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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-11 · 15 (11.4.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 243 Correspondenzen. Generalversammlung des „Ferienheim". Im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Cultusgemeinde fand Dienstag den 8. April die diesjährige Generalversammlung des „Ferienheim" statt. Nebst zahlreichen Mitgliedern und Gönnern des Vereines hatten sich eingefunden: Herr Baurath Theodor Ritter v. Goldschmidt als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Ersten Secretär Herrn kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben, Herr Emanuel G r ü n w a l d als Vertreter der Cultusgemeinde Floridsdorf, die Damen: Zifferer, Fröhlich und S ch e ff t e l namens des Vereines „Frauenhort", Vertreterinnen des „Vereins für Hausarme", des „Floridsdorfer Frauen-Wohlthätigkeitsvereines", des „BrigittenauerFrauen-Wohlthätigkeitsvereines", des Vereins „Providentia", ferner die Herren : Dr. I. S. Bloch, Bezirksrath W a l d st e i n u. A. m. Die Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d eröffnete die Versammlung, constatirte deren Beschlußfähigkeit und begrüßte die Erschienenen. Auf den Bericht der letzten zwei Vereinsjahre übergehend, wies die Präsidentin darauf hin, daß sich der Verein nicht darauf beschränkt habe, innerhalb der bei der vor zehn Jahren erfolgten Gründung gezogenen Grenzen seine Thätigkeit auszuüben. So hat der Verein nebst seinen Feriencolonien auch eine Colonie für scrophulose Kinder in Bad Hall und eine Colonie für herzkranke Kinder ins Leben gerufen. Die Präsidentin dankte allen Förderern und Mitgliedern für die Unterstützung, die sie dem Vereine angedeihen ließen, so auch den Mädchencomitös in Wien und Brünn, welche dem Vereine eine wackere Hilfstruppe bedeuten. Nunmehr gedachte die Präsidentin jener Gönner, die der Tod im letzten Jahre hinweggerafft hatte, der Frauen Sofie Landau, Sofie A b e l e s, Rosa Hildesheimer, der Herren: Hermann G o l d e n b e r g, Bernhard H e l l m a n n und Philipp Bondy. Zum Zeichen der Trauer erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Nach Genehmigung des Thätigkeitsberichtes ergriff die Cassierin Frau Adele N e u m a n n das Wort zur Erstattung des Cassaberichtes und gab ein klares Bild der Gebahrung und des momentanen Bermögensstandes des „Ferienheim". Demselben ist zu entnehmen, daß der Verein „Ferienheim" zum ersten Male während seines nun zehnjährigen Bestandes im abgelaufenen Jahre die geringe Capitalsreserve, welche er besitzt, angreisen mußte, um die Auslagen für die Colonien decken zu können. Während die Gesammtbeiträge im Jahre 1900 sich auf K 23.857 beliefen, sanken dieselben im Jahre 1901 auf X 18.852. Die Ausgestaltung des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz war ebenso unaufschiebbar, wie die Creirung einer Colonie für Herzkranke Kinder, und so kam es, daß für das Jahr 1901 ein Gebahrungsdeficit von rund K 10.000 resultirt. Es ist bedauerlich, wenn ein Verein, der sich die Aufgabe stellt, dem theuersten Gute jüdischer Eltern, den armen Kindern, Gesundung und Erholung zu bringen, wenn ein solcher Verein einen Rückgang in den Einnahmen zu verzeichnen hat. Der Cassabericht schloß mit dem Appell, dem Vereinsvorstande die nöthige Unterstützung angedeihen zu lassen, zum Wachsen und Gedeihen der schönen Institution. Namens der Revisoren erstattete nun Herr Wilhelm Freyberg den Revisionsbericht, in welchem die Correctheit der Cassagebahrung constatirt und dem Vereins- Secretär Herrn F u ch s g e l b für die sachgemäße, correcte und sorgfältige Führung der Bücher die Anerkennung ausgesprochen wurde. Der Antrag des Herrn Freyberg, dem Vereinsvorstande das Absolutorium zu ertheilen, wurde einstimmig angenommen. Im Sinne der Statuten wurden gemäß dem Vorschläge des Vorstandes die Damen: Clara Berger, Antonie Graf und Antonie P a s s a u e r, welche sich große Verdienste um den Verein erworben haben, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger referirte als juridischer Beirath des Vereines über die Aenderung eines Punktes der Statuten, und es wurde gemäß dem Referentenantrage beschloffen, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 18 auf 22 zu vermehren. Die Revisoren: Herren kaiserl. Rath N. Schefftel, Wilhelm Freyberg und Friedrich F a n t o wurden einstimmig wiedergewählt. Für die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder fanden nun die Ergänzungswahlen