Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 230 Dr. Bloch's Wochonschrifi. Nr. 14 sind sie zusammengenomwen, ehrenhaft, nüchtern und moralisch... Ich wiederhole es noch einmal: es ist unmöglich, das zu überschätzen, was wir der Großherzigkeit der Juden verdanken. Antwerpen. Der neunte Jahresbericht des Israelitischen Unterstützungsvereins (Oaisse Israelit de Secours) für das Jahr 1901 gibt in einer statistischen Uebersicht ein deutliches Bild von der stetig wachsenden Wohlfahrtsthätigkeit des Vereins, dessen Unterstützungsaufwendungen von Frcs. 5087'90 im Jahre 1894 auf Frcs. 10.91785 im Berichtsjahre gestiegen sind. Obgleich der Verein große Aufwendungen für die hiesigen Armen gemacht hat, konnte er doch nicht die Unterstützung der Durchreisenden einschränken, denn gar viele Arme kehrten aus England und Amerika zurück, die wegen Krankheit oder Arbeitslosigkeit die Rückwanderung antreten mußten. An hiesige Unterstützungsbedürftige wurde vertheilt: Kohlen für 393 60, Kartoffel 405 37, Mozzoth 485 80, in Baarem 3963 25 und an den hiesigen israelitischen Witwen- und Waisenverein 300 Frcs. Die übrige Summe wurde zur Unterstützung von 1418 Durchreisenden verwendet. Davon waren aus: Rußland 694, Oesterreich - Ungarn 395, Rumänien 117, Holland 101, Deutschland 45, Türkei 27, Frankreich 13, Algier 8, Amerika 6, Afrika 4, Belgien und Italien je 3 und England 2. Da die Gesammteinnahmen sich auf Frcs. 12.787-71, die Ausgaben dagegen auf Frcs. 14100'32 beliefen, so war der Verein gezwungen, seine früheren Ersparnisse anzugreifen und 10 Lütticher Lose im Betrage von Frcs. 914 zu verkaufen. Unter den im Berichtsjahre zahlenden 364 Mitgliedern waren nur 9 auswärtige. An der Spitze dieses zum Heil der Armen wirkenden Instituts stehen die Herren: Ch. Horn, S. Parser, N. R. Beffie und G. Landsberg. L. Pinsk. Pinsk ist eine der gewerbreichsten Städte des Nordwestens von Rußland. Man zählt dort zehn Eisenhütten, welche 4000 Arbeiter beschäftigen, von denen 2000 Juden sind. Die bedeutendsten Eisenhütten gehören Juden. In den Eisenhütten, wo die Handarbeit durch die Maschinen ersetzt ist, sind fast alle Arbeiter Christen. - Man hat auch gefunden, daß der Verdienst des jüdischen Arbeiters im Allgemeinen unter demjenigen des christlichen Arbeiters steht. Während elfterer besonders in den Sägemühlen, den Kerzen- und Zündholzfabriken beschäftigt, nur 3 bis 7 Rubel die Woche verdient, kann es letzterer zu einem Lohne von 15 Rubeln bei den Rhedern und in den Pulverfabriken bringen, wo die Arbeiter ausschließlich Christen find. Dasselbe ist der Fall bei der Arbeit der Frauen. Der Lohn der jüdischen Arbeiterinnen schwankt zwischen 1. R. 20 und R. 2.50 die Woche, derjenige der christlichen Arbeiterinnen zwischen R. 1.20 und 3 Rubeln. In den Hütten, wo die Arbeiter fast alle Juden sind, beobachtet man den Sabbath. Die jüdischen Arbeiter von Pinsk haben nicht eine Schule zu ihrer Verfügung, die ihnen gestattet, sich technische Kenntniffe zu erwerben. Fünfzig Procent unter ihnen können sogar nicht lesen. Der Talmud- Thora ist in dieser Stadt eine Werkstätte angegliedert, wo die Zöglinge das Schlofferhandwerk erlernen können; aber diese Unterweisung ist so gering, daß sie kaum Dienste leistet. Seit 1897 hat man in Pinsk Abendkurse eingerichtet. Im Jahrgang 1898/99 waren diese Curse von 52 Arbeitern, von denen vier Fünftel Juden waren, besucht. Petersburg. (DiedreiBertheidigerBlondes), die Rechtsanwälte Grusenberg. Mironow und Spaffowitsch werden jetzt in juristischen Kreisen als Vorkämpfer für Recht und Gerechtigkeit sehr gefeiert. Nachdem ihnen gleich am Abend nach erfolgter Freisprechung Blondes die Wilnaer Anwaltskammer ein Festeffen gegeben hat, auf dem der Sieg des Lichtes und der Aufklärung über die Finsterniß und die Verdummung in schwungvollen Reden gefeiert wurde, wurde ihnen zu Ehren ein gleiches Fest von der Petersburger Anwaltskammer veranstaltet. Der gefeierte christliche Anwalt Spaffowitsch brachte bei dieser Gelegenheit einen Toast auf die ihrem Volke treugebliebenen Juden aus. Die aus dem Judenthum Ausgetretenen. meinte Rußlands gefeierter Anwalt, sind wahrlich nicht die besten Juden. Die bessern Elemente im Judenthume bleiben ihrem Volke treu. Rechtsanwalt Basunow feierte den Sieg Blondes als einen großen Sieg des gesammten russischen Volkes, dem die Schmach einer im 20. Jahrhundert erfolgten Verurteilung wegen Ritualmord erspart worden