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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-04-04 · 14 (4.4.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 227 dagegen gleichen Höhepunkten, von welchen aus das Ganze des Judenthums am Untrüglichsten überblickt und beurtheilt werden kann/ „Jede Erscheinung darf den Anspruch erheben, daß man sie kenne, bevor man über sie urtheilt. Eine Religion ist zu dieser Forderung vorzugsweise berechtigt. Das Judenthum aber hat sich dieses Rechtes selten oder gar nicht zu erfreuen. Es wird gewöhnlich nur als Folie benützt. Für diesen Gebrauch genügt es allerdings, ist es sogar vortheilhaft, nur eine oberflächliche und selbst gar keine Kenntniß vom Judenthum zu besitzen. Ob es aber bei dieser herkömmlichen Rolle sich bescheiden muß, darüber dürfte die vorliegende Darstellung Aufschluß geben/ „Von der Polemik habe ich mich fern gehalten. Diese Schrift ist keine Streitschrift. Daß ich hie und da Ansichten im Judenthum, die ich für unbegründet halte, mit Gründen entgegentrete, berechtigt nicht dazu, ihr diese Benennung beizulegen. Ich habe ganz einfach das Bedürfniß gefühlt, auszusprechen, was das Judenthum ist, und dieses Bedürfniß ist um so erklärlicher, je häufiger das Judenthum als etwas hingestellt wird, was es nicht ist/ „In den Schlamm der frivolen Entstellungen und Verunglimpfungen des Judenthums hinabzusteigen, der zwar ein gutes Theil von dem Bette ausfüllt, in dem unsere gegenwärtige Culturperiode sich — soll man sagen vorwärts, oder rückwärts? — bewegt, habe ich schon aus Rücksicht auf den Leser vermieden. Man kommt nicht reinlich dabei weg. Gibt es nach der Meinung des althebräischen Spruchdichters eine Zeit, den Thoren zu antworten, so gibt es der Ansicht desselben Dichters zufolge auch eine, sie mit Stillschweigen zu übergehen. Das Letztere schien mir wenigstens für diese Darstellung sich zu empfehlen." So weit der Autor in der Vorrede. Im Interesse des Judenthums wäre eine weite Verbreitung dieser Schrift aufrichtig zu wünschen. Wien- (D er 70. Geburtstag desHerren Hausmitgliedes Hofrathes Gomperz.) In voller geistiger und körperlicher Frische beging am 29. v. M. der Altmeister der elastischen Philologen in Oesterreich. Hofrath Prost ssor Dr. Theodor Gomperz, seinen 70. Geburtstag. Der Gelehrte, welcher bekanntlich noch vor Erreichung der Altersgrenze von seinem Lehramte zurückgetreten ist, war an diesem Tage der Gegenstand vielfacher Ehrungen, sowohl seitens seiner Schüler als auch der Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied der Forscher ist. Hofrath Professor Dr. Theodor Gomperz, der bekanntlich dem österreichischen Herrenhause angehört, ist Besitzer des Ehrenzeichens für Kunst und Wissenschaft, correfpondirendes Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Petersburg und der Academie des inscriptions et heiles lettres in Paris und Ehrendocior der Dubliner Universität. Theodor Gomperz ist am 29. März 1832 ^zu Brünn geboren als Sprößling einer aus den Niederlanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eingewanderten Familie, die das damals den Juden noch verwehrte Niederlassungsrecht ausnahmsweise erhalten hatte. Dem Brünner Gymnasium und der dortigen etwa unserer Prima entsprechenden Lehranstalt „Philosophie" verdankt Gomperz seine classische philosophische Grundrichtung, die durch Bonitz auf der Universität Wien, wo er 1849 als Siebzehnjähriger eintras, reiche Nahrung erhielt. Aber sein universeller Kopf ließ sich nicht in eine einzige wissenschaftliche Richtung einspannen. Es ist erstaunlich, was der junge Student damals alles nebeneinander und nacheinander getrieben hat: classische, moderne, orientalische Sprachen bis zu den Idiomen Ostasiens, daneben Mathematik und Naturwissenschaften. Mancher seiner Verwandten und Lehrer wird den Kopf geschüttelt haben, was aus dem Polyhistor werden solle. Ja, als er 1854 nach Leipzig übersiedelte, um seine philologische Ausbildung unter Otto Jahn nach der realen Seite hin zu erweitern und abzuschließen, dort aber in den literarischen Kreis Julian Schmidt's und Gustav Freytag's gerieth und dadurch Gelegenheit erhielt, als Biceredacteur der „Grenzboten" zu wirken und — zu leiden (ein Artikel über die Königin von Spanien zog ihm eine Gefängnißstrafe zu, die später in eine Geldstrafe umgewandelt wurde), da mochte er Vielen als Apostat der Wissenschaft gelten. Aber in Wirklichkeit sind alle diese scheinbaren Umwege und Abwege dem Lebenswerke des Gelehrten nur zu Gute gekommen. Und gerade in der vielbewegten Leipziger Zeit trat ein Ereigniß ein, das für seine geistige Entwicklung entscheidend werden sollte. Es fiel ihm eines Tages I. St. Mill's Logik in die Hände. Dies Buch begeisterte ihn so, daß er sofort eine Uebersetzung