Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Dr. BLoch's Wochenschrift. Seite 331 Wien. Für die unglückliche Familie Keßler („Oesterreichische Wochenschrift" Nr. 6) sind bei der Sammelstelle Emil Jelinek I., Seitenstettengasse 5, eingegangen: Anonym K 20, C. H. K 4, Rabbiner Freund K 2, Fritz und Milly L 2, bereits ausgewiesen L 264. In Summa K 292. Wien. (Generalversammlung.) Dienstag den 8. d. M., halb 5 Uhr Nachmittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 4, die diesjährige Generalversammlung des »Ferienheim" statt. Die Mitglieder werden gebeten, sich rechtzahlreich zu betheiligen. Wien. (Israelitischer Synagogen- Verein „Beth Israel" nach polnisch-jüdischem Ritus.) Sonntag den 6. April d. I., um 3 Uhr Nachmittags, findet im Sitzungssaale, II., Leopoldsgasse Nr. 29, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Verlesung des Rechenschafts- und des Cassaberichtes. 3. Bericht der Rechnungsrevisoren. 4. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern, 1 Bethausvorsteher, 3 Rechnungsrevisoren und 3 Schiedsrichtern. 5. Eventuelles. Wien. (Verein für jüdische Kunst und Literatur.) Sonntag den 30. März hielt im Saale des jüdischen Volksvereines Herr M. A. Fürst einen Vortrag über »Samson Wertheimer und die österreichischen Juden". Redner zeichnete in markigen Zügen die überragende Persönlichkeit dieses als Talmudgelehrter, als Mensch und als Kaufmann gleich ausgezeichneten Mannes, der, ein treuer Diener seines kaiserlichen Herrn und seines Landes, den bedeutenden Einfluß, den ihm seine Stellung eines Ober-Hof- und Kriegsfactors gab, stets zum Besten seiner gedrückten Glaubensgenossen geltend machte. Eine eingehende Schilderung der damaligen Verhältnisse, soweit sie die Judenschaft betrafen und drastische Jllustrirung derselben fanden bei dem zahlreichen Auditorium gespannte Aufmerksamkeit und lebhaften Beifall. I. Wien. Der bekannte Schriftsteller und emeritirte Prediger Dr. S. Grün wurde abermals von einem harten Schicksalsschlage getroffen. Sein reichbegabter und hoffnungsvoller einziger Sohn, Eduard Grün, ist am 30. März im Spitale der Barmherzigen Brüder nach kurzem Leiden im Alter von 22 Jahren gestorben und wurde Dienstag zu Grabe getragen. Obercantor Oesterreicher vom Tempel in der Brigittenau verrichtete mit prachtvoller und kräftiger Stimme und mit tiefer Empfindung in der Leichenhalle die rituellen Gebete, welche ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht verfehlten. Der gramgebeugte und ganz gebrochene Vater war nicht im Stande, seinem Sohne einige Worte des Abschiedes zuzurufen. Dieser Aufgabe unterzog sich ein Freund der Familie, Lehrer und Schriftsteller E h a m a i d e s, er sprach am offenen Grabe und versuchte den Lebensgang des Verblichenen und den Dornenweg, die harten Schicksalsschläge und die Enttäuschungen des Vaters zu schildern, dessen einzige Hoffnung und seinen einzigen Trost wir jetzt ins Grab senken; „ein Märtyrer, ein zweiter Hiob ist dieser arme, kranke und gramgebeugte Vater", rief der Redner mit schluchzender und bewegter Stimme. Kein Auge blieb thränenleer. Nachdem das Grab geschlossen und Obercantor Oesterreicher das Li molk raebmim recitirte, verließ die tiefergriffene Versammlung der Leidtragenden den Gottesacker. 1. W—m—r. Wien. Am 24 v. M. starb hier, wo er sich vorübergehend aufhielt, Dr. Salomon Mandelkern, ein Gelehrter von internationalem Rufe, der seit Jahrzehnten in Leipzig wirkte. Er studirte in Petersburg (als geborener Russe), wurde Rabbiner in Odessa, wo er auch inristischen Studien oblag, und begab sich später nach Leipzig und Jena; an letzterer Universität erwarb er den philosophischen Doctorgrad. Im Jahre 1881 zog er sich ins Privatleben zurück. Mandelkern hatte große Erfolge als neuhebräischer Dichter und Schriftsteller. Auch brachte er das schwere Kunststück fertig, Werke unserer großen neuzeitlichen Dichter in der Sprache des Alten Testamentes wiederzugeben. Er schrieb eine Geschichte Rußlands und gab anerkannt vortreffliche russische Lehrbücher, Grammatiken und lexikalische Werke heraus. Sein Hauptwerk ist aber die „Hebräisch-chaldäische Concordanz des Alten Testamentes", ein Werk jahrzehntelangen minutiösesten Gelehrtenfleißes. Wien. (Kranken-, Witwenu. Wais en - UnterstützuNgs-Verein »Ofiesaä sefiel eures".) Der von dieser rührigen Vereinsleitung ins Leben gerufene Witwen- und Waisenfond geht seiner Finalisirung entgegen, nachdem sich nahezu sämmtliche Mitglieder des Vereines bereit erklärten, dem Witwen- und Waisenfonde beizutreten, und