Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 14 (4.4.1902)
- Date
- 1902-04-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 286 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 14 ihren Leuten boten ihren Beistand an; sie arbeiteten ununterbrochen, machten nur eine kurze Pause, um ihre Mahlzeit zu sich zu nehmen und riefen mitten in der Arbeit fröhlich aus: »Heil dem Glauben Christi!“ Alles soll zur bestimmten Zeit fertig sein; und sollte es an Baumaterial fehlen, so wollen wir unsere eigenen Häuser niederreißen und das Nothwendige beschaffen, um solch' heiliges Werk zu vollenden/ Das Amphitheater war auf der »klarar Mayor-“, dem großen Platz errichtet und 190 Fuß lang und 100 Fuß breit. Es erhob sich 13 Fuß über das Niveau des Platzes. Zwei Eingänge führten hinein, einer auf der Ostseite für den Großinquisitor und einer auf der Nordseite für den König. Beide Balkone, sowohl der des Königs als auch der des Großinquisitors waren mit purpurfarbigem Damast ausgeschlagen, reich mit Teppichen geschmückt und enthielten zwei prächtige Thronseffel. Unter der Tribünne des Tribunals lagen acht Räume, von denen einige zu Gefängniffen für die Verbrecher bestimmt waren, andere zum Speisen und zur Erfrischung, einer für den Prediger und einer für den Priester, der die Messen las. Unter den Äeppen derselben Tribüne lagen weitere Räume für die niederen Geistlichen; auch konnten die Verbrecher hier eine Erfrischung zu sich nehmen, falls sie während der Ceremonie in Ohnmacht fielen, oder ihnen sonst etwas zustieß. Am Nachmittag des 28. zog ein Trupp »Glaubenssoldaten“ vom Tribunal nach der Plazuelo de Alcala, wo der Bürgermeister von Madrid, Marquis von Ugeno, eine Anzahl Reisigbündel hatte vorbereiten lassen; jeder Soldat steckte ein Bündel auf die Spitze seiner Hellebarde, uud dann gings nach dem Palast des Königs. Der Hauptmann ' des Trupps überreichte dem König auf seinem Schilde ein solches, reich mit Bändern geschmücktes Bündel. Nachdem Carlos es seiner Königin gezeigt hatte, gab er es dem Hauptmann zurück mit dem Wunsche, daß es als erstes auf dem »Brasero“ (Berbrennungsplatzl gelegt werden möge. Der Trupp zog darauf nach dem Brasero, der dreihundert Schritte von dem Thorc von Fuencarral, rechts von dem Weg nach dem gleichnamigen Dorfe errichtet war. Der Brasero war ein Bauwerk, das sechzig Fuß im Quadrat umfaßte; seine Höhe betrug vom Boden ab gerechnet sieben Fuß, und es war geräumig genug, um neben den Verbrechern auch die Scharfrichter und die Mönche, die die Opfer in ihren letzten Augenblicken mit den Tröstungen der Religion versehen sollten, bequem zu fassen. Am Vorabend des für das auto anberaumten Tages, wurden die Gefangenen aus den Häusern der Inquisitoren, wo sie theils aus Mangel an Raum in den Jnquisitionsgefängnissen, theils um sie gesondert von einander zu halten, untergebracht worden waren, nach den Jnquisitionsgefängnissen geschasst. Dann, nachdem diejenigen, die die Todesstrafe erleiden sollten, gesondert waren, 'hielt der Jnquisitionsdiaconus an jedes der Opfer folgende Ansprache: »Bruder, Dein Proceß ist von wohlunterrichteten, gelehrten Männern geprüft worden, und Dein Verbrechen ist so groß und schwer befunden, daß das Todesurtheil über Dich gefällt worden ist, um es zu sühnen. Morgen mußt Du sterben. Bereite Dich zum Tode, ich lasse Dir zu diesem Zwecke zwei Mönche hier.“ Eine Commission des Tribunals blieb die ganze Nacht hindurch wach, um solche Verbrecher zu vernehmen, die etwa reuig widerrufen und beichten wollten. Am folgenden Tage, um sieben Uhr Morgens, setzte sich die Procession vom Jnquisitionsgebäude aus in folgender Ordnung in Bewegung: Die »Glaubenssoldaten“ eröffneten den Zug; dann kam das mit einem schwarzen Flor umwundene Parochialkreuz, das von zwölf Priestern im Chorhemd begleitet wurde; es folgten nun hundertundzwanzig Opfer, von' denen fünfzig relajaäos, d. h., zum Feuertode verdammt waren, vierunddreißig in effigie und einundzwanzig in Person. Einige der Stellvertreter trugen Laden mit den Gebeinen derjenigen, die sie vorstellen sollten, andere ihre ketzerischen Schriften. Von den relajaäos, die in Person erschienen, hatten zwölf Knebel im Munde und Fesseln an den Händen. Alle waren sie von Mönchen begleitet. Hinter ihnen schritten die Ossiciere der Inquisition, in ihrer Mitte zwei Mitglieder der Congregation von San Pedro Martiz, von denen jeder einen mit einem goldenen Tuch bedeckten Kasten trug, der die Nntersuchungsacten