begann, welche die später von ihm ins Werk gesetzte Verdeutschung von Mill's Schriften einleitete und ihn mit dem englischen Philosophen in enge freundschaftliche Berührung brachte. Bei den hierdurch veranlagten wiederholten Besuchen in England lernte er den Historiker Grote, den Romanschriftsteller Bulwer und in Wien dessen Sohi^ Lord Robert Lytton, und den amerikanischen Historiker I. Motley kennen. Der Pofitivismus Mill's brachte ihn auch mit dem Biographen Comte's, dem französischen Akademiker Littre, in Berührung, dem das erste Heft der „Herkulanischen Studien" 1865 gewidmet ist. Dies Heft enthält die erste Veröffentlichung der Philodem'fchen Schrift über die Jnductionsfchlüsse, das ihn, den Schüler Mill's, besonders angezogen hatte. Jenes Problem hatte ihn damals auf die Herkulanischen Rollen überhaupt geführt, die seiner unermüdlichen Akribie, verbunden mit glänzendem divinatorischen Scharfsinn, die erste methodische Bearbeitung verdanken. So war auf dem Umweg über die modernste Philosophie aus dem scheinbar ins Allgemeinste sich verlierenden Journalisten, der noch im Anfang der Sechziger-Jahre als Correspondent einer Wiener Zeitung in Budapest thätig war, mit einem Schlage ein anerkannter, den strengsten Ansprüchen der Wissenschaftlichkeit genügender Fachgelehrter geworden. Die Zeit der Ernte begann. Von seiner Habilitirung an der Wiener Universität (1867) an betheiligte er sich lebhaft an fast allen Fragen, welche die Wissenschaft des Hellenismus stellte. Rasch stieg er in alle Stufen und Ehren der Universitätslaufbahn empor. Nachdem sich ihm bald auch die Pforten der Akademie erschlossen, weisen die Wiener Sitzungsberichte Jahr für Jahr Arbeiten von ihm auf, die durch ihre umfassende Gelehrsamkeit, ihren weiten Blick und ihre seltene Formvollendung eine Zierde der Wissenschaft sind. Aber alle diese philologischen Monographien waren für seine rastlos vorwärts strebende Natur nur Etappen zu dem großen, selbstgesteckten Ziele, das seine glänzenden Universitätsvorlesungen über die Geschichte der griechischen Philosophie bereits ahnen ließen. Eine Anregung des Verlegers (Veit in Leipzig) löste endlich im Jahre 1888 diese latente Kraft aus. Er entschloß sich, ein auf mehrere Bände berechnetes, für den weiteren Kreis der Gebildeten bestimmtes Buch zu schreiben, dem er den Titel „Griechische Denker" gab. Während soeben der zweite Band fertige stellt wird, ist der erste (1896 erschienen) bereits vergriffen und eine zweite Auflage im Erscheinen. Uebersetzungen ins Englische und Französische beweisen, daß das Werk beginnt, ein Weltbuch zu werden. Dieser Erfolg ist berechtigt. Denn mit den Vorzügen einer leichtflüssigen und gewählten Sprache verbindet sich eine, freilich nur dem Kenner ganz sichtbare, gewaltige Forscherarbeit, welche die Zuverlässigkeit auch des Details verbürgt; zu der klaren Erfassung der antiken Grundgedanken gesellt sich eine staunenswerthe Kenntniß auch der exacten Wissenschaften, welche in modernsten Theorien den antiken Embryo nachweist. Von den Speculationen heben sich lebhaft ab die festumriffenen Persönlichkeiten der alten Denker, und diese wieder von dem meisterhaft abgetönten culturhistorischen Hintergrund. Die positivistische Grundbeftimmung des Verfassers ist zwar deutlich erkennbar und kommt der tieferen Erfassung des Heraklilismus, Atomismus und speciell der Sophistik zu gute, doch hindert sie ihn nicht, dem Idealismus Plato's gerecht zu werden. Aus dem Anlasse dieses Festes wurde ihm die von Schülern, Freunden und Collegen unter der Patronanz des Universitäts- Professors Dr. Emil Szanto herausgegebene Festschrift in prachtvollem Einbande überreicht. Die Festschrift ist von einer in lateinischer Sprache abgefaßten Adresse begleitet, die mehr als 200 Unterschriften trägt und in den Wunsch ausklingt: „Summam ut senectutem diuque in portu otii litterati omnibus dignitatis et doetrinae laudibus fruatur." Außerdem sind zahlreiche Gratulationen in der Wohnung des Jubilars eingelangt, in erster Reihe die Glückwünsche der Institute und Akademien, denen Hofrath Gomperz angehört, die Gratulationen des Unterrichtsministers Dr. v. Härtel, der mit dem Jubilar im Jahre 1873 gleichzeitig zum ordentlichen Universitäts-Professor ernannt worden ist, der Professoren österreichischer und ausländischer Universitäten, sowie der Herrenhausmitglieder. Wien. (Dr. Ad. Hofm ann's achtzigster Geburtstag.) Die große und allgemeine Verehrung, die der verdiente Jubilar in allen Kreisen der Bevölkerung genießt, fand bei der Freitag den 28. März d. I. stattgefundenen Feier des achtzigsten Geburtstages würdigen und imposanten Ausdruck. Die beste Wiener Gesellschaft vereinigte sich mit Vertretern her-

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