakob Modern, ferner, die Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Schlesinger und Dr. Grimm. Diese Debatte führte zum Resultate, daß der Vorschlag des Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus in einer besonderen Vorstandssitzung zur Berathung gelangen wird. Herr Guttmann spricht als Obmann des Vereines der rühmlichst bekannten Präsidentin Frau Amalia Beck für ihr opfervolles Wirken namens des Gesammtvorstandes den besten Dank aus, deren rastlosen Anstrengungen es mitzuverdanken ist, daß der junge Verein, trotz seines kurzen Bestandes, sich allge.ueiner Sympathie in der gesammten Bevölkerung erfreut, wodurch gegründete Hoffnung vorhanden ist, daß sein echt humanes Ziel in kürzester Zeit verwirklicht werden wird. Wien. Der Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultus gemeinde in Wien I., Seitenstettengasse 4, versendet seinen einundvierzigsten Jahresbericht für das Jahr 1901, dem sich der 28. Jahresbericht über sein israelitisches Mädchen-Waisenhaus in Wien XIX., Ruthgaffe 21, anschließt. Der Verein trägt für Waisen, erstens durch Aufnahme in sein Waisenhaus, zweitens durch Gewährung von regelmäßigen Erziehungsbeiträgen, drittens durch einmalige oder wiederholte Unterstützung, Sorge. Das Waisenhaus zählt gegenwärtig 73 Zöglinge weiblichen Geschlechtes, welche Zahl mit der Zeit wird hoffentlich erhöht werden können. Die Erziehungsbeiträge erfolgen vierteljährlich im Vorhinein und schwanken zwischen K 60 uud K 150 pro Kops. Die Versorgung der Gesammtheit der Schützlinge beanspruchte die Summe von X 87.410'40, wovon K 42.347'08 auf das Conto des Waisenhauses entfallen. (Vorjähriges Gesammtersorderniß X 104.192'07.) Dem Berichte folgt eine Cassagebahrung, ein Verzeichniß der Jahresbeiträge und Verzeichnisse der verschiedenen Spenden und Legate. Aus dem Berichte des Schutzdamen-Comites entnehmen wir folgende Einzelheiten: Am 1. Jänner 1901 befanden sich 58 Zöglinge im Hause, im Laufe des Jahres wurden 6 entlassen und 10 neu ausgenommen, so daß sich die Zahl der Zöglinge wieder auf 62 beläuft. Davon besuchen 31 die Volksschule, 16 die Bürgerschule, 5 die gewerblichen Fortbildungsschulen, 2 die Bildungs-Anstalt für Kindergärtnerinnen, II, Schiffamtsgasse 15, 2 die Handelsschule Allina, i die Handelsschule Weiß, 4 sind bei Schneiderinnen in der Lehre und 1 ist im Hause beschäftigt. Den Unterricht im Französischen genießen 20 Mädchen in der Schule, 4 werden im Hause von Frl. Mizzi Quittner unentgeltlich unterrichtet, wofür derselben neuerdings der Dank und die Anerkennung ausgesprochen wird. Der Clavierunterricht wird im Hause 6 musikalisch begabten Zöglingen ertheilt. Für den ausgezeichneten Gesangsunterricht des Herrn Obercantor Singer an sämmtliche Zöglinge fühlt der Verein sich fortdauernd dankbar verpflichtet. Bis nun haben 203 Waisenmädchen im Hause Aufnahme gefunden. Von den Ausgetretenen sind 25 verheiratet, 29 üben die Kindergärtnerei aus, 1 ist Malerin, 2 sind Kunststickerinnen, 1 Schriftstellerin, die übrigen sind Angestellte in Geschäftshäusern oder finden ihren Erwerb als Handarbeiterinnen; gestorben sind 7. Die Hausmutter Frau Hermine Strakosch leitet das Hauswesen und die Erziehung der Kinder in sehr zufriedenstellender Weise. Die Lehrerinnen Frl. Rosa Bodenstein, Frl. Helene Maier und Frl. Deboray Rosiner theilen sich in die Correpetition, in den Handarbeitsunterricht und in die Geschäfte des Hauses, sowie in die Beaufsichtigung der Zöglinge. Auch diesem Berichte folgt ein Cassa-Ausweis. In beiden Jahresberichten wird den Gönnern

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