der Berurtheilten enthielt; dann folgte eine große Anzahl von »familiäres“, meist Granden oder deren Söhne, alle hoch zu Roß. Der Generalinquisitor, auf einem prächtigen Braunen, mit Schabrake aus violettem Sammt und einem Gefolge von 12 Lakaien in Livreen aus gleichem Stoff beschloß den Zug. Eine Wache von 50 Mann in weißen Seidengewändern mit Silbertressen bildete die Escorte des Inquisitors. An ihrer Spitze ritt auf reichgeschmücktem Pferde der Marquis von Malpica, der sie befehligte. Als die Procession das Amphitheater erreicht hatte, und die Verbrecher feierlich an der Loge des Königs und der königlichen Familie vorgeführt waren, begann eine Messe, während gleichzeitig der Prediger des Königs eine Predigt hielt. Nach der Predigt wurde ein Auszug aus den Untersuchungsacten eines jeden Verbrechers und sein Urtheil verlesen. Diese Ceremonien dauerten bis 4 Uhr Nachmittags. Dann nahm einer der Jnquisitionssecretäre die relajaäos bei der Hand und übergab sie dem weltlichen Gerichtsbeamten. »Somit überantworte ich die Personen dieser Verbrecher dem weltlichen Richter“, sagte er, und bat ihn, barmherzig und mild mit ihnen zu verfahren. Hierauf wurden die Schuldigen zum Scheiterhaufen geführt, sie ritten auf Eseln, vor ihnen schritt eine Wache von „Glaubenssoldaten", hinter ihnen die weltlichen Gerichtsdiener und Henker. Der Jnquisitionssecretär folgte dem Zuge und wartete die Hinrichtung ab, um zu bezeugen, daß das Urtheil gewissenhaft vollstreckt wäre. Als die Opfer zum Scheiterhaufen kamen, wurden die Reuigen erst erdrosselt und dann verbrannt, während die Unbußfertigen lebendig den Flammen überantwortet wurden. Einige der Letzteren sprangen selber kühn ins Feuer, und es scheint, daß diese muthige That ihren Eindruck nicht verfehlte; denn unser Berichterstatter warnt vor der Gefahr, das als ein Beweis der Tapferkeit aufzufassen, was weiter nichts wäre als eine rohe That der Verzweiflung. Die Hinrichtung dauerte bis zum folgenden Morgen 9'/, Uhr. Um 4 Uhr Nachmittags setzte der Inquisitor dann die Verlesung der Urtheilssprüche der anderen Verbrecher fort und sprach die Reuigen frei. Die Ceremonie dauerte bis 9 Uhr Abends. Dies ist die Beschreibung, die Olmo von dem grausigen Fest macht, dem er in seiner Eigenschaft als Jnquisitionsofficier, als Augenzeuge beiwohnte. Die^.uto's—äe—f<§ dauerten in Spanien vom Jahre 1489, wo das erste zu Sevilla gefeiert wurde, bis zum Jahre 1813, wo das Tribunal durch die Cortes aufgehoben wurde; und nicht weniger als 341.021 Opfer haben in diesem Zeitraum die verschiedensten Strafen dabei erlitten. Das letzte auto war das autillo, das im November 1815 gegen den der Ketzerei angeklagten Geistlichen Joss Maria Morclosy Pavou abgehalten wurde. Er wurde von der Anklage wegen Ketzerei freigesprochen, wurde aber später auf Befehl des Bicekönigs wegen Hochverrats erschossen, weil er angeblich Mexiko von Spanien hatte losreißen wollen. Bei dem 1680 gefeierten auto wurden im Ganzen 12 Juden und 6 Jüdinnen verbrannt. Correspondenzen. Ein neues Buch vom Oberrabbiner Herrn Dr. Güdemann. In den nächsten Tagen erscheint im Verlage von R. Löwit, I.. Rothenthurmstraße 22 ein neues Buch aus der Feder des Herrn Oberrabbiners unter dem Titel: »Das Judenthum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen, dargestellt von Dr. M. Güdemann, Oberrabbiner in Wien.“. Circa 6 Bogen, elegant broschirt, circa 3 K 2 1, 50 Pfg. Es gereicht uns zur besonderen Genugthuung, daß wir durch die Liebenswürdigkeit der Verlagsbuchhandlung in der Lage sind, aus diesem Werke, welches zum erstenmal von dem Wesen und dem Inhalt des Judenthums eine ebenso geistvolle, gelehrte als formvollendete Darstellung bringt und darum eine der bedeutsamsten Erscheinungen der neueren jüdischen Literatur bildet, die das Buch charakterisirende Vorrede auszüglich unseren Lesern mitzutheilen: „In der vorliegenden Schrift beabsichtige ich, eine kurzgefaßte Darstellung des Judenthums und seines organischen Zusammenhanges mit der Religion des Volkes Israel zu geben. Ich habe dabei das Judenthum nicht »an und für sich“ im Auge, sondern seine Erscheinung in der Geschichte und im Leben der Juden. Deshalb habe ich auf die Darstellung der constitutiven Momente des Judenthums, die als solche in der Geschichte der Juden sich erwiesen haben, mich beschränkt, ohne mich in Einzelheiten zu verlieren. Den Einzelheiten können immer andere Einzelheiten entgegengehalten werden. Jene constitutiven Momente