ist. Petersburg. (Die Juden als Aerzte.) Im russischen „Wratsch", dem officiellen Organ der russischen Aerzte. theilt Dr. Turowski mit. daß zwei Drittel aller in Rußland Privatproxis treibenden Aerzte Juden sind. Die Juden sind auf Privatpraxis angewiesen, weil die Behörden, staatliche wie communale und landschaftliche, principiell keinen jüdischen Arzt anstellen. Es ist dieses namentlich von den Organen der Selbstverwaltung sehr bedauerlich, welche, selber auf dem Boden des Liberalismus entstanden, dennoch sich nicht entblöden, in ihren Inseraten ausdrücklich christliche Aerzte zu suchen. Gegen diesen Unfug hat der gefeierte Petersburger Professor Shbankow. derselbe, der auf dem Moskauer Aerztecongreß die unbeschränkte Zulassung aller jüdischen Abiturienten zum medicinischen Studium gefordert hat, feierlich protestirt, allein seine Stimme blieb vorläufig vereinzelt, und es ist umsomehr die Pflicht aller christlichen russischen Aerzte, sich dem Protest des Professor Sbhankow anzuschließen, als die medicinische Wissenschaft den Juden eine große Reihe bahnbrechender Entdeckungen verdankt. Als Arzt und Mensch steht der Jude dem christlichen College« in nichts nach, das Volk bringt den jüdischen Aerzten das größte Vertrauen entgegen und füllen ihre Polikliniken und Ambulatorien und auch die wenigen noch verbliebenen jüdischen Militärärzte genießen überall die Achtung und das Vertrauen der Officiere und der Soldaten in außerordentlich hohem Grade. Die Stimme des Dr. Turowski wird aber wie die des Professor Shbankow so lange eine Stimme in der Wüste verbleiben, bis die Expedition des „Wratsch" sich entschließt, den „christliche Aerzte" suchenden Inseraten der Organe der Selbstverwaltung die Aufnahme zu versagen. Vorn in die Redaction Artikel von Shbankow und Turowski für und hinten in der Expedition Inserate gegen die jüdischen Aerzte aufzunehmen, ist zum mindestens inkonsequent. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn kaiserl. Rathes Josef L ö w y: Bon Frau Mathilde Löwy, I., Schellinggasse 3, K 20; von Familie Löwy, IX., Berggaffe 31, L 20. Zusammen X 40. Für weiland Regine Breuer: Von Herrn Dr. S. Breuer, III., Marxergasfe 15, X 6; von Eda, Edi und Hans Singer, XIX., Pokornygaffe 3, X 2; von Herren Dr. Arnold und Dr. Rudolf Beck, I., Schottenhof. L 10; von Herrn S. Frey und Familie, II., Kleine Schiffgasse 2. L 10; von Herrn und Frau Rudolf Pollak, I., Jasomirgottgasse 6, X 4; von Herrn Jacob Landesberg, III., Marxergasse 15, X 5. Zusammen X 37. Wien. (O r ge l-Co n c e r t Prof. Storch.) Mittwoch den 26. März, Abends 7*/r Uhr, fand im Musikvereinssaale das Concert des bekannten und beliebten Orgelvirtuosen Prof. S. Storch unter Mitwirkung der brillanten Pianistin Frl. Gisela Springer und der vorzüglichen Sängerin Frl. Therese Großmann statt. Lossen wir den Damen den Vorzug, so constatiren wir, daß Beide wirklich Vorzügliches boten und wesentlich zum Gelingen des Ganzen beitrugen. Die Leistungen des Herrn Prof. Storch als Musiker und Meister des Orgelspiels sind am hiesigen Platze seit Jahren bestens bekannt. Doch fühlen wir uns veranlaßt, Herrn Storch für die ganz außerordentlich künstlerisch durchgeführte Fuge mit Präludium von I. S. Bach speciellen Dank aussprechen zu müssen. Herr Storch bewährte sich, wie stets, auch in diesem seinem Concerte als sonveräner Beherrscher der Orgel und macht der Bildungsanstalt, aus welcher er hervvrgegangen, dem israelitischen Blindeninstitute, wahrhafte Ehre. Der Concertsaal war von Mitgliedern der besten Kreise unserer Gesellschaft besucht und brachte sowohl dem Concertveranstalter wie den beiden mitwirkenden Damen vollen künstlerischen Erfolg. Wien. (Trauung.) Am 30. März l. I. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Laura Rubin, Tochter des Herrn David Rubin, Musikdirektor am Tempel in Prag, mit Herrn Bernhard Stöffel statt. Prediger Dr. Gelbhaus, welcher dieselbe vollzog, wies in seiner erhebenden Rede die Braut auf die religiöse und ideale Lebensführung ihrer Eltern hin, wobei er die musikalifch-synagogalen Schöpfungen ihres Vaters rühmend erwähnte. Ein große Schaar von Gästen war erschienen, unter denen man die Herren Advocat Dr. Albert Mayer, Advocat Dr. Schuelhof, Obercantor B6la Guttmann, Professor Dr. Nathan Grün aus Prag bemerkte. Obercantor Kläger, unterstützt von seinem gutgeschulten Chor unter Leitung des Cantors Pekarnik, trug die Gesänge in vorzüglicher Weise vor.