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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Dv. Bloch's WvchenMrrifl« Sette 329 nahmen des Fonds mit 102.441 K, die Ausgaben mit 101.176 K. Sämmtliche Ansätze desselben wurden im Einzelnen und Ganzen unverändert angenommen. Bei der Post Bildungs- und Humanitätsanstalten (8000 K) wurden die Beiträge für mehrere solcher Anstalten und Vereine erhöht, und zwar: Israelitisches Proseminar von 600 auf 800 K, Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein von 200 aus 500 K, Israelitischer Freitischverein in Brünn von 100 auf 200 K, Stellenvermittlungsabtheilung des Vereines „Emunah" in Brünn von 50 auf i.00 K. Herr Delegirter Löbl beantragte die Erhöhung der für Gemeindeunterstützungen präliminirten Summe von 25.000 K auf 30.000 K, was aber vom Curatorium für unmöglich erklärt wurde, weil die verfügbaren Mittel hierfür nicht ausreichen und sonst andere Posten einen entsprechenden Abbruch erleiden müßten. Herr Bittner beschwerte sich über den Abstrich der Personalunterstützungen bei einigen Cantoren, worüber der Mährische Cantorenverein an die Delegirtenversammlung eine schriftliche Beschwerde gerichtet habe. Das Curatorium erklärte, daß die Verleihung von Personalunterstützungen nicht in die Competenz der Delegirtenversammlung falle, daher diese Eingabe derselben nicht vorzulegen sei. Uebrigens wurden die Beschwerdeführer fast durchwegs wieder berücksichtigt. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl der Revisoren werden die Herren Heinrich Bittner, G. Fischer und G. Tandler einstimmig wiedergewählt. Es wurde hierauf zur Berathung der vom Curatorium vorgeschlagenen Statutenänderungen übergegangen, die der Berichterstatter Herr Dr. Körner in einem eingehenden Referate motivirte. Da jedoch die Zeit für eine so umfangreiche Berathung zu weit vorgeschritten war, wurde beschlossen, innerhalb kurzer Frist eine außerordentliche Delegirtenversammlung lediglich zu diesem Zwecke einzuberufen. Nachdem der Vorsitzende den Anwesenden für ihr Erscheinen und die aufmerksame Theilnähme an den Verhandlungen gedankt hatte, sprach die Versammlung dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Berathungen den Dank und die Anerkennung aus, womit die Sitzung geschlossen wurde. Beßprim. (Jubiläum des Veßprimer israelitischen Frauenvereins.) Der Veßprimer israelitische Frauenverein, der seit 50 Jahren eine segensreiche Thätigkeit entfaltet, beging, wie man uns telegraphisch berichtet, das Jubiläum seines halbhundertjährigen Bestandes in solenner Weise. Die schöne Feier begann mit einem Dankgottesdienste, welcher um 11 Uhr Vormittags in der bis zum letzten Plätzchen gefüllten Synagoge veranstaltet wurde. Außer den Mitgliedern des Humanitären israelitischen Vereins hatte sich zu dem Gottesdienste ein zahlreiches und distinguirtes Publicum eingefunden, u. A.: Reichstagsabgeordneter Dr. Franz Oväry, kön.-öff. Notar Doctor Moriz Keneffey, Honorär-Comitatsobernotär Dr. Koloman Vghely, Stuhlrichter Franz Doktorics, Dr. Bsla Csomaß, Stadthauptmann Anton Fejes rc. Deputationen hatten entsendet: der Veßprimer wohlthätige Frauenverein unter Führung der Witwe Desider Bäghely, die Veßprimer Filiale des Vereines vom Rothen Kreuz, der Hilfsverein der ev.-ref. Mädchenschule unter Führung der Frau Alexander Koller und das Honvsd-Officierscorps unter Führung des Oberstlieutenants Ambrus v. Badäßy. Die Galerien waren von einem eleganten Damenpublicum occupirt. Nach einem Psalm und einem Dankgebet, das vom Obercantor Mohr unter Begleitung des Tempelchors vorgetragen wurde, bestieg der in Beßprim äußerst populäre Ofener Oberrabbiner Dr. Arnold Kiss, der früher bekanntlich Oberrabbi von Beßprim war, die Kanzel und hielt eine poetisch schwungvolle Rede, in welcher er das Herz des Weibes verherrlichte, welches das Bedürfniß empfindet, Gutes zu thun, Barmherzigkeit zu üben. Er segnete den jubilirenden Verein, der seit 50 Jahren viel Noth gelindert, viel Zähren getrocknet, viele Arme unterstützt und getröstet hat. Ein Chorgesang bildete den Schluß des Dankgottesdienstes. Um 3 Uhr Nachmittags hielt der Verein im Rathssaale der Beßprimer israelitischen Cultusgemeinde eine Festsitzung. Zu derselben hatten sich u. A. Vicegespan Joseph v. Kolosväry, Comitatsobernotär Alexander Koller, Honorär-Comitatsobernotär. Doctor Koloman Beghely, Abgeordneter Dr. Franz Oväry, der Bürgermeister der Stadt Beßprim Georg Szeglethy und der A. ev. Seelsorger Horvath eingefunden. Sämmtliche Frauenvereine der Stadt entsandten zu der Festsitzung Deputationen. Den Vorsitz führte Frau Alexius Weiß, welche die Versammlung mit einigen schwungvollen Worten eröffnete und den Anwesenden für ihr Erscheinen herzlichen Dank sagte. Nach der mit Eljenrufen aufgenommenen Rede erstattete der Secretär Dr. Eduard