wird dieser gemeinnützige Verein damit um eine segensreiche Institution reicher. In der letzten Ausschußsitzung wurde die Abhaltung einer Matinee am Pfingstmontag im Deutschen Bolkstheater beschloffen und soll der Reingewinn derselben zur Stärkung des Reservefondes des Vereines dienen. Die langjährigen und verdienstvollen Vorstandsmitglieder Herr Sigmund Schickler und Herr Josef Neumann wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Wien. (Firma Adolph und B. Hofbauer.) Diese bekannte Modewaarenfirma, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Zoller'schen Stiftungshause, I., Tuchlauben Nr. 24 bis 26 (Winterbierhaus) etablirt war, übersiedelt wegen Umbau nach I., Bauernmarkt Nr. 10, um nach Vollendung des Neubaues, der nach Angabe und den Bedürfnissen dieser Firma entsprechend aufgeführt werden wird, wieder in dasselbe zurückzukehren. Wie es bei einem so alten Geschäfte nicht anders möglich ist, häufen sich im Laufe der Jahre viele Artikel, sowohl in Seidenals auch in Modewaaren aller Art, welche ins provisorische Local nicht mitgenommen werden, sondern noch im Tuchlauben-Local so rasch als möglich zu besonders reducirten Preisen verkauft werden, da die Demolirung demnächst beginnt. Siffek. Am 23. v. M. beging Herr Sanitätsrath Doctor Heinrich Fürst, Chefarzt des Hospitals und Stadtphysicus, eine seltsame Festlichkeit aus Anlaß seiner Ernennung zum ersten Ehrenmitgliede der hiesigen Chewra-Kadischa. Herr Dr. Fürst, der in nunmehr bereits 34jährizer Thätigkeit rastlos für diesen Verein gewirkt hat. hat auch noch das ganz besondere Verdienst, zur Zeit die erste Anregung zur Begründung eines derartigen Vereines in hiesiger Gemeinde gegeben zu haben. Die Gratulanten, vom Herrn Präsidenten Franz Weiß und den Herren Wilhelm Reich und Moritz Flesch geleitet, überreichten dem Jubilar ein von der renommirten Firma S. Jünker, hier, kunstvollst ausgeführtes Ehrendiplom, ebenso in Anerkennung seiner großen Verdienste um die hiesige Chewra-Kadischa ein ehrenvolles Geschenk in der Form einer prächtigen, silbernen Menorad. — Am 18. v. M. fand hier die Beerdigung des Herrn Leopold K r o nfeld, Oberlieutenant in der Reserve, mit der besonderen militärischen Ehrung statt, indem dem Trauerzuge eine Ehrencompagnie voranging und das gesammte, hier stationirte Officierscorps, mit dem Oberstlieutenant an der Spitze, sich daran betheiligte. Der Verstorbene gehörte zu den ersten jüdischen Officieren der österreichischen Armee, hatte mehrere Feldzüge mitgemacht. Der hiesige Bezirksrabbiner Herr Doctor Brettholz entrollte das Lebensbild des Heimgegangenen in höchst ergreifender Weise. — Am 6. April d. I. begeht der hier allbeliebte Doctor B r e t t h o l z, Bezirksrobbiner in Siffek, das Fest seiner Vermählung mit Fräulein Rosa Planer, einer Tochter des hiesigen Großkaufmannes und Gutsbesitzers Herrn Carl Planer. Prag. Sehr geehrter Herr Redacteur! Ueber das Capitel Staatsgrundgesetz mit Bezug auf die Israeliten ließen sich, was Rechte anbelangt, ganze Berge von Bögen schreiben. Hier ein craffer Fall! Der vorzüglich qualificirte Techniker A. W. in Bubna, aus anständiger Familie, macht alle Staatsprüfungen mit bestem Erfolge und bewirbt sich um einen der von der Statthalterei in Prag ausgeschriebenen Posten. Nach langem Warten bekommt er vom Oberbaurath R. den ostentativ gesprochenen Bescheid, den — Taufschein vorzulegen. Sieht das nicht wie Seelenfängerei aus, oder ist die Statthalterei eine Dependence des Metropolitancapitels? Hochachtungsvoll S. B. Pilsen. Nach fast einjährigem Krankenlager starb am 29. März Herr Salomon Kohn, Gründer und Senior-Chef der Firma Joachim Kohn Sohn, im Alter von 85 Jahren, einer der hervorragendsten Industriellen der hiesigen Stadt. Prostnitz. (Drei Convertiten.) Ein sehr heikles Thema beschäftigt die hiesige Judenschaft in höchst unliebsamer Weise. In der letzten Zeit haben nämlich drei junge Leute convertirt, was in jüdischen Kreisen peinliches Aufsehen erregt. Kolin. Herr Heinrich Polacek in Kolin, ein langjähriger Freund und Correspondent unseres Blattes, verlobte seine Tochter Anna mit Herrn Alfred Grünfeld, Beamten der k. k. Priv. Böhm. Unionbank in Prag. Klattau. Der hiesige Chorgesangs- und Geselligkeitsverein veranstaltete am 23. März d. I. eine zahlreich besuchte Purim-Unterhaltung, die zur allgemeinen Befriedigung verlies. In den Haupterfolg des Abends theilten sich der außerordentlich beliebte und hoch talentirte Obercantor Herr Leo K o r n i tz e r und seine Gattin Frau Kornitzer, deren treffliche Gesangsvor-