statt. Wiedergewählt wurden die Damen: Caroline Deutsch, Adele F r i e d m a n n und Caroline Rosenbaum, neugewählt die Damen: Käthe Kauders, Sofie Lieben, Melitta Nobel und Frau L. Pechkranz. Die Präsidentin dankte nun den aus dem Vorstande scheidenden Damen, Frau Bieepräsidentin Julie Fi all a und FrauJ. Schnabel, für die dem Vereine geleisteten Dienste und gab der Erwartung Ausdruck, daß die Scheidenden dem Vereine auch weiterhin ihre Sympathie bewahren werden. Jnsbesonders würdigte die Präsidentin die Verdienste der seit seinem Bestehen dem Vereine treu zur Seite gestandenen Bieepräsidentin Frau F i a l l a. Sie gab unter Zustimmung der Versammlung dem Bedauern Ausdruck, daß es trotz vieler Bemühungen nicht gelungen ist, die um den Verein hochverdiente Bieepräsidentin, die der guten Sache jederzeit hingebungsvoll diente und eine liebenswürdige Collegin war, zum Verbleiben im Amte zu bestimmen. Namens des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde ergriff nun Herr Baurath Ritter v. Goldschmidt das Wort, um dem Vereinsvorstande die wärmste Anerkennung auszusprechen. Die Ziffern des Jahresberichtes, führte der Redner aus. sprechen eine beredte Sprache. Sie zeigen uns, wie dieser Verein, ein Werk unserer Frauen, sich aus bescheidenen Anfängen zu bewundernswerthesten Leistungen emporgeschwungen hat, sie beweisen uns die Opferwilligkeit, die Ausdauer und den Muth der jüdischen Frauen. Namens des Cultusvorstandes, deffen wärmster Sympathie der Verein sicher sein kann, wünscht der Redner dem „Ferienheim" ein weiteres Blühen, Wachsen und Gedeihen. — Frau Antonie Graf dankte noch für ihre Ernennung zum Ehrenmitgliede und beantragte, noch andere um den Verein verdiente Personen zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. Dieser Antrag wurde zwar acclamirt, konnte jedoch im Sinne des § 4 der Statuten dieser tagenden Generalversammlung nicht mehr unterbreitet werden. — Herr Freyberg wies nun auf die ganz außerordentlichen Leistungen der Bereinspräsidentin Frau Sofie Grünfeld hin. und beantragt, dieser nimmermüden, wackeren Menschenfreundin den Dank durch Erheben von den Sitzen zu bezeugen. (Geschieht.) Nunmehr dankte die Präsidentin für diese Auszeichnung und damit fand die Versammlung ihren Abschluß. Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Verein und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in Wien. Unter den jüdischen Humanitären Vereinen Wiens nimmt der „Leopold st ädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein und Kaiserin Elisabeth- Lehrmädchenhort" eine der ersten Stellen ein und verdient es wahrlich, daß die Aufmerksamkeit nicht nur der Wiener, sondern der Glaubensgenossen der ganzen Monarchie auf ihn gelenkt wird. Insbesondere gereicht dem genannten Vereine zum Lobe, daß er sich die Ausbildung meist verwaister Mädchen zu selbstständigem Berufe zur Aufgabe gemacht hat. Dem eben erschienenen Vereinsberichte ist zu entnehmen, daß an hilfsbedürftige Witwen und Waisen über 10.000 K an Unterstützungen vertheilt wurden. Außerdem wurde an Familien, wo es die Verhältnisse erforderten, Maschinen und Arbeitsmaterial unentgeltlich überlassen, sowie durch Unterricht im Frisiren und anderen Gewerben die Möglichkeit geboten, durch eigene Arbeit ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen. Der Verein ist mit einem Beitrage von 1000 K dem Centralverbande armer israelitischer Wöchnerinnen beigetreten, wodurch ermöglicht worden ist, vielen armen Frauen in der schweren Zeit der Noth und des Elends hilfreich zur Seite zu stehen. Bei drohenden Delogirungen hat der Verein mit allen zu Gebote stehenden Mitteln helfend eingegriffen und bei Erkrankungen durch Gewährung ausgiebiger Unterstützungen, insbesondere durch Curbeiträge der drückendsten Noth abgeholfen. Der Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort, welcher einen wahren Glanzpunkt des Vereines bildet, und zu immer größerer Blüthe und Entfaltung gelangt, ist eine Heimat ausschließlich für Lehrmädchen. Diese werden durch die Vereinsleitung ordnungsgemäß für ein Gewerbe aufgedungen, erhalten während der ganzen Dauer ihrer Lehrzeit unentgeltlich Unterkunft und gänzliche Verpflegung im Hort und werden nach vollendeter Lehrzeit auf Kosten des Vereines freigesprochen. Der oftmals vernachlässigten Erziehung der Lehrmädchen wird besondere Aufmerksamkeit zugewendet und der Entwicklung ihres moralischen, religiösen und häuslichen

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