R6thi seinen Bericht, welcher die Geschichte des Vereins ausführlich behandelt und auf die humanitäre Thätigkeit desselben hinweist. Der schöne Bericht wurde mit großem Beifall ausgenommen, und die Anwesenden belohnten den Secretär mit brausenden Eljenrufen. Sodann wurden Frau Rudolf Rothaufer, Frau Ignaz Rothauser, Frau Alexius Weiß, Frau Eduard Weiß, Gabriel Breuer, Ferdinand Rosenthal, Dr. Eduard Rethi und Obergespan Dr. Franz Fenyvessy zu Ehrenmitgliedern gewählt. Frau Alexius Weiß schloß die Festsitzung mit einer kurzen Rede. Obergespan Franz Fenyvessy richtete an den Verein ein Begrüßungsschreiben, seinem Bedauern Ausdruck gebend, daß er wegen amtlicher Angelegenheiten verreisen mußte und an dem schönen Feste nicht persönlich theilnehmen könne. Begrüßungsdepeschen sandten die Frauenvereine von Kaposvär, Großkanizsa, Ofen, Päpa, Bärpalota, Keßthely, Tapolcza, außerdem langten auch noch von etwa hundert Privatpersonen Telegramme ein. Aus Stuhlweißenburg erhielt der jubilirende Verein ein kostbares Geschenk. Bukarest. (Die jüdischen Handwerker in Rum änien.) Bekanntlich ist in letzterer Zeit unter den jüdischen Handwerkstreibenden in Rumänien infolge neuer drückender gewerbegesetzlicher Bestimmungen eine starke Auswanderungsbewegung zur Geltung gekommen. Wie nun das „ Bukarests Tagblatt" mittheilt, hat der Vertreter der Pariser „Alliance Jsraslite", Herr Astruc. den Notablen der Bukarester jüdischen Gemeinde erklärt, daß die „Alliance" wohl fortfahren werde, die philanthropischen und eulturellen Institute der Juden des Landes zu unterstützen, daß sie sich aber in der materiellen Unmöglichkeit befinde, die Auswanderung weiter zu begünstigen. Diese Nachricht hatte bei ihrem Bekanntwerden unter den jüdischen Handwerkern große Betrübniß hervorgerufen, war aber nicht im Stande, den festen Entschluß der Leute, das Land zu verlassen, zu erschüttern. Die Auswanderungen werden von den jüdischen Professionisten mit ihren eigenen Mitteln, soweit dieselben vorhanden sind, fortgesetzt werden. Biele der Emigranten bekommen von Angehörigen, die in Nordamerika bereits Arbeit und Verdienst gefunden haben, die Billete für die Fahrt, sowie die nothwendigsten Reisespesen zugestellt. Kürzlich sind aus Bukarest allein vierzig jüdische Handwerkerfamilien nach Shanghai abgereist und bald darauf sollten weitere sechzig Familien nach Nordamerika auswandern. Berlin. Die „Bossische Zeitung" schreibt: Universitätsvrofessor (Titularprofessor) Dr. Hermann Oppenheim, Pcivatdocent für Nervenheilkunde an der hiesigen Universität, hat seine Docentur niedergelegt. Bon allgemeinerem Jnteresie sind die Umstände, unter denen Dr. Oppenheim's Rücktritt von der Lehrthätigkeit erfolgt ist. Dr. Oppenheim der seit 1886 Privatdocent ist, wurde (zweimal) einstimmig von der medicinischen Facultät dem Cultusministerium zur Beförderung zum außerordentlichen Professor vorgeschlagen. Der Cultusminister hat sich aber nicht veranlaßt gesehen, auf diesen Vorschlag der medicinischen Facultät einzugehen. Darin sieht Dr. Oppenheim eine Beeinträchtigung, und zwar besonders deswegen, weil eben dieselbe Univerfitätsverwaltung, die ihm jetzt die von der medicinischen Facultät befürwortete Ernennung zum außerordentlichen Professor verweigert, ihn vor zwölf bis vierzehn Jahren, als der damalige Leiter der Irren- und Nervenklinik der Charite Karl Westphal durch Krankheit an der Ausübung der Lehrthätigkeit verhindert war, mit der Ertheilung des klinischen Unterrichts in der Nervenheilkunde betraute. So weit die „Bossische Zeitung". Wir haben nichts hinzuzufügen. Hamburg. Eine echte und rechte Ehrenerklärung hat der Honourable Sydney Holland, Vorsitzender des Curatoriums des „London Hospital", den Juden gegeben. Ein Londoner Journalist hatte abfällig über die vielen armen Besucher der im Hospital untergebrachten jüdischen Patienten in einem Londoner Blatte geschrieben. Nachdem Honourable Sydney Holland dem Journalisten Oberflächlichkeit nachgewiesen, fuhr er fort: „Ich benutze gern diese Gelegenheit, um in weitester Oeffentlichkeit die enorme Unterstützung anzuerkennen, die wir Mitgliedern der jüdischen Gemeinde verdanken. Ich würde Sie langweilen, wollte ich die vielen Beispiele aufzählen, die ich aufzählen könnte; eines schon wird genügen. Unsere neuen Operationssäle, welche die schönsten in Großbritannien und wahrscheinlich in der ganzen Welt sein werden, find dem Hospital von einem Juden geschenkt worden. Er hat nur zwei Bedingungen gestellt: die eine, daß sie Allen ohne Unterschied des Standes und des Glaubens zugänglich sein sollen, die andere, daß der Geber anonym bleibe. Ich weiß wohl, daß die Juden, welche in der Nähe dieses Hospitals wohnen, entsetzlich arm find, aber nach allen meinen